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Neubau Luzerner Theater: Gebäude müssen kommunizieren!

Die Debatte um einen möglichen Um-, An- oder Neubau des Luzerner Theaters läuft bekanntlich schon länger. Eine Testplanung, in der jeweils zwei Varianten für Umbau & Anbau sowie Neubau geprüft wurden, ist bereits abgeschlossen, siehe auch Luzerner Zeitung vom 13. Oktober 2018.

Was jedoch bei der Testplanung des Kantons fehlt, ist der städtebaulich angemessene Umgang mit der Jesuitenkirche. Die vier Vorschläge der Testplanung kommen der Ostfassade der Kirche räumlich sehr nahe. Begründet wurde dieses Vorgehen historisch. Von 1890 bis 1947 gab es eine hofartige Bebauung, den Freienhof, welcher gegen die Reuss durch einen kleinen, zweigeschossigen Bau mit der Jesuitenkirche örtlich verbunden war.

Die Verbindung zur Jesuitenkirche war pragmatischer Natur und nur ein kurzes Intermezzo in der über 300-jährigen Geschichte der Kirche, welche 1666 erbaut wurde, siehe auch Zentralplus vom 3. März 2019: Vom Kreuz mit dem Theater – oder vom Theater um das Kreuz. Der «gassenartige» Freiraum zwischen Theater und Kirche, welcher von allen Teams in der Testplanung vorgeschlagen wird, vermag in keiner Weise räumlich zu überzeugen.

Links Theater bestehend, Mitte Testplanung Vorschlag I Anbau: ARGE Büro Konstrukt / TGS Architekten Luzern, Rechts Testplanung Vorschlag II Anbau: HHF Architekten Basel
Links Testplanung Vorschlag III Neubau: Bosshard & Luchsinger Architekten Luzern, Mitte Testplanung Vorschlag IV Neubau: Büro Konstrukt / TGS Architekten Luzern, Rechts Vorschlag Neubau Patrick J. Schnieper Kriens

Neben einer zeitgemässen Theater-Infrastruktur, einer Verdopplung des heutigen Raumprogramms, sollte dem städtebaulichen Aspekt gebührend Beachtung geschenkt werden. Für mich ist ein angemessener Theaterplatz ein zwingender Baustein. Wo dabei die Anordnung des Platzes sinnvoll ist, ob zur Kirche auf der Westseite ausgerichtet oder gegen Osten Richtung Seebrücke, ist eine Frage der ortsbaulichen Gewichtung. Argumente für einen ostseitigen Theaterplatz sind die Anbindung an den Rathaussteg mit den Sichtverbindungen auf die Rathaustreppe und den Kornmarktplatz auf der gegenüberliegenden Reuss-Seite. Für einen Platz auf der Westseite spricht ein respektvolles Nebeneinander in Form eines angemessenen Freiraums zwischen Kirche und Theater. Weiter ist ein Theaterplatz auf der Westseite zur Kirche hin aus folgender Überlegung vorzuziehen: Theater und Kirche treten architektonisch in einen Dialog, beiden Bauten wird eine entsprechende Ausstrahlung zugeordnet. Ebenso ist es für die Stadt Luzern eine grosse Chance, einen Platz in der Grösse von knapp 2000 Quadratmeter zu erhalten – verkehrsfrei – an einzigartiger, prominenter Lage mit Anbindung an den Jesuitenplatz, ein Ort, der zum Flanieren und Verweilen einlädt.

Um für den Theaterplatz eine angemessene Grösse zu erhalten, muss das Raumprogramm des Neubaus in die Höhe entwickelt werden. Der Saal würde im 2. Obergeschoss platziert werden, was unter anderem den Vorteil mit sich bringt, nur im Bereich der Bühne ein Untergeschoss ins Erdreich bauen zu müssen. Ein wichtiger Aspekt bezüglich der örtlichen Geologie, welche wegen des Grundwasser- spiegels nur ein vollflächiges Untergeschoss zulässt.

Die Länge des Neubaus ergibt sich aus folgenden Raumabmessungen: Hinterbühne 10 Meter, Bühne 15 Meter, Saal 22 Meter und Foyer 10 Meter, was Total 57 Meter entspricht. Die Breite setzt sich aus Bühne 17.5 Meter, so wie den beiden seitlichen Erschliessungen von je 8.25 Meter zusammen, was im Total 34 Meter ergibt. Die Gebäudehöhe im Bereich der Bühne addiert sich aus folgenden Teilmassen: Unterbühne 15 Meter, Bühne 12 Meter und Technik Bühne 10 Meter, was eine sichtbare Fassadenhöhe ab Erdgeschoss von 32 Metern entspricht.

Der Hauptbau mit 24 Metern Fassadenhöhe wird vom Bühnenaufbau um 8 Meter überragt. Das Theater hätte so eine Kuppel – Krone, was in der städtebaulichen Tradition steht, siehe auch historische Fotoaufnahme aus dem Jahr 1900 mit Hauptpost links und Hotel du Lac rechts auf der gegenüberliegenden Reussuferseite. Das Hotel wurde 1948 abgebrochen.

Neben städtebaulichen und raumkonzeptionellen Fragen sind die Forderungen der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege und der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission, welche sich für einen Erhalt der Nordfassade einsetzt, siehe auch Luzerner Zeitung vom 5. Oktober 2019, zu beachten. Wie weit ein Einbezug der Nordfassade vom bestehenden Theater bei einem Neubau Sinn macht, ist eine delikate Frage… klar ist; mit dem geforderten Raumprogramm ist ein Neubau zwingend.

Der Kompromiss liegt auf dem Tisch: Den Saal im 2. Obergeschoss platzieren, also in die Höhe bauen. Mit dieser Massnahme wäre ein angemessener Freiraum zwischen Theater und Kirche möglich. Im Gegenzug muss die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege und die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission auf die bestehende Nordfassade verzichten.

Neben all den funktionalen und denkmalpflegerischen Aspekten finde ich es essenziell, dass städtebaulich markante Bauten miteinander kommunizieren und nicht Rücken an Rücken zueinander stehen sollten.

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