ArchitekturCumulus

Architettura e Espresso

Bis zum diesjährigen Büroausflug hatte ich Mailand noch nie besucht. Für mich stand diese Stadt  stellvertretend für die Expo 2015, die Möbelmesse und den Mailänder Dom. Wir genossen die mailändische Architektur – «Case Milanesi» – feine Espressi und Nachtessen im «Ombra» und «Erba Brusca». Der erste Tag startete im historischen Stadtkern, der sich um den Mailänder Dom konzentriert.

Blick vom Dach des Mailänder Domes. Links: eine Fiale des Domes, Mitte: «Torre Velasca», Rechts: «Torre Martini»

Die italienische Moderne, die ihren Anfang nach dem ersten Weltkrieg fand, erlebt man, sobald man den Domplatz verlässt.

Bis zur 18. Etage befinden sich Büros, die darüberliegenden sieben Stockwerke sind auskragende Wohngeschosse

Der «Torre Velasca» charakterisiert die Italo-Moderne ausgezeichnet. Er hebt sich mit seiner Höhe von 106 Metern von der Umgebung ab und prägt somit das Stadtbild. Das Faszinierende ist seine untypische Form. Anstelle einer Verjüngung in die Höhe, geschieht bei diesem Gebäude das Gegenteil; die oberen Geschosse ragen pilzförmig an den Betonstreben aus. Dadurch erhält der Turm eine fragile Wirkung und gibt dem Betrachter das Gefühl, die auskragende Kante könnte abbrechen. Mit vier vertikalen Pfeilern wird die Querfassade dreigeteilt (sechs vertikale Pfeiler teilen die Längsfassade). Weiter wird die Fassade durch spangenförmige, fensterhohe Lisenen in der Vertikalen durchgängig gegliedert. Zwischen die Lisenen spannt sich eine unregelmässige, Tetris-artige Struktur, welche aus Fenstern, Balkonen und schmalen Betonelementen besteht. Die horizontalen, geschlossenen Brüstungsbänder stehen in einem Kontrast zu den vertikalen Fassadenelementen. Trotz des italienischen «Dolce Vita» schien mir die Fassadengestaltung bei den meisten modernen Gebäuden sehr strukturiert. Themen, wie beispielsweise die Gewände um die Fenster, werden wiederholend aufgegriffen.

Salonraum mit den doppelten Fenster der Villa Necchi Campiglio

Am Samstag besuchten wir die «Villa Necchi Campiglio ». Das Gebäude wurde 1935 für die süditalienische Unternehmerfamilie Necchi gebaut und lädt heute mit einer halbrunden Treppe und dem gleichförmigen Vordach ein. Die Villa ist sorgfältig und grosszügig mit verschiedenen Holzarten und Natursteinen eingekleidet. Das im modernen Stil erbaute Gebäude hat einen Raum, der mich sehr beeindruckte. Der Salonraum, welcher den Bewohnern möglichst viel Tageslicht bietet, sollte die Privatsphäre der Bewohner nicht vernachlässigen. Der Architekt plante doppelte Fenster mit 50 cm Luft dazwischen, welche eine terrariumartige Funktion haben. Dazwischen setzte er die Bepflanzung, die als Sichtschutz dient. Das Gefühl, durch Glas von der Aussenwelt getrennt zu sein, verschwindet. Die Führung lohnt sich!

800 Bäumen, 4’500 Sträucher und 15’000 weitere Pflanzen werden auf den beiden Hochhäusern bewirtschaftet.

Am dritten Tag besuchten wir die im 2014 fertig gestellten Zwillingstürme «Bosco Verticale», übersetzt der senkrechte Wald. Die zwei Wohntürme wurden vom italienischen Architektenbüro Boeri Studio geplant und realisiert. Das Konzept eines begrünten und nachhaltigen Wolkenkratzers mit mehreren Hunderten Pflanzen, schien trotz des grauen Himmels und des Regens eine Lebendigkeit auszustrahlen. Die von Glasfassaden geprägte Umgebung bilden einen extremen Gegensatz und lassen das Gebäude noch stärker wirken. Den Abschluss unserer Architekturreise bildete das Fondazione Prada. Hier begegnete uns wieder der Architekt Rem Koolhaas, dessen Ikonen wir schon von Rotterdam kannten. Den Empfang des Komplexes bildete das vergoldete Gebäude einer ehemaligen Destilliere. Der Komplex, der aus bestehenden und neuen Bauten zusammengesetzt ist, begeisterte mich vor allem durch seine Materialvielfalt und Widersprüchlichkeit. Ein Beispiel davon sind die OSB-Platten und der weisse Beton, die er Wand an Wand in den Ausstellungsräumen einsetzt, ein Gegensatz von teuren und günstigen Materialien, jedoch ein Kontrast, der Koolhaas gelingt.

Ein kleiner Ausschnitt der bedeutungsvollen Architektur haben wir gesehen. Mit dem Wissen über viele weitere Gebäude und der Erfahrung, dass man überall guten Espresso bekommt, wird das nicht der letzte Ausflug nach Mailand gewesen sein.

Tipps:

Wie plane ich meine Zeit?

Als Architekt bin ich es gewohnt zu planen, sprich: Entscheidungen zu treffen, die zukunftsgerichtet sind. Was heisst das für meinen Alltag?

Architektur ist eine projektbezogene Arbeit. Das bedeutet, es gibt wenige Wiederholungen, denn jedes Projekt ist anders, was diesen Beruf auch so interessant und abwechslungsreich macht. Das erschwert es jedoch oft auch abzuschätzen, wie viel Zeit ich für eine Arbeit brauche. Gerade in der Phase vom Entwurf ist Zeit ein schwieriger Faktor. Ein Haus ist nie fertig entworfen, und trotzdem sollte man irgendwann auf einen Punkt kommen.

Ich wende für mich schon seit vielen Jahren folgende selbstentwickelte Zeitmanagement-Praxis an: Ich schätze für mich die Zeit, die ich für eine Arbeit brauche, und gebe dann noch einen Drittel dazu. Dieser Drittel Zeit gibt mir Spielraum. Ich kann etwas länger an einer bestimmten Aufgabe arbeiten oder ich kann auch noch andere Dinge erledigen, die immer wieder den Arbeitsalltag unterbrechen, ohne dass ich gleich unter Zeitdruck komme.

Was ich als 51-jähriger Architekt sagen kann; ich habe diesen Drittel immer gebraucht, meist für Dinge, die nicht zur eigentlichen Arbeit gehört haben. Mir fällt auf, wie knapp viele Menschen die Zeit für eine bestimmte Tätigkeit berechnen und dadurch konstant im «Stress» sind. Die Zeit für unerwartete Dinge wie: Telefone, Fragen von Mitarbeitern, spontane Besuche, Computerprobleme, Stau auf der Strasse und vieles mehr, was von vielen immer wieder unterschätzt wird. Auch sollte genügend Zeit für Pausen eingesetzt werden. Pausen sind keine verlorene Zeit!

Auf lange Sicht macht nur eine tiefgründige Arbeitsweise glücklich. Jede Arbeit kann mit der ihr nötigen Tiefgründigkeit vollbracht werden. Eine Arbeit in ausreichender Zeit zu erledigen, gibt Sicherheit und ist oft schneller, als das ganze dreimal nur halbherzig zu machen. Die Antwort auf eine bestimmte Frage bezüglich einer Arbeit sollte nie sein «Ich hatte nicht genügend Zeit», was man leider allzu oft hört, wenn eine oberflächliche Arbeitsweise analysiert wird.

Für meine Arbeit als Architekt ist der Drittel Zeitreserve sehr wichtig. Auch ich habe Situationen, in denen ich fremdbestimmt bin und diesen Drittel Zeitpuffer nicht zur Verfügung habe. Kurze Phasen, in denen ich unter Druck gesetzt werde, kann ich gut überbrücken, da ich ja für alle anderen Arbeiten meine stille Reserve habe.

Grundlage meines Zeitmanagements ist es abzuschätzen, wie viel Zeit ich für eine bestimmte Arbeit brauche. Ich setze mir jeden Tag Ziele, die ich erreichen will, und bin immer wieder überrascht, wie gut es funktioniert, wenn ich den Drittel Zeitreserve draufpacke. Wir Menschen sind oft zu optimistisch bezüglich unserer Zeitvorstellung. Das Abschätzen muss immer wieder neu trainiert werden, nur so kann ich ein gutes Zeitgefühl für meine Arbeit entwickeln, was Grundlage für ein gesundes Zeitmanagement und Leben ist.

Mit meiner Erfahrung – tägliches Training – kann ich mich auch bezüglich zu viel Arbeit professionell abgrenzen. Wenn ich etwas verspreche und dann auch halten kann, in einer Qualität, die mir ein gutes Gefühl gibt und meinen Auftraggeber zufrieden stellt, ist das für beide Seiten ein Gewinn.

Das schnelle, oberflächliche Erledigen einer Arbeit führt selten zum Ziel und macht irgendwann krank. Jeder Mensch muss für sich selber herausfinden, wie er intelligent mit seiner Zeit umgeht und so ein Gewinn ist für seine Umgebung – einer Umgebung, die leider allzu oft unter selbstverschuldetem Zeitdruck lebt…

Eine Stunde hat bei mir fast immer 40 Minuten, auch privat. Das heisst auch, dass ich weniger Aktivitäten planen kann, damit ich genügend Zeit für Unvorhergesehenes oder für mich habe. Weniger ist oft mehr, nicht nur in der Architektur.

Berufsbildung Schweiz – Folio 1/19: «Das Wichtigste im Raum ist der Mensch»

Lucia Theiler machte Ende des letzten Jahres ein Interview mit mir für das Folio – Das Magazin des BCH FPS Berufsbildung Schweiz – zum Thema Inspiration, Schulhäuser, Schulräume und ihre Gestaltungs-Elemente. Da ich selber an der HFTG in Zug unterrichte und als Architekt zwei Schulhäuser saniert habe (Umbau und Erweiterung Schulhaus Bündtmättli 2 in Malters & Sanierung Schulhaus Krauer Kriens), wurde ich von Andreja Torriani, Mitglied und Kommunikations-Verantwortlicher des Zentralvorstand Berufsbildung Schweiz, für dieses Interview angefragt.

Gute Architektur kann eine Atmosphäre schaffen, die sich inspirativ auf die Menschen auswirkt. «Das Wichtigste im Raum ist der Mensch». In einem Schulraum ist es die Lehrperson, die durch ihre Art zu begeistern vermag.

Tipp:

Architekturstudium: 2. und 3. Semester

In den letzten beiden Semestern durften sich die berufsbegleitenden Architekturstudenten aus dem zweiten und dritten Semester der Hochschule Luzern für Architektur und Technik über ein Jahr ohne Entwurf und wöchentliche Abgaben erfreuen, denn die Schwerpunkte lagen bei der technischen Planung und Gestaltung.

Im künstlerischen Bereich sind wir beim Skizzieren eingestiegen. Das Auffassen von Räumen und das Wiedergeben in schnellen Zeichnungen sollte die Grundlage sein, unsere zukünftigen Ideen in wenigen Strichen aufs Papier zu bringen. Die Weiterentwicklung ins Malen, Stempeln und Sprayen erlaubte uns, das Kreative auszuleben. Darauf aufbauend kam die Fotografie und das Dokumentieren von Licht, Oberflächen und Kompositionen. Parallel mussten die Arbeiten in Form von Broschüren, Plakaten und Büchern präsentiert werden. Den grössten Profit, den ich nebst den Grundlagen der Text- und Bildgestaltung aus diesen Fächern gezogen habe, war das Beherrschen und Vertiefen der Programme wie Photoshop und InDesign.

Drei minimalistische Bilder der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Ferienhaus «Stüssihofstatt» in Uri. Eine Gruppearbeit im Fach «Visuelles Gestalten».

Im Bereich der Planung wurden uns Normen, verschiedene Baumaterialien und das Entwickeln von Details gezeigt. Für mich als Studentin ohne Hochbauzeichnerlehre ist dies eines der wichtigeren Fächer. Darauf basierend folgte eine Gruppenarbeit, bei der die Aufgabe darin bestand, eine Nutzungsstudie für das Gewerbegebäude von Carl Mossdorf an der Tribschenstrasse 51 in Luzern zu entwickeln. Der vom Abbruch bedrohte Bau ist sehr umstritten und für uns Luzerner ein aktuelles Thema, zu dem viele einen persönlichen Bezug haben. Mit Vorgaben zum Planungsperimeter, der Anzahl Geschosse und Funktionen mussten wir eine möglichst ökonomische Lösung präsentieren, wobei der Entwurf nicht an erster Stelle stand. Den Vorteil, den wir als Studenten geniessen ist, dass die Dozenten ein gut begründetes Missachten der Normen oder Bauvorschriften akzeptieren. Auf der Strichperspektive ist unser unkonventionelles Endresultat sichtbar; ein zweigeschossiger Riegel quer über dem Gewerbegebäude.

Mein persönlicher Höhepunkt war das externe Fachseminar nach Paris. Wir haben Architekturikonen wie die «Villa Savoye» und die «Villa La Roche» von Le Corbusier besucht und dokumentiert. Das «Musée national des Travaux publics» des Stahlbeton-Pioniers Auguste Perret hat mich besonderst beeindruckt. Die sich nach unten verjüngenden Betonsäulen aus den 1940er-Jahren sowie die organisch geformte Treppe, welche ab dem Podest zweiläufig wird, haben durch ihre Grösse und Einfachheit bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Nach diesem ruhigen Semester freuen wir uns wieder auf das Entwerfen. Ich muss gestehen, ich freue mich sogar auf die nächtlichen Bastelsessions.

Tipps:

Der Einfluss von Elektroautos auf das Bauen

Elektroautos werden schneller kommen, als die meisten glauben. In fünf Jahren werden die Batterien so gut sein, dass sich 80% der Autofahrer keine Gedanken mehr betreffend der Reichweite machen müssen. Was bedeutet das für das Bauen?

BMW i3s mit einer effektiven Reichweite von ca. 260 km.

Bezüglich Schall-Emissionen wird sich einiges ändern. Die Städte werden ruhiger werden. Ein Elektroauto ist bis 30 km/h kaum hörbar. Ab 30 bis 50 km/h nur leicht. Über 50 km/h werden die Pneus, je nach Belag und Auto cw-Wert, gut hörbar. Die offizielle Lärm-Messmethode für PW’s in der Schweiz (Bundesamt für Strassen) wird wie folgt berechnet: Messung erfolgt bei Vollgasbeschleunigung aus 50 km/h im 2. und 3. Gang. Der Grenzwert beträgt für alle neu zugelassenen Fahrzeuge 74 dB(A). Für Diesel- Direkteinspritzer sind 75 dB(A) zulässig. Der BMW i3 hat in diesem Test einen Lärmwert von 66 dB(A). Der Durchschnitt von konventionell angetriebenen PW’s liegt bei 70 db(A). Unter der Berücksichtigung, dass zehn Dezibel eine Verdoppelung der Lautstärke bedeutet, sind vier Dezibel doch eine beachtliche Reduktion der Lärmbelastung für die Umwelt.

Mit dieser Perspektive sollten wir uns über die teilweise sehr strengen Baunormen bezüglich Lärmschutz im innerstädtischen Bereich, wo nicht schneller als 50 km/h gefahren werden darf, Gedanken machen, ob die oft einschränkenden Massnahmen in jedem Fall noch angebracht sind.

Weiter sollte auf kantonaler Ebene für grössere Neubauten über eine Vorschrift nachgedacht werden, die nötige Elektro-Ladestationen- Infrastruktur bereitzustellen, sowohl in Einstellhallen wie auch auf Besucherparkplätzen. (SIA: Infrastruktur für Elektrofahrzeuge in Gebäuden – Vernehmlassung Entwurf prSIA 2060)

Das Laden von Elektroautos wird immer einfacher und schneller. Heute wird an vielen Schnell-Ladestationen (CCS) mit 50 kWh geladen. Teilweise gibt es auch schon Ladestationen mit 150 kWh. Porsche und BMW haben soeben erfolgreich eine Ladestation mit 450 kWh getestet. Ein aktueller BMW i3 mit einer 40 kWh-Batterie hat heute für das Laden an einer 50 kWh-Ladestation ca. 40 Minuten. Bis in fünf Jahren wird das gleiche Auto eine 80 kWh-Batterie mit einer effektiven Reichweite von über 500 km haben und an einer 450 kWh-Ladestation noch ca. acht Minuten benötigen, um 80%* der maximalen Ladekapazität zu laden.

Es wird bezüglich Mobilität und «hoffentlich» auch bezüglich Bauvorschriften einiges in Bewegung kommen!

* Eine Elektroauto-Batterie wird an CCS-Ladestationen wegen Überhitzung nur bis ca. 80% der möglichen Ladung schnell geladen.

Tipps:

Zukunft Autoparkplätze – Teil II: Autonom fahrende Autos versus aktuelles Parkplatzangebot

Im ersten Teil «Zukunft Autoparkplätze», siehe Blogpost vom 26. Oktober 2018, habe ich mich mit den nicht mehr benötigten Parkplätzen beschäftigt, wenn autonom fahrende Autos ab dem Jahr 2030 Tatsache werden. In diesem Post möchte ich Ideen entwickeln, wie wir in Zukunft die leer stehenden Autoeinstellhallen umnützen, bei Neubauten auf Einstellhallen verzichten können und trotzdem genügend Parkplätze zur Verfügung haben.

In naher Zukunft werden immer mehr Auto-Einstellhallenplätze leer stehen. Wie können die frei werdenden Flächen umgenutzt werden? In der Stadt Luzern gibt es 18’600 private Parkplätze in Einstellhallen. Das entspricht einer Fläche von 558’000 Quadratmeter1. Wenn wir davon ausgehen, dass bis ins Jahr 2030 10% nicht mehr benötigt werden, sind das 55’800 Quadratmeter, welche wir zusätzlich, ohne einen Quadratmeter Land zu verbauen, für neue Nutzungen zur Verfügung haben.

Die Bruttofläche von 55’800 Quadratmeter entspricht ca. 2’800 Studentenzimmer, 560 2½-Zimmerwohnungen oder 110 KMU-Büros mit durchschnittlich 500 Quadratmeter Bürofläche. Alle möglichen Varianten könnten relativ einfach umgesetzt werden (siehe Skizzen unten). Die Studentenzimmer würde man um ein Atrium, ehemalige Fargasse, anordnen. Die Kleinwohnungen hätten gegen einen tiefergelegten Aussenraum ihre Orientierung. Die Büronutzung könnte mit runden Atrien belichtet und belüftet werden.

Bestehende Einstellhalle: Mögliche Umnutzungsvarianten sind Studentenzimmer, Kleinwohnungen oder eine Büronutzung.

Wie planen und bauen wir heute Autoparkplätze, mit dem Wissen, dass wir ab dem Jahr 2030 immer weniger benötigen? Eine Möglichkeit ist das Haus auf Stützen, wie es Le Corbusier schon 1947 mit der «Unité d’Habitation» in Marseille vorgemacht hat. Mit Mehrfamilienhäusern auf Stützen (siehe Skizze unten) haben wir die Möglichkeit, die heute benötigte Parkplatz-Infrastruktur direkt unter dem Wohnhaus, im Parterre, zur Verfügung zu haben. Später, wenn die Nachfrage nach Parkplätzen zurück geht, können die freiwerdenden Flächen etappenweise mit Wohnungen ergänzt werden.

Neubau: Das Haus auf Stützen lässt eine flexible Umnutzung von Parkplätzen zu Wohnungen über mehrere Etappen zu.

Ich bin überzeugt, es lohnt sich «schon» heute, sich Gedanken zu machen, wie die Welt in 10 oder 20 Jahren aussehen wird. Gerade bei so kapitalintensiven Vorhaben wie beim Bauen. Eventuell sind Wohnnutzungen in der Erde in ein paar Jahren gesucht, wenn die Sommer immer heisser werden…

1 Pro Parkplatz wird mit einer Fläche von 30 m2 gerechnet, inklusive Erschliessung.

Tipp:

Zukunft Autoparkplätze – Teil I: Autonom fahrende Autos versus aktuelles Parkplatzangebot

Heute braucht fast jedes Gebäude Autoabstellplätze – und in Zukunft? Eher nicht mehr, wenn man die technische Entwicklung der letzten Jahre beobachtet. Ich denke, in ungefähr zehn Jahren wird in den Städten für Besucher von auswärts vermehrt nur noch das selbstfahrende, gemietete Auto erlaubt sein. Das persönliche, selbstfahrende öffentliche Verkehrsmittel wird emissionslos, elektrisch angetrieben und daher fast lautlos durch die Städte brausen. Sich mit einem Auto bewegen wird eine Dienstleistung, die man sich bei Bedarf einkauft. Es wird mehr Verkehr geben – da man ca. ab dem 14. Lebensjahr bis zum Lebensende ein autonom fahrendes Vehikel buchen kann – jedoch weniger Parkplätze brauchen…

Es braucht voraussichtlich ab dem Jahr 2030 immer weniger Parkplätze für Autos…

Ich habe mir die Situation in der Stadt Luzern mit ihren 81’000 Einwohner, den ungefähr 37’000 Autos und ca. 66’000 Parkplätzen genauer angeschaut, um eine Vorstellung zu bekommen, was diese Parkplätze für die Stadt räumlich bedeuten.

Öffentliche Parkplätze1: ca. 15’000, davon sind 3’500 Parkuhren, 1’900 blaue Zone, 1’800 weisse Zone und 7’800 Parkierungsanlagen3.

Private Parkplätze2: ca. 51’000, davon sind 23’800 offene Parkplätze, 8’600 Garagen und 18’600 Parkierungsanlagen3.

Eines ist sicher, es wird in Zukunft massiv weniger Parkplätze brauchen. Wie viele es in absehbarer Zeit, ab dem Jahr 2030, weniger braucht, kann heute noch niemand genau sagen. Das Massachusetts Institute of Technology geht davon aus, das bald 16% – 48% der Parkplätze überflüssig werden. Ich habe im nachfolgenden Beispiel für die Stadt Luzern mit 10% weniger Parkplätzen gerechnet und die Folgen bezüglich freiwerdendem Raum und der wirtschaftlichen Auswirkung analysiert.

10% von den aktuell total 66’000 Parkplätzen benötigen eine Fläche von 198’000 Quadratmeter4, was 28 Fussballfeldern entspricht. 23% von den 198’000 Quadratmeter4 sind öffentliche Parkplätze1, was 6,5 Fussballfeldern gleichkommt, und 77% sind private Parkplätze, was 21,5 Fussbalfeldern entspricht.

7’200 Parkplätze der öffentlichen Parkplätze1 sind im Freien und setzen sich wie folgt zusammen: Parkuhren 3’500, blaue Zone 1’900 und weisse Zone 1’800. 10% der 7’200 Parkplätze entsprechen einer Fläche von 21’600 Quadratmeter4, welche im öffentlichen Raum frei würden. Diese Fläche entspricht 3 Fussballfeldern – Platz, der beispielsweise für Bussspuren, Velowege oder Veloparkplätze umgenutzt werden könnte. Auf der anderen Seite werden der Stadt Einnahmen wegfallen. Im Jahr 2017 nahm die Stadt Luzern mit Parkkarten und Parkuhren ca. Fr. 6’000’000 ein. Wenn 720 Parkplätze wegfallen, entspricht das Fr. 600’000 im Jahr, die der Stadt fehlen werden.

Von den 7’800 öffentlichen Parkierungsanlagen (Parkhäuser, Einstellhallen, Tiefgaragen) entsprechen 10% einem Volumen5 von 70’200 m3, was ca. 70 durchschnittlichen Einfamilienhäuser gleichkommt. Natürlich kann man aus einer Autoeinstellhalle im Boden kein Einfamilienhaus machen, jedoch aus oberirdischen Parkhäusern Läden, Büros oder Wohnungen.

Die gleichen Berechnungen wie mit den öffentlichen Parkplätzen1 kann mit den 51’000 Privat-Parkplätzen2 gemacht werden… Ein grosses Potenzial! Was machen wir mit dem freiwerdenden Platz, und wie verhalten wir uns aktuell als Behörden, Bauherren und Architekten, wenn wir heute teure Parkplätze planen müssen, die in absehbarer Zeit teilweise nicht mehr genutzt werden? Gedanken zu diesen Fragen im Teil 2: «Zukunft Autoparkplätze».

1 Parkplätze, die meist gegen Gebühr für alle ohne Einschränkung zugänglich sind.
2 Wohnungsparkplätze, Kunden- und Besucherparkplätze, Parkplätze für Mitarbeiter.
3 Parkierungsanlagen: Parkhäuser, Einstellhallen, Tiefgaragen.
4 Pro Parkplatz wird mit einer Fläche von 30 m2 gerechnet inklusive Erschliessung.
5 Volumen-Berechnung, Fläche x 3.00 Meter (Gebäudehöhe).

Tipps:

Rams-Filmpremiere im SVA Theatre in NYC

Wie es das Leben will, hatte ich das Glück, am Montagabend, 24. September 2018, an der Rams-Filmpremiere in NYC dabei zu sein – einem Film über einen der wichtigsten Industriedesigner der letzten 50 Jahre, der die beiden Firmen Braun und Vitsœ prägte.

Dieter Rams war und ist aber auch ein grosses Vorbild für die beiden Appel-Ikonen Steve Jobs und Jony Ive. Bei Appel ist der Rams-Gestaltungs-Spirit gut spürbar. Daher passt es gut, dass die Filmpremiere in den USA war. Natürlich ist der Hauptgrund für die Filmpremiere in NYC, dass der Filmemacher Gary Hustwit ein New Yorker ist. Gary Hustwit war dreieinhalb Jahre mit dem Industriedesigner unterwegs, um den Film «Rams» zu entwickeln und produzieren. Rams meinte zuerst, es gäbe ja schon genügend Bücher über ihn, warum ein Film? Hustwit konnte ihn dann überzeugen, dass er mit einem Film viel mehr Menschen erreiche. Nicht jeder kann es sich leisten, ein Buch für 100 Doller zu kaufen, meinte Hustwit an der Premiere im SVA Theatre.

«Rams» ist ein ruhiger Film; wie sich das gehört über einen erfolgreichen Menschen, der am Ende seines Lebens steht und einen guten Überblick hat, wie sich Gestaltung und Technologie in den letzten 50 Jahren entwickelten. Im Film kommt überzeugend zum Ausdruck, dass sich dem weisen Gestalter – mit klarem Blick für das Neue – doch viele Fragen stellen, wie sorglos wir Menschen mit den neuen Technologien teilweise umgehen. Es sind Menschen wie Rams, gute Beobachter, die schnell merken, wenn gesellschaftsrelevante Themen, wie gerade die Digitalisierung, aus dem Ruder laufen. Viele Menschen sind offensichtlich mit dem endlos langen Buffett von Instagram- und Facebook überfordert, sie streamen sich in die unmächtige Beliebigkeit. Es bleibt nichts mehr hängen, was irgendwann verhängnisvoll werden kann…

Dieter Rams-Standbild – SVA Theatre 24. September 2018

Was für die Technologie gilt, gilt auch für die Gestaltung. Es muss nicht immer etwas Neues oder mehr sein, ein gutes Produkt kann subtil weiter entwickelt werden. Ebenso kann ein wertiges Produkt immer wieder repariert werden. Das immer «neu und schneller» macht Dieter Rams keine Freude. Er kritisiert die Überflussgesellschaft in seiner vorausschauenden Rede 1976 in New York unter dem Titel «Design by Vitsœ»

Rams macht es immer noch grossen Spass, für die Firma Vitsœ zu arbeiten. Eine Firma, die der nachhaltigen Gestaltung verpflichtet ist. Rams bringen viele nur mit der Firma Braun in Verbindung, bei der er von 1961 bis 1995 für die Designabteilung verantwortlich war und deren Produkte er und sein Team – das Team ist im wichtig – bezüglich Funktion und Gestaltung revolutionierte.

Gutes Design muss nicht teuer sein, wenn die Funktion im Zentrum steht, meint Rams. Im Film steht Rams im Vitra Schaudepot in Weil am Rhein vor einer dreibeinigen Blechliege in Wurstform, für welche Rams nur Unverständnis übrig hat. Rams stört sich an Designern, die «teure» und unpraktische Gegenstände entwerfen und so die gute Gestaltung mit teuer in Verbindung bringen.

Das Lebenswerk und die Lebensphilosophie von Rams, der 1932 geboren wurde, kommt im Film von Gary Hustwit, mit Musik von Brian Eno unterlegt, stimmig zum Ausdruck.

Tipp:

Rotterdam: Architektur-Selfie 2.0 :-)

Das im letzten Jahr auf unserem Büroausflug nach Kopenhagen spontan etablierte Architektur-Selfie hat uns – Ursi Bünter, Stanislava Janjic sowie mich – natürlich auch auf unserem diesjährigen Büroausflug nach Rotterdam beschäftigt.

Was letztes Jahr spontan passierte – die Idee mit dem Architektur-Selfie – wurde in diesem Jahr schon mit mehr Bewusstsein weiter verfolgt. Zum Bespiel war die Frage ein Thema, wo wollen wir uns aufstellen, um die Idee der Architektur einzufangen, ohne die übliche Touristenperspektiven zu wählen.

«Rotterdam: Architektur-Selfie 2.0 🙂 » im Uhrzeigersinn: Centraal Station by CROSS Architecture, De Rotterdam by Rem Koolhaas OMA, Markthalle by Winy Maas MVRDV, Kunsthal by Rem Koolhaas OMA.

Spontan und lustig war es trotzem bei jeder Aufnahme immer wieder… Das Gebäude und die Köpfe unter einen Hut (Foto) zu bringen, war nicht immer ganz einfach! Es gab vor jedem Objekt viel zu lachen.

Natürlich haben wir uns beim Fotografieren nicht nur mit Architektur und Architektur-Selfies beschäftigt, wie das Foto mit der Katze «RIPNDIP» beweist. Es gab in Rotterdam und Den Haag neben gutem Kaffee und Essen auch noch viele andere interessante und lustige Dinge zu entdecken, wenn man nur die »Augen« genügend weit offen hat und die Architektur-Brille bei Seite lässt…

Ich freue mich jetzt schon auf den Büroausflug 2019!

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