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Gründe für die nachlassende Planqualität in Architekturbüros: die ArchitektInnen & ZeichnerInnen – Teil II

Grundlage einer guten Planqualität ist «die Ausbildung» siehe auch Post vom 4. Dezember 2019. Was passiert nach der Ausbildung? Wer als Architekt aufsteigen will – muss schauen – dass er oder sie möglichst schnell weg vom Zeichnungstisch kommt, das heisst Projektleiter, Baumanager oder Chef wird. ZeichnerInnen oder EntwurfsarchitektInnen stehen in einem Architekturbüro nicht an oberster Position der Lohnskala.

Viele ArchitektInnen im Alter von ca. 35 Jahren wenden sich vom Zeichnen ab und werden beispielsweise ProjektleiterInnen, in einem Alter, in dem genügend Erfahrung da wäre, um erfolgreich in der Planung tätig zu sein. Leider wird das nur selten auch monetär anerkannt, so dass sich viele im besten Alter von der Planung abwenden.

Ein erfahrener Zeichner entwickelt selbstständig, zusammen mit diversen Fachplanern Lösungen, welche folgenden drei Prämissen standhalten sollten: konstruktive Richtigkeit, architektonischer Ausdruck und vernünftiges Kosten & Nutzen Verhältnis. Eine sehr anspruchsvolle Aufgabe! Um dieser Aufgabe zu genügen, braucht es sicher 10 Jahre Berufserfahrung. Zeit, die sich viele nicht mehr nehmen wollen, weil die Wertschätzung gegenüber dieser Arbeit zu gering ist. Es ist nicht nur die monetäre Wertschätzung, es gibt noch einen anderen Grund, die Zeit: es wird fast immer von oben zu wenig Zeit für eine seriöse Planung eingerechnet. Die HochbauzeicherInnen und ArchitektInnen müssen oft Überstunden leisten, um die Planung in der vorgegebenen Zeit auch nur halbwegs vernünftig erledigen zu können. Das befriedigt auf Dauer nicht und führt oft zu Burn-out Symptomen. Ein Bauleiter, hat im Vergleich auch viel Verantwortung und Zeitdruck, verdient aber bis zu 100 % mehr als ein Planer…

Ein guter Plan ist ein komplexes Zusammenspiel von vielen Informationen, welche auf einen Punkt gebracht werden müssen. Hinter einer schlüssigen Planung steckt immer ein Prozess, dem Zeit und Wissen vorausgesetzt ist.

Wenn ich mir überlege, wer aus unserer Klasse, ich studierte von 1991 bis 1996 am Abendtechnikum der Innerschweiz in Horw-Luzern, noch in der Planung tätig ist, sind das nicht mehr viele. Von den 21 Studierenden, welche 1996 mit dem Diplom abgeschlossen haben, haben 2 bereits kurz nach dem Studium einen Berufswechsel vorgenommen. Weitere 9 Kollegen sind «nur» noch als Chefs tätig, in Architekturbüros, Baumanagementbüros, Generalunternehmungen oder verwandten Berufen. Die restlichen 10 Absolventen des Abendtechnikums sind nur noch sehr beschränkt in der Ausführungsplanung tätig. Ich schätze es sind ungefähr fünf, welche gelegentlich noch selbst Ausführungspläne zeichnen. Ich selber bin 2/3 meiner Zeit als Planer tätig, von der Nutzungsstudie bis zum Ausführungsplan.

«Für mich wurde schnell klar, dass ich nie ein grosses Büro leiten möchte. Es gibt zwei Punkte, die für mich dagegensprechen: Zum einen will ich nicht «nur» Manager sein, denn ich zeichne selber sehr gerne. Zum anderen finde ich, überdurchschnittliche Qualität ist in einem kleinen Team besser erreichbar. Unsere Projekte zeichnen sich durch eine sorgfältige Planung aus. Als Architekt ist es meine Aufgabe, stets einen Schritt weiter zu sein, als es der momentane Projektstand erfordert. Nur so ist es möglich, gut durchdachte Lösungen zu entwickeln. Wenn ich überdurchschnittliche Leistungen von allen Beteiligten erwarte, muss ich selbst auch in der Lage sein, meinen Aufgabenbereich mit einer guten Planung abzudecken.» Auszug aus Intelligentes Bauen Nr. 9 / 2014: Werkschau: Schnieper Architekten

Es sollten mehr ArchitektInnen in meinem Alter (Jg. 1968) als Zeichner arbeiten, um Probleme, welche durch unzureichende Erfahrung in der Planung entstehen, zu verhindern. Ich hatte ein Gespräch mit einem Chef einer grösseren Generalunternehmung, welcher sich überlegt, selber eine Planungsabteilung aufzubauen. Grund dafür ist die zunehmende Frustration der Bauleiter wegen der oftmals mangelhaften Planqualität, welche sie von einigen Architekturbüros liefert bekommen. Um erfahrene ArchitektInnen und ZeichnerInnen zu finden, wäre die erwähnte Generalunternehmung auch bereit, überdurchschnittliche Löhne zu bezahlen und eine Arbeitsplatzsicherheit zu garantieren.

Wir Architekten müssen auch fähig sein eine überzeugende Planung zu gewährleisten. Das bedeutet, dass wir verstehen müssen, was das bezüglich Zeit, Wissen, Erfahrung und auch Technologie (BIM) bedeutet. Das ist nur mit erfahrenen ArchitektInnen und ZeichnerInnen möglich. Eine ungenügende Planqualität kann für den BauherrIn nach der fünfjährigen Garantiezeit meist ganz schnell teuer werden. Daher sollten wir dem BauherrIn auch verständlich machen, dass eine gute Planung: Zeit und Geld kostet.

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