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Über die Psychologie zur Architektur

Nach meinem Maturaabschluss im Sommer 2017 startete mein Zwischenjahr, in welchem ich die Zeit nutzte, um zu arbeiten und eine Entscheidung bezüglich meiner Studienwahl zu treffen.

Das Psychologiestudium und das Architekturstudium waren schlussendlich meine zwei Favoriten. Viele Gemeinsamkeiten weisen diese zwei Studiengänge auf den ersten Blick nicht auf – umso schwieriger war es für mich, einen Entschluss zu fassen. Auf der einen Seite interessierte es mich, wie sich Menschen verhalten, wie sie denken und fühlen. Andererseits hatte ich im Gymnasium als Schwerpunktfach «Bildnerisches Gestalten» gewählt und befasste mich drei Jahre lang mit verschiedensten Facetten der Gestaltung und Kunst. Mein absoluter Höhepunkt dieser drei Jahre war ein Projekt, bei welchem wir unser eigenes Traumhaus-Modell entstehen lassen durften. So konnte ich meiner Kreativität freien Lauf lassen und entwarf ein Haus, welches ganz meinen Wünschen entsprach.

Mein Interesse war für beide Bereiche sehr gross, weshalb es beinahe eine 50:50 Entscheidung war. Ich habe mir dann überlegt, was für mich die Vor- und Nachteile der zwei Studiengänge sind. Ich bemerkte, dass ich gerne mit Menschen kommuniziere und wollte mehr über zwischenmenschliche Beziehungen lernen. Ebenfalls wusste ich, dass dieses Studium eine gute Grundlage ist und mir nach Studienabschluss sämtliche Türen offen stehen. Mit einem Masterabschluss in Psychologie kann man in verschiedensten Bereichen wie Gesundheit, Soziales, öffentliche Dienste, Wirtschaft oder Wissenschaft arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine genaue Vorstellung davon, in welcher Fachrichtung ich später arbeiten will, weshalb mir eine Ausbildung mit einem breitgefächerten Inhalt als einleuchtend erschien.

Somit entschied ich mich für das Psychologiestudium und studierte zwei Jahre lang an der Universität Zürich. Ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich das erste Mal vor dem Hauptgebäude der Universität Zürich stand, danach das Innere des Gebäudes betrat und mich in der Mitte des grossen Lichthofs wiederfand. Die Wirkung, welche dieser Raum auf mich hatte, war beeindruckend. Ich kam mir zwar ganz klein und unwichtig vor, doch zugleich fühlte ich mich inspiriert und motiviert.

Lichthof im Hauptgebäude der Universität Zürich (UZH / Bild: Ursula Meisser)

Das Psychologiestudium verlief nicht ganz nach Plan, da ich den Umfang des Studiums unterschätzt habe und mich vom klischeehaften Studentenleben verleiten liess. Nach der Exmatrikulation an der Universität Zürich musste ich nicht lange überlegen, wie es nun weiter geht. Ich entschied mich dafür, mich meinem zweiten Studiumsfavoriten, der Architektur, zu widmen. Anfangs November 2020 habe ich mein Praktikum bei Schnieper Architekten begonnen. Das Absolvieren eines Praktikums ist eine notwendige Voraussetzung, um im Herbst 2021 mein Architekturstudium an der Hochschule Architektur & Technik in Luzern anzutreten.

Die Thematik ist für mich etwas völlig Neues. Ganz nach dem Motto: «Learning by doing» gehe ich jeden Morgen ins Büro und bin gespannt, was ich heute wieder neu dazu lernen darf. Bereits in den ersten drei Monaten habe ich viele Dinge erfahren und bekam einen breitgefächerten Einblick in die Tätigkeit eines Architekten. Schnell wurde mir klar, dass es nicht nur darum geht, ein schönes Häuschen zu zeichnen, sondern, dass viel mehr dahintersteckt. Es geht darum, etwas zu entwerfen, das seinen Nutzen erfüllt, standhaft ist, in seine Umgebung passt und andere anspricht. Die Architektur ist ein unglaublich facettenreiches Gebiet und ich freue mich in jede dieser Facetten einen tieferen Einblick zu bekommen.

Und vielleicht liegen die Architektur und die Psychologie unter diesem einen Aspekt doch nicht so weit auseinander. So wie die Menschen sich unter Einbezug externer Faktoren selbst entwerfen, formen, bilden und weiterentwickeln, macht dies der Architekt mit Gebäuden. Er entwirft, formt und konstruiert Gebäude für uns Menschen und entwickelt sie weiter, damit die späteren Bewohner sich darin wohl fühlen und – im Idealfall – heimisch werden. Wenn Architekt und Bauherrschaft harmonieren und eine gute Kommunikation herrscht, können fantastische Gebäude entstehen. So gesehen, haben Architektur und Psychologie durchaus Gemeinsamkeiten.

3 Antworten zu «Über die Psychologie zur Architektur»

  1. Der Umfang und der Aufwand des Architekturstudiums an der HTA ist nicht zu unterschätzen. Ich wünsche Dir eine spannende, lehrreiche und inspirierende Zeit. Geniesse es und arbeite hart. Auch wenn Du später eine andere/weitere Berufsrichtung einschlagen solltest, wird Dich die Architektur zeitlebens begleiten. Sie bietet Dir ein facettenreiches Fundament.

  2. Psychologie und Architektur haben sicher grosses Potenzial in der Kombination. Das merkt ein Architekt oder eine Architektin spätestens, wenn es um die Beziehung zu den Bauherren und Baufrauen (;-)) geht.
    Ganz viel Erfolg und Freude für ein gutes Gelingen.

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