ArchitekturCumulus

Zu Gast bei „Ede“

Vor einigen Wochen stürzte ich mich in die Planung für unseren diesjährigen Büroausflug. Die Wahl des Ausflugsziels kam nicht von ungefähr. Immerhin habe ich bereits einige Zeit in dieser Stadt verbracht und denke oft an ihre Vielfältigkeit, ihren Geruch und ihre versteckte Schönheit, an ihre kauzigen aber einzigartigen Bewohner, die durch ihre unverblümte Direktheit einen ganz speziellen Charme versprühen. Das Ziel war also unverkennbar Berlin. Bereits während der Recherche für das 3-Tagesprogramm eröffneten sich ungeahnte und vor allem unzählige Möglichkeiten. Das Programm in nur drei Tage Reisezeit zu pressen, war eine grosse Herausforderung. Immer wieder sind Anlaufpunkte dazu gekommen oder von der Liste verschwunden, haben sich wieder eingeschlichen, um dann doch wieder verworfen zu werden. Nachdem das Programm stand und wir vom Basler Flughafen Richtung Berlin steuerten, machte sich bei unserer kleinen Reisegruppe eine überraschende Vorfreude breit. Und als dann über die Lautsprecher im Flugzeug die Durchsage „Willkommen im sonnigen Berlin“ erklang, begann unser Architekturmarathon durch die Hauptstadt. Wir absolvierten täglich einen fast 20 km umfassenden Stadtspaziergang durch Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Friedrichshain, Mitte, Charlottenburg und Moabit, um nur die wichtigsten Gebiete zu nennen. Zu den Programmpunkten gehörten neben den Klassikern wie dem Neuen Museum, einigen besonders hervorstechenden Botschaftsbauten, dem Bebelplatz, dem Jüdischen Museum und dem Fernsehturm auf dem Alexanderplatz auch einige verborgene Schätze, wie das Tacheles Areal, Clärchens Ballhaus, die Ruine des Franziskanerklosters und verschiedene der beeindruckenden Schinkelwerke, wie die Elisabethkirche. Wir durchstreiften einige der vielen Siedlungen der Moderne, von Architekten wie Mies van der Rohe, Bruno und Max Taut, sowie das Hansaviertel, als auch alte Markthallen voller Charme und natürlich aktuelle Neu- und Umbauten, welche die Vielseitigkeit der Berliner Architekturgeschichte fortschreiben.

Siedlung Schillerpark - Erstes großstädtisches Wohnprojekt von Bruno Taut 1924-30
Siedlung Schillerpark – Erstes großstädtisches Wohnprojekt von Bruno Taut 1924-30

Unzählige Eindrücke machten sich breit, positive, humorvolle aber auch bedrückende, wie sie die Berliner Geschichte mit sich bringt. Der Umgang mit dieser bewegten Geschichte ist in Berlin besonders schwierig händelbar und doch auf eine feinfühlige und eindrucksvolle Weise umgesetzt worden. Wenn man sich auf diese Reise in die Geschichte einlassen möchte, kann man sie mit jeder Pore spüren und wird förmlich mitgerissen von den vielen Schicksalen, die sich diese bewegte Zeit teilen. Eine neutrale Zusammenfassung unserer Reise zu schreiben, ist für mich kein leichtes Unterfangen. Die 3,5 Millionen Stadt lässt sich nur schwer in we­nigen Worten beschreiben, da sie immer wieder neue Facetten zeigt, jeder Besuch ein wenig anders ist und jeder eine andere Beziehung zu ihr aufbaut. Unumstritten ist jedoch der Charme dieser Stadt zwischen Metropole und Kleinstadtidyll, zwischen urbanen Bebauungen und verträumten grünen Inseln, zwischen Berliner Charisma und internationalem Flair. Auch Kulinarisch lässt sich die Palette kaum auf wenige Farbtöne begrenzen und bietet von der einfachen Currywurst bis zum Champagner Diner alles was das Herz begehrt. Jeder einzelne Stadtteil zeigt sich von seiner sich eigenen Seite, so dass man, egal in welcher Stimmung, einen Wohlfühlort findet, an dem man die Seele baumeln lassen kann oder sich mitreissen lassen kann von seiner Umgebung. Ich hoffe, ich konnte unserer kleinen Reisegruppe einen Teil meiner Faszination für Berlin und seiner tausend Gesichter weitergeben und hoffe, es war für sie nicht der letzte Besuch gewesen.

Eine Antwort zu «Zu Gast bei „Ede“»

  1. Eindrücklich, vielseitig, überwältigend, nachhallend, überraschend – so und noch viel anders wird mir die Reise in Erinnerung bleiben. Vielen Dank!

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