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A Sweet Home: Alex Kayser 1949 – 2015

Ich lernte den Kunstfotografen Alex Kayser 1998 in New York kennen, als ich auf der Suche nach einem Trainee Job als Architekt war.

Alex wohnte seit 1972 in Manhattan. Er war in den 1970er- und 80er-Jahre Teil der legendären Rock’n’Roll-Zeit in New York City: Studio 54, Max’s Kansas City, CBGB, Mudd Club, Palladium und viel andere Clubs waren sein zweites Zuhause.

Er lebt und arbeitete ohne Kompromisse; bis zum Schluss. Einziger Einschnitt in seinem Leben war der Alkoholentzug mit Ende Dreissig.

Artists' Portraits 1981: Alex Kayser & Andy Warhol 1974
Aus dem Buch: Artists‘ Portraits 1981 – Alex Kayser & Andy Warhol

Als Kunstfotograf machte er keine Werbeaufnahmen, das sei Prostitution. Er fotografierte lieber Leute wie Andy Warhol, Mick Jagger, Phillip Johnsen, Salvador Dalí, David Hockney, Gilbert & George und viel andere. Die Idee seiner Arbeit als Fotograf war das schnelle Erfassen einer Situation. Das Spielen und Ausprobieren war ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Die Nachbearbeitung musste schnell gehen, das Rohe, Unverfälschte war ihm sehr wichtig.

Auch seine zweite Leidenschaft, der Computer und seine Möglichkeiten, war ein bedeutender Teil in seinem Leben. Er begriff Ende der 1980er-Jahre sehr schnell, welches Potenzial in dieser Technologie steckte.

Alex Kayser mit Kunstobjekt «Stuka» Touchscreen 1992
Alex Kayser mit Kunstobjekt «Stuka» Touchscreen 1992

Im Jahr 1992 baute Alex zusammen mit seiner damaligen Freundin Renate Sturmer das interaktive Kunstobjekt «Stuka». Der Name setzt sich aus Sturmer & Kayser zusammen. Der Touchscreen wurde in New York am 495 Broadway im Swiss Institut ausgestellt. «Stuka» wurde über das Internet aus dem Loft von Alex am 211 West Broadway mit Uptdates bestückt. Alex faszinierte an diesem Kunst-Projekt am meisten, wie die Besucher auf die damals absolut neue Technologie des interaktiven Screens reagierten.

«Stuka» brachte Alex grosse Aufmerksamkeit und interessante Aufträge, wie das AT&T Projekt «Mobile 2000», welches die Smartphon-Technologie von heute vorwegnahm. Auch in der Schweiz fand «Stuka» durch die Präsentation an der Art Basel Beachtung. Alex baute daraufhin für die Bergbahnen Laax und für die Uhrenfirma Swatch deren erste Webseiten.

Von 1998 bis 2000 führte Alex zusammen mit seiner Freundin Joy Rider †, einer begnadeten Sängerin, den Rhythm Club. Der Club war direkt gegenüber seinem Loft in TriBeCa. Alles war illegal ohne Bewilligungen, einfach machen, das war oft sein Motto. Es funktionierte, die Polizei hatte Freibier und bezahlte keinen Eintritt… Alex erzählte mir viel aus den 1970er- und 80er-Jahren, als alles noch authentischer gewesen sei. Er vermisste das alte TriBeCa mit den Handwerkergeschäften, Pubs & Bars, wo sich Künstler, Handwerker und Anwälte trafen und zusammen Bier tranken.

1999 lebte ich ein halbes Jahr in New York. Ich arbeitete für Alex und unser neugegründetes Büro in Kriens. Ich half im Rhythm Club und baute ein 3D-CAD-Modell vom Club. Das war im sehr wichtig. Der Club und das Haus gibt es heute nicht mehr. Durch das ArchiCAD-Video (1.05 Min.) aus dem Jahr 1999, unterlegt mit einem Song von Joy Rider, lebt der Rhythm Club weiter.

Die Arbeit mit Alex war immer extrem fordernd, er hatte ein unbestechliches Auge. Er sagte oft: Der hat mir noch nie eine interessante Frage gestellt… Er war einer, der alles sehr genau anschaute mit seinen grossen Augen. Er konnte es nicht verstehen, dass so viele Menschen so oberflächlich durchs Leben gehen, und dadurch auch keine interessanten Fragen stellen können…

Ab 2001 wohnte ich bei Alex in seinem Loft, wenn ich jeweils für drei Wochen im Herbst in New York war. Das rote Backsteinhaus mit Feuerleiter, den überhohen Räumen, dem massivem Eichenboden und an bester Lage im Süden von Manhattan am 211 West Broadway & Franklin Street, mit der Subway Station Nr. 1 und 9 direkt vor dem Haus: Ein Glücksfall! Das grosszügige Loft war ein Treffpunkt für viele, und für mich ein zweites Zuhause.

Für Alex war es wichtig, dass er nie aus seinem Loft ausziehen musste. Er lebte bis am Schluss in seinem geliebten Loft: A Sweet Home…

Tipps:

7 Antworten zu «A Sweet Home: Alex Kayser 1949 – 2015»

  1. Danke für diesen Bericht. Ich bin mit Alex zusammen zur Schule gegangen in Birsfelden.
    Als ich auf meine letzten zwei Mails keine Antwort bekam (atypisch für Alex) rief ich seinen Bruder Peter an – auch dort keine Antwort – schliesslich recherchierte ich auf dem Internet und entdeckte diese traurige Nachricht: http://dfl.dropforlife.org/2015/07/31/alex-kayser-1949-2015/ Er hatte noch so viele Projekte, irgendwo hat er die Fotos und Berichte, welche ich ihm geschickt hab, gespeichert und wollte immer was daraus machen. Endlich hab ich auch wieder „Skype“ eingerichtet, aber leider kamen wir nicht mehr zum skypen.
    So schade.
    Freundliche Grüsse, susannezweifel

  2. Hello,
    I found your article on Alex as I was looking for news of him after hearing indirectly he had passed. We were married a long time ago, for a few years. We lived in Essen Warden together and then moved to NY. We fixed up 211 West Broadway together – and then in 1983 I left our marriage. It was too difficult. I did my best to stay away but never stopped caring. I am hoping you could tell me a little bit of what happened just so I may give some rest to my history with him. Thank you so much and all the best,
    Caty

  3. we chat about love, not a easy subject.. ha ha, we where never lovers, how to soften, get softer. with all he did, he requested me sending my music, my art, for his data base. together with Renate Sturmer ,( what a great Woman!!! ) he did a special music video of mine. he was in the now. what a caracter X. I cooked and cleaned for him in the 90s, one of many jobs I had at the time, in exchange he came and taped my performances. the birth of my daughter made him so happy, he was speechless and had tears rolling down. I will miss the late skype night talks, he is rock n roll. peace man.

  4. I just invited Alex over to my apartment for a drink in an e-mail, but the e-mail came back. I called him, and the number wasn’t working. What happened and what is this website? Sorry, I can’t tell. Please get in touch with me. I am so sad.

    Who I am: Alex and I worked on a project, The Bowery Men, in 1986. I wrote monologues for 37 men and we had trouble agreeing on what to do. I just got in touch with him to discuss. It was a great project and wonder if there is a way to go ahead now he is gone. Who has his photographs? I know when I went to his loft a few years ago, he had a young assistant from Switzerland living there… Please tell me what happened to him.

  5. Hello:

    I am an Independent Permissions Contractor working on behalf of Princeton University Press. We are currently working on a book for which we would like to use one of Alex Kayser’s photographs (heads). However, I have been unable to locate contact information for his estate/heirs. If you have contact information, I would greatly appreciate it if you would send it to me, any information you provide will be greatly appreciated.

    Sincerely,
    Margaret Gaston
    Independent Permissions Contrator
    With Permission

  6. Lieber Patrick Schnieper,
    gerade kam ich beim Lesen der Künstlerbeiträge von Anfang der 1980er Jahre in der Zeitschrift Camera Austria auf die Bildserie „Sons and Daughters“ von Alex Kayser zurück. Und da wir so lange nicht mehr von ihm gehört haben fand ich schliesslich Ihren Nachruf. Wir sind sehr betroffen von seinem frühen Tod – und erinnern uns gerne an seinen Vortrag beim „Symposion über Fotografie“ bei uns in Graz, im steirischen herbst 1981, und die Treffen mit ihm in New York, 1985 / 86. In Tribeca hat er uns damals das Area empfohlen. Das, aber vor allem die Energie, mit der er seine Projekte verfolgt hat wird uns immer in Erinnerung bleiben. Es ist sehr schade, dass wir uns dann aus den Augen verloren haben. R.I.P. Alex.

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