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Rotterdam – die ruhige, moderne Hafenstadt

Bereits die Ankunft am Hauptbahnhof von Rotterdam war beeindruckend. Das Gebäude der «Centraal Station» besitzt eine Fensterfront, die dem Besucher bei seinem Empfang den ersten Blick auf die Stadt gewährt und gleichzeitig den Raum mit Licht durchflutet. Auch von aussen ist die «Centraal Station» ein Hingucker. Das auskragende Dach, das an ein weit aufgerissenes Haimaul erinnert, wies uns den Weg Richtung Stadtzentrum. Obwohl Rotterdam die zweitgrösste Stadt der Niederlande ist, gehört sie zu den weniger typischen Reisezielen. Das merkt man der Stadt ziemlich schnell an. Entspanntheit und Ruhe scheinen hier zum Alltag dazuzugehören.

Das markante Dach des Hauptbahnhofes «Centraal Station»

Die Hafenstadt, deren Stadtzentrum im zweiten Weltkrieg fast vollständig ausgelöscht wurde, schaffte sich in den letzten 70 Jahren ein neues Gesicht. Der Wiederaufbau bietete damals den idealen Nährboden für die moderne Baukunst. Aus diesem Grund machten wir uns auf die Spuren der progressiven Architektur. Der weltberühmte Architekt Rem Koolhaas spielte für uns auf dieser Reise natürlich eine wichtige Rolle. Der niederländische Architekt zeichnet sich selber nicht nur durch seine Bauwerke aus, sonder auch über seinen Bücher «S, M, L, XL» oder das «Delirious New York». Das erste Gebäude von Koolhaas, dass wir besichtigten, war das «Timmerhuis». Dieses wurde direkt an das L-förmige, massive Bestandsgebäude aus dem Jahr 1954 angebaut. In dieser erstaunlich ruhigen Stadt sind das nicht die einzigen Gebäude, die so kontrastreich nebeneinander stehen. So setzt sich das Aufeinanderprallen der verschiedenen Zeitepochen im Stadtzentrum fort. Die spätgotische Kirche steht neben der riesigen Markthalle, welche seit der Eröffnung 2014 zu einem der wichtigsten Wahrzeichen Rotterdams zählt. Mit vielen verschiedenen Gerüchen von den zahlreichen Food-Ständen in der Nase bewunderten wir in der hufeisenförmigen Halle das eindrückliche Gemälde an der Decke. In Sichtweite Richtung Osten davon entfernt befand sich das nächste Highlight – die Kubushäuser von Piet Blom. Mit den um 45 Grad geneigten Wänden und der schmalen Treppe, die durch das dreigeschossige Haus führt, hatten wir die Möglichkeit, ungewohnte Architektur zu erleben.

Als wir am Ufer der «Nieuwe Maas» standen, wo sich die Silhouetten der Wolkenkratzer am Horizont abzeichneten, waren wir von neuem beeindruckt. Eine architektonische Ikone neben der anderen streckte sich in den Himmel. Das Gebiet «Kop van Zuid», das als Insel von der «Nieuwe Maas» umschlossen wird, ist ein «must-see». Die Hochhäuser umrahmen die Insel und im Kern findet man ältere Gebäude, die mit Dacherweiterungen zu trendigen Hotels transformiert wurden. Wenn man die Insel durchquert hat und die Werke von Renzo Piano und Rem Koolhaas genießen konnte, steht man schon an der Spitze der Insel und blickt zurück. Das weltbekannte Hotel New York, welches 1917 das Hauptverwaltungsgebäude des grössten Kreuzfahrtunternehmens war, wird links und rechts durch zwei Hochhäuser flankiert. Wieder findet sich hier ein gelungener Gegensatz zwischen dem Neuen und Alten, Hohen und Niedrigen. Die Erasmusbrücke, benannt nach dem Theologen und Humanisten Erasmus von Rotterdam (1466 – 1536), welcher auch 15 Jahre in Basel wirkte, bildet die Verbindung zurück zum Festland. Auffallend elegant wirkt die Brücke mit dem weissen, angewinkelten Pylon und den gespannten Schrägseilen.

Im Museumspark trafen wir wieder auf den Stararchitekten Rem Koolhaas. Hier entwarf er die «Kunsthal», die mit einem ungewohnten Mix aus verschiedenen Materialen und der Erschliessung über Rampen einen spannenden Rundgang durchs Museum garantiert. Weitere Museen wie das «Het Nieuwe Instituut», wo zeitgenössische Kunst und Architektur ausgestellt wird, bieten viel mehr als nur eine gute Ausstellung. Die Gebäude für sich sind schon einen Besuch wert.

Frühstück im Dachgarten des «Op Het Dak»

Kulinarisch können wir Rotterdam nur loben. Ob im kleinen, aber extrem feinen «De Matroos en het Meisje» zum Nachtessen oder über den Dächern der Stadt im «Op Het Dak» zum Frühstück, jedes mal mussten wir fast traurig gehen, weil das Essen schon wieder vorüber war. Im gleichen Gebäude wie das «Op Het Dak» findet sich im Erdgeschoss der Architekturhub OMI, welcher mit seiner Bücherauswahl sehr empfehlenswert ist.

Am Tag unserer Abreise brachen wir nach einer Stärkung im witzigen Café «Man Met Bril» nach Den Haag auf. Den Haag, allen bekannt angesichts des internationalen Gerichtshofes, lag für uns auf dem Weg zum Flughafen in Amsterdam. Das Erste, was uns auffiel, war die Menge an Touristen, die sich hier aufhielten. Da die Gebäude im zweiten Weltkrieg in Den Haag weniger leiden mussten als in Rotterdam, ist hier die Geschichte viel präsenter. Zudem liegt die Stadt am Meer, was ebenfalls ein Touristenmagnet ist und an diesem warmen Julitag alle ans Wasser lockte, was für uns der Grund war, umgehend zurück in das liebliche Stadtzentrum zu flüchten. Auf der Suche nach gutem Kaffee entdeckten wir zufällig das kleine Café und Ladengeschäft «Esspresso Perfetto», was ein gelungener Abschluss unserer eindrücklichen Reise war.

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