ArchitekturCumulus

Learning from Vernacular*

Lernen Sie von denen, die den Weg bereits gegangen sind

Mögen Sie sich auch für noch so einzigartig halten, es hat immer jemanden gegeben, der vor Ihnen den gleichen Traum hatte und Spuren hinterlassen hat, die Ihnen den Aufstieg erleichtern können. Jemand hat Eisenhaken eingeschlagen, in die man ein Seil einklinken kann, es gibt Pfade, abgebrochene Zweige, die einem zeigen, dass dort schon jemand gegangen ist. Es ist Ihr Weg, und Sie sind für sich verantwortlich, doch vergessen Sie nie, dass die Erfahrung anderer sehr hilfreich ist.

Auszug aus Paulo Coelhos Geschichte «Handbuch für Bergsteiger»,
veröffentlicht durch Diogenes Taschenbuchverlag Zürich 2006
Literarisches Werk «Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt», Gedanken und Geschichten, S.36.

So wie sich der Bergsteiger in Paulo Coelhos Geschichte der Erfahrungen seiner Vorgänger bedient, obliegt es auch dem Architekten, aus vergangenen Architekturen zu lernen. Im Herbstsemester 2010 an der HSLU Technik und Architektur war das Lernen von vernakulären Bauten Grundlage und Zielsetzung des Entwurfsprojekts mit dem Schwerpunkt Energie. Aus der Analyse von traditionellen Wohnbauten der Schweiz und Bhutans gingen verschiedene Energiekonzepte hervor, die die Basis des Entwurfs bildeten und auf aktuelle Ansprüche angepasst in eine zeitgemässe Architektursprache transformiert wurden.

Modell meines Entwurfs
Modell meines Entwurfs „Bauen in Engelberg“ – Foto: M. Käch (HSLU)

Mein Fazit nach der Projektarbeit ist einfach und doch immer wieder viel diskutiert. Der Architekt ist nicht Erfinder, er bedient sich an den Erfahrungen seiner Vorgänger. Bereits vor etlichen Jahrhunderten waren energetische Aspekte in der Architektur und dem dazugehörigen Ort tief verankert, auch ohne teure, aufwendige Technik. Das Besinnen auf diese bereits existierenden Erfahrungen geriet in den Jahren des Fortschritts in den Hintergrund, da Technik einfache, konstruktive Mittel zu energetisch bewusstem Entwerfen verdrängten und unnötig machten. Doch ist nicht genau das ein wichtiger Bestandteil guter Architektur? Die Verbindung von regionalen Ressourcen1 mit aktuellen Ansprüchen an gebaute Räume hin zu einer Ästhetik der Nachhaltigkeit 2.

1. Regionale Ressourcen umfassen meiner Meinung nach kulturelle, natürliche, klimatische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, sowie Kenntnisse und Fähigkeiten des regionalen Handwerks und bilden gemeinsam die Identität eines Ortes.

2. Semesterprogramm der Hochschule Luzern, Fachbereich Technik und Architektur
Master of Architecture Fokus Energie Herbstsemester 2010, Seite 14  letzter Abschnitt
Einführung Semesterschwerpunkt – «Architektur und Energie: Nachhaltige Entwicklung»
Verfasser und Modulverantwortlicher des Fokus Energie 2010 – Hanspeter Bürgi

* Post «Architekturausstellung «Learning from Vernacular» in Rossinière» vom 11. Juli 2010

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