Neubau Mehrfamilienhaus Einfache Gesellschaft «wohnen vals» in Vals 2003 - 2005

«wohnen vals» ist eine aus drei Familien bestehende einfache Gesellschaft. Diese Heimweh-Valser haben sich den Traum einer eigenen Wohnung in ihrem Heimatdorf erfüllt. Die Parzelle, welche diese Familien erworben haben, liegt am Rande des Dorfzentrums von Vals, das wegen seiner Mineralwasserquelle und Therme bekannt ist. Das schmale, längliche Grundstück, die knappen Grenzabstände und das Raumprogramm mit drei Wohnungen haben das Projekt zu einer Herausforderung gemacht. Die Gebäudeausrichtung nimmt Bezug auf die Nachbargebäude östlich und westlich der Parzelle; es entsteht eine Einheit im Kleinen mit wohlproportionierten Räumen und Durchblicken. Diese Situierung und das dreigeschossige Gebäudevolumen wurden nur dank der Einwilligung der Nachbarn der Bauherrschaft zu einem Näherbaurecht und der aufgeschlossenen Baubewilligungsbehörde möglich.
Die kraftvolle Umgebung mit dem tief eingeschnittenen Tal, die Holzhäuser mit den markanten Steindächern und die Scheunen an den Hängen über dem Dorf waren Ausgangspunkt und Inspiration für das Holzhaus mit Steindach. Die fünfeckige Form des Hauses ist die Folge der Grenzabstände und der konsequenten Umsetzung des Baugesetzes.

Von der Valéestrasse gelangt man über einen mit einer hüfthohen Sichtbetonmauer gefassten Vorplatz zum Haus. Dieses schwebt als Holzkubus mit einer rohen, horizontalen Fassadenschalung aus schmalen Lärchenlatten über einem Betonsockel. Die Aluminiumverkleidungen der Öffnungen – Fenster, Balkone und Eingang – lassen die Fassade zu einer Schicht werden, der «dritten Haut» der Bewohner. Das Dach mit der traditionellen Steindeckung unterstützt die klare Form des Hauses und ist gleichzeitig das verbindende Element zu den umliegenden Bauten. Der Auto- und Velounterstand steht als Solitär neben dem Haus. Seine mit Efeu überwachsenen Aussenseiten bilden einen Kontrast zur harten Sichtbetonoberfläche im Innern. Zwischen den Haupttexturen des Hauses und dem Unterstand entsteht ein anregender Austausch – Holz, Efeu und Sichtbeton.

Der Eingang setzt sich um die Höhe des Betonsockels vom Vorplatz ab. In der raumhohen Eingangsverglasung spiegelt sich die Bergwelt und lässt trotzdem einen zaghaften Blick ins Innere zu. Der orange, glatte Bodenbelag im Treppenhaus begleitet die Bewohner zu den Wohnungen. Dieser halböffentliche Raum erhält entlang der Treppenläufe Zenitlicht und wird mit den massiven Brüstungen zu einer Projektionsfläche für Licht und Schatten. Die eingebauten Garderobenschränke sowie die Zugänge zur Waschküche und zum Technikraum lassen das Treppenhaus zu einem gemeinsam genutzten Wohnraum werden.

Die drei Wohnungen, eine 3-, 4- und 5-Zimmerwohnung, unterscheiden sich in der Materialisierung und der Anordnung der Küchen und Nassräume. Das gemeinsame Element sind die grossflächigen Schiebefenster nach Süden auf dem jeweiligen Balkon. Dieser schmale Aussenbereich verbindet sich bei geöffnetem Fenster mit dem Wohnraum. Dadurch entsteht eine grosszügige, gedeckte Terrasse – ein geschützter Aussenraum in diesem oft rauen Bergklima.

Text: August Keller, Schnieper Keller Architekten

01 - Dorf
02 - Valsergranit Dächer
03 - Südwestfassade
04 - Valser-Rhein
05 - Blaue Stunde I
06 - Blaue Stunde II
07 - Blaue Stunde III
08 - Wohnung EG / Wohnen
09 - Wohnung EG / Küche
10 - Wohnung EG / Sitzplatz

Fotos: Marco Homberger, Luzern †

01 - Situation
02 - Erdgeschoss
03 - Obergeschoss
04 - Dachgeschoss
05 - Schnitt
06 - Südfassade
07 - Westfassade
08 - Nordfassade