Studienauftrag Feuerwehr- und Werkhofgebäude Eichenspes in Kriens 2. Rang 2009 - 2010

Städtebauliche Eingliederung
Der Standort für das neue Feuerwehr- und Werkhofgebäude Eichenspes liegt am westlichen Ortseingang. Die Parzellen liegen an einer der engsten Stelle in Kriens, von hier dehnt sich die Stadt wie durch ein Nadelöhr Richtung Luzern aus. Nicht nur die räumliche Beschränkung ist hier charakteristisch, sondern auch die Grünflächen, die vielen Bäume und der beidseits nahe Wald. Dieser Standort auf der feucht-sumpfigen Wiese eignet sich sehr gut für die neue Funktion, die darauf geplant ist. Die nahen Wohnbauten im Norden werden durch den Neubau in ihrer Grösse nicht verdrängt, denn sowohl ihre Höhe wie auch der etwas höher gelegene Standort am Hang ergeben ein schönes Nebeneinander. Der benachbarte Schulhauskomplex Feldmühle zeigt durch seine Volumetrie ebenfalls schon die öffentliche Nutzung, die in dieser Zone entlang der Hauptstrasse ihren Platz findet.

Es war für die Planung wichtig, den Bau teilweise offen und einsichtig zu gestalten. Der Entwurf sieht dazu zwei L-förmige, massive Körper vor, die im 90°-Winkel zueinander stehen. Als Weichkörper umschliessen diese massiven Teile die Fahrzeughalle, bei welcher Tor und Dach in Leichtbauweise erstellt sind. Durch diese Massnahme entsteht ein Hofraum, welcher zweierlei Wirkung erzielt. Zum einen wird so die Enge des Strassenraumes räumlich verbreitert und ausgedehnt, was dem Gebäude Luft und Weite schenkt. Zum andern gibt man so den Passanten Einblick in das Innenleben des Werkhofes und zeigt, was sich dahinter abspielt. Dies ist aus dem Grunde von besonderer Bedeutung, da es sich bei dem Neubau um ein der Öffentlichkeit dienendes Gebäude handelt, das in der Regel aber nicht öffentlich zugänglich ist.

Materialisierung
Sichtbeton als Hauptmaterial prägt die äussere Erscheinung des Gebäudes. Beide L-Körper, der geschlossene Trakt im Westen sowie der offene Unterstand im östlichen Werkhofbereich sind in Beton ausgeführt, es ist das dort vorherrschende Material. Der rohe und nüchterne Beton ist zweckmässig und strahlt doch eine Festigkeit und Langlebigkeit aus, was für diesen Bau bedeutend ist. Die teils grossflächigen Betonwände werden mit einem kleinen gestalterischen Eingriff gegliedert und aufgelockert. Feine Schattierungen enstehen, indem die Schalungstafeln beim Betonieren leicht verschoben werden, so dass der flüssige Beton durch diese Ritzen dringt und vorstehende Überzähne bildet, welche den Mauern bei entsprechendem Lichteinfall Leben verleihen. Das stark von Bäumen umgebene Grundstück, die Baumallee entlang der Zufahrtsstrasse und der Spielplatz östlich der Parzelle betten den Neubau in eine weiche, natürliche Umgebung. Die Härte und Klarheit des Sichtbetons bieten eine schöne Leinwand für die sich den Jahreszeiten anpassenden Bäume mit ihrem Farbrausch. Achsgrosse, transparente Glastore bei der Fahrzeughalle geben die Sicht frei auf die Nutzung und durchfluten die Halle gleichzeitig mit viel Tageslicht, was für die Arbeit sehr erleichternd und angenehm ist.

Als sinnliches Gegenstück zum Sichtbeton kommt Bronze als ergänzendes Material ins Spiel. Das edel und warm anmutende Metall kommt überall dort zum Einsatz, wo die weichen, austauschbaren Elemente des Gebäudes sind, also an den Gewänden und Fenstern, den Türen und Toren, den Geländern und dem Vordach der grossen Fahrzeughalle, die in den westlichen Trakt eingespannt ist. Ein leichter Glanz sorgt für Spiegelungen der Farben und Formen der Umgebung und symbolisiert Wertigkeit. Die Menge des Betons und der spärliche Gebrauch der Bronze ergeben zusammen gemäss ihrer Ausstrahlung ein ausgewogenes Verhältnis zueinander. Gemeinsam mit der Natur und ihren Bäumen entsteht ein spannungsvoller Dreiklang.

Es ist vorgesehen, die Betonmauer der geschlossenen Teilumfriedung des Hofes durch ein Kunst am Bau-Projekt zu ergänzen. Das Spannungsfeld der Ummauerung, die vor Blicken schützt, und einem Kunstobjekt, das genau dazu dient, Blicke an sich zu ziehen, ist interessant und kann spielerisch thematisiert werden. Die Zusammenarbeit mit einem Künstler oder einer Künstlerin komplettiert das Gebäude und mit ihm die öffentliche Aufgabe, die ihm zukommt.

Erschliessung
Die gesamte Werkhof- und Feuerwehrerschliessung erfolgt über einen grosszügigen, elf Meter breiten Zugang ab der Obernauerstrasse. Die Aufteilung in Einstellhalle, Fahrzeughalle und Werkhofareal ermöglicht diese gemeinsame Einfahrt, die verschiedenen Fahrzeuge werden direkt beim Eingang in die jeweiligen Bereiche geleitet. So kann die für die Erschliessung notwendige Fläche auf ein Minimum reduziert werden. Die Feuerwehr hat durch die Anordnung des Verwaltungstraktes und des Werkgeländes eine gute Übersicht über die Strassenverhältnisse und kann während eines Einsatzes schnell und sicher in die Strasse einbiegen. Mitarbeiter der Feuerwehr und Besucher, die mit dem Auto kommen, fahren von der Obernauerstrasse in die Einstellhalle, von wo sie über das südliche und Werkhofmitarbeiter über das nördliche Treppenhaus in das Gebäude oder den Hof gelangen. Ergänzend zu den Parkplätzen im Untergeschoss können die Parkplätze im Hof, gegenüber der Fahrzeughalle benutzt werden. Da alle Nutzungen räumlich schön voneinander getrennt sind, stören sie sich nicht gegenseitig in ihrem Betrieb. Trotzdem sind gemeinsame Synergien möglich, vor allem im Bereich des grossen Hofes, welcher je nach Bedarf mal als Übungsareal für die Feuerwehr und mal als grosser Wendeplatz für die Werkhoffahrzeuge dienen kann. Mit einer Breite von 20 Metern und einer Gesamtfläche von fast 1800 m2 kann optimal manövriert werden.

Als Fussgänger und Velofahrer erreicht man das Areal ebenfalls über die Einfahrt an der Obernauerstrasse. Ein gedeckter Vorplatz nimmt die Besucher in Empfang und bietet den Fahrrädern Witterungsschutz. Das anschliessende südliche Treppenhaus bedient dann die Feuerwehrräume sowie die teilweise öffentlichen Säle im ersten Obergeschoss. Das zweite Treppenhaus und der Warenlift befinden sich an der nördlichen Gebäudeseite und sind nur für den Betrieb innerhalb der Belegschaft des Werkhofes und der Feuerwehr gedacht.

Organisation
Das Werkgebäude gliedert sich in die zwei Bereiche für die Feuerwehr und den Werkhof, was sich auch an der räumlichen Anordnung ablesen lässt. Im westlichen Trakt des gebauten Winkels sind die Räume der Feuerwehr untergebracht. Die Verwaltung und das Einsatzbüro sind zentral beim Eingang angeordnet, mit guter Sicht auf Hof und Einstellhalle. Durch einen gedeckten Eingang gelangt man zu den Büroräumen und den Garderoben, welche direkt mit der Halle verbunden sind. Ebenso an die Halle angrenzend befinden sich die Nebenräume der Feuerwehr, etwa der Atemschutzserviceraum oder das Materialmagazin. Die teilweise öffentlich zugänglichen Säle, welche nach Bedarf unterteilt werden können, sind über das südliche Treppenhaus gut zu erreichen und richten sich nach Westen, ins Grüne.

Die grosse Fahrzeughalle wird in der Mitte getrennt von einem gemeinsamen Waschplatz. Die Feuerwehrfahrzeuge parkieren im westlichen Teil, die grossen Werkhoffahrzeuge wie Lastwagen und Unimog/Linder mit deren Aufsätzen im östlichen Teil. Weitere Parkplätze für kleinere Werkhoffahrzeuge sind in der Einstellhalle vorgesehen.

Eine Aussentreppe entlang der Ostfassade erschliesst das Büro des Werkhofchefs und weitere Räume des Werkhofes. Diese Räume können auch via Halle oder südliches Treppenhaus erreicht werden. Ein grosser Aufenthaltsraum, das Magazin und Nebenräume für die Werkhofnutzung sind im östlichen Trakt in diesem Geschoss untergebracht. Direkt an den Lift angrenzend ist im zweiten Obergeschoss die Wasserversorgung geplant und ebenfalls in diesem Trakt der grosse Magazinraum des Werkhofes. Weiter bietet sich hier genügend Platz für das Kleidermagazin, das Lager sowie Wasch- und Trockenraum der Feuerwehr und diverse haustechnischen Räume.
Der Aussenraum wird vom täglichen Werkhofbetrieb geprägt sein. Das zweite betonierte L, ein offener Unterstand, bietet abgetrennte Schotten, welche mit diversen Materialien und Gerätschaften gefüllt werden können. Ganz dem Projektnamen Boxenstopp entsprechend wird hier ein reger Betrieb von ein- und ausfahrenden, beladenen und entladenen Werkhoffahrzeugen herrschen, welche den Hof und die einzelnen Werkstationen für sich in Beschlag nehmen werden.

Text: Cornelia Keller, Winterthur

01 - Abgabeplan I
02 - Abgabeplan II
03 - Abgabeplan III
04 - Abgabeplan IV
05 - Abgabeplan V