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One World Trade Center: Two in One…

Ich habe schon viel über das World Trade Center Projekt in Downtown Manhattan geschrieben. Siehe Links am Ende dieses Posts. Der Besuch des neuen One World Observatory letzten Samstag, welches Ende Mai dieses Jahres eröffnet wurde, war meinerseits mit vielen Vorurteilen verbunden.

one world trade center _ 1. A3Die architektonische Überarbeitung des Freedom-Towers, Architekt war Daniel Libeskind, zum One Word Trade Center durch David Childs von Skidmore, Owings and Merrill Architekten, ist geometrisch betrachtet interessant. Das Two in One Konzept «zwei Quader in einem» besticht. Mit einem Fussabdruck von 61 x 61 Meter, gleiche Grösse wie die 1970-Jahre Zwilligstürme, welcher sich nach oben um 45 Grad verdreht zu einem zweiten kleineren Quadrat, mit den Massen 43 x 43 Meter, entsteht eine skulpturale Figur, welche in der Geometrie als Antiprisma bezeichnet wird. Der Nord- und Südturm aus den 70-Jahren in einem Gebäude; eine überraschende Idee.

Neben der starken Antiprisma-Idee, welche mit 357 Meter Höhe 6/9 der ganzen Gebäudehöhe ausmacht, wird das Hochhaus mit zwei weiteren Elemente ergänzt. Der Sockel mit 60 Meter Höhe und der Dachabschluss mit «Krone» und Antenne, welche zusammen 124 Meter messen.

Der Sockel und der Dachabschluss bilden formal keine Einheit mit dem Antiprisma. Sockel, Mittelteil und Dachabschluss stehen architektonisch ohne Beziehung zueinander.

Der Sockel, ein Massivbau aus Beton und ohne Fenster, 20 Stockwerke hoch, wirkt sehr abweisend. Nur vier relativ kleine Eingänge auf jeder Seite mit (zu) kleinen Vordächern, stellen eine Verbindung zur Umgebung dar. Der fensterlose Sockel ist Ausdruck der Angst vor möglichen Terroranschlägen, welche einen architektonisch würdigen Eingangsbereich verunmöglichte… Im Sockelbereich ist vorwiegend Haustechnik untergebracht.

Der Mittelteil, der in seiner Idee bestechend ist, vermag in seiner architektonischen Ausformulierung die Erwartungen nicht ganz zu erfüllen. Die Glasfassade ist zu glatt, eine subtile Profilierung würde dem Gebäude gut tun. Auch sind die Gläser bezüglich Oberfläche nicht alle von gleicher Qualität, was die Fassade minderwertig wirken lässt.

Der Dachabschluss – ein runde, 20 Meter hohe Krone, darauf aufgesetzt die Antenne – bildet der dritte Teil des One World Trade Center. Reine Infrastruktur-Nutzung, welche dem Wolkenkratzer zu seiner Höhe von 541.3 Meter verhilft und so die Idee von Daniel Libeskind wieder aufnimmt. Die Spitze des Freedom-Towers sollte beim Entwurf von Libeskind eine Abstraktion des Arms der Freiheitsstatue darstellen und mit einer Gebäudehöhe von 1776 Fuss (541.3 Meter) an das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten erinnern.

Das One World Trade Center entspricht genau der aktuellen «Verfassung» der USA. Für grosse und neue Ideen fehlt es an Mut. Die Zwillingstürme aus den 1970-Jahren lassen sich nicht einfach in einem Turm zusammenfassen. Zum Glück!

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