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New York Subway: Ein Holzbankklassiker soll ersetzt werden

Eine ikonische Bank in der New York Subway (MTA), über die ich schon lange einen Post machen wollte, soll ersetzt werden. Die Holzbank ist ein Klassiker im Subway-System. Mir gefällt die schlüssige Konstruktion und deren Formensprache sehr.

Die Holzbank erinnert an den Gerrit Rietveld Stuhl aus dem Jahr 1918, der ebenfalls aus einfachen Holzelementen besteht. Der Stuhl hatte durch seine klare Designsprache eine neue Sicht auf Möbel & Architektur eingeläutet.

Die 3.2 Meter lange Bank bietet sechs Personen bequem Platz. Die elegante Sitzgelegenheit besteht aus nur elf einfachen Holzteilen, die mit Holz-Zapfverbindungen fixiert sind. Die Bank ist bequem zum Sitzen und strahlt durch seine Materialität in der oft trostlosen Untergrundwelt eine angenehme Atmosphäre aus. Durch die fünf mittigen Armlehnen hat jede Person eine natürliche und angenehme Distanz zum Nachbarn. Sie sind nicht nur aus Gründen des Komforts angebracht; die Bänke sollten durch die Unterteilung der Sitzfläche das Schlafen in horizontaler Lage verunmöglichen…

Ich habe dieses Jahr überrascht festgestellt, dass die Holzbänke an meiner «Home-Subway-Station» an der 145th Street in Harlem durch Chromstahlbänke ersetzt wurden. Auf Nachfrage teilte man mir mit, dass die Holzbänke diesen Frühling ausgewechselt wurden – aus hygienischen Gründen.

Bronze-Skultur, Tom Otterness ,14th St/8 Av, A/C/E, Uptown Platform (Foto: pat)

Klar ist, dass die Holzbänke bezüglich Hygiene und Pflege in New York nicht optimal sind. Ich habe re­cher­chie­rt und ziemlich gruslige Geschichten bezüglich Sauberkeit und den NY-Subway-Holzbänken gefunden. Neben Lebensmittel-Resten und anderen unbekannte Substanzen sollen sich sogar Bettwanzen in den Bänken eingenistet haben. Die neuen Chromstahl-Bänke (siehe Foto 145th Street) sind bestimmt viel hygienischer und auch einfacher im Unterhalt, bezüglich Atmospäre haben die neuen Bänke jedoch keine Chance. Bei meiner Re­cher­che für diesen Post habe ich festgestellt, dass die Holzbänke, welche nun aus der New York Subway langsam verschwinden sollten, ein emotionales Thema sind. Die MTA verkauft diese nun für $ 650 das Stück! Ich werde keinen kaufen, seit ich weiss, dass die Bänke auch Träger von Bettwanzen sein könnten. Auch habe ich mich diesen September nicht mehr so bedenkenlos auf die Bänke gesetzt…

Ich hoffe sehr, dass die Bank mit der Bronze-Skulptur von Tom Otterness an der 14th Street als Erinnerungstück erhalten bleibt. Soviel ich weiss, können Bettwanzen Bronze nichts anhaben!

Tipps:

Hudson Yards: «Vessel» – Was darf ein Lächeln kosten!

Vor knapp zwei Jahren, am 24. Dezember 2017, habe ich den ersten Post zum Vessel mit dem Titel «Der Weg ist das Ziel!» verfasst. Der 46 Meter hohe Treppenturm – die Tou­ris­ten­at­trak­ti­on 2019 in New York ist nun seit diesem März eröffnet, und ich war sehr gespannt auf die erste Besteigung.

Bevor man mit dem Treppensteigen beginnen darf, muss an einem der interaktiven Bildschirmen auf dem Platz per QR-Code ein Gratis-Ticket gelöst werden. Da ich kein Mobile habe, musste ich an einen Stand gehen, etwas abseits, wo ich ein physisches Ticket erhalten habe. Nun bin ich stolzer Besitzer eines stofflichen Vessel-Tickets, das erst noch am 11. September 2019 ausgestellt wurde.

Wie so oft im Leben machen die sinnfreien Aktivitäten am meisten Spass… Ich bin beindruckt von den neuen Perspektiven auf Manhattan. Die bronzefarbige Treppenanlage hat unten einen Durchmesser von 15 Metern, der sich dann bis nach oben auf 46 Meter ausdehnt. Die Sicht auf die umliegende Stadt verändert sich mit jeder Stufe. Je höher man steigt, desto mehr werden die Treppenrahmen, die ein unregelmässiges Hexagon bilden, zu Bilderrahmen. Auf den obersten Ebenen wird so die ganze Umgebung durch 63 sechseckige Rahmen abgebildet, mit einem dynamischen Bildinhalt, wenn man sich auf der Anlage bewegt. Eine interessante, räumliche Erfahrung, für die sich das Treppensteigen lohnt. «Vessel» ist ein Hotspot für die Selfie-Generation. Es wird in alle Richtungen fotografiert. Der ideale Ort, um die Perspektive zu entdecken. Die Umgebung mit den neuen Hochhäusern und dem Blick auf den Hudson ist atemberaubend.

Vier Treppenläufe und zwei Podeste bilden ein Hexagon.

Natürlich haben auch sinnfreie Projekte ihren Preis. Das erste Preisschild im Jahr 2016 war 75 Millionen Dollar. Im Jahr 2018 war die Rede von 200 Millionen Dollar für die 2‘500 Stufen, welche 16 Ebenen erschliessen. Es lässt sich im Leben nicht immer alles mit Geld in Beziehung bringen. Wenn ich die vielen Menschen auf der Anlage beobachte – mit einem Lachen im Gesicht – hat sich die Investition gelohnt. Die Anlage ist jeden Tag elf Stunden geöffnet. Es können maximal 1’000 Personen auf einmal auf den «Vessel», ein Ticket ist für eine Stunde gültig, das macht maximal 11’000 Personen pro Tag x 365 Tage = 4’015’000 Person pro Jahr. Bei einer Auslastung von 50 Prozent sind das ca. 2 Millionen Besucher in einem Jahr.

In 100 Jahren – der «Vessel» ist sehr solide mit Stahl aus Italien gebaut – betragen die Baukosten pro Besucher $1. Das ist doch nicht zu viel für ein Lächeln!

Tipps

Architekturstudium: 4. Semester

In diesem Semester stand für mich als berufsbegleitende Studentin der Entwurf im Mittelpunkt. Die Aufgabe bestand darin, in Göschenen/UR ein Wellnessbad aus Betonelementen zu entwerfen.

Das Bad in einer Explosionszeichnung. Von unten nach oben: das Fundament, die rechteckigen Kernzonen, die geschwungene Hülle, die Decke aus Betonelementen.

Um ein Verständnis für Beton und die Tektonik zu erhalten, analysierten wir als Vorübung verschiedene Bauten. Parallel dazu hielten wir Göschenen fotografisch fest und versuchten, nach eigenen Präferenzen einen reizvollen Ort im Dorf zu finden.

Den idealen Platz für meine Badeanlage fand ich an einer Lichtung im Wald. Am Nordhang, am Ende des Dorfes, stellte ich mir die Aufgabe, das Wellnessbad zwischen die hohen Fichten zu setzen. Die Form meines Objektes ergibt sich aus den bestehenden Nadelbäumen. Eine organische Form bildet die äussere Hülle. Sie besteht aus Sandwichelementen, die einen einheitlichen Radius haben und damit den repetitiven Sinn der Betonelemente aufgreifen. Überschneidungen dieser Elemente bilden die Öffnungen zum Wald oder zu einer Lichtung hin. Gleichzeitig sollte das Licht den Besucher durch die verjüngenden Passagen führen. Zwei rechteckige Kernzonen bilden im Inneren einen Kontrast. Sie bieten Platz für Garderoben, Duschen, Toiletten und den Spabereich. Die zwei Badebecken befinden sich jeweils am Ende des langen, geschwungenen Volumens. Das Innenbecken (in der Explosionszeichnung das obere) ist introvertiert und hat nur eine Überschneidung, die sich zu einer Baumgruppe hin öffnet. Das Aussenbecken blickt Richtung Dorf.

Der Innenraum mit dem Blick Richtung Wald

Die Idee dieses Entwurffachs war, sich an die Formfindungen heranzutasten. Dadurch, dass wir viele Freiheiten hatten, wie beispielsweise die freie Wahl, wo wir unser Gebäude hinsetzten oder was für ein Raumkonzept wir möchten, hatte ich grosse Schwierigkeiten, mich im Prozess an Sachen festzuhalten. Ich musste erst lernen, mich selber einzuschränken und Prämissen zu setzen, um überhaupt Resultate zu sehen. Schlussendlich bin ich mit dem Endergebnis zufrieden und freue mich, die neu erlernten Erkenntnisse im nächsten Semester anzuwenden.

Das zweite Fach, das bei mir diesen Sommer weit vorne stand, war die «Summer School». Seit mehreren Jahren organisiert die Hochschule Architektur & Technik in Zusammenarbeit mit ausländischen Hilfsorganisationen eine «Summer School». Dabei wird von den Studenten der Hochschule ein Projekt geplant und vor Ort ausgeführt. Seit 2017 arbeiten sie mit der «Sristi Foundation» zusammen. Sristi Village ist ein Dorf, das zur Stadt Pondicherry gehört und im Süden Indiens liegt. Ein Wohnort für physisch und psychisch beeinträchtigte Menschen.

Glückliche Studenten am Richtfest, das Grundgerüst steht!

In einer Gruppe von zwölf Schweizer Studenten reisten wir Anfang Juli für drei Wochen nach Indien. Nach einer mehrtägigen Kulturreise durch die Millionenstadt Bangalore, brachen wir Richtung Auroville auf. In dieser «universellen» Planstadt, die nach eigenen Gesellschaftstheorien lebt, hatten wir unsere Unterkunft. Täglich fuhren wir mit dem Car nach Sristi Village. Mithilfe von sechs indischen Studenten und Arbeitern, die hauptberuflich Gebäude aus Bambus bauen, konnten wir starten. In dieser kurzen Zeit gelang es uns, das Grundgerüst des gewünschten Wohnhauses zu errichten. Es wurde nach unserer Abreise von den Bambusarbeitern beendet.

Eine für mich einmalige Erfahrung zu sehen, wie Menschen in Grossstädten zwischen Autohupen, Abfall und Kühen leben und wenige Stunden davon entfernt mehrheitlich Brachland liegt, das von Randgruppen bewirtschaftet wird. Eine Reise, nach der Architekturstudenten sogar ihre Nachtschichten zu schätzen lernten.

Tipps:

Haus Optiker – Kunst am Bau: Eine Betrachtung von Annalisa Viati Navone

Unter dem Titel «Erscheinungsformen der Interaktion zwischen Architektur und Kunst» befasst sich Annalisa Viati Navone im Architektur-Magazin Faces Nr. 75 mit der Künstlerin Adriana Beretta aus Bellinzona. Im Abschnitt mit dem Untertitel «Die Strategie der Verlangsamung des Blicks» beschreibt Annalisa die beiden künstlerischen Eingriffe von Adriana im Haus Optiker in Lungern bei Bürglen in Obwalden.

Metallskulptur im Atrium | Foto: A. Beretta

Die beiden Kunstprojekte – im Entrée und Atrium – sind präzise auf das Haus Optiker abgestimmt. Im Entrée wird man von vier aneinandergereihten, raumhohen Leinwänden in den Farben Gelb und Rot empfangen, die teilweise mit einem handschriftenähnlichen Muster beschrieben sind. Eine «autobiografische Landschaft» der Bauherren, stellt Annalisa fest.

Der zweite künstlerische Eingriff verlagert sich von der Horizontalen (Entrée) in die Vertikale ins Atrium oder Vitrine, wie Annalisa diesen Raum beschreibt. Eine weisse Metallskulptur aus aneinandergereihten T-Profilen verbindet die drei Geschosse des Hauses über acht Meter miteinander. Beide Arbeiten zeichnen sich durch einfache Grundformen und der Wiederholung aus.

Die vielschichtigen Betrachtungsmöglichkeiten der beiden Arbeiten von Adriana Beretta beschreibt Annalisa Viati Navone tiefgründig in der aktuellen Ausgabe von Faces.

Tipps:

Milano Architektur-Selfie :-)

Der diesjährige Büroausflug führte uns nach Mailand, siehe auch Blogpost vom 29. Mai 2019 «Architettura e Espresso». Das Architektur-Selfie hat sich vor drei Jahren auf unserem Büroausflug nach Kopenhagen spontan etabliert: Architektur & ArchitektInnen.

Duomo di Santa Maria Nascente (Mailänder Dom) , Höhe 108 M, 1385 | Galleria Vittorio Emanuele II, Architekt Giuseppe Mengoni, 1867
Torre Velasca, Höhe 106 M, Architekt BBPR, 1958 | Monumento a Sandro Pertini, Architekt Aldo Rossi, 1990
Nova sede Università Bocconi, Grafton Architects, 2008 | Uffici e abitazioni in Corso Italia, Architekt Luigi Moretti, 1956
Villa Necchi Campiglio, Architekt Piero Portaluppi, 1935 | Ca’ Brutta, Architekt Giovanni Muzio,1922
CityLife – Residenze Hadid, Architektin Zaha Hadid, 2013 | Condominio in Via Nievo, Architekt Luigi Caccia Dominioni, 1957
Milano Centrale, Breite 200 M / Höhe 72 M, Architekt Ulisse Stacchini, 1935 | Grattacielo Pirelli, Höhe 124 M, Architekten Gio Ponti & Pier Luigi Nervi, 1960
Pirelli HangarBicocca, Architektenbüro Studio April, 2014 | Fondazione Prada, Architekt Rem Koolhaas – OMA, 2015
Bosco Verticale, Höhe 80 / 110 M, Architektenbüro Boeri Studio, 2014 | Casa d’abitazione in Viale Tunisia 50, Architekten M. Asnago & C. Vender, 1936

Tipps:

Architettura e Espresso

Bis zum diesjährigen Büroausflug hatte ich Mailand noch nie besucht. Für mich stand diese Stadt  stellvertretend für die Expo 2015, die Möbelmesse und den Mailänder Dom. Wir genossen die mailändische Architektur – «Case Milanesi» – feine Espressi und Nachtessen im «Ombra» und «Erba Brusca». Der erste Tag startete im historischen Stadtkern, der sich um den Mailänder Dom konzentriert.

Blick vom Dach des Mailänder Domes. Links: eine Fiale des Domes, Mitte: «Torre Velasca», Rechts: «Torre Martini»

Die italienische Moderne, die ihren Anfang nach dem ersten Weltkrieg fand, erlebt man, sobald man den Domplatz verlässt.

Bis zur 18. Etage befinden sich Büros, die darüberliegenden sieben Stockwerke sind auskragende Wohngeschosse

Der «Torre Velasca» charakterisiert die Italo-Moderne ausgezeichnet. Er hebt sich mit seiner Höhe von 106 Metern von der Umgebung ab und prägt somit das Stadtbild. Das Faszinierende ist seine untypische Form. Anstelle einer Verjüngung in die Höhe, geschieht bei diesem Gebäude das Gegenteil; die oberen Geschosse ragen pilzförmig an den Betonstreben aus. Dadurch erhält der Turm eine fragile Wirkung und gibt dem Betrachter das Gefühl, die auskragende Kante könnte abbrechen. Mit vier vertikalen Pfeilern wird die Querfassade dreigeteilt (sechs vertikale Pfeiler teilen die Längsfassade). Weiter wird die Fassade durch spangenförmige, fensterhohe Lisenen in der Vertikalen durchgängig gegliedert. Zwischen die Lisenen spannt sich eine unregelmässige, Tetris-artige Struktur, welche aus Fenstern, Balkonen und schmalen Betonelementen besteht. Die horizontalen, geschlossenen Brüstungsbänder stehen in einem Kontrast zu den vertikalen Fassadenelementen. Trotz des italienischen «Dolce Vita» schien mir die Fassadengestaltung bei den meisten modernen Gebäuden sehr strukturiert. Themen, wie beispielsweise die Gewände um die Fenster, werden wiederholend aufgegriffen.

Salonraum mit den doppelten Fenster der Villa Necchi Campiglio

Am Samstag besuchten wir die «Villa Necchi Campiglio ». Das Gebäude wurde 1935 für die süditalienische Unternehmerfamilie Necchi gebaut und lädt heute mit einer halbrunden Treppe und dem gleichförmigen Vordach ein. Die Villa ist sorgfältig und grosszügig mit verschiedenen Holzarten und Natursteinen eingekleidet. Das im modernen Stil erbaute Gebäude hat einen Raum, der mich sehr beeindruckte. Der Salonraum, welcher den Bewohnern möglichst viel Tageslicht bietet, sollte die Privatsphäre der Bewohner nicht vernachlässigen. Der Architekt plante doppelte Fenster mit 50 cm Luft dazwischen, welche eine terrariumartige Funktion haben. Dazwischen setzte er die Bepflanzung, die als Sichtschutz dient. Das Gefühl, durch Glas von der Aussenwelt getrennt zu sein, verschwindet. Die Führung lohnt sich!

800 Bäumen, 4’500 Sträucher und 15’000 weitere Pflanzen werden auf den beiden Hochhäusern bewirtschaftet.

Am dritten Tag besuchten wir die im 2014 fertig gestellten Zwillingstürme «Bosco Verticale», übersetzt der senkrechte Wald. Die zwei Wohntürme wurden vom italienischen Architektenbüro Boeri Studio geplant und realisiert. Das Konzept eines begrünten und nachhaltigen Wolkenkratzers mit mehreren Hunderten Pflanzen, schien trotz des grauen Himmels und des Regens eine Lebendigkeit auszustrahlen. Die von Glasfassaden geprägte Umgebung bilden einen extremen Gegensatz und lassen das Gebäude noch stärker wirken. Den Abschluss unserer Architekturreise bildete das Fondazione Prada. Hier begegnete uns wieder der Architekt Rem Koolhaas, dessen Ikonen wir schon von Rotterdam kannten. Den Empfang des Komplexes bildete das vergoldete Gebäude einer ehemaligen Destilliere. Der Komplex, der aus bestehenden und neuen Bauten zusammengesetzt ist, begeisterte mich vor allem durch seine Materialvielfalt und Widersprüchlichkeit. Ein Beispiel davon sind die OSB-Platten und der weisse Beton, die er Wand an Wand in den Ausstellungsräumen einsetzt, ein Gegensatz von teuren und günstigen Materialien, jedoch ein Kontrast, der Koolhaas gelingt.

Ein kleiner Ausschnitt der bedeutungsvollen Architektur haben wir gesehen. Mit dem Wissen über viele weitere Gebäude und der Erfahrung, dass man überall guten Espresso bekommt, wird das nicht der letzte Ausflug nach Mailand gewesen sein.

Tipps:

Wie plane ich meine Zeit?

Als Architekt bin ich es gewohnt zu planen, sprich: Entscheidungen zu treffen, die zukunftsgerichtet sind. Was heisst das für meinen Alltag?

Architektur ist eine projektbezogene Arbeit. Das bedeutet, es gibt wenige Wiederholungen, denn jedes Projekt ist anders, was diesen Beruf auch so interessant und abwechslungsreich macht. Das erschwert es jedoch oft auch abzuschätzen, wie viel Zeit ich für eine Arbeit brauche. Gerade in der Phase vom Entwurf ist Zeit ein schwieriger Faktor. Ein Haus ist nie fertig entworfen, und trotzdem sollte man irgendwann auf einen Punkt kommen.

Ich wende für mich schon seit vielen Jahren folgende selbstentwickelte Zeitmanagement-Praxis an: Ich schätze für mich die Zeit, die ich für eine Arbeit brauche, und gebe dann noch einen Drittel dazu. Dieser Drittel Zeit gibt mir Spielraum. Ich kann etwas länger an einer bestimmten Aufgabe arbeiten oder ich kann auch noch andere Dinge erledigen, die immer wieder den Arbeitsalltag unterbrechen, ohne dass ich gleich unter Zeitdruck komme.

Was ich als 51-jähriger Architekt sagen kann; ich habe diesen Drittel immer gebraucht, meist für Dinge, die nicht zur eigentlichen Arbeit gehört haben. Mir fällt auf, wie knapp viele Menschen die Zeit für eine bestimmte Tätigkeit berechnen und dadurch konstant im «Stress» sind. Die Zeit für unerwartete Dinge wie: Telefone, Fragen von Mitarbeitern, spontane Besuche, Computerprobleme, Stau auf der Strasse und vieles mehr, was von vielen immer wieder unterschätzt wird. Auch sollte genügend Zeit für Pausen eingesetzt werden. Pausen sind keine verlorene Zeit!

Auf lange Sicht macht nur eine tiefgründige Arbeitsweise glücklich. Jede Arbeit kann mit der ihr nötigen Tiefgründigkeit vollbracht werden. Eine Arbeit in ausreichender Zeit zu erledigen, gibt Sicherheit und ist oft schneller, als das ganze dreimal nur halbherzig zu machen. Die Antwort auf eine bestimmte Frage bezüglich einer Arbeit sollte nie sein «Ich hatte nicht genügend Zeit», was man leider allzu oft hört, wenn eine oberflächliche Arbeitsweise analysiert wird.

Für meine Arbeit als Architekt ist der Drittel Zeitreserve sehr wichtig. Auch ich habe Situationen, in denen ich fremdbestimmt bin und diesen Drittel Zeitpuffer nicht zur Verfügung habe. Kurze Phasen, in denen ich unter Druck gesetzt werde, kann ich gut überbrücken, da ich ja für alle anderen Arbeiten meine stille Reserve habe.

Grundlage meines Zeitmanagements ist es abzuschätzen, wie viel Zeit ich für eine bestimmte Arbeit brauche. Ich setze mir jeden Tag Ziele, die ich erreichen will, und bin immer wieder überrascht, wie gut es funktioniert, wenn ich den Drittel Zeitreserve draufpacke. Wir Menschen sind oft zu optimistisch bezüglich unserer Zeitvorstellung. Das Abschätzen muss immer wieder neu trainiert werden, nur so kann ich ein gutes Zeitgefühl für meine Arbeit entwickeln, was Grundlage für ein gesundes Zeitmanagement und Leben ist.

Mit meiner Erfahrung – tägliches Training – kann ich mich auch bezüglich zu viel Arbeit professionell abgrenzen. Wenn ich etwas verspreche und dann auch halten kann, in einer Qualität, die mir ein gutes Gefühl gibt und meinen Auftraggeber zufrieden stellt, ist das für beide Seiten ein Gewinn.

Das schnelle, oberflächliche Erledigen einer Arbeit führt selten zum Ziel und macht irgendwann krank. Jeder Mensch muss für sich selber herausfinden, wie er intelligent mit seiner Zeit umgeht und so ein Gewinn ist für seine Umgebung – einer Umgebung, die leider allzu oft unter selbstverschuldetem Zeitdruck lebt…

Eine Stunde hat bei mir fast immer 40 Minuten, auch privat. Das heisst auch, dass ich weniger Aktivitäten planen kann, damit ich genügend Zeit für Unvorhergesehenes oder für mich habe. Weniger ist oft mehr, nicht nur in der Architektur.

Berufsbildung Schweiz – Folio 1/19: «Das Wichtigste im Raum ist der Mensch»

Lucia Theiler machte Ende des letzten Jahres ein Interview mit mir für das Folio – Das Magazin des BCH FPS Berufsbildung Schweiz – zum Thema Inspiration, Schulhäuser, Schulräume und ihre Gestaltungs-Elemente. Da ich selber an der HFTG in Zug unterrichte und als Architekt zwei Schulhäuser saniert habe (Umbau und Erweiterung Schulhaus Bündtmättli 2 in Malters & Sanierung Schulhaus Krauer Kriens), wurde ich von Andreja Torriani, Mitglied und Kommunikations-Verantwortlicher des Zentralvorstand Berufsbildung Schweiz, für dieses Interview angefragt.

Gute Architektur kann eine Atmosphäre schaffen, die sich inspirativ auf die Menschen auswirkt. «Das Wichtigste im Raum ist der Mensch». In einem Schulraum ist es die Lehrperson, die durch ihre Art zu begeistern vermag.

Tipp:

Architekturstudium: 2. und 3. Semester

In den letzten beiden Semestern durften sich die berufsbegleitenden Architekturstudenten aus dem zweiten und dritten Semester der Hochschule Luzern für Architektur und Technik über ein Jahr ohne Entwurf und wöchentliche Abgaben erfreuen, denn die Schwerpunkte lagen bei der technischen Planung und Gestaltung.

Im künstlerischen Bereich sind wir beim Skizzieren eingestiegen. Das Auffassen von Räumen und das Wiedergeben in schnellen Zeichnungen sollte die Grundlage sein, unsere zukünftigen Ideen in wenigen Strichen aufs Papier zu bringen. Die Weiterentwicklung ins Malen, Stempeln und Sprayen erlaubte uns, das Kreative auszuleben. Darauf aufbauend kam die Fotografie und das Dokumentieren von Licht, Oberflächen und Kompositionen. Parallel mussten die Arbeiten in Form von Broschüren, Plakaten und Büchern präsentiert werden. Den grössten Profit, den ich nebst den Grundlagen der Text- und Bildgestaltung aus diesen Fächern gezogen habe, war das Beherrschen und Vertiefen der Programme wie Photoshop und InDesign.

Drei minimalistische Bilder der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Ferienhaus «Stüssihofstatt» in Uri. Eine Gruppearbeit im Fach «Visuelles Gestalten».

Im Bereich der Planung wurden uns Normen, verschiedene Baumaterialien und das Entwickeln von Details gezeigt. Für mich als Studentin ohne Hochbauzeichnerlehre ist dies eines der wichtigeren Fächer. Darauf basierend folgte eine Gruppenarbeit, bei der die Aufgabe darin bestand, eine Nutzungsstudie für das Gewerbegebäude von Carl Mossdorf an der Tribschenstrasse 51 in Luzern zu entwickeln. Der vom Abbruch bedrohte Bau ist sehr umstritten und für uns Luzerner ein aktuelles Thema, zu dem viele einen persönlichen Bezug haben. Mit Vorgaben zum Planungsperimeter, der Anzahl Geschosse und Funktionen mussten wir eine möglichst ökonomische Lösung präsentieren, wobei der Entwurf nicht an erster Stelle stand. Den Vorteil, den wir als Studenten geniessen ist, dass die Dozenten ein gut begründetes Missachten der Normen oder Bauvorschriften akzeptieren. Auf der Strichperspektive ist unser unkonventionelles Endresultat sichtbar; ein zweigeschossiger Riegel quer über dem Gewerbegebäude.

Mein persönlicher Höhepunkt war das externe Fachseminar nach Paris. Wir haben Architekturikonen wie die «Villa Savoye» und die «Villa La Roche» von Le Corbusier besucht und dokumentiert. Das «Musée national des Travaux publics» des Stahlbeton-Pioniers Auguste Perret hat mich besonderst beeindruckt. Die sich nach unten verjüngenden Betonsäulen aus den 1940er-Jahren sowie die organisch geformte Treppe, welche ab dem Podest zweiläufig wird, haben durch ihre Grösse und Einfachheit bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Nach diesem ruhigen Semester freuen wir uns wieder auf das Entwerfen. Ich muss gestehen, ich freue mich sogar auf die nächtlichen Bastelsessions.

Tipps: