Lage
Die zukünftige Raiffeisenbank befindet sich an der Hauptstrasse in Hochdorf, zwischen Seetal-Center und Sticher-Haus, nahe dem Bahnhof. Die exponierte, zentrale Lage des Gebäudes ist geradezu prädestiniert zur Errichtung eines organisatorischen Hauptsitzes. Gefordert wird der respektvolle Umgang mit dem Bestand, sowie die Schaffung eines hindernisfreien, repräsentativen Bankgebäudes, welches dem Auftreten der Raiffeisenbank in nichts nachsteht. Das Haus «Marfurt» steht innerhalb der Gebäudeflucht nahe am Strassenraum und rückt somit optisch in den Vordergrund, was eine hohe Präsenz gegenüber den Nachbargebäuden bewirkt. Das Grundstück öffnet sich nach Süden und bietet Platz für den geplanten Erweiterungsbau.
Konzept
Die Kombination des bestehenden Gebäudes und des neu errichteten Erweiterungsbaus soll eine optimale Bebauungslösung innerhalb der einzuhaltenden Baugrenzen und Mindestabstände unter ökonomischen und ästhetischen Aspekten bilden und gleichzeitig einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt und Aufwertung des Ortes leisten. Das dynamische, zeitgemässe Erscheinungsbild des Neubaus findet seinen Ausdruck in der Rasterung der Fassade, die auf statischen Elementen der Stützen im Grundriss aufbaut. Die klare Struktur der Grundrisse ermöglicht eine effiziente Raumfolge, welche die dynamischen Arbeitsabläufe widerspiegelt. Der neue Baukörper fügt sich an das bestehende Haus an und verbindet sich mit dem traditionellen Erscheinungsbild, ohne seine Architektursprache künstlich aufzunehmen oder zu verstecken. Beide Elemente sind als solche erkennbar und zeigen die Entwicklung der verschiedenen Bauzeiten, Funktionen und Architektursprachen ohne zu konkurrieren. Durch die gewählte Volumetrie und Konstruktion des Neubaus bietet sich eine mögliche Aufstockung bzw. Integrierung zu einem späteren Zeitpunkt an und ist Teil des Entwurfsprozesses.
Organisation
Der dreigeschossige Neubau beherbergt neben der Kunden- und Beratungszone sowohl administrative und organisatorische Arbeitsräume als auch Erschliessungs- und Parkzonen. Die Räume sind so organisiert, dass die bestehende Substanz so gut wie möglich ausgenutzt, erhalten und ergänzt werden kann. Der Erweiterungsbau öffnet sich ebenerdig über den einladenden, gedeckten Hauptzugang zur Strasse und präsentiert sich den Kunden bereits im Eingangsbereich über die 24-Stundenzone als offene Bank in Gastgeberrolle. Im Anschluss daran gelangt der Kunde zur offen gestalteten Kundenhalle, welche flexibel über Stehberatungsplätze strukturiert ist. Dahinter befinden sich in ungestörter, diskreter Umgebung Kreditberatungsräume und Beraterbüros, im bestehenden Gebäude Beratungsräume. Der öffentliche Charakter des Erdgeschosses, ablesbar an der Grundrissgestaltung und Raumfolge, nimmt mit der Zunahme der Distanz zum Eingang hin ab.
Eine Geschossebene darunter befindet sich der Personalzugang sowie das offene Parkgeschoss mit 18 Stellplätzen, sechs davon überdacht. Grosszügige Park- und Fahrbahnflächen sollen Kunden, Mietern und Mitarbeitern einen einladenden und bequemen Empfang bereiten. Die Tragstruktur ist hier über das charakteristische Stützenraster ablesbar, welches natürliche Belichtung und offene Blickbeziehungen zur begrünten Umgebung ermöglicht. Über eine Vereinzelungsschleuse im Altbau hat das Personal hier Zutritt zu Liftund Treppenanlagen mit Zugang zum Erd- und Untergeschoss. Eine weitere interne Verbindung zwischen Erd und Untergeschosses bietet das Treppenhaus, welches dem Neubau zugeordnet ist. Es fungiert nicht nur als Not und Fluchttreppenhaus, sondern ermöglicht dem Personal einen separaten Erschliessungsweg ausserhalb der Kundenzone ins Untergeschoss, wo sich neben dem Schulungsraum auch sämtliche Personalräume befinden. So zum Beispiel Mitarbeiterräume, Duschen, Umkleiden, Backoffice und eine Gemeinschaftsküche mit Zugang zu einem nach Südwesten orientierten Atrium. Es bietet nicht nur einen geschützten, ungestörten Zugang und Nutzung des Aussenraums, sondern ermöglicht auch eine natürliche Belichtung und Belüftung sowie eine räumliche Öffnung des Untergeschosses.
Konstruktion/ Materialisierung
Die Wohnungen in den Obergeschossen sowie deren Fassaden sollen von baulichen Massnahmen möglichst verschont bleiben. Lediglich der alte nordseitige Balkon und die südseitige Terrasse müssen zugunsten des Neubaus weichen, was aber durch die Nutzung dessen Dachs als Dachgarten/ Terrasse und Sitzplatz mit Südausrichtung kompensiert wird. Die Fassade des Altbaus wird nach energetischen Aspekten saniert und mit einem frischen Anstrich in warmen Grau versehen, Akzente werden über die neue rote Farbe der Fensterläden
erzielt. Das Farbkonzept orientiert sich am Erscheinungsbild der Raiffeisenbank und ist Garant für einen hohen Wiedererkennungswert. Der anschliessende Neu- und Erweiterungsbau spricht eine selbstbewusste, dynamische und offene Architektursprache, welche sich auch über die Konstruktion und Materialwahl ausdrückt. Gerasterte Grundrisse und Fassaden bieten ein Wechselspiel zwischen offenen und geschlossenen Flächen, zwischen tragenden und freien Raumvolumen. Die klare geschossübergreifende Tragstruktur in Form der runden Stützen
ist in Anthrazit eingefärbtem Beton ausgeführt. Die Fassadengestaltung des Neubaus ist ein Wechselspiel aus Glas- und Bronzeflächen, die sowohl im Sockelbereich als auch im Dachrand ihren Abschluss finden. Auch das neu angegliederte ostseitige Treppenhaus und die Verbindung zwischen Altbau und Neubau nehmen diese Materialisierung auf und verschmelzen so mit dem Hauptbau. Die Raumstruktur innerhalb der Geschosse ist
durch Leichtbauweise offen oder geschlossen gestaltet und ermöglicht spätere flexible Raumvarianz und Veränderung.
Das Projekt vereint optimale Organisation mit sinnvoller Ökonomie in einer zeitgemässen ästhetischen Architektursprache, welche den neuen Anforderungen der Mitarbeiter, Kunden und Bewohner des Hauses «Marfurt» in gleichem Masse gerecht wird.