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Blog-Archiv für März, 2010


Traumberuf Architekt…
Sonntag, 14. März 2010 von Patrick J. Schnieper (1 Kommentar)

Die meisten Menschen haben eine sehr romantische Vorstellung vom „Traumberuf Architekt“. Vielen gefällt das Kreative am Beruf, doch Kreativität braucht Ideen, und gute Ideen entwickeln ist knallharte Knochenarbeit! Ein Prozess, der sehr viel Geduld erfordert und nur manchmal mit einer guten Idee belohnt wird. Ein wichtiger Punkt für den kreativen Prozess ist das selbstständige Denken, welches weit über das in der Schule Gelernte oder Angelesene hinaus geht. Gerade der letzte Punkt bereitet vielen Architekturstudenten und -studentinnen Mühe; es gibt keine Rezepte für gute Entwürfe, denn die Ausgangslage einer Bauaufgabe ist immer wieder neu. Auch ist gute Architektur nicht messbar im üblichen Sinn. Gute Architektur zu verstehen braucht Erfahrung. Noch ein weit grösserer Schritt ist es, selber einen guten Entwurf zu machen. Fähigkeiten wie das Beobachten, genaue Hinschauen (Sehen), Ausprobieren, Hinterfragen, Verwerfen, neu Anfangen sind gefragt, um erfolgreich zu bestehen im „Traumberuf Architekt“. Mit etwas Glück wird man für all die Anstrengungen zur Belohnung von der Musse geküsst!

blog-traumberuf-architektLearning Center der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) in Lausanne von Sanaa Architekten Tokio. Bis man solche Entwürfe realisieren kann, braucht es viel Geduld und Talent! Foto: Hisao Suzuki

Schon das Architekturstudium ist sehr zeitaufwendig (siehe «NZZ Campus» vom 1.5.2009 - Zuerst die Kartonmodelle, dann die Luftschlösser). Im gleichen Still geht es nach dem Studium im Berufsalltag weiter (siehe «Der Tagesspiegel» vom 14.2.2010 - Traumberuf Architekt?). Man muss den Beruf Architekt leben, sonst kann das Ganze schnell zum Alptraum werden… Doch wer gerne über den Tellerrand hinaus schaut, Geduld hat und talentiert ist, für den kann der „Traumberuf Architekt“ zur Berufung werden. Doch nur wenigen ist es vorbehalten, dieses Ziel wirklich zu erreichen.

Filmtipps:

  • Der Dokumentarfilm „Archiculture“ begleitet fünf us-amerikanische Architekturstudenten des Pratt Institute bei Ihrer Thesis - von David Krantz und Ian Harris - ab 2011 im Kino
    • Trauberuf Architekt?“ dieser Film stellt vier Architektinnen und Architekten vor, zeigt ihre Wege und Projekte - von Jan A. Wolff - 2003
    Free your Mind
    Mittwoch, 3. März 2010 von Juliane Reuther (Kein Kommentar)

    Im September letzten Jahres habe ich das Masterstudium Architektur an der HTA Luzern begonnen. Das Studium umfasst drei Schwerpunktthemen – Energie, Material und Struktur – auf die das jeweilige Semester abgestimmt ist.
    Im ersten Semester war es das Thema „Struktur“, welches über Vorlesungen, Vorträge und Vorstellungen theoretisch und über ein semesterumfassendes Projekt praktisch vermittelt wurde. Nach dem Erhalt des ersten Aufgabenblattes stellten sich bereits die ersten Fragen ein. Inhalt der Aufgabe war es, einen mehrgliedrigen Gegenstand zu wählen. Meine ersten Gedanken waren: „Was hat das mit Architektur zu tun?” und “Wo soll es hinführen?“
    Nach langem Überlegen entschied ich mich für eine Ingwerwurzel.
    Jeder Student stellte nun also sein Objekt vor, wobei sich die unterschiedlichsten Gegenstände versammelten, wie zum Beispiel ein Strohhut, eine Orgelpfeife, ein Fächer, eine Hummerschere, ein Röntgenbild und vieles mehr.
    Jetzt begann der schwierigste Teil der Aufgabe.
    Über unzählige Experimente mit verschiedensten Materialien versuchten wir eine Fügungslogik, ein Prinzip unseres Objektes zu generieren und in Architektursprache zu übersetzen. So entstanden im Semesterverlauf verschiedenste architektonische Projekte.
    Später sollte aus den entstandenen Räumen eine Funktion bzw. Nutzung abgeleitet und auf den Entwurf angewendet werden.
    Entwerfen rückwärts - ohne Richtlinien, ohne Zwänge durch Funktion und Nutzung, also ohne jegliche Vorgabe bildete den grössten Kontrast zu meiner regulären Arbeitsweise und bereitete mir dadurch Probleme beim freien Denken.
    Schon während des Experimentierens mit Raum und Fügungsprinzipien stiess ich oft an meine Grenzen. Grenzen, die durch Rationalität, Pragmatismus und Erfahrungen aus der Praxis hervorgingen. Ich bemühte mich diese auszublenden, mich von Ihnen zu lösen, um mich so auf dieses Experiment einlassen zu könnnen, leider mit mässigem Erfolg.
    Auch wenn ich dieses Semester gescheitert bin, habe ich doch sehr viel gewonnen.
    Nämlich die Einsicht, mir selbst Grenzen auferlegt zu haben, die durch Erfahrungen ganz natürlich sind, aber die es nun heisst einzureissen.

    model I_220modell II_220

    links: Modell zum Fügungsprinzip der Ingwerwurzel; Material Gipsbinden; rechts:  Modell zur Raumfindung; Gipsguss - gefüllte Wasserballons in Gips