Werkhalle & Büros «am Teuchelweiher» in Diessenhofen 2019 - 2020

Diessenhofen, eine Kleinstadt an der Grenze zu Deutschland gelegen, gehört zum Kanton Thurgau. Richtung Norden ist das Städtchen mit 4000 Einwohnern räumlich durch den mäandrierenden Rhein definiert. In östlicher und westlicher Richtung wird das Gemeindegebiet durch Wald begrenzt.

Der Holz-Neubau, eine Werkhalle mit Büros und Autoeinstellhalle, ist ein Erweiterungsbau, welcher die bestehende Vielfalt von Architektursprachen und Nutzungen ergänzt. Die Baugeschichte der clusterartigen Gebäudestruktur beginnt im Jahr 1881 und entwickelt sich über sieben Etappen bis zum Jahr 1972. Das Areal ist über 7’500 Quadratmeter gross und liegt unmittelbar gegenüber dem Bahnhof Diessenhofen.

Der rechteckige Erweiterungsbau, ab Erdgeschossniveau ein modularer Holzbau, mit einem Fussabdruck von knapp 600 Quadratmeter wird durch eine 60 Quadratmeter grosse, trapezförmige Annex Terrasse ergänzt. Der Zwischenbau mit 200 Quadratmeter Fläche knüpft nordwestlich an das bestehende Gebäude-Cluster an.

Der in Diessenhofen verbaute Holz-Element-Bau sowie alle Stahlträger waren bereits für zwei Jahre in Zürich am Mythenquai für ein temporäres 2-geschossiges Mitarbeiterrestaurant der Swiss Re im Einsatz. Etwas mehr als 2/3 der Elemente, welche in Zürich verbaut wurden, können nun wieder in Diessenhofen verwendet werden als «Second Life Bau». Im Erdgeschoss als Spritzhalle für die bereits ansässige Schreinerei und im Obergeschoss für Büronutzungen.

Der Neubau ersetzt drei alte Holzunterstände, welche der Schreinerei als Holzlager dienten. Der 2-geschossige, wiederverwendete Holz-Modul-Elementbau wurde aus der Vorgabe des Stahlstützenrasters von 6 x 6 Metern den örtlichen Gegebenheiten angepasst, was einem äusseren Gebäudemass von 18 x 30 Meter entspricht.
Die Holz-Fassadenelemente werden an der modularen Stahlstruktur angehängt. Die 6 Meter langen Holzdeckenelemente liegen auf den horizontalen Primär-/ und Sekundär- Stahlträgern. Die Lasten der horizontalen Stahlträger werden über die 24 vertikalen Stahlstützen abgeleitet.

Vier verschiedene Modul-Typen, alle 2 Meter breit und 20 Zentimeter tief, zweiseitig beplankt und ausgeflockt, bilden die Grundstruktur des Holzbaus. Die vier Modultypen unterscheiden sich einzig in ihrer Länge und ihrer Funktion. Das Deckenelement ist 6 Meter lang. Die beiden Geschossfassadenmodule mit einer Höhe von 4 Metern kommen in zwei unterschiedlichen Ausführungen vor. Die erste Variante ist ohne Fenster. Die zweite Variante ist mit Einbaufenster inklusive Lamellenstoren und Fensterbank. Der vierte Modul-Typ ist das Dachrandelement mit einer Höhe von 40 Zentimetern.

Auf dem Flachdach wird eine 30 kWp-Solaranlage betrieben. Neben der üblichen Stromnutzung werden in einem ersten Schritt auch zwei Ladestationen für Elektroautos in der Einstellhalle installiert.

Mit einem neugestalteten Douglasie-Fassadenkleid, welches vorgehängt auf die bestehenden Fassadenmodule angebracht ist, bekommt der Modulbau einen eigenständigen architektonischen Ausdruck mit regionalem Identitätsfaktor. Die 10 Zentimeter breiten und 8.4 Meter langen, vertikal beplankten Holzlatten bedecken nur 50 Prozent der Fassadenfläche. Dadurch ist die horizontale Unterkonstruktion, welche in einem Achsabstand von 50 Zentimetern angebracht ist, gut sichtbar. Das Holz für die stringente, netzartige, dreidimensionale Douglasie-Fassadenstruktur kommt aus dem Bürgerwald in Diessenhofen. Die Bäume wurden gemäss dem Mondkalender am 16. März 2020 gefällt und werden nun über drei Mondphasen getrocknet, was diesem Projekt zusätzliche Qualität und lokale Verbundenheit verleiht.

ArchitekturCumulus vom 29. Mai 2020: «Second Life Bau» in Diessenhofen

01 - 23. Juni 2020: zweite Etappe Decke über Auto-Einstellhalle mit Aussparung für Treppe
02 - 11. Juni 2020: erste Etappe Decke über Auto-Einstellhalle wird betoniert
03 - 2. Juni 2020: Schalung Decke über Untergeschoss
04 - 20. Mai 2020: Fundamente für Betonstützen fertig
05 - 7. Mai 2020: Aushub mit Magerbeton
06 - 20. April 2020: Spatenstich mit Geri Stolz Keller Bauherrin (links), Oliver Rütimann Unternehmer, August Keller Bauherr und CEO der kpm3 (rechts)
01 - Situation
02 - Untergeschoss
03 - Erdgeschoss
04 - Obergeschoss
05 - Längsschnitt
06 - Querschnitt
07 - Nordostfassade
08 - Südostfassade
09 - Nordwestfassade