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Landschaft, Treppe und Dach …

Eine Architekturikone, die mit unseren Sehgewohnheiten spielt, ist die Villa Malaparte aus dem Jahre 1942 südlich von Neapel auf Capri. Das Haus hat sich in meinem Kopf als Bild fest eingebrannt.

Ich besuchte 1993-1994 als Gast neben meinem eigentlichen Architekturstudium in Horw die legendären Vorlesungen von René Furer im Fach Architekturtheorie an der ETH Zürich auf dem Hönggerberg. Die «Furer-Show» mit den zwei grossen Dia-Projektoren und seinen witzigen & bissigen Kommentaren zu den gezeigten Fotos – die unzähligen gezeigten Fotos hat er alle selber gemacht – war für mich als junger Architekturstudent eindrücklich.

Casa Malaparte: Filmscene aus «Le Mépris» von Jean-Luc Godard 1962

Irgendwann tauchte auch die Casa Malaparte in der Diashow-Vorlesung auf. Ich kannte die Villa bis zu diesem Zeitpunkt nicht, und Furer dozierte in seiner ruhigen und trockenen Art über diese Architekturikone. Ich wurde wie vom Biltz getroffen, Landschaft und Architektur in einer so spannungsvollen Weise zu sehen. Das blaue Meer, die grauen Felsen, die grünen Sträucher und die rote Villa.

Die Villa zeichnet sich architektonisch durch ihre fünfte Fassade aus, die durch zwei Elemente geprägt ist: eine trapezförmige Treppe, die aussieht wie eine Felsrippe, sowie eine rechteckige Dachterrasse, welche sich geradezu als UFO-Landeplatz anbietet. Die Dachterrasse wie auch die Treppe sind ohne Brüstung oder Geländer ausgeführt: Einzig ein backsteinbreites Sockelrelief, das den Übergang zwischen Horizontale und Vertikale subtil definiert, macht auf den drohenden Abgrund aufmerksam. Fehltritte können lebensgefährlich sein, Spannung pur! Die Horizontale der Terrasse wird nur durch eine organisch geformte, weisse Mauer, welche sich Richtung Meer öffnet, räumlich gegliedert.

Bei der Casa Malaparte wurde mir innerhalb eines Bruchteil einer Sekunde klar, was die fünfte Fassade für eine Bedeutung haben kann … landschaftlich wie auch architektonisch!

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