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«Second Life Bau» in Diessenhofen

Nein, «Second Life» steht nicht nur für eine Parallelwelt, in der man als Avatar in einer selbstgebauten 3D-Welt lebt, sowie das in der gleichnamigen Online-3D-Infrastruktur der Fall ist. Der «Second Life Bau», welchen Geri Stolz Keller und August Keller realisieren, steht für Nachhaltigkeit und Weitsicht in der physischen Welt im Kanton Thurgau.

Holz-Modulbau bestehend aus 8 Grundelementen

Für meinen ehemaligen Studienfreund und Geschäftspartner durfte ich das Projekt Werkhalle & Büros «am Teuchelweiher» in Diessenhofen planen. Es zeigt beispielhaft auf, was im temporären Holzbau heute möglich ist. Der 600 Quadratmeter grosse Holzbau steht auf einer neu erstellten Ortbeton-Einstellhalle und ist zu 100 Prozent aus wiederverwerteten Holz- und Stahlelementen erbaut, welche die Firma Nüssli bereits in Zürich für ein Kantinen-Provisorium entwickelt und verwendet hatte. Alle Elemente können am Mythenquai demontiert und in kürzester Zeit – dank Modulbauweise – wieder in Diessenhofen montiert werden, wo der «Second Life Bau» auf unbestimmte Zeit seinen Dienst tun soll.

Die Planung war anspruchsvoll, da wir uns entschieden, alles aus dem vorhandenen «Stahl-/ und Holzmodul-Element Katalog» zu entwickeln. «Exemplarisch sichtbar wird dies am Niveausprung zwischen strassenseitigem Zugang und der rückseitigen Verbindung zum Bestand. Dieser metrige Höhenunterschied wird über den massiven Betonsockel aufgenommen, auf welchem der Holzbau podestartig platziert und somit gut vor aufsteigender Feuchtigkeit geschützt ist.»

Der «Stahl-/ und Holzmodul-Element Katalog» besteht aus acht Grundbauteilen: Stahlstützen Höhe 3.64 Meter, Primär- und Sekundär-Stahlträger Länge 6 Meter und Knoten-Verbindungselement Höhe 36 Zentimeter, Holzkasten-Deckenelement 2 x 6 Meter, Holzkasten-Fassadenelement geschlossen 2 x 4 Meter, Holzkasten-Fassadenelement mit Fenster 2 x 4 Meter sowie Holzkasten-Dachrandelement mit einer Höhe von 40 Zentimetern.

Neben Solarmodulen auf dem Dach, was heute für einen Industriebau Standard sein sollte, hat die Bauherrschaft zwei Ladestationen für das zukünftige kpm3 Firmenelektroauto Polstar vorgesehen.

Ein weiteres, sorgfältig aufgegleistes Detail ist das Douglasieholz für das vorgehängte Fassadenkleid, welches aus dem Bürgerwald in Diessenhofen stammt. Es wurde diesen Winter gemäss dem Mondkalender geschlagen. Die vertikalen Holzlatten und die gut sichtbare, horizontale Unterkonstruktion geben dem profanen Holzmodulbau eine unerwartete Leichtigkeit.

Die Spitex Diessenhofen als neue Mieterin und die Schreinerei Roesch als langjähriger Mieter arbeiten ab Oktober 2020 in einem dem Zeitgeist entsprechenden Neubau. Auch die weltweit tätige Firma kpm3, mit dem Bauherrn als CEO, hat ihre Schweizer Büroarbeitsplätze in Zukunft in diesem innovativen und nachhaltigen Gebäude.

Nicht nur mit einem Elektroauto kann man den CO2 Ausstoss optimieren, auch mit einem smarten Holzbau!

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