Wettbewerb Sanierung / Erweiterung Alters- & Pflegeheim Serata Zizers 2. Rang / 1. Preis 2007

ARGE: Battagello & Hugentobler Architekturbüro AG, Stansstad

Bericht des Preigerichtes
Das Projekt «aussicht» zeichnet sich aus durch einfache, klar strukturierte Eingriffe. Für die neu erforderten Nutzungen wird das bestehende Altersheim ‚Serata’ nordseitig um zwei südseitig um eine Gebäudeachse erweitert, die gedeckte Verbindung zur benachbarte Schule entfällt. Während die nordseitige Erweiterung auf angenehm selbstverständlich Weise die charakteristische und ausdruckstarke Architektur von Andreas Liesch weiterführt gelingt dies bei der südseitigen Erweiterung nicht gleich überzeugend. Auch der verringerte Abstand zur Schule müsste sorgfältig überprüft werden.

Der Eingangsbereich für Bewohnerinnen und Besucher wird mit dem übersichtlich gestalteten Empfang sowie der grosszügig dimensionierten und neu an der Südwestecke des Gebäudes platzierten Cafeteria stark aufgewertet. Auch die weiteren Anpassungen an die neuen Bedürfnisse sind mehrheitlich sorgfältig, funktionell und übersichtlich gestaltet:

Die Raumschicht von Cafeteria, Mehrzweckraum und Speisesaal entlang der Westfassade mit herrlicher Weitsicht lässt unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten zu. Die eher kleinzelligen Infrastrukturräume der Administration sowie Coiffeur und Fusspflege befinden sich gut auffindbar an der Ostseite des Gebäudes, ein direkter räumlicher Bezug zwischen Eingangsbereich und dem Obstgarten wäre allerdings wünschenswert. Die innenliegende Serviceschicht wird mit Nutzungen wie Stuhllager und neuem Bettenlift funktionell optimal und übersichtlich ergänzt, dabei wird die räumliche Transparenz sogar noch verbessert. Knapp dimensioniert und dargestellt ist die erweiterte Produktionsküche, deren inneren Abläufe sind jedoch, soweit lesbar, effizient und plausibel. Allerdings ist das Aufheben der Servicetreppe als interne Verbindung zum Untergeschoss unzulässig und nicht nachvollziehbar.

Eine grosse Qualität des Projektes liegt in der Aufwertung des Untergeschosses zum eigentlichen Gartengeschoss. In guter Verbindung zur Haupttreppe und den Liften befinden sich Ergotherapie sowie die Tagesstrukturräume, alle mit direktem Zugang zum geschützten Garten. Auch Wäscherei und Werkstatt sind attraktiv in die Raumschicht integriert und optimal belichtet, die Flexibilität hinsichtlich zukünftiger Nutzungsanpassungen ist gross.

Leider gelingen die Anpassungen der Wohngeschosse nicht auf ebenso bestechende Weise. Zwar erhält das Attikageschoss neue Qualitäten durch zusätzliche Belichtung der Erschliessung mit Oberlichtern und eine grosszügigere Raumteilung der Zimmer. Die Anordnung des Ferienzimmers und des Gruppenwohnraumes wirkt dagegen beengt, die isolierte Platzierung des Büros für die Pflegedienstleitung in der Attika fern ab der Administration ist nicht nachvollziehbar.

Das unprätentiöse Weiterführen der Zimmerachsen, das bei den Fassaden angenehm unaufgeregt wirkt, kann im Grundriss nicht überzeugend umgesetzt werden. Die vorhandene Grundrissstruktur der beiden Obergeschosse wird für die Erweiterung zugunsten grösserer Zimmerflächen aufgegeben. Die Proportion der neuen Zimmer wird dadurch schlechter, die Erschliessung ist zu knapp dimensioniert und schränkt die natürliche Belichtung der inneren Erschliessung empfindlich ein. Grundsätzlich positiv bewertet wird die Lage von Stationszimmer und Gruppenräumen am südlichen Kopf des Gebäudes. Allerdings wäre auch hier eine Optimierung der einzelnen Flächen in ihrer Grösse und Lage zueinander wünschenswert. Aussagen zur Konstruktion/Materialisierung sowie zu energetischen Massnahmen fehlen fast vollständig, eine Beurteilung ist daher schlecht möglich. Die konsequente Beschränkung auf zwei vergleichsweise kompakte Erweiterungsbereiche sowie der respektvolle Umgang mit der bestehenden Gebäudestruktur bietet aber durchaus das Potential für durchschnittliche Erstellungs- wie auch Betriebskosten.

»aussicht» zeichnet sich aus durch einen sorgfältigen und respektvollen Umgang mit der Architektur des von Andreas Liesch 1974 erstellten Gebäudes. Insbesondere beeindruckt die teilweise aufscheinende Fähigkeit, die bereits vorhandenen räumlichen Qualitäten noch zu stärken. Leider bleibt das Projekt in grossen Teilen schematisch, ein Eindruck, der durch die knappe Darstellung unterstützt wird.

01 - Visualisierung Westansicht
01 - Abgabeplan I
02 - Abgabeplan II
03 - Abgabeplan III
04 - Abgabeplan IV