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Wissen & E-Mobilität

In diesem Post möchte ich auf den Akku des Elektroautos eingehen. Ich bin immer wieder mehr oder weniger überrascht, wie wenig Wissen die meisten Menschen haben, was die E-Mobilität betrifft. Ich fahre nun seit 1 ½ Jahren einen BMW i3s und habe in dieser Zeit knapp 25’000 km zurückgelegt. Der kleiner Stadt-Flitzer hat einen 42 kWh Akku mit dem man im Stadtverkehr bequem 300 km und auf der Autobahn etwas über 200 km zurücklegen kann.

Ein E-Auto benötigt in der Produktion, verglichen mit einem Verbrenner-Auto, einen höheren Energieaufwand, welcher dem Akku geschuldet ist. Für die Akku-Produktion wird pro Kilowattstunde (kWh) aktuell von ca. 100 kg CO2 (Kohlenstoffdioxid) ausgegangen. Dieser Wert wird in den nächsten Jahren noch massiv reduziert werden. Für den BMW i3 Akku, mit einer Bruttokapazität von 42 kWh, werden für die Produktion 4’200 kg CO2 freigesetzt noch bevor das Auto auch nur einen Kilometer gefahren ist. Wie weit muss also mein E-Auto mit 100 Prozent erneuerbarem Strom fahren, um mit einem PKW mit durchschnittlichem Verbrennungsmotor gleichzuziehen bzw. den Wert der CO2 Emissionen zu unterschreiten. In der Schweiz liegt der durchschnittliche CO2 Ausstoss von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bei 137 Gramm pro gefahrenen Kilometer (Wert gemessen im Jahr 2019).

Wissen: Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern & E-Mobilität: BMW i3s

Teilt man die 4’200 kg CO2 durch 137 Gramm CO2 so ergibt das ca. 30’000 km. Somit ist bereits bei einem Kilometerstand von 30’000 der BMW i3 äquivalent mit einem Verbrenner. Bei einer durchschnittlichen Motorlaufleistung von 200’000 km, ist der E-Flitzer bezüglich CO2 Ausstoss mit 170’000 km gegenüber einem Verbrenner-Auto im Vorteil. Wenn ich das E-Auto also für die «restlichen» 170’000 km mit 100 Prozent erneuerbarer Energie lade, reduziere ich den CO2 Ausstoss um 23’000 kg gegenüber einem durchschnittlichen Schweizer Verbrenner-Auto. Übrigens werden alle öffentlichen E-Ladestationen mit 100 Prozent erneuerbarem Strom beliefert. In der Schweiz sind 62 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie produziert. Wenn der BMW i3 während eines üblichen Autolebens, inklusive Akku Produktion, mit einem durchschnittlichen Schweizer Strommix geladen wird, entspricht das immer noch 13’500 kg CO2 Einsparung.

Dass der Akku, nachdem er nicht mehr als Autobatterie gebraucht wird, als Elektrospeicher von Wind- und Solaranlagen ein zweites Leben bekommen kann, ist in dieser Betrachtung noch gar nicht berücksichtigt. Ein Akku hat heute eine Lebensdauer, inklusive «Second Life», von bis zu 30 Jahren, bevor er zu 98 Prozent mit erneuerbarer Energie recycelt werden kann.

In der Schweiz gibt es 4.6 Millionen Personenwagen, welche durchschnittlich 13’470 Kilometer im Jahr zurücklegen, was total 63 Milliarden Kilometer ergibt. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 137 Gramm CO2 pro gefahrenen Auto-Kilometer sind das 8’600’000 Tonnen CO2… was 18.5 Prozent des gesamten CO2 Ausstosses der Schweiz entspricht. Ein relevanter Teil könnte heute schon reduziert werden – vorausgesetzt das Wissen bezüglich E-Mobilität und das Interesse an einer lebenswerten Zukunft sind vorhanden.

Ob ein LKW mit Wasserstoff fährt oder ein Haus genügend gedämmt ist, kann meist nicht direkt beeinflusst werden. Bei der Wahl des Antriebskonzeptes des eigenen Autos kann jeder selbst entscheiden, wie nachhaltig und umweltbewusst er unterwegs sein will.

Es fasziniert mich, dass ich in ca. 4 Monaten mit meinen «Smart Urban Car» emissionsfrei unterwegs sein werde, denn ich lade mein E-Auto Zuhause mit Solarstrom. Darüber hinaus ist das E-Auto ein wichtiger Bestandteil einer zukünftigen Kreislaufwirtschaft (Akku-Recycling).

Heute muss man zum Glück nicht mehr in eine Bibliothek fahren, um an Wissen zu gelangen und wenn, dann nur batterieelektrisch!

Tipps:

3 Antworten zu «Wissen & E-Mobilität»

  1. Vielen Dank für den guten Beitrag. Die Fakten sind sauber und nachvollziehbar dargestellt. Die Eckwerte kann ich mir gut merken. Einzig bei der Aussage, dass der Ausstoss für die Akku-Produktion von ca. 100 Kg CO2 pro Kilowattstunde (kWh) massiv reduziert werden soll in den nächsten Jahren, steht ein wenig ohne Argumente da. Wie soll das geschehen? Was sind die Treiber dafür? Gibt es konkrete Hinweise dafür, dass das gelingen wird?

    1. Lieber André
      100 kg CO2 pro kWh sind konservativ gerechnet. Tesla produziert heute schon Batterien mit 60 kg CO2 pro kWh und das seit neustem ohne Kobalt. Wichtige Treiber für die tiefen CO2 Werte sind Solarstromproduktion und neue Legierungen.

  2. ich hatte im vergangenen sommer das grosse vergnügen
    mit einem audi e-tron herumzudüsen —
    die »verbrenner« kommen mir seit dem
    geradezu primitiv vor
    [auch wenn ein brodelnder benzinmotor
    auf den kleinen buben in mir
    immer noch eine faszination ausübt…]
    :
    die kraftvolle eleganz und souveränität der elektroautos
    ist eine neue dimension der fortbewegung…
    – – –
    danke für diesen substanziellen beitrag dazu
    !

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