ARGE: Schnieper Architekten Kriens / Battagello + Hugentobler AG Stansstad I Landschaftsarchitekt: Freiraumarchitektur Luzern I HLK Ingenieur: Karl Graf Stansstad
Bericht des Preisgerichtes
Aufgrund ihrer Siedlungsanalyse nehmen die Projektverfasser mit ihrem Bebauungsvorschlag einen
harten Standpunkt ein und bewerten den Ort als Übergangsbereich vom inneren kleinkörnigen
Siedlungskern und dem Kultur- und Bildungsbezirk mit seinen markanten Repräsentationsbauten.
Konzeptionell ordnen sie den Ort dem Kultur- und Bildungsbezirk zu. Wie der Altbau zu seiner Entstehungszeit,
so positionieren die Verfasser den Neubau als kompakten Baukörper, der einen
starken Akzent setzt.
Dementsprechend markant ist der Auftritt vor allem gegenüber der Brünigstrasse, das grosse Volumen
ist als Ganzes jeweils durch die diagonalen Einblicke sichtbar, die Massigkeit des Gebäudes
bringt unmissverständlich die wichtige Institution 'Bank' zum Ausdruck.
Der Neubau übernimmt strukturell die Geschossigkeit des
historischen Gebäudes, die Ausbildung
des Grundrisses verläuft schematisch als Resultante entlang der
möglichen Gebäudegrenzen und
füllt den vorhandenen Raum ohne weitere architektonische Bezugnahme
auf.
Ein differenziert gestalteter Vorplatz, der die Niveaudifferenzen
architektonisch thematisiert, lädt zum Verweilen ein. Der auskragende
Teil des Baukörpers an der Brünigstrassse schafft nicht nur
einen gedeckten, von weitem erkennbaren und praktischen Eingang für die
Bankkunden, sonder
gibt auch den Blick für die Folgebauten von Kaplanei und Frauenkloster
längs der Brünigstrass
frei.
An der Grossgasse wird ein ebenfalls dreigeschossiger Baukörper vorgeschlagen, der dem
Grundkonzept folgend keine Differenzierung der Baukörper sucht und wie der Hauptbau die ganze
machbare Länge längs der Strasse besetzt und so sein strassenseitiges Vis-à-vis stark kontrastiert
Einzig im Erdgeschoss ist das Gebäude durchlässig, zwei Passagen führen in den öffentlich
zugänglichen, gut besonnten und gartenähnlich gestalteten Hofraum, auf
den nebst dem Südteil der Bank auch das Restaurant und die
Gewerbefläche ausgerichtet sind.
Die Gestaltung der Aussenräume folgt dem ortsbaulichen
Grundkonzept insofern, als sie die Institution 'Bank' im Unterschied
zum Frauenkloster nicht abgeschottet sondern das ganze Territorium
öffentlich durchlässig und zugänglich macht. Diese Aussenräume
vernetzen die Bereiche von
Grossgasse - Bahnhofstrasse - Brünigstrasse und schaffen eine ebenso
hohe Öffentlichkeit, wie man sie in Sarnen in vielen Teilen kennt.
Die Passage im Erdgeschoss des neuen Bankgebäudes vermag zwar im Grundgedanken zu überzeugen,
ihre Ausgestaltung und Länge mit ihrem stark urbanen Charakter wirkt befremdend,
obwohl sie in der Mitte durch einen Lichthof unterbrochen wird. Ebenfalls nachteilig ist, dass dadurch
die Drittnutzung abgetrennt wird und ihre Reservefunktion für die Bank verliert.
Im Altbau 1908/09 werden die übergeordneten und wichtigen Funktionen
wie Bankrat, Sitzungen und Beratung gebündelt, im Neubau werden das
Alltags- und Routinegeschäft mit Markthalle, Verwaltungs- und Büroraume
wie auch die Schulungsräume und Cafeteria konzentriert, wobei letztere
unterirdisch positioniert werden, was einerseits anbetracht des
geforderten Hochwasserschutzes und andererseits wegen der Immissionen
über die begehbaren Oberlichter sehr problematisch ist. Neu- und Altbau
sind in beiden Obergeschossen mit einer strukturell gut positionierten
Korridorbrücke verbunden, womit die historische Bausubstanz minimalst
tangiert wird.
Einem Hoheitsbereich ähnlich und räumlich doch ein Restraum verläuft dem Klosterkomplex entlang
ein durchgehender Grünbereich.
Die Verfasser suchen im Grundriss des Neubaus eine einfache, flexibel und wirtschaftliche Struktur
mit innerem tragenden Kern, in dem alle dienenden Räume konzentriert sind, und einer umlaufenden
Raumschicht mit einer Rastertragstruktur an der Fassade. Dieser an sich intelligente Ansatz
kollidiert mit der Grundform des Gebäudes, dem die dafür nötigen Voraussetzungen in Mass
und Form fehlen, sodass sowohl im Kern wie in der Raumschicht zufällige und unkontrolliert
Räume resultieren.
Die Fassade wird mit multifunktionalen Doppelglasteilen ausgefacht, die zusammen mit thermoaktiven
Bauteilen in den Geschossdecken die bauphysikalischen und energetischen Anforderungen zu befriedigen suchen.
Das Projekt 'BunDI' ist ein wertvoller Beitrag, da es die ortsbauliche Situation radikalisiert und trot
einem unprätentiöse und entwicklungsfähigen Ansatz die Grenzen der Verträglichkeit und der
Konzentration auf ein Volumen aufzeigt und gleichzeitig die daraus resultierenden Vorteile für das
historische Schutzobjekt der alten Bank relativiert.