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Was zeichnet ein ikonisches Trikot einer Fussball–Nationalmannschaft aus?

Mit dem Beginn der Fussball-Weltmeisterschaft heute Abend steht für viele eine fussballverrückte Zeit bevor. Insgesamt werden 104 Partien mit 48 Teams ausgetragen. Warum unterstützt man eine Mannschaft? Wegen der Nationalität oder eines einzelnen Spielers, oder weil einem das Trikot gefällt, so wie bei mir 1978, als wir vor der WM die legendären PaniniBilder gesammelt haben und mir als Zehnjähriger das Trikot von Argentinien sofort gefallen hat.

Das kontrastreiche Argentinien Heimtrikot mit dem ikonischen gelben AFA–Badge

Was macht das Heimtrikot der argentinischen Nationalmannschaft so attraktiv? Für mich sind es die Kontraste. Das hellblau-weiss gestreifte Trikot symbolisiert das argentinische Firmament, während die schwarzen Hosen den vertikalen Streifen des Trikots einen Rahmen geben und für den Nachthimmel stehen. Abgerundet wird das Ganze durch die weissen Stutzen, die einen weiteren eleganten Kontrastpunkt setzen. Kontraste stehen im Fussball für Einsatz, Leidenschaft und Spielfreude. Zudem wirken sie auf die Zuschauer unverwechselbar und lebendig. Weitere gute Beispiele für kontrastreiche Heimtrikots sind: Brasilien, Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland und Kroatien. Leider werden die Trikots immer wieder unnötig verändert. Ein Beispiel ist das letzte WM-Finale zwischen Argentinien (weisse Hosen) und Frankreich (blaue Hosen und blaue Stutzen).

Über die Geometrie des Jerseys der «Albiceleste» habe ich mich im Juni 2010 in dem Beitrag «Göttliche Teilung …» auseinandergesetzt. In diesem Blogbeitrag möchte ich auf die scheinbar kleinen Details eingehen, die dafür sorgen, dass ein Trikot ausdrucksstark, charakteristisch und somit ikonisch wird. Die grafischen Darstellungen des Argentinien-Dresses sind optimierte Varianten, die ich erstellt habe. Sowohl das aktuelle WM-Heim– als auch das Auswärtstrikot von Argentinien sind aus meiner Sicht zu verspielt und modisch. Auch sind die aktuellen Hosen und Stutzen des Heimtrikots dunkelblau, was den Kontrast zur ursprünglichen Grundkomposition mit weissen Stutzen und schwarzen Hosen erheblich schwächt. Weiter sind die drei Adidas-Streifen auf Shirt und Hose beim Heimtrikot etwas zu breit, das gilt auch für das Adidas-Logo, das immer grösser wird. Eine «zwanghafte» Neugestaltung alle Jahre, die den Verkauf ankurbeln soll! Siehe dazu auch den Artikel «Produktdesign-Wahnsinn versus neue intelligente Designmöglichkeiten» vom 10. Juni 2016.

Der Badge bildet einen sehr wichtigen Kontrastpunkt, sei es auf dem Shirt oder der Hose. Mit seiner markanten gelben Farbe symbolisiert er die Sonne im argentinischen Wappen. Dank seiner klaren, gut lesbaren Form ist er ein weiterer wichtiger Baustein im Gesamtbild. Die drei gelben Sterne für die erreichten drei WM-Titel krönen den Badge und ergänzen den Ausrüster subtil.

Drei Sterne für drei WM-Titel – 1978 | 1986 | 2022 – zieren das Dress auch von hinten

Wichtige Details sind der hellblaue runde Halsabschluss sowie die hellblauen Bündchen an den Armen. Das Hellblau findet sich auch in Form von Akzenten auf Hosen und Stutzen wieder, das gilt auch für meinen Entwurf für das Auswärtstrikot, das sich am Heimtrikot orientieren sollte. Die drei schwarzen Adidas-Streifen auf dem Jersey, die weissen auf den Hosen sowie die hellblauen auf den Stutzen tragen auf elegante Weise zu einem gelungenen Kontrast beim Heimtrikot bei und bilden einen schönen Dreiklang. Die drei Sterne hinten auf den Stutzen sowie der hellblaue vertikale Balken darunter der Bezug auf die Bündchen von Shirt und Hose nimmt, sind subtile Details, die das Dress komplettieren.

Ein entscheidender Punkt für die Identifikation mit einer Nation ist die Verwendung der Originalfarben. Das sind für Argentinien Hellblau (Pantone 284) und Gelb (Pantone 1235).

Ein unnötiges Element, das jedes Nationalmannschafts-Shirt optisch schwächt, sind die Spielernummern auf der Brust. Diese wurden etwa ab 2010 eingeführt – aus welchem Grund? In der Champions League gibt es schliesslich auch keine Brustnummern. Daher sollte es auch bei Spielen der Nationalmannschaft möglich sein, auf Brustnummern zu verzichten. Ebenso gehören irgendwelche FIFA-Badges auf die Arme und nicht auf die Brust. Die Brust sollte nur mit dem Verbandsbadge sowie dem Ausrüsterlogo beflockt werden, um das Shirt optisch nicht zu überladen.

Für den virtuosen und eleganten Tanz auf dem Spielfeld braucht es das entsprechende Spielgerät. Für mich ist das ohne Frage der Tango Ball bezüglich Design, der bei der Fussball-WM 1978 in Argentinien zum ersten Mal im Einsatz war. Fussball-Kugel-Geometrie in schwarzer und weisser Perfektion. Siehe auch Blogpost vom Juni 2014 «FIFA WM-Ball: Design Evolution 1970- 2014».

Um die Tradition und Identifikation zu wahren, sollte das Heimtrikot einer Nationalmannschaft immer in seiner Original-Komposition aus Shirt, Hose und Stutzen verwendet werden. Die Gastmannschaft muss sich bei Bedarf immer mit ihrem Auswärtsdress anpassen. Ein Fussball-Nationalmannschaftstrikot repräsentiert eine Nation und sollte daher gestalterisch wie eine «Flagge» behandelt werden, da es sich um ein Symbol mit hohem Identifikationswert handelt. Die Verbundenheit mit dem Fussball – und somit auch mit einem Trikot – kann, wie im Falle Argentiniens, politisch instrumentalisiert werden. Dazu empfehle ich den Geschichts-Podcast der FAZ. Fussball-WM 1978 – wenn der Torjubel im Folterkeller zu hören ist.

Tipps:

Natur & Kunst: Storm King Art Center – Upstate New York

Das Storm King Art Center liegt im Hudson Valley in New Windsor, das etwa eineinhalb Autostunden von New York City entfernt ist. Unter freiem Himmel sind dort Werke von Künstlern wie Henry Moore, Richard Serra, Isamu Noguchi und vielen anderen zu sehen.

… Patrick, Renate, Anna mit Schunnemunk Fork von Richard Serra 1991 

Mein erster Besuch fand an einem heissen Herbsttag im September 2024 zusammen mit Renate, der Ex-Freundin von Alex Kayser und Board Member der Alex Kayser Foundation, und Anna, die Philosophie und Kunstgeschichte studiert hat, statt. Während der Busfahrt zum Park kam mir die Idee, das Architektur-Selfie zum Kunst-Selfie weiterzuentwickeln. Dafür bietet das Storm King Art Center eine gute Kulisse. Ich musste also meine Begleiterinnen davon überzeugen, vor jedem Objekt ein Kunst-Selfie zu machen und, wenn nötig, für die Grössenverhältnisse zu posieren. Am Anfang waren sie skeptisch, doch schnell wurde daraus Begeisterung und es entstanden viele lustige Momente im Dreiklang von Natur, Kunst und Mensch.

… zwei starke Frauen: Suspended von Menashe Kadishman 1977

Die Mittagssonne brannte vom Himmel und beeinflusste meine Wahrnehmung. Der Park ist durch seine teils monumentalen Kunstobjekte an sich ja schon surreal. Dieser Eindruck wurde durch die Hitze und das Zirpen der Grillen noch verstärkt. Wir wanderten durch diesen über zwei Quadratkilometer grossen Kunstpark mit seinen fast hundert Objekten und wurden immer wieder von grossen und kleinen Kunstwerken überrascht. Manche waren hinter kleinen Hügeln versteckt, andere waren schon von weitem gut sichtbar. Der Park ist zu gross, um alles an einem Tag zu sehen – inklusive eines gemütlichen Picknicks. Es stellte sich heraus, dass ein zweiter Besuch nötig ist, um den Teil der 80 Kunstwerke zu besichtigen, die wir noch nicht gesehen haben.

… Ania in ihrem «Koko» aus Stein – Momo Taro von Isamu Noguchi 1978

An einem relativ frischen Junitag 2025 fand mein zweiter Besuch mit Renate und Ania statt. Für Ania, die Kunstgeschichte studiert hat, war es der erste Besuch im Park. Storm King ist in sechs Zonen eingeteilt. In den Zonen «North Woods», «Museum Hill» und «Maple Rooms» sind die Kunstobjekte relativ nah beieinander. In den Zonen «Meadows», «South Fields» und «South Ponds» sind die Objekte teilweise bis zu zehn Gehminuten voneinander entfernt. Die kurzen Fussmärsche sind schöne Pausen, um das Gesehene zu reflektieren oder sich auf die nächste Überraschung zu freuen. Im Vergleich zu einem Museum, in dem die Werke optimal ausgeleuchtet sind, verändert sich das Licht unter freiem Himmel ständig, was dem Betrachter eine zusätzliche Perspektive gibt.

… ich und mein Lieblingskunstobjekt: Free Ride Home von Kenneth Snelson 1974

Neben Kunst und Natur spielen auch Essen und Geselligkeit eine wichtige Rolle. Im Park gibt es einen Kiosk, in dem man Kleinigkeiten zum Essen und Trinken kaufen kann. Ich empfehle, ein Picknick inklusive Decken selbst mitzubringen. New Windsor erreicht man ab Manhattan am bequemsten vom Port Authority Bus Terminal aus. Der Ausflug lohnt sich für alle, die New York bereits gut kennen oder kunstinteressiert sind. Aus meiner Sicht würde es sich lohnen, nur für diesen Park nach New York zu fliegen! Wer nicht ganz so weit reisen möchte, dem sei der etwas kleinere Kunstpark im Museum Serralves in der Stadt Porto empfohlen. Besonders gut hat mir bei diesem 1930 eröffneten Park der Baumkronenpfad gefallen, der weder Architektur noch Kunst ist.

… drei Kunst Enthusiasten plus Adonai von Alexander Liberman 1970–71

Das 1960 eröffnete Storm King Art Center beeindruckt durch seine zahlreichen hochwertigen Kunstobjekte des 20. und 21. Jahrhunderts sowie durch seine Weitläufigkeit. Letztere verleiht dem Ort eine zusätzliche Dimension. Aufgrund der Grösse trifft man nur wenige Menschen. Das ermöglicht es, Kunstinstallationen in Ruhe zu betrachten – nur begleitet von Vogelgezwitscher und dem Rauschen des Windes. Teile der Landschaft wurden speziell umgestaltet, um die oft monumentalen Kunstwerke optimal zur Geltung zu bringen. Im Storm King Art Center wird exemplarisch gezeigt, was es bedeutet, in eine Landschaft künstlerisch einzugreifen – mal plakativ und laut, mal subtil und leise. Beides kann seine Berechtigung haben.

Tipps:

Kritischer Rückblick auf mein berufsbegleitendes Architekturstudium an der HSLU

Diesen Sommer schloss ich mein berufsbegleitendes Bachelor-Architekturstudium an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur ab und durfte mein Diplom entgegennehmen. Vier Jahre liegen hinter mir, die geprägt waren von intensiven Phasen, langen Tagen, inspirierenden Begegnungen und auch Momenten, in denen ich das Schulsystem mehr als einmal hinterfragt habe. Als ich mich für dieses Studium entschied, brachte ich lediglich einen Maturaabschluss mit und keine Berufslehre als Zeichnerin. Gerade deshalb wählte ich bewusst den berufsbegleitenden Weg: Die Verbindung von Büroalltag und Ausbildung – und das Versprechen eines praxisnahen Studiums – schien mir die richtige Grundlage, um auf das Berufsleben vorbereitet zu werden.

… mein Selbstbild als Foto (Franz J. Venzin ★ photography) im strukturierten Büroalltag versus als Illustration im suchenden Studiumsalltag. Die Illustration wurde mit Nano Banana mit wenigen Prompts erstellt …

Folgende Anmerkung ist mir wichtig: Ich sehe mich nicht als Entwurfsarchitektin. Dieser Beitrag beschreibt meine persönliche Wahrnehmung des Studiums, geprägt von meinem eigenen Hintergrund, meinen Erwartungen und Erfahrungen. Ich hinterfrage meine eigenen Arbeiten mindestens genauso kritisch wie das System, in dem sie entstanden sind. Rückblickend hätte ich mir selbst das Diplom vermutlich nicht gegeben – und wohl auch nicht alle Module bestehen lassen. Gerade aus dieser selbstkritischen Haltung entstand diese Reflexion.

Vor allem in den ersten Semestern mochte ich die kreative Freiheit. Wir durften experimentieren und unsere Ideen vertreten. Baugesetze und Kosten spielten keine Rolle. Solange man eine Idee gut argumentieren konnte, schien alles möglich. Gleichzeitig fiel es mir oft schwer, losgelöst zu entwerfen. In meinem Hinterkopf war immer dieser Gedanke, dass ein Entwurf funktionieren muss und umsetzbar sein sollte. Sicherlich lag das auch an meiner Arbeit im Büro, wo ich nicht mit theoretischen Konzepten konfrontiert war, sondern mit Projekten, die praktische Prämissen hatten – wie Technik, Kosten und Termine. Während des gesamten Studiums befand ich mich in einem Spannungsfeld zwischen freier Kreativität im Studium und den konkreten Projektanforderungen im Büro.

Genau aus diesem Grund irritierte mich der Widerspruch zwischen dem, was das Studium versprach, und dem, was tatsächlich gelebt wurde. Die Schule wirbt mit Praxisnähe, jedoch gab es nicht wenige Situationen, in denen realistische, durchdachte Konzepte weniger gut bewertet wurden als spektakuläre Entwürfe, die in der Realität kaum gebaut werden könnten. Für mich passt das nicht zusammen. Eine Dozentin erklärte mir: «Im Bachelor gehe es darum, Dinge weiterzudenken, Visionen zu entwickeln, gesellschaftliche Formen kritisch zu hinterfragen und nicht unbedingt, wie realistisch ein Entwurf nun wirklich sei.» Ich kann diese Haltung nur teilweise nachvollziehen, da meiner Meinung nach ein praxisorientiertes Bachelorstudium dazu dienen sollte, die fachlichen Grundlagen zu erwerben. Das Entwerfen von utopischen Konzepten und visionären Lebensformen können Themen eines Masterstudiums sein. Wie soll etwas kritisch hinterfragt werden können, wenn noch gar kein Grundverständnis vorhanden ist?

Ein weiterer Punkt, den ich während des Studiums immer wieder hinterfragte, war das Thema Gruppenarbeit. Rückblickend wurden 3 von den insgesamt 5 Entwürfen (die Bachelorthesis davon ausgenommen) in Form von einer Gruppenarbeit durchgeführt. Dabei stellte sich für mich die Frage, warum mehrheitlich auf Gruppenprojekte gesetzt wurde. Wenn man die grundlegenden Werkzeuge des Entwerfens und Konstruierens noch nicht ausreichend beherrscht, wie soll ein Entwurfsprozess in der Gruppe funktionieren? Natürlich ist mir bewusst, dass jede Person unterschiedliche Stärken und Schwächen mitbringt und sich diese in einer Gruppe ergänzen können. Trotzdem empfinde ich Gruppenarbeiten im Entwurf als ein Thema für spätere Semester, wenn ein solides Grundverständnis vorhanden ist.

In den Entwurfsmodulen waren die Aufgabenstellungen vielfach offen formuliert und unklar. Ein Beispiel dafür ist der vierte Entwurf «Kontext» im 6. von insgesamt 8 Semestern, der sich mit dem Thema Städtebau beschäftigte. Der Entwurf war als Gruppenarbeit in Zweierteams organisiert, wobei jeder Gruppe ein unterschiedlicher Standort innerhalb der Gemeinde Emmen (LU) zugeteilt wurde. Laut Aufgabenstellung bestand das Ziel darin, «ein tiefgreifendes Verständnis für die ökologischen, soziologischen, kulturellen und nicht zuletzt ökonomischen Rahmenbedingungen eines typisch schweizerischen städtischen Umfelds zu entwickeln.» Solch eine Aufgabenstellung sollte meiner Meinung nach für ein Masterstudium gedacht sein und nicht für das Bachelorstudium, da noch kein Grundverständnis zum Thema Städtebau vorhanden war. Aufgrund dieser Überforderung sind wir schlussendlich von der Aufgabenstellung abgewichen und haben ein Szenario entwickelt, wie sich der nordöstliche Teil des Militärflugplatzes in den nächsten 20 Jahren verändern könnte. Zusätzlich waren die zur Verfügung gestellten Grundlagenpläne für unseren Standort beim Militärflugplatz Emmen unvollständig und ungenau. Konstruktionen mussten anhand von Fotografien interpretiert werden, während Distanzen und Masse teilweise geschätzt werden mussten. Für einen städtebaulichen Entwurf wäre dies grundsätzlich in Ordnung, jedoch waren am Ende trotzdem Grundrisspläne erwünscht, wo die Nutzungen inklusive Möblierung ersichtlich waren. Ähnlich offen gestalteten sich auch die Abgabeanforderungen. Zwar waren Modelle und Pläne grundsätzlich erwartet, doch weder Anzahl noch Art der Pläne und Modelle waren klar festgelegt und konnten ausgehandelt werden. Wenn begründet werden konnte, warum beispielsweise keine Fassaden oder Schnitte notwendig seien, mussten diese Pläne nicht zwingend erstellt werden. Wir verzichteten beispielsweise auf Fassadenpläne (siehe Abgabepläne) und bauten ein Modell als Querschnitt durch den Hangar (das Gebäude, welches wir bearbeiteten), in dem lediglich ein Fassadenausschnitt sichtbar wurde. Trotzdem haben wir das Modul bestanden – obwohl Fassadenpläne eigentlich immer zu einem Projekt gehören.

Diese Kombination aus offenen Aufgabenstellungen, unterschiedlichen Standorten und vergleichsweise frei interpretierbaren Abgabeformalitäten empfinde ich als schwierig für eine kohärente und faire Bewertung. Wie sollen die Entwürfe der Studierenden miteinander verglichen werden, wenn sie an unterschiedlichen Orten liegen, nicht alle die gleichen Pläne abgeben und die Aufgabenstellung so offen ist, dass grundsätzlich jede Person oder Gruppe ein völlig anderes Konzept erarbeitet? Das ist fast so, als ob im Deutschunterricht alle einen Aufsatz schreiben, aber über unterschiedliche Themen.

Trotzdem gab es viele Momente, die ich sehr geschätzt habe. Vor allem der Austausch mit meinen Mitstudierenden hat das Studium getragen. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, Inputs gegeben, Projekte gemeinsam weitergedacht und uns durch die intensiven Wochen vor den Abgaben begleitet. Aus anfänglichen Mitstudierenden wurden Freundschaften, die bestehen bleiben.

Für mich bleibt ein gemischtes Fazit: vermeintlich viel gelernt, aber eigentlich viele Themen nur oberflächlich gestreift. Oft fehlte für mich der zusammenhängende Aufbau. Obwohl die meisten Dozierende über ein grosses Wissen verfügten, gelang es nicht immer, die Inhalte und Aufgaben nachvollziehbar in einen übergeordneten Kontext zu stellen. So blieben häufig einzelne Informationen zurück, die sich nur schwer zu einem klaren Gesamtbild fügen liessen.

Wenn ich heute zurückblicke und mich frage, wo ich am meisten gelernt habe, dann war das im Büro. Dort habe ich die Zusammenhänge verstanden und gelernt, wie Architektur funktioniert und was es bedeutet, ein Projekt von innen heraus zu begleiten. Dazu gehörten konstruktive und technische Fragestellungen, das Verständnis von Arbeitsabläufen sowie die Organisation eines Bauprojekts. Ich lernte, in welchen Phasen welche Aufgaben anfallen und zu welchem Zeitpunkt Abklärungen mit Projektleitern, Fachplanern oder Bauherrschaften notwendig sind. In der Schule hingegen gab es wenig, bei dem ich sagen könnte: «Das habe ich dort komplett neu gelernt» – zumindest nicht im architektonischen Kernbereich. Was ich jedoch sehr wohl mitnehme, war die Möglichkeit, gestalterische Themen zusätzlich zu meiner Arbeit im Büro im Studium vertiefen zu können. Diese Fähigkeiten werde ich auch in Zukunft nutzen können und bin froh, dass diese Bereiche im Studium Platz hatten.

Nach diesen vier Jahren bin ich dankbar für die Erfahrungen im Studium und Berufsalltag, die Menschen und die Zeit, die mich auf ihre ganz eigene Weise prägten.

Tipps:

Lissabon & Porto: Pastéis, Azulejos und ein Busfahrer ohne Bremsen…

Pastéis de Nata

Bei unserer diesjährigen Büroreise besuchten wir in fünf Tagen die beiden portugiesischen Städte Lissabon und Porto. Was dabei nicht fehlen durfte, war das Verkosten der berühmten Pastéis de Belém. Das Gebäck ist vor allem unter dem Namen «Pastéis de Nata» bekannt, da sich nur die originalen Törtchen der Antiga Confeitaria de Belém in Lissabon «Pastéis de Belém» nennen dürfen. Das Originalrezept dieser Puddingtörtchen wurde im 17. Jahrhundert von den Nonnen des Hieronymusklosters kreiert.

Die Azulejos begleiteten uns auf unserer ganzen Reise. In beiden Städten trafen wir immer wieder auf die bunten, glasierten Keramikfliesen an den Gebäudefassaden: an Bahnhöfen, Kirchen und Wohngebäuden. Die Azulejos, eine Hinterlassenschaft der Mauren, erzählen heute die Geschichte portugiesischer Handwerkskunst. 

Azulejo: Souvenir aus Port von Soma Ideas

Bei unserer ersten Erkundungstour durch das Zentrum der portugiesischen Hauptstadt besichtigten wir einige der bekanntesten Touristenattraktionen der Stadt, darunter auch das eindrucksvolle Convento do Carmo. Dieses ehemalige Kloster wurde beim grossen Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 weitgehend zerstört. In den Überresten der Anlage befindet sich heute ein kleines archäologisches Museum, das Gegenstände aus verschiedenen Epochen zeigt. Die einzigartige Atmosphäre dieser Ruine hat mich tief beeindruckt und wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

«Als wir durch den kleinen Eingang in das Convento do Carmo kamen, hatte ich das Gefühl, plötzlich an einem anderen Ort zu sein. Es war still und der belebte Platz mit Cafés vor dem Eingang schien weit entfernt zu sein. Ich merkte, wie ich ruhiger und leiser wurde. Ich setzte mich auf die Treppe neben dem Eingang und liess die Atmosphäre der verwitterten, aber hellen Mauern und Bögen, die in den blauen Himmel ragten, auf mich wirken.»

Fabienne Ottiger

Homem Vermelho von Sérgio Pombo, 1973 im Convento do Carmo

Wir besuchten auch das weitläufige Messegelände von Lissabon, auf dem 1998 die EXPO stattfand. Nebst der grosszügigen Promenade, die sich entlang des Tejo erstreckt und immer wieder weite Ausblicke auf den Fluss bietet, beeindruckte uns besonders der portugiesische Pavillon, der vom Architekten Álvaro Siza Vieira entworfen wurde. Die klare Formensprache und die fast minimalistische Gestaltung des Pavillons wirkten in Realität noch beeindruckender, als wir es uns vorgestellt hatten.

«Das Dach vom Pavilhão de Portugal ist riesig, aber wirkt trotzdem total leicht. Fast so, als würde es schweben. Wenn man darunter steht, fühlt sich alles ruhig und offen an. Man merkt gar nicht, wie viel Beton über einem ist. Es hat etwas sehr Friedliches fast wie ein grosser, geschützter Park mitten in der Stadt. Man hat das Gefühl, dass der Ort einen für einen Moment aus der ganzen Hektik herausnimmt.» 

Yassmina Schnieper – 1. Lehrjahr

Bei wunderschönem herbstlichen Licht besichtigten wir am späten Nachmittag das Centro de Arte Moderna Gulbenkian mit seinem kleinen, aber feinen Park sowie dem eindrucksvoll geschwungenen Dach, das von Kengo Kuma entworfen wurde.

«Eine Woche bevor ich den neuen Eingangsbereich des Centro de Arte Moderna Gulbenkian in Lissabon besucht habe, war ich in Tokio und habe die beiden ebenfalls von Kuma entworfenen Museen Museo Nezu und Museo del santuario Meiji Jingu besucht. Bei allen drei Museen ist es äusserst faszinierend, wie der japanische Architekt die grossen Vordächer, die zu fliegen scheinen, mit dem Innen- und Aussenraum verbindet.»  

Patrick J. Schnieper

Sardinen von Jose Gourmet.

Während unseres Spaziergangs in Porto stiessen wir auf den Laden Casa Natal, der definitiv einen Besuch wert ist. Es ist ein Lebensmittelgeschäft mit über hundertjähriger Tradition mit getrockneten Früchten, Konserven, Gewürzen und Weine. Die gesamte Rückwand des Bedienungstresens war randvoll mit den unterschiedlichsten Sardinendosen gestapelt. Wer die Sardinen von Jose Gourmet selbst probieren möchte, muss dafür aber nicht unbedingt nach Porto reisen. Die Sardinen sind auch bei uns im Globus erhältlich.

Am frühen Morgen bei stahlblauem Himmel überquerten wir die Ponte de Luís, das Wahrzeichen von Porto. Wir liefen auf der oberen Etage neben den Trams ins Portweinviertel Vila Nova de Gaia. Von dort aus starteten wir unsere Erkundungstour und liefen dabei auf der unteren Etage neben den Autos wieder in Richtung Altstadt von Porto.

«Über die Ponte de Luís in Porto fahren sogar Trams, was die ganze Brücke noch lebendiger wirken lässt. Man spürt manchmal, wie sie leicht schwingt, wenn ein Tram vorbeifährt und zusammen mit dem starken Wind fühlt sich das total aufregend an. Die Aussicht ist mega schön und man hat das Gefühl, mitten im Leben der Stadt zu stehen. Vor allem die Höhe über dem Wasser macht den Moment besonders faszinierend und eindrücklich.»

Yassmina Schnieper – 1. Lehrjahr

Mein Highlight in Porto war die Livraria Lello: voll, laut, aber magisch. Während J. K. Rowling in Porto lebte, liess sie sich von der Stadt und der Buchhandlung für ihre Harry-Potter-Romane inspirieren. Ein Muss für alle Harry-Potter- und Architektur-Fans!

«Die Livraria Lello hat mich vor allem innenarchitektonisch beeindruckt: die dunklen, beinahe raumhohen Holzregale, die farbige Glasdecke und diese verrückte Treppe in der Mitte. Sie sieht aus wie aus Holz geschnitzt, ist aber eigentlich aus Beton – und ihre verdrehte, fast schwebende Form hat mich sofort an Hogwarts erinnert. Ich bin zwar kein riesiger Harry-Potter-Fan, aber die Inspiration von J.K. Rowling ist wirklich nicht zu übersehen.» 

Fabienne Ottiger

Im Hintergrund die Livraria Lello – v.l.n.r. Patrick, Fabienne und Yassmina

Nach einem entspannenden und gemütlichen Mittagessen erlebten wir im Kontrast dazu eine eher abenteuerliche Busfahrt zum Museum Serralves. Das lag nicht nur an den holprigen Strassen und dem ruckartigen Beschleunigen und Bremsen. Auch die Ansicht des Busfahrers rote Ampeln eher als Empfehlung zu betrachten und nicht als verbindliche Vorschrift trug dazu bei. Wir hielten uns fest und waren erleichtert – ebenso unsere vollen Mägen –, als wir vor dem Museum aussteigen konnten. Im Museum angekommen, war alles wieder still und wir konnten uns gedankenversunken der Kunst widmen.

«Das von Álvaro Siza entworfene Museum Serralves in Porto hat mich bis auf einige gelungene Innenräume, die durch eine interessante Lichtführung und kubistische Wirkung überzeugen, nicht besonders beeindruckt. Sehr gut gefallen hat mir hingegen der Park mit seinen Kunstinstallationen. Er hat mich an das Storm King Art Center in der Nähe von New York erinnert – besonders der Baumkronenpfad, der weder Architektur noch Kunst ist.»

Patrick J. Schnieper 

Sky Mirror von Anish Kapoor, 2018 im Park des Serralves Museum

Wir verbrachten fünf inspirierende Tage in Portugal – drei davon in Lissabon und zwei in Porto. Dabei sind mir zwei Dinge aufgefallen. Die Überalterung unserer Gesellschaft zeigt sich auch im Tourismus. In beiden Städten hatte es relativ viele ältere Touristen, die durch die Gassen «schlichen».

Positiv überrascht – insbesondere in Anbetracht der vielen Städtereisenden – hat mich die echte Freundlichkeit der Portugiesen, die uns stets mit einem Lächeln empfingen. Dieses Gefühl von Gastfreundschaft verlieh unserer Reise einen besonders sympathischen Eindruck. Das war bestimmt nicht mein letzter Besuch in Portugal und ich freue mich bereits auf die nächste Städtereise.

Tipps:

Lissabon & Porto Architektur-Selfie 🙂

Das Architektur-Selfie ist seit neun Jahren ein absolutes Muss – so auch auf unserem diesjährigen Büroausflug Anfang Oktober. Es macht einfach Spass und inspiriert dazu, Alltägliches – auch die Architektur – mit etwas Humor und Gelassenheit zu betrachten.

Lissabon: Arco da Rua Augusta, 1875   |   Lissabon: Kirche, Igreja do Carmo (Gotik)
Lissabon: Expo’98, Portugiesischer Pavillon, Architekt Álvaro Siza   |   Lissabon: Bahnhof Oriente, Architekt Santiago Calatrava 1998
Lissabon: Lift de Santa Justa, Höhe 45 Meter, 1902   |   Lissabon: Teatro Éden, Art déco, 1931
Lissabon: Energia de Portugal Headquarters, Architekt Alejandro Aravena, 2024   |   Lissabon: Centro de Arte Moderna, Architekt Kengo Kuma, 2025
Lissabon: MAAT – Museum of Art, Architecture and Technology, Architektin Amanda Levete, 2016   |   Lissabon: Champalimaud Centre for the Unknown, Architekt Charles Correa Associate, 2004
Lissabon: Denkmal für die Veteranen, 1994   |   Lissabon: Denkmal der Entdeckungen, Höhe 56 Meter, 1960
Lissabon: Mosteiro dos Jerónimos (Kloster), 1502   |   Porto: Museu de Arte Contemporânea de SerralvesCasa de Serralves, Architekten José Marques da Silva, 1923
Porto: Casa da Música, Architekt Rem Koolhaas, 2005   |   Porto: Ponte Luis I, Höhe 60 Meter, 1881
Porto: Half Rabbit (Streetart), Künstler Artur Bordalo, 2017   |   Porto: Mercado Ferreira Borges, Architekt João Carlos Machado, 1885
Porto: Rathaus, Architekt António Correia da Silva, 1920   |   Porto: Chapel de Santa Catarina, 15’947 Azulejo-Fliesen zieren seit 1929 die Fassaden.

In puncto Gelassenheit könnten wir uns eine Scheibe von den Portugiesen abschneiden. Diese spiegelt sich in einer angenehmen Entschleunigung wider, ohne dass sie ihre Aufgaben dabei vernachlässigen. Ich vermute, die Portugiesen verwenden die Redewendung «Kannst du das noch schnell machen?» nicht so inflationär wie wir in der Schweiz. Leider wird dieser Ausdruck bei uns viel zu häufig gebraucht. Oftmals bemerken wir gar nicht mehr, dass wir ihn verwenden …

Neues Luzerner Theater: PlanAAA – TheaterPLATZ & StadtTERRASSE

Es war kein Nein der Luzerner Stimmbevölkerung – mit 58% – am 9. Februar 2025 gegen das Luzerner Theater. Aus städtebaulicher, architektonischer und funktionaler Betrachtung sind es folgende drei Punkte – die aus meiner Sicht, ich war im Nein- Komitee, zu diesem klaren NEIN geführt haben:

PlanAAA: Figurgrund / Silhouette

– Zu nahe an der Jesuitenkirche
– Gestaltung Reussfassade
– Eingangssituation & Vorplatz

Sicher spielten auch die Bau- und Betriebskosten eine entscheidende Rolle, insbesondere bei einem Projekt, das nicht überzeugen konnte.

Das neue Theater sollte unbedingt am bestehenden Standort gebaut werden. Die Lage an der Reuss mit Blick auf die Altstadt und die Jesuitenkirche ist einzigartig. Der Theaterneubau muss durch ein vielfältiges gastronomisches Angebot sowie eine öffentlich zugängliche StadtTERRASSE ergänzt werden, die zusätzlich viele Menschen anziehen wird.

Alle oben genannten Punkte, die zum Scheitern des Projektes geführt haben, können mit einem Neubau gelöst werden. Dabei sind zwei Prämissen zu berücksichtigen:

1. Reduzierung des Raumprogramms, kein Mittlerer Saal, der im Übrigen in der Testplanungsphase 2018 noch kein Thema gewesen ist. Im Südpol Luzern gibt es bereits einen Saal, Grosse Halle 300 m2, wie er als Mittlerer Saal im Theaterneubau vorgesehen war. Zudem verfügt das KKL Luzern schon über den multifunktional nutzbaren Luzerner Saal mit einer Fläche von über 1’000 m2 und einer möglichen Bühne von 180 m2.

2. Um den Gordischen Knoten des Abstandes zur Jesuitenkirche zu lösen, muss der Theatersaal, wie von mir bereits 2020 vorgeschlagen, im Obergeschoss situiert werden. Dadurch entsteht Raum für einen TheaterPLATZ, der eine adäquate Adressierung des Theaters ermöglicht und einen respektvollen Abstand zur Jesuitenkirche schafft.

PlanAAA: Bildvideo – TheaterPLATZ & StadtTERRASSE | © Schnieper Architekten

Unter diesen beiden Prämissen habe ich eine Konzeptstudie mit dem Namen «PlanAAA» erarbeitet, die aufzeigen soll, dass ein zeitgemässer Theaterneubau am bestehenden Standort mit einem TheaterPLATZ von über 2’200 m2 und einer StadtTERRASSE an bester Lage – öffentlich zugänglich – in einer Grösse von 1’700 m2 möglich ist. Der PlanAAA basiert auf meiner Ideenskizze aus dem Jahr 2022 und dem überarbeiteten Projekt «überall» von Ilg Santer, das vom Luzerner Stimmvolk abgelehnt wurde.

Grundlage für den Flächen- und Volumenvergleich zwischen «PlanAAA» und «überall» sind identische Grundrisspläne und Schnitte. Grafisch über alle Geschosse aufbereitet, dienen sie als Basis für weitere Diskussionen zum Thema Raumprogramm.

Mit einem grossen Theatersaal im 1. Obergeschoss bleibt im Erdgeschoss genügend Platz für einen angemessenen Eingangsbereich mit Kassen und Garderoben sowie für die Anlieferung zur Theaterstrasse. Der aus der StadtTERRASSE auskragende Schnürboden über der Bühne hat einen ausreichenden Abstand zur Jesuitenkirche und liegt mit einer Höhe von 30 Metern unter dem Giebel des Kirchenschiffes. Der Baukörper des Theaterneubaus nimmt die Fassadenhöhen der Bebauung an der Bahnhofstrasse in Richtung Hauptpost auf.

PlanAAA: Schnitt
PlanAAA: UG – Studio
PlanAAA: EG – TheaterPLATZ & Eingang
PlanAAA: 1. OG – Saal / Bühne
PlanAAA: 2. OG – Saal
PlanAAA: 3. OG – Balkon & Bar
PlanAAA: 4. OG – Restaurant
PlanAAA: StadtTERRASSE

Der auskragende Schnürboden steht in der Tradition der Kuppelbauten, wie sie die Hauptpost und das 1948 abgerissene Hotel du Lac besassen. Die Schnürbodenkuppel kann bei Theateraufführungen beleuchtet werden, was dem Theatergebäude eine zusätzliche Ausstrahlung verleiht.

Der Theatersaal erstreckt sich vom 1. bis zum 4. Obergeschoss und bietet Platz für 600 Personen. Durch die Schuhschachtel-Geometrie und das grosse Volumen von über 10.000 m3 (inkl. Bühne) erfüllt der Saal, auch hohe akustische Anforderungen. Der Saal wird auf drei Seiten von einem Foyer eingerahmt, das spektakuläre Ein- und Ausblicke bietet. Die verschiedenen Ebenen des Zuschauerraumes werden über zwei grosszügige Treppenanlagen erschlossen, die ein wichtiges Element der Begegnung beim Theaterbesuch darstellen.

Das gastronomische Angebot mit einem Bistro im Erdgeschoss, einer Bar im 3. Obergeschoss sowie einem Restaurant im 4. Obergeschoss, jeweils mit Blick auf die Reuss und die Altstadt, wird in seiner Fläche bewusst um 50 Prozent gegenüber dem Projektwettbewerbs-Programm erhöht. Der gastronomische Teil in einem Haus an dieser Lage stellt eine wichtige Einnahmequelle dar und öffnet das Haus damit auch einem breiten Publikum.

Die StadtTERRASSE ist ein wichtiger Baustein für den Theaterneubau an dieser Stelle. Die Terrasse ist direkt und unabhängig vom Theater- und Gastronomiebereich zugänglich und somit für jedermann ohne Konsumzwang nutzbar. Die StadtTERRASSE mit ihrer atemberaubenden Aussicht auf Luzern, den Pilatus und die Rigi sollte künftig auf dem Programm jedes Luzern-Touristen stehen!

Mit der StadtTERRASSE wird das Haus zu einem wirklich öffentlichen Haus! Auf der 1’700 m2 grossen Terrasse, 21 Meter über dem TheaterPLATZ, können kleine Veranstaltungen, Filmvorführungen, Tanz- und Theateraufführungen stattfinden. Die Terrasse ist neben dem Theaterplatz mit 2’200 m2 der zweite öffentliche Raum an einem der schönsten Orte der Stadt Luzern.

Der TheaterPLATZ und die StadtTERRASSE sollen sich zu wichtigen Orten der Begegnung und zu Treffpunkten in Luzern entwickeln und damit dem Theater einen würdigen Rahmen geben.

Jetzt müssen endlich die richtigen Weichen gestellt werden, um ein solches Projekt realisieren zu können:

1. Was soll oder muss das Theater können?
2. Was darf der Betrieb kosten?
3. Wie wird die alternative Kulturszene eingebunden?

Wenn diese Fragen beantwortet sind, können weitere Schritte in Richtung Planung – Architekturwettbewerb unternommen werden. Mit einem überzeugenden Projekt an dieser Weltklasse-Lage sollte es auch möglich sein, einen solchen Neubau inklusive Betriebs durch Mäzenatentum zu finanzieren!

Zunächst aber müssen Stadt und Theater unter neuer kompetenter Leitung ihre Hausaufgaben machen. Ein neuer Held wird gesucht!

Tipps:

Architekturstudium: 7. Semester – Modul Ressourcen

Im Modul «Ressourcen» im Herbstsemester 24 hatten wir die Aufgabe, in einer Vierergruppe einen journalistischen Beitrag zum Thema «Gemeinschaft» zu verfassen. Dieser sollte in einem kleinen Booklet im A5-Format gelayoutet werden. Die einzige inhaltliche Vorgabe zum Text war eine Zeichenanzahl von ca. 10’000 – gestalterisch hatten wir völlige Freiheit.

Wir entschieden uns, den aktuellen Zustand des Campus Horw der Hochschule Luzern – Technik & Architektur zu untersuchen, da wir als Studierende einen Grossteil unserer Zeit auf dem Campus verbringen. Unter dem Titel «Das bedrohte Campusleben» betrachteten wir, wie sich räumliche und infrastrukturelle Entwicklungen auf die Studierenden auswirken. 

Die Titelseite des Endprodukts – unser Booklet. (Skizze: Samira Wiedemeier)

In der Recherchephase machten wir eine Umfrage an die Studierenden, führten Interviews mit Dozierenden und Fachpersonen aus der Architektur und Psychologie und beobachteten das tägliche Geschehen auf dem Campus. Schnell wurde klar, dass viele Studierende eine gewisse Entfremdung spüren, da der zentrale Treffpunkt wie die Elefantbar geschlossen wurde und andere Strukturen wie zum Beispiel die Mensa nicht die gleiche Atmosphäre bieten. In der Elefantbar gibt es verschiedene Sitzecken mit Kissen, Stühle und Tische können nach Belieben umgestellt werden und die Bar wird von Studierenden betrieben.

Für den journalistischen Beitrag waren die Resultate aus der Recherche entscheidend. Durch die Umfrage erhielten wir Einblicke in die Wahrnehmung der Studierenden – welche Orte sie am Campus mögen, welche sie meiden und was sie sich für die Zukunft wünschen. Anhand der Interviews mit den Fachpersonen gewannen wir neue Erkenntnisse aus den Bereichen der (Architektur-)Psychologie und auch der Soziologie. Diese Einblicke, Erkenntnisse und unsere eigenen Beobachtungen führten wir schlussendlich im Text zusammen.

Dabei durfte ich den Text schreiben, meine Teamkolleginnen erstellten die Skizzen und gestalteten das Booklet. Mir hat es Spass gemacht, diesen Text zu schreiben, da es etwas anderes war als das, was wir sonst im Studium machen. Statt architektonischen Entwürfen konnten wir mit dem Inhalt aus der Recherche und kreativem Sprachgebrauch unseren eigenen Beitrag zu einem Teilbereich der Gemeinschaft schreiben.

Tipps:

Rolex Submariner: No Date or Date?

Wie im letzten Post beschrieben: Rolex Submariner: Warum diese Uhr? – steht noch immer der Elefant im Raum – Rolex Submariner No Date or Date?

Submariner Oyster, 41 mm, Edelstahl Oystersteel – Fotos: Rolex / Grafiken & Zeichnungen: Schnieper Architekten

Die Submariner wurde Anfang der 1950er-Jahre nicht nur unter der Prämisse einer Taucheruhr entworfen, wie es der Name vermuten lässt, ebenso sollte die Uhr alltagstauglich sein und Eleganz ausstrahlen. Im Jahr 1954 stellte Rolex auf der Basler Uhrenmesse die ersten Submariner vor, die bis zu einer Tiefe von 100 Metern wasserdicht waren, was bis dahin für eine Serienuhr unerreicht war.

Was macht die DNA einer Rolex Submariner in Bezug auf Design und Funktion aus? Die 10-Minuten-Ziffern, die Linien- und Punktegrafik sowie die beiden Dreiecke auf der Lünette und dem Zifferblatt. Ein weiteres Designattribut ist der Mercedes-Stundenzeiger. Ein wichtiges Funktions- und Wiedererkennungsmerkmal ist das 15-Minuten-Raster auf der Lünette. Charakteristisch ist ebenso das Metallarmband. Gehört die Datumsanzeige mit Lupe auch dazu?

Am Anfang habe ich die Datumsanzeige mit Lupe nicht verstanden. Sie wirkte etwas altmodisch. Wie so oft im Leben entdeckt man die Qualitäten einer Sache erst auf den zweiten Blick. Ich dachte, so eine Lupe ist etwas für ältere Leute. Die konvexe Wölbung irritierte mich, denn diese hatten nur Rolex-Uhren und meine Sehgewohnheiten waren nicht darauf eingestellt.

Doch plötzlich geschah etwas in meinem Kopf – ich empfand die Lupe als ein charakterbildendes Element, abgesehen davon, dass die konvexe Wölbung des Glases einen sehr funktionalen Aspekt der Vergrösserung abdeckt.

Die Datumslupe ist eine geniale Zufallserfindung von Rolex, die auf Anregung der Ehefrau des Rolex-Gründers Hans Wilsdorf entstand. Die Gattin bemängelte das Fensterdatum, weil es nur schwer abzulesen war. Als Hans Wilsdorf bei der Morgen-Hygiene ein Wassertropfen auf das Glas seiner «Datejust» spritzte, genau dort, wo sich das kleine Datumsfenster im Zifferblatt befand – verblüffte ihn der einfache aber wirkungsvolle Lupeneffekt. Das Patent für die Datumslupe wurde 1954 angemeldet und ab 1966 in die Submariner eingebaut.

1959 wurden die Submariner Chronometer mit einem Kronen-Flankenschutz ausgestattet und das Gehäuse vergrösserte sich von 37 auf 40 mm. Zwei Elemente, welche das Erscheinungsbild der Uhr nicht unwesentlich veränderte.

Die Lünette der Submariner war beidseitig drehbar (bidirektional), was für eine Taucheruhr ein Sicherheitsrisiko darstellte. Erst ab 1981 wurde die einseitig drehbare Lünette (unidirektional) eingeführt, da Blancpain bis dahin ein Patent auf diese Funktion besass.

Rote Flächen asymmetrisch / Weisse Flächen symmetrisch

Wir Menschen sind bei der Betrachtung von Objekten, insbesondere von scheinbar symmetrischen Objekten wie runden Uhren, empfindlich für Asymmetrien. Ist diese Empfindung vielleicht evolutionär bedingt? Symmetrische Gesichter werden als schön empfunden.

Bei der Submariner No Date, die auf den ersten Blick symmetrisch erscheint, sind die drei Zeiger bis auf zwei Sekunden pro Halbtag, die Krone mit Flankenschutz, die fünf 10-Minuten-Ziffern und das 15-Minuten-Raster auf der Lünette nicht symmetrisch. Der Mercedes-Stundenzeiger sowie der Punkt auf dem Sekundenzeiger verstärken die Asymmetrie. Bei der Submariner Date ist die Datumsanzeige mit Lupe zusätzlich ungleichmässig.

Stören diese Asymmetrien oder verstärken sie den Charakter der Uhr? Auch Hand und Arm des Menschen sind nicht symmetrisch.

Die Submariner wurde als sportlich-elegante Alltagsuhr konzipiert. Für eine Alltagsuhr ist eine Datumsanzeige oft nützlich, besonders wenn die Ziffern durch die Vergrösserung gut ablesbar sind. Die Lupen-Datumsanzeige verleiht der Uhr auch den unverwechselbaren Charakter, der allen Rolex-Uhren mit Datumsanzeige eigen ist.

Fast jedes Industrieprodukt verändert im Laufe der Zeit sein Äusseres, seien es Uhren, Autos oder andere Gegenstände. Technologische Entwicklungen machen Designanpassungen notwendig. Wichtig bei diesen Anpassungen ist, dass die DNA nicht verloren geht.

Die erste offiziell vorgestellte Rolex Submariner (Referenz 6204) hatte weder den Mercedes-Stundenzeiger noch das 15-Minuten-Raster auf der Lünette oder den Flankenschutz der Krone. Drei Elemente, die später aus funktionalen und gestalterischen Gründen hinzugefügt wurden. Gleiches gilt für die Datumsanzeige mit Lupe. Die Datumsanzeige mit Lupe ist für Rolex ebenso charakteristisch wie der Mercedes-Stundenzeiger und gehört daher zu jeder modernen Rolex Submariner.

Das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, auch nicht bei der am meisten kopierten und gefälschten Uhr der Welt!

Tipps

Rolex Submariner: Warum diese Uhr?

Mein Weg zum Kauf einer Rolex Submariner verlief nicht ohne Umwege. Ich bin kein Uhrenkenner oder -sammler. Meine erste «richtige» Uhr war eine Ebel Discovery von 1996. Mein Kaufentscheid wurde durch den Slogan von Ebel «Les Architectes Du Temps» aus dem Jahr 1982, mit dem die Uhrenmarke prominent in der Werbung auftrat, beeinflusst. Ebel erwarb 1986 auch die von Le Courbusier entworfene Villa Schwob «Maison Turque», was mich zusätzlich inspirierte.

Grafik 1. Submariner Oyster, 41 mm, Edelstahl Oystersteel Referenz 124060 Grafik 2. Submariner Date Oyster, 41 mm, Edelstahl Oystersteel Referenz 126610LN – Grafiken: Schnieper Architekten

Ich wollte nie eine Rolex besitzen, das waren mir zu protzige Uhren. Gelbgold und Diamanten – für Reiche ohne Stil …

Im Jahr 2010, als 42-Jähriger, begann ich mich intensiver mit einer neuen Uhr auseinanderzusetzen, es sollte eine Automatikuhr sein, welche mich lebenslang begleiten würde.

Die IWC Pilot’s Watch Mark XX und die Patek Philippe Calatrava – Weissgold mit schwarzem Ziffernblatt, Datum und Leder-Armband waren in meiner engeren Auswahl. Die Rolex-Modelle habe ich mir dann eher widerwillig auch noch angeschaut …

Im Vergleich zu den beiden Uhren, die ich in die engere Auswahl genommen hatte, stellte sich wider Erwarten heraus, dass folgende drei Rolex Modelle, die Explorer, die Datejust und die Submariner besser zu meinen Prämissen passen, welche ich durch die vertiefte Auseinandersetzung mit den drei Uhren nachjustiert hatte. Man lernt nie aus, auch nicht in Bezug auf Vorurteile!

Ich suchte nach einer Uhr, die ich jeden Tag tragen kann, zum Anzug genauso wie zum T-Shirt. Eine Uhr, die robust ist und kein Lederarmband hat, welches an heissen Sommertagen eher unangenehm zu tragen ist. Für meine sportlichen Aktivitäten benutze ich eine «Sport-Uhr», siehe auch Post vom 17. März 2023: Grafik Uhr!

Nun stand ich vor der Auswahl zwischen den drei Rolex Modellen, welche mich bezüglich Eleganz, Charakter, Qualität und Robustheit überzeugten. Die Explorer wirkt sehr elegant und ausgewogen in ihren Proportionen, bis auf die Zahl 12, die «fehlt» und dadurch die Balance irritiert. Die Datejust ist eine elegante Uhr mit der ikonischen Rolex Datumsanzeige, welche der Uhr Individualität verleiht. Der 5-Minuten Ziffernraster bei meinem bevorzugten Zifferblatt wirkt zu technisch und nimmt der Uhr so ein Hauch von ihrer Eleganz.

Die Wahl fiel auf die sportliche Rolex Submariner, die ebenso vielfältige Kombinationsmöglichkeiten hinsichtlich Armband- und Gehäusematerial, Zifferblattfarbe, Lünette und Datumsanzeige bietet, wie die beiden anderen Modelle.

Der Entscheidungsfindungsprozess bei einer Uhr ist vergleichbar mit dem Entwurfsprozess in der Architektur – es geht immer um die Balance zwischen Funktion und Ästhetik.

Edelstahl – Oystersteel ein Hochleistungsstahl – für das ikonische Armband und das Gehäuse der Submariner hat mich überzeugt, da die Uhr in den 50er-Jahren als Taucheruhr konzipiert wurde. Die Farbwahl der Lünette und des Zifferblattes war schon schwieriger, da blau meine Lieblingsfarbe ist. Blau wirkt sportlicher, passt jedoch nicht zu jedem Outfit oder Anlass. Ich habe mich daher für die schwarze Lünette und das schwarze Zifferblatt entschieden.

Da war noch der Elefant im Raum – Rolex Submariner No Date or Date? Das Für und Wider dieser Design- und Funktionsentscheidung werde ich im Januar Post 2025 ausführlich erläutern. Dies steht in engem Zusammenhang mit dem, was eine Rolex Submariner in ihrem Wesen ausmacht und im Kontext der technischen und gestalterischen Entwicklung sowie des Zeitgeistes.

Tipp:

Kaffeequalität & Wasserqualität!

Der Faktor Wasser wird oft unterschätzt bei der Kaffeezubereitung: So auch mir passiert!

Ich bereite seit 12 Jahren meine Espresso Cremas auf zwei Olympia Express «Maximatic» Kaffee-Maschinen zu. Eine habe ich im Büro in Kriens und eine Zuhause in Emmen.

Ich geniesse im Büro pro Tag zwei Kaffees, um dem Klischee eines Architekten gerecht zu werden, schwarze Rollkragenpullover trage ich jedoch nicht …

Zuhause in Emmen braue ich nur am Wochenende Kaffee. Es überraschte mich immer wieder, dass der Kaffee daheim einfach besser schmeckt!

Ich fragte mich, ob es an den Kaffeebohnen liegen könnte, welche ich zu Hause verwende. Obwohl ich im Büro den gleichen Kaffee nutze, gibt es selbstverständlich Unterschiede bei einem Naturprodukt. Weiter habe ich die beiden Olympia Maschinen – die Rolex unter den Espresso Maschinen – an beiden Standorten getestet. Kein Unterschied!

Während des Joggens – bei ungefähr Kilometer 10 – hatte ich die Idee, das Wasser von zuhause ins Büro mitzunehmen. Was für ein Unterschied, der Kaffee war viel geschmackvoller und weicher!

Zwischen 7 und 14 französische Härtegrade haben sich für einen Espresso Crema, laut Kaffee-Experten, als ideal herausgestellt. In Emmen hat das Wasser ungefähr 14° fH. In Kriens, im Bereich Kupferhammer, wo unser Bürostandort ist (siehe Karte) in etwa 15-20° fH, laut Angaben der Gemeinde Kriens. Dieser «kleine» aber feine Unterschied zu Emmen hat also einen erheblichen Einfluss auf die Kaffeequalität.

Fazit: Wenn nicht alle sieben Faktoren zusammenspielen – Maschine, Kaffee, Mahlgrad, Tamperdruck, Wasser, Durchlaufzeit und Luftfeuchtigkeit – ist eine qualitativ hochstehende Kaffee-Maschine kein wirklicher Mehrwert. Siehe auch ArchitekturCumulus vom 14. November 2012: Gute Architektur versus Espresso Crema.

Tipp: