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Der Einfluss von «The Wall» auf meine Berufswahl Architekt!

Das Musikkonzeptalbum «The Wall» von Pink Floyd war für mich eine musikalische und grafische Offenbarung. Es war die erste Musik in meinem Leben, welche ich bewusst gehört habe. Neben der Musik war für mich die Grafik des Albums ein ebenso wichtiges Element.
Am 30. November 1979 wurde das Doppelalbum veröffentlicht, und am 17. März 1980 bekam ich auf meinen Wunsch das Album von meinen Eltern zum Namenstag geschenkt.

Das Albumcover «The Wall», von mir gezeichnet im Alter von 12 Jahren

Ich habe viele verschiedene Versionen vom Albumcover des britischen Künstlers Gerald Scarfe gezeichnet. Das starke Raster der Mauer, durchbrochen vom Leben von Lancaster Pink hinter der Mauer hat mich gefesselt. In der Zeit, als ich die Zeichnungen machte, wurde mir klar, dass ich Architekt werden will … ich denke auch, dass die Musik von Pink Floyd einen Einfluss hat auf meine Architektur.

Mit dem Film «The Wall» im Jahr 1982 von Alan Parker als Regisseur wurde das Werk entgültig ein audiovisuelles Gesammtkunstwerk.

Nun bin ich gespannt auf heute Abend, auf das «The Wall»-Konzert in Zürich von Roger Waters, das zweite «The Wall»-Konzert in meinem Leben nach Berlin 1990 auf dem Potsdamer Platz.

Buchtipp:

Abstecher nach Turin

Der diesjährige Büroausflug führte uns letztes Wochenende über das Tessin ins 350 km entfernte Turin, das entspricht der grösstmöglichen Entfernung bei der Durchquerung der Schweiz. Es liegt also eigentlich um die Ecke und ist doch ziemlich andersartig.
Südliches Klima und mediterranes Lebensgefühl, gemischt mit einer extremen Dichte an barocken und modernen Bauten und einer Unzahl sogenannter Piazzas, ähnlich grüner und grosszügiger Inseln im Stadtraum. Turin hält, was es verspricht. Mehr noch: Jeder Strassenzug, jede Ecke und jede Gasse halten kleine Überraschungen bereit, die entdeckt werden wollen. Für uns bedeutete diese Unmenge an Möglichkeiten ein straffes 3-Tagesprogramm, in dem wir das alte und das neue Turin sowie die Olivetti Bauten in Ivrea entdeckt haben.

Juliane Reuther und Patrick J. Schnieper im Palazzo della Moda von Pier Luigi Nervi 1961

Besonders eindrücklich waren dabei die stillen Momente des Staunens, beispielsweise beim Durchschreiten des Treppenraums im Palazzo Madama und beim Blick in die Kuppel der Chiesa di San Lorenzo. Beeindruckend waren auch die Dimensionen und die Ausarbeitung der Deckenkonstruktion im Palazzo della Moda, einer ehemaligen Ausstellungshalle für die Weltausstellung 1961 von Pier Luigi Nervi.

Ein weiterer Höhepunkt war der Blick über die Stadt von der 85 Meter hohen Aussichtsplattform der Mole Antonelliana, in der sich heute das Filmmuseum befindet. Etwas ausserhalb im südlichen Teil Turins haben wir die ehemaligen Fiatwerke besucht. Heute ist es ein überdimensionales Einkaufszentrum mit vielseitigen Nutzungen, auf dessen Dach sich noch immer die alte Teststrecke von Fiat befindet.
Das Leben spielt sich jedoch eher im Zentrum der Stadt ab, in den vielen verträumten und stilvollen Cafes, am Ufer des Po oder beim Bummeln unter den imposanten Arkadengängen, die besonders im Sommer ein angenehmes Flanieren möglich machen.
Manchmal wünschten wir uns, wir könnten die Stadt einatmen, um so einen Teil von ihr zu behalten. Da dies jedoch nicht möglich ist, beliessen wir es beim Schmecken, denn auch der kulinarische Gaumen kann sich in Turin verwöhnen lassen, ob über die geschmackvolle piemontesische Küche oder die guten italienischen Weine. An dieser Stelle wollen wir unserer lieben Begleitung Ursi Bünter danken, die uns sonst bei unserer Textarbeit zur Seite steht. Sie übernahm die gastronomische Führung auf unserer Reise und erleichterte uns die Kommunikation in Turin mit ihren hervorragenden Italienischkenntnissen, damit auch die Menübestellung reibungslos verlief.

Alles in allem ein besonders empfehlenswerter, gelungener und eindrucksvoller Ausflug, mit vielen bleibenden Erinnerungen.

Klein ist besser?

Die Häuser und Wohnungen in der Schweiz werden immer grösser. Zwischen 1980 und dem Jahr 2000 hat die beanspruchte Wohnfläche pro Person in der Schweiz um 10 m2 auf über 44 m2 zugenommen.
Ist durch die grösseren Wohnflächen auch die Wohnqualität gestiegen? Ich beobachte immer wieder, dass sich die Bauherrschaften bezüglich der Grösse der Wohnung genaue Vorstellungen machen, jedoch für die bauliche Qualität nur wenig Wissen vorhanden ist.

Ich bin der festen Überzeugung: In einer kleineren Wohnung oder einem kleineren Haus fühlt man sich wohler, wenn die Baumaterialien von schöner, hoher und nachhaltiger Qualität sind.

Was sind schöne und nachhaltige Materialien: Einsteinmauerwerke aus Backstein 50- 60 cm stark, rein mineralische Sumpfkalk-Putze innen und aussen, schöne Schreinerarbeiten, massive Holzbodenbeläge oder gegossene Terrazzo-Bodenbeläge.

Die oben genannten Materialien können sich viele Bauherren leisten, wenn sie bereit sind, bei der Grösse der Wohnfläche «Kompromisse» zu machen. Beispiel: Bei einer 5½-Zimmerwohnung mit einer Nettowohnfläche von 135 m2, zu einem Preis von Fr. 800’000.- kann bei einer Reduktion der Wohnfläche um 20% (Nettowohnfläche 108 m2) Fr. 160’000.- in die Qualität und Nachhaltigkeit investiert werden. Neben dem baulichen Qualitätsvorteil ist die Reduktion um 20% der Wohnfläche auch ein landschaftlicher Gewinn, denn auf der gleichen Fläche können 20% mehr Wohnungen gebaut werden. Zusätzlich ist der Energieverbrauch für das Bauen und das Heizen kleiner, siehe auch Beitrag «Vom Goldenen Schnitt zur grauen Energie» (PDF-File) im Covis 1/2010 von mir.

Kleiner ist kein Kompromiss, sondern eine Qualität, welche sich in den nächsten Jahren bestimmt durchsetzen wird, nicht nur bei den Wohnflächen …

Tipp:

Spatenstich «wohnen am valser rhein»

Bauherrin Laura Berni Meyer beim «Spatenstich»

Am Montag, 4. April 2011, zwei Wochen früher als geplant, konnten wir mit den Aushubarbeiten «wohnen am valser rhein» beginnen dank den milden Temperaturen der letzten Tage. Bauen in den Bergen – Vals liegt auf 1250 Meter über Meer – ist auch immer eine Frage der äusseren Bedingungen.

Mit einem kleinen Apéro wurde diesem wichtigen Meilenstein den nötigen Rahmen gegeben. Nun hoffen wir auf eine unfallfreie Baustelle und auf weiteres Wetterglück, damit das Haus bis Mitte Dezember 2011 bezugsbereit ist.

«Die Schweiz bauen» – 13 x auf SF 1 ab 27. März – 16:50 Uhr

Das Schweizer Fernsehen zeigt ab dem 27. März 2011 jeweils wöchentlich 13 Kurzfilme zu 13 Schweizer Bauwerken.

Aus: Die Schweiz bauen:

«Architekten und Ingenieure prägen mit ihren Bauten wesentlich mit, was die Schweiz ausmacht. Mit der Fernsehreihe «Die Schweiz bauen» präsentiert die SRG SSR in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) 13 Bauwerke, die weit mehr sind als eine Immobilie; sie stehen für einen sorgfältigen Umgang mit der Um- und Mitwelt und zeichnen sich durch wegweisende Lösungen aus.

Bild: Michel Dufourd, ©RTS

Die 13 Kurzfilme der Fernsehreihe «Die Schweiz bauen» werden ab dem 27. März 2011 auf den Sendern von SRF, RTS und RSI ausgestrahlt. Zur Premiere erscheint eine fünfsprachige Publikation mit allen Filmen auf DVD.

Folgenübersicht:
1. Refugium der Zukunft – Monte-Rosa-Hütte, Zermatt VS – So, 27.03.2011 I 2. Eine Kapelle auf Zeit – Saint Loup VD – So, 03.04.2011 I 3. Der Leuchtturm – Schulhaus Leutschenbach, Zürich-Schwamendingen – So, 10.04.2011; I 4. Ein neuer Blick – RTS-Hochhaus, Genf – So, 17.04.2011 I 5. Das flexible Rechteck – Palazzo Canavée, Mendrisio TI – So, 24.04.2011 I 6. Ehre dem Stein – Viadukte Rhätische Bahn – So, 01.05.2011 I 7. Der Bindestrich – Metro M2, Lausanne – So, 08.05.2011 I 8. Das Wunderdorf – Vrin GR – So, 15.05.2011 I 9. Weitsicht – Hochhaus Weberstrasse, Winterthur – So, 22.05.2011 I 10. Die Welle – EPFL Learning Center, Lausanne – So, 29.05.2011 I 11. Das befreite Haus – Atelier Bardill, Scharans GR – So, 05.06.2011 I 12. Übers Wasser gehen – Fussgängersteg Rapperswil – Hurden – So, 12.06.2011 I 13. Die Kulturinsel – Chiasso, TI – So, 19.06.2011.

Learning from Vernacular*

Lernen Sie von denen, die den Weg bereits gegangen sind

Mögen Sie sich auch für noch so einzigartig halten, es hat immer jemanden gegeben, der vor Ihnen den gleichen Traum hatte und Spuren hinterlassen hat, die Ihnen den Aufstieg erleichtern können. Jemand hat Eisenhaken eingeschlagen, in die man ein Seil einklinken kann, es gibt Pfade, abgebrochene Zweige, die einem zeigen, dass dort schon jemand gegangen ist. Es ist Ihr Weg, und Sie sind für sich verantwortlich, doch vergessen Sie nie, dass die Erfahrung anderer sehr hilfreich ist.

Auszug aus Paulo Coelhos Geschichte «Handbuch für Bergsteiger»,
veröffentlicht durch Diogenes Taschenbuchverlag Zürich 2006
Literarisches Werk «Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt», Gedanken und Geschichten, Seite 36.

So wie sich der Bergsteiger in Paulo Coelhos Geschichte der Erfahrungen seiner Vorgänger bedient, obliegt es auch dem Architekten, aus vergangenen Architekturen zu lernen. Im Herbstsemester 2010 an der HSLU Technik und Architektur war das Lernen von vernakulären Bauten Grundlage und Zielsetzung des Entwurfsprojekts mit dem Schwerpunkt Energie. Aus der Analyse von traditionellen Wohnbauten der Schweiz und Bhutans gingen verschiedene Energiekonzepte hervor, die die Basis des Entwurfs bildeten und auf aktuelle Ansprüche angepasst in eine zeitgemässe Architektursprache transformiert wurden.

Modell meines Entwurfs «Bauen in Engelberg» – Foto: M. Käch (HSLU)

Mein Fazit nach der Projektarbeit ist einfach und doch immer wieder viel diskutiert. Der Architekt ist nicht Erfinder, er bedient sich an den Erfahrungen seiner Vorgänger. Bereits vor etlichen Jahrhunderten waren energetische Aspekte in der Architektur und dem dazugehörigen Ort tief verankert, auch ohne teure, aufwendige Technik. Das Besinnen auf diese bereits existierenden Erfahrungen geriet in den Jahren des Fortschritts in den Hintergrund, da Technik einfache, konstruktive Mittel zu energetisch bewusstem Entwerfen verdrängten und unnötig machten. Doch ist nicht genau das ein wichtiger Bestandteil guter Architektur? Die Verbindung von regionalen Ressourcen1 mit aktuellen Ansprüchen an gebaute Räume hin zu einer Ästhetik der Nachhaltigkeit 2.

1. Regionale Ressourcen umfassen meiner Meinung nach kulturelle, natürliche, klimatische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, sowie Kenntnisse und Fähigkeiten des regionalen Handwerks und bilden gemeinsam die Identität eines Ortes.

2. Semesterprogramm der Hochschule Luzern, Fachbereich Technik und Architektur
Master of Architecture Fokus Energie Herbstsemester 2010, Seite 14 letzter Abschnitt
Einführung Semesterschwerpunkt – «Architektur und Energie: Nachhaltige Entwicklung»
Verfasser und Modulverantwortlicher des Fokus Energie 2010 – Hanspeter Bürgi

* Post «Architekturausstellung «Learning from Vernacular» in Rossinière» vom 11. Juli 2010

Die Wirkung von schlechter «Architekturluft» auf unser Unterbewusstsein

Dass das Unterbewusstsein einen grossen Einfluss auf unser Empfinden hat, ist bekannt. Dass auch Architektur auf unser Unterbewusstsein oft unbewusst einen grossen Einfluss hat, von dem kann ausgegangen werden. Alleine diese Tatsache, dass gebauter Raum eine solche Wirkung auf unser Leben hat, sollte uns nachdenklich stimmen, wenn wir auf die vielen seelenlosen Architekturverbrechen schauen, welche meist unbewusst gebaut wurden.

Bild: Pink Floyd – Echoes

Mit welchen Menschen, welcher Musik oder Literatur ich mich beschäftige, kann ich selber wählen. Architektur ist in den wenigsten Fällen individuell wählbar. Unser Unterbewusstsein muss sich ständig mit dem gebauten Raum auseinandersetzen, was uns natürlich in einem grossen Masse beeinflusst, ohne dass wir eine Möglichkeit haben, als Individuum gross Einfluss darauf zu nehmen … Wir atmen ständig diese schlechte «Architekturluft» ein und machen so unser Unterbewusstsein kaputt, ähnlich wie ein Kettenraucher, der sich ganz langsam selber zerstört.

Bei solchen Gedanken wird einem bewusst, welch grosse Verantwortung Architekten und Bauherren gegenüber der Gesellschaft und sich selber haben. Gute Architektur kostet etwas: Zeit, Wissen und Geld – Faktoren, die heute oft dem schnellen Gewinn und oberflächlichen Denken geopfert werden.

Nehmen wir uns die Zeit, das Wissen, und das Geld (ein beschädigtes Unterbewusstsein zu reparieren ist teurer als die teuerste Architektur …!) für eine menschliche und sinnliche Architektur, damit wir frische «Architekturluft» einamtmen können und so unser Unterbewusstsein positiv beeinflusst wird.

Veranstaltungshinweis: Biennale-Ausstellung in Vals

PD. Der aktuelle Schweizer Beitrag der «Architekturbiennale Venedig» war laut Bundesamt für Kultur ein grosser Erfolg. Nun kommt die Ausstellung «Landschaft und Kunstbauten» in die Schweiz, und zwar nach Vals.

Vom 30. Januar bis 24. Februar 2011 ist die besondere Ausstellung im Hotel Therme, täglich von acht bis zwanzig Uhr, zu sehen. Der Anlass unter dem Titel «Venedig in Vals – Landschaft und Kunstbauten der Schweiz» stellt das faszinierende Resultat von Streifzügen vor, die der Bündner Ingenieur und Brückenbauer >Jürg Conzett zusammen mit dem Fotografen Martin Linsi durch die Schweiz unternommen hat.

Kunstbauten sind Brücken, Stege, Tunnel, Stützmauern, Durchlässe – Bauten also, die Verkehrswegen dienen und sich durch einen besonderen Bezug zur Landschaft auszeichnen.

Für die Biennale-Ausstellung «Landschaft und Kunstbauten – Ein persönliches Inventar von Jürg Conzett, fotografiert von Martin Linsi» zeichnete das Bundesamt für Kultur, namentlich Urs Staub als Leiter Kunst und Design im BAK, verantwortlich. Szenografisch und visuell gestaltet wurde der Beitrag von Heinz Kriesi und Peter Heuss.

Vernissage 29. Januar 2011 | 17 Uhr | Blaue Halle
Mit Wortbeiträgen u. a. von Urs Staub, Leiter Kunst und Design im Bundesamt für Kultur
Musik: Vera Kappeler (Klavier) l Peter Conradin Zumthor (Schlagzeug)

Gesprächsmatinee 30. Januar 2011 | 11 Uhr | Blaue Halle
Unter der Leitung von Hochparterre-Chefredaktor Köbi Gantenbein wirken mit:
Gion Caminada, Architekt, Vrin / Jürg Conzett, Ingenieur und Autor der Ausstellung /
Heinz Dudli, Präsident Berufsgruppe Ingenieurbau / Martin Linsi, Fotograf der Ausstellungsbilder / Karin Salm, Redaktorin DRS 2.

Valser Steindächer

Unter dem Namen «wohnen am valser rhein» planen und bauen wir dieses Jahr für Freunde von mir ein Einfamilienhaus in Vals.

Die dreiseitig steil ansteigenden Berge und der Valser Rhein, welcher das Dorf in zwei Teile schneidet, bilden die prägenden Elemente der natürlichen Umgebung des zu bebauenden Grunstückes. Die bebaute Umgebung ist eine Mischung aus verputzten Häusern und solchen aus Holz. Eines jedoch haben fast alle Gebäude in Vals gemeinsam: das Dach. Dieses ist bei allen Häusern in der Kernzone und der näheren Umgebung mit Valser Stein eingedeckt und wirkt dadurch charakterbildend für das Erscheinungsbild des Dorfes.

Die Dacheindeckung ist in Vals durch das Baugesetz vorgegeben. Für einmal ein schönes und sinnvolles Baugesetz. Granit ist ein Baumaterial, das für Vals typisch ist und vor Ort in grossen Mengen vorkommt. Das Bewusstsein für die Wichtigkeit der fünften Fassade, gerade in einem Bergdorf, wo die Dachflächen von den vielen umliegenden Berggipfeln sehr gut einsehbar sind, scheint in Vals vorhanden zu sein.

Die fünfte Fassade sollte mit der gleichen Sorgfalt gestaltet werden wie die anderen vier Fassaden. Siehe auch Post vom 8. Januar 2009: Google Earth und die fünfte Fassade

Durch die einheitliche Dacheindeckung in Granit erscheint das Dorf als ganzes relativ ruhig und homogen, obwohl die «vertikalen» Fassaden der Häuser in sehr unterschiedlichen Materialien ausgeführt sind. Vals sollte man auch von oben gesehen haben!

Baubewilligungsverfahren in der Schweiz …

Jeder Kanton, und teilweise auch die Gemeinden, haben andere Baugesetze und dadurch auch eigene Baugesuchsformulare, was das Bearbeiten eines Baugesuches unübersichtlich und aufwändig macht.

Ein erster wichtiger Schritt wäre die Abschaffung der Ausnützungszifferberechnung. Für mich ist die Ausnützungsziffer für ein Grundstück unnötig. Die immer gleichen technokratischen Fragen; was zählt zur Ausnützung … mit oder ohne Aussenwände, viele Ausnahmen und Sonderregelungen, welche keine wirklichen Verbesserung der architektonischen Qualität mit sich bringen. Im Gegenteil: Jeder versucht, noch etwas mehr für sich herauszuholen …

Baugespann für das Haus Meyer-Berni in Vals. Foto: Laura Berni

Definiert werden müssten Bauzone, Grenzabstände, Gebäudehöhen und maximale Gebäudelängen. Was innerhalb dieser Baulinien gebaut wird, ist Privatsache, sofern die Vorgaben der Baugesetze, wie zum Beispiel minimale Raumgrössen und die natürliche Belichtung für gewisse Raumnutzungen eingehalten werden.

Weiter ist es unsinnig, einen Wärmenachweis zu erbringen – ein Papiertiger, für den sich beim Bauen niemand wirklich interessiert – was auf dem Bau kaum zu kontrollieren ist. Eine Energiesteuer würde das energiebewusste Bauen viel effektiver fördern.

Auch sind viele kleine Gemeinden mit ihrem Bauamt überfordert, nicht nur in architektonischen Fragen … Sinnvoller wäre gerade für kleinere Gemeinden, dass eine grössere Gemeinde mit professionellem Bauamt mit mindestens einem Architekten für die Vorprüfung eines Baugesuches verantwortlich wäre.

Für eine Vereinfachung der Baugesetze und die Professionalisierung des Baubewilligungsverfahrens könnte sich der SIA (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein) stark machen. Der SIA hat die Möglichkeit, für die ganze Schweiz ein einheitliches Baugesetz und Baubewilligungsverfahren zu erarbeiten, ohne die Besonderheiten der einzelnen Regionen zu vernachlässigen.

Es muss ja in der Schweiz nicht so weit kommen wie in den USA, wo es für einen Bauantrag oft einen Anwalt braucht.

Tipps: