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Blog-Archiv für Mai, 2008


Ist doch Geschmacksache…
Sonntag, 18. Mai 2008 von Patrick J. Schnieper (1 Kommentar)

… eine Aussage, die man oft hört und die auch niemandem übel zu nehmen ist, der sich nicht beruflich mit Gestaltung auseinander setzt. In der Architektur gibt es jedoch ganz bestimmte Regeln und Merkmale, welche ein Haus sachlich bewertbar machen. Neben dem städtebaulichen Aspekt, d.h. wie ein Haus räumlich zu seiner gebauten oder natürlichen Umgebung steht, sind die Proportionen von Gebäudeteilen ein Kriterium: Welche Proportion hat zum Beispiel ein Fenster, eine Türe oder eine Stütze. Wie stehen die einzelnen Gebäudeteilproportionen in Grundriss, Schnitt und Fassade zueinander. Wie ist das Verhältnis zwischen offenen und geschlossenen Gebäudeflächen, zwischen horizontaler und vertikaler Gebäudestruktur. Ein weiteres Kriterium sind die verwendeten Materialien hinsichtlich Farbe, Oberfläche und Nützlichkeit: Ist die Materialwahl angemessen. Wie wirkt das Haus auf seine Umgebung. Das wichtigste Kriterium aber, der eigentliche Grund, warum gebaut wird, ist die Funktionalität: Hat das Haus die geforderten funktionalen Eigenschaften. Nur wenn alle drei Elemente - Proportionen, Material und Funktion - in Harmonie zueinander stehen, kann von überdurchschnittlicher Architektur die Rede sein. Das Gesamtbild ist entscheidend. Wer die genannten Kriterien bewusst beobachtet, wird feststellen, dass gebaute Schönheit nicht zufällig ist. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie Menschen, die sich mit Architektur beschäftigen und bereit sind, Vorurteile (z.B. nur alte Häuser sind schön) abzulegen, ein gestalterisches Gespür entwickeln, welches über das übliche „ist doch Geschmacksache“ hinausgeht. Gäbe es in der Architektur keine allgemeingültigen Regeln, würde kaum ein Architekt an einem Architekturwettbewerb teilnehmen!

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Gästehaus zu Villa Garbald in Castasegna von Miller & Maranta

150 Wettbewerbsteilnehmer…?
Sonntag, 4. Mai 2008 von Patrick J. Schnieper (1 Kommentar)

Für den Projektwettbewerb “Neubau Alterszentrum Bündner Herrschaft” in Maienfeld haben sich ca. 150 Architekturbüros angemeldet. Verbunden mit der Anmeldung zahlt jeder Teilnehmer das Depot von Fr. 500.- für das Modell und die Planunterlagen an den Auslober ein. Warum nehmen so viele Architekten den grossen Aufwand (Gesamtkostenaufwand* pro Teilnehmer ca. Fr. 32000.-) auf sich, trotz der kleinen Chance, zu einem Auftrag zu kommen? Für viele Architekturbüros ist es eine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen, verbunden mit einem allfälligen Erfolg, sprich Preis, mindestens zu den fünf bis sieben prämierten Wettbewerbsteilnehmern zu gehören. Die Preissumme für diesen Projektwettbewerb beträgt Fr. 130000.- , verteilt auf die fünf bis sieben prämierten Projekte. Alle anderen Teilnehmer gehen leer aus, erhalten aber das Depot von Fr. 500.- bei einer vollständigen und termingerechten Projektabgabe zurück erstattet.

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Modell mit Grundstück für das Alterszentrum “Bündner Herrschaft” und Schloss “Brandis” im Hintergrund

Warum nehme ich den Aufwand auf mich? Im aktuellen Fall hat mich die eigentliche Bauaufgabe Altersheim und die unmittelbare Nachbarschaft zur “Stadt” Maienfeld mit dem Schloss und den Weinreben gereizt mitzumachen. Zusätzlich ist eine Wettbewerbsteilnahme auch immer eine Weiterbildung und ein Training. Mit der Besichtigung vor Ort Ende April hat für mich der Entwurf begonnen. Im Kopf konkretisieren sich erste Bilder und Ideen. Doch bis zur Abgabe Ende Juli 2008 werden noch viele Entscheidungen und Fragen auf mich zukommen, immer mit dem Gedanken, den Wettbewerb zu gewinnen…!

*Der Zeitaufwand für einen Projektwettbewerb in dieser Komplexität beträgt ca. 360 Stunden. Bei einem mittleren Stundenansatz von Fr. 80.- sind das rund Fr. 30000.- Aufwand oder zwei Monate Arbeit für zwei Personen. Für das Modell und die Plotkosten müssen noch einmal Fr. 2000.- gerechnet werden.