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Rams-Filmpremiere im SVA Theatre in NYC

Wie es das Leben will, hatte ich das Glück, am Montagabend, 24. September 2018, an der Rams-Filmpremiere in NYC dabei zu sein – einem Film über einen der wichtigsten Industriedesigner der letzten 50 Jahre, der die beiden Firmen Braun und Vitsœ prägte.

Dieter Rams war und ist aber auch ein grosses Vorbild für die beiden Appel-Ikonen Steve Jobs und Jony Ive. Bei Appel ist der Rams-Gestaltungs-Spirit gut spürbar. Daher passt es gut, dass die Filmpremiere in den USA war. Natürlich ist der Hauptgrund für die Filmpremiere in NYC, dass der Filmemacher Gary Hustwit ein New Yorker ist. Gary Hustwit war dreieinhalb Jahre mit dem Industriedesigner unterwegs, um den Film «Rams» zu entwickeln und produzieren. Rams meinte zuerst, es gäbe ja schon genügend Bücher über ihn, warum ein Film? Hustwit konnte ihn dann überzeugen, dass er mit einem Film viel mehr Menschen erreiche. Nicht jeder kann es sich leisten, ein Buch für 100 Doller zu kaufen, meinte Hustwit an der Premiere im SVA Theatre.

«Rams» ist ein ruhiger Film; wie sich das gehört über einen erfolgreichen Menschen, der am Ende seines Lebens steht und einen guten Überblick hat, wie sich Gestaltung und Technologie in den letzten 50 Jahren entwickelten. Im Film kommt überzeugend zum Ausdruck, dass sich dem weisen Gestalter – mit klarem Blick für das Neue – doch viele Fragen stellen, wie sorglos wir Menschen mit den neuen Technologien teilweise umgehen. Es sind Menschen wie Rams, gute Beobachter, die schnell merken, wenn gesellschaftsrelevante Themen, wie gerade die Digitalisierung, aus dem Ruder laufen. Viele Menschen sind offensichtlich mit dem endlos langen Buffett von Instagram- und Facebook überfordert, sie streamen sich in die unmächtige Beliebigkeit. Es bleibt nichts mehr hängen, was irgendwann verhängnisvoll werden kann…

Dieter Rams-Standbild – SVA Theatre 24. September 2018

Was für die Technologie gilt, gilt auch für die Gestaltung. Es muss nicht immer etwas Neues oder mehr sein, ein gutes Produkt kann subtil weiter entwickelt werden. Ebenso kann ein wertiges Produkt immer wieder repariert werden. Das immer «neu und schneller» macht Dieter Rams keine Freude. Er kritisiert die Überflussgesellschaft in seiner vorausschauenden Rede 1976 in New York unter dem Titel «Design by Vitsœ»

Rams macht es immer noch grossen Spass, für die Firma Vitsœ zu arbeiten. Eine Firma, die der nachhaltigen Gestaltung verpflichtet ist. Rams bringen viele nur mit der Firma Braun in Verbindung, bei der er von 1961 bis 1995 für die Designabteilung verantwortlich war und deren Produkte er und sein Team – das Team ist im wichtig – bezüglich Funktion und Gestaltung revolutionierte.

Gutes Design muss nicht teuer sein, wenn die Funktion im Zentrum steht, meint Rams. Im Film steht Rams im Vitra Schaudepot in Weil am Rhein vor einer dreibeinigen Blechliege in Wurstform, für welche Rams nur Unverständnis übrig hat. Rams stört sich an Designern, die «teure» und unpraktische Gegenstände entwerfen und so die gute Gestaltung mit teuer in Verbindung bringen.

Das Lebenswerk und die Lebensphilosophie von Rams, der 1932 geboren wurde, kommt im Film von Gary Hustwit, mit Musik von Brian Eno unterlegt, stimmig zum Ausdruck.

Tipp:

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