SCHNIEPER ARCHITEKTEN
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Sanierung Schulhaus Krauer in Kriens 2009 - 2010

Baumanagement: Battagello + Hugentobler AG Stansstad  I  Farbkonzeption: Jörg Niederberger Niederrickenbach  I  Bauingenieur: Wälli AG Ingenieure Horw  I  Elektroingenieur: Wasmer Engineering und Kommunikationstechnik Kriens  I  HLK/Sanitäringenieur: W&P Engineering Stansstad
 
Wie ein Hochseedampfer thront das Primarschulhaus Krauer über einem in den Hang gebauten Sockel am Dorfrand von Kriens, kurz bevor die Strasse die letzten Einfamilienhaushänge am Pilatus erschliesst. Das 1972 vom Krienser Architekten Ernst Müller entworfene Schulhaus steht unverrückbar an der Strasse und weist eine eigenständige architektonische Sprache auf, die sich nicht an bestehenden Bauten im Dorfkern orientiert. Durch Stützen losgelöst vom Boden grenzt sich der Bau wörtlich wie sinnbildlich von der gebauten Umgebung ab. Der Sichtbetonbau wirkt je nach Ansicht abweisend und hart, und auch die Tatsache, dass der Bau auf Stützen steht, nimmt ihm nichts von seiner Schwere. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Krauerschulhaus die Krienser Bevölkerung und die Lehrerschaft, die darin wirkt und arbeitet, in zwei Lager spaltet. Die einen sehen darin ein Schmuckstück aus der Zeit des Brutalismus, für die anderen ist der Bau nichts anderes als ein karger Betonkörper. Die an der Eingangsseite fensterlosen Klassenzimmertrakte verstärken diesen Eindruck zusätzlich, da man sich als Fussgänger meist von dieser Seite her dem Gebäude nähert. Spärlich eingesetzte Materialien, überwiegend Beton und Aluminium, prägen den Baukörper.

Bei genauerem Hinschauen fallen einem jedoch etliche Details auf, welche die sorgfältige Planung des damaligen Architekten zeigen: Die Anordnung der Schulzimmer, die gut zu möblierenden Grundrisse, die beidseitige Belichtung mit natürlichem Licht mittels Oblichtbändern und die grösstmögliche Freispielung der Klassenzimmer, um gegenseitige Lärmstörungen zu verhindern. Die Aufständerung auf Stützen schafft einen grossen gedeckten Pausenbereich, welche den Kindern bei Regen und Schnee Schutz bietet und als Aufenthaltsraum dient.

Ein sanierungsbedürftiges Dach, undichte, tropfende Fenster sowie die schlechte Dämmung waren die Hauptgründe, welche die Gemeinde zur Sanierung bewegten. Die Gebäudehülle entspricht mit ihren drei Zentimetern Dämmung keinem modernen Standard mehr, und da Kriens das Label der Energiestadt trägt, hat die Gemeinde bei öffentlichen Bauten besondere Verantwortung wahrzunehmen. Die Sanierung erfolgt in zwei Etappen, wobei die notwendige Erneuerung der Fenster und Fassade Vorrang hat und bereits im Sommer 2009 durchgeführt wird. In einer späteren Phase wird auch im Innern renoviert, voraussichtlich im Jahr 2010.

Die Frage war nun, wie man mit dieser vorhandenen Bausubstanz umgeht, ohne die ursprüngliche architektonische Sprache zu verfremden und dem Bau seine Geschichte zu nehmen. Ein Beispiel könnte die Schwimmhalle im Sockel sein. Sie hat bereits eine Sanierung hinter sich, wobei der ganze Körper mit Dämmung versehen und mit Aluminium-Platten verkleidet wurde. Nach vielen Analysen des Baukörpers und seiner Umgebung fiel der Entscheid aber gegen die anfangs von der Gemeinde vorgesehene Aluminiumverkleidung zugunsten einer aussen gedämmten, verputzten Fassade. Die Komplexität des Baus mit seinen vielen Einzelkuben, dem dreigeteilten Sockel, den Zimmertrakten und Vor- und Rücksprüngen wäre durch die kleinteilige Textur dieser Platten stark konkurrenziert worden.

Die einschneidendste Veränderung, die vorgenommen wird, ist neben der Fassadensanierung und Fenstererneuerung die Umgestaltung der Pausenhalle. Was jetzt einen eher düsteren ersten Eindruck macht, der durch die schwer drückende Konstruktion verstärkt wird, soll zukünftig einen kindgerechten, verspielten Empfang bieten. Zweierlei Massnahmen sollen dafür sorgen, die Kinder willkommen zu heissen. Als Kontrapunkt zur strengen Geometrie, die das Areal prägt, werden runde Sitzbänke aus Beton in unterschiedlichen Höhen und Durchmessern frei platziert, die dazu animieren, darauf zu turnen und spielen. An der Rückwand des Erschliessungskerns wird eine Kletterwand angebracht, um so dem Bewegungsdrang der Kinder gerecht zu werden. Dort wo die schwere Betondecke momentan noch aufs Gemüt drückt, werden neue zylinderförmige Leuchten eingelassen, die ebenfalls mit unterschiedlichen Grössen spielen.Von Bedeutung wird auch das Herausbrechen der beiden Seitenflügel aus Beton sein, was den gesamten Raum um je zwei Meter verbreitert und mehr Licht und Platz schafft. Durch diesen Eingriff wird auch die Tragkonstruktion mit den gestaltprägenden Stützpfeilern herausgeschält. Die Farbwahl für die Stützen, ein warmes Rot-Orange, vervollständigt diesen Gedanken. Für das Farbkonzept und die Wahl der Verputze zeichnet Jörg Niederberger verantwortlich. Der in Büren NW tätige Künstler und Farbkonzepter wurde von Beginn weg in die Planung miteinbezogen und hat einen wesentlichen Beitrag zur endgültigen Erscheinung des Hauses geleistet. Das Farbkonzept sieht fünf differenzierte Grautöne mit leichter Farbnuance vor, die in einem bestimmten Muster an die Fassadenflächen aufgetragen werden. Die zwei weiteren Farben, die eingesetzt werden, sind das Rot-Orange der Stützen und ein dunkles Anthrazit für die Verglasungen und den Sonnenschutz. Der Sockel mit Turnhalle und Verbindungstrakt wird einheitlich unifarben behandelt und setzt sich so von dem daraufliegenden Schulbau ab. Die Idee, die Struktur des rohen Betonbaus zu übernehmen und in die Putzstruktur zu übertragen, führte zum Entscheid für vier Putzvarianten. Die Palette reicht von einem einfachen Negativputz über einen Kellenwurf oder Flachputz. Auf diese Art wird die Geschichte des Baus nicht zerstört, sondern versucht, die Rohheit des Béton bruts gegen aussen weiterzutragen. Das Wechseln des Farbtons und der Putzstruktur über Eck passt zu dem Gefüge aus Körpern, das dem Spielen mit Bauklötzchen gleicht.

Die äussere Gestalt wird nicht nur von der Fläche, sondern vor allem auch durch die Öffnungen geprägt. Die Fensterbänder werden in ihrer Grösse und Struktur mehrheitlich übernommen, und auch das Öffnungsverhalten, das auf der West- und Ostseite gegensätzlich ist, wird beibehalten. Aus Kostengründen und aufgrund der erhöhten Lichtdurchlässigkeit verzichtet man jedoch auf das Oblichtband und zieht die Flügel nach oben. Alle Fenster und Verglasungen sind aussen in einem Anthrazitfarbton gehalten, und auch der Sonnenschutz mit Ausstellstoren aus Stoff zieht sich in diesem Ton durch. Sie halten sich so vornehm zurück und lassen dem Farbenspiel der Putzfassaden Raum.

Der schwierige Umgang mit einer Bausubstanz, die gerade von etwas lebt, das vernünftigerweise verschwinden muss, fordert heraus. Die geplanten Massnahmen sollen aber dafür sorgen, die Akzeptanz der Benutzer zu stärken und sie mit Freude das neu sanierte Schulhaus in Beschlag nehmen zu lassen! Dann ist ein wesentlicher Beitrag geleistet.