ARGE: Schnieper Architekten Kriens / Battagello + Hugentobler AG Stansstad
Bericht des Preigerichtes
Das Projekt "aussicht" zeichnet sich aus durch einfache, klar strukturierte Eingriffe. Für die neu
erforderten Nutzungen wird das bestehende Altersheim Serata nordseitig um zwei
südseitig um eine Gebäudeachse erweitert, die gedeckte Verbindung zur benachbarte
Schule entfällt. Während die nordseitige Erweiterung auf angenehm selbstverständlich
Weise die charakteristische und ausdruckstarke Architektur von Andreas Liesch weiterführt
gelingt dies bei der südseitigen Erweiterung nicht gleich überzeugend. Auch der verringerte
Abstand zur Schule müsste sorgfältig überprüft werden.
Der Eingangsbereich für Bewohnerinnen und Besucher wird mit dem
übersichtlichgestalteten Empfang sowie der grosszügig dimensionierten
und neu an der Südwestecke des Gebäudes platzierten Cafeteria stark
aufgewertet. Auch die weiteren Anpassungen an die neuen Bedürfnisse
sind mehrheitlich sorgfältig, funktionell und übersichtlich gestaltet:
Die Raumschicht von Cafeteria, Mehrzweckraum und Speisesaal entlang der
Westfassade mit herrlicher Weitsicht lässt unterschiedliche
Nutzungsmöglichkeiten
zu. Die eher kleinzelligen Infrastrukturräume der Administration sowie
Coiffeur und Fusspflege befinden sich gut auffindbar an der Ostseite
des Gebäudes, ein direkter räumlicher Bezug zwischen Eingangsbereich
und dem Obstgarten wäre allerdings wünschenswert. Die innenliegende
Serviceschicht wird mit Nutzungen wie Stuhllager und neuem Bettenlift
funktionell optimal und übersichtlich ergänzt, dabei wird die räumliche
Transparenz sogar noch verbessert. Knapp dimensioniert und dargestellt
ist die erweiterte Produktionsküche, deren inneren Abläufe sind jedoch,
soweit lesbar, effizient und plausibel. Allerdings ist das Aufheben der
Servicetreppe als interne Verbindung zum Untergeschoss unzulässig und
nicht nachvollziehbar.
Eine grosse Qualität des Projektes liegt in der Aufwertung des
Untergeschosses zum eigentlichen Gartengeschoss. In guter Verbindung
zur Haupttreppe und den Liften befinden sich Ergotherapie sowie die
Tagesstrukturräume, alle mit direktem Zugang zum geschützten Garten.
Auch Wäscherei und Werkstatt sind attraktiv in die Raumschicht
integriert und optimal belichtet, die Flexibilität hinsichtlich
zukünftiger Nutzungsanpassungen ist gross.
Leider gelingen die Anpassungen der Wohngeschosse nicht auf ebenso
bestechende Weise. Zwar erhält das Attikageschoss neue Qualitäten durch
zusätzliche
Belichtung der Erschliessung mit Oberlichtern und eine grosszügigere
Raumteilung der Zimmer. Die Anordnung des Ferienzimmers und des
Gruppenwohnraumes wirkt dagegen beengt, die isolierte Platzierung des
Büros für die Pflegedienstleitung in der Attika fern ab der
Administration ist nicht nachvollziehbar.
Das unprätentiöse Weiterführen der Zimmerachsen, das bei den Fassaden
angenehm unaufgeregt wirkt, kann im Grundriss nicht überzeugend
umgesetzt werden. Die vorhandene Grundrissstruktur der beiden
Obergeschosse wird für die Erweiterung zugunsten grösserer
Zimmerflächen aufgegeben. Die Proportion der neuen Zimmer wird dadurch
schlechter, die Erschliessung ist zu knapp dimensioniert und schränkt
die natürliche Belichtung der inneren Erschliessung empfindlich ein.
Grundsätzlich positiv bewertet wird die
Lage von Stationszimmer und Gruppenräumen am südlichen Kopf des
Gebäudes. Allerdings wäre auch hier eine Optimierung der einzelnen
Flächen in ihrer Grösse und Lage zueinander wünschenswert.
Aussagen zur Konstruktion/Materialisierung sowie zu energetischen
Massnahmen fehlen fast vollständig, eine Beurteilung ist daher schlecht
möglich. Die konsequente Beschränkung auf zwei vergleichsweise kompakte
Erweiterungsbereiche sowie der respektvolle Umgang mit der bestehenden
Gebäudestruktur bietet aber durchaus das Potential für
durchschnittliche Erstellungs- wie auch Betriebskosten.
"aussicht" zeichnet sich aus durch einen sorgfältigen und respektvollen
Umgang mit der Architektur des von Andreas Liesch 1974 erstellten
Gebäudes. Insbesondere beeindruckt die teilweise aufscheinende
Fähigkeit, die bereits vorhandenen räumlichen Qualitäten noch zu
stärken. Leider bleibt das Projekt in grossen Teilen schematisch, ein
Eindruck, der durch die knappe Darstellung unterstützt wird.