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Shanghai – Welthauptstadt?

Ich bin im Mai für zehn Tage in Shanghai gewesen, wo ich die Stadt zu beobachten versuchte… Und natürlich brauste ich auch für zwei Tage auf der Expo herum.
Für mich war schon beim ersten Besuch vor sieben Jahren sofort klar: Diese Stadt ist etwas Besonderes! Es war eine Atmosphäre … die Ruhe vor dem grossen Sturm. Heute ist der Sturm – Geldssturm, Konsumsturm, Bewusstseinssturm, Modesturm und Kunststurm – voll ausgebrochen. Teilweise kann man sogar von einem Tornado sprechen, wenn man schaut, was das für die Menschen bedeutet. Mit Tornado meine ich nicht die räumlich-architektonische urbane Situation, die war schon vor sieben Jahren atemberaubend und zugleich beängstigend. Nein, die gesellschaftliche Veränderung: Wie weit ist die meditative Art der Chinesen strapazierfähig – das gilt speziell für die Verlierer. Und auch die Gewinner: Wie gehen sie mit ihrem «Kater» nach der grossen Party um. Für einen Psychoanalitiker, der noch Architektur studiert hat, ist Shanghai ein Paradies … Shanghai als Gipfel des Chinesischen Erfolgsmodells. Ich denke, den Mittelweg für Shanghai gibt es nicht: Entweder ist Shanghai bis in ca. 50 Jahren die Welthauptstadt, oder aber eine unbedeutende Megacity. Das Potenzial, zur Welthauptstadt aufzusteigen, ist durchaus vorhanden.

Shanghai: Auf dem Weg zur Welthauptstadt? Hotelneubau von Pedersen Fox Architects und Japanese Interior Design Firm Super Potato

Ich besuchte auch die Tongji University, nördlich vom Stadtzentrum, und habe mir die Arbeiten von den Bachelor- und MasterstudentInnen der Architekturabteilung angeschaut. Keine Frage, die Arbeiten der Studentinnen und Studenten der Tongji University stehen in nichts denen von der ETH Zürich oder der Columbia University in NYC nach. Auch im Gespräch mit den StudentInnen wird klar, die wissen haargenau, was auf der Welt passiert, trotz Internetzensur der chinesischen Regierung, welche leicht umgangen werden kann.

Um Welthauptstadt zu werden, muss sich die Kunst frei entwickeln können, das kreative Potenzial ist im Überfluss da, durch die schnellen und vielen Veränderungen, welche täglich x-neue Möglichkeiten bieten etwas auszuprobieren. Die Chinesen, im Moment noch eine kleine Regierungselite, haben es selber in der Hand, eine einigermassen demokratische Gesellschaftform zu etablieren, und dadurch in Zukunft: gesellschaftlich, technisch, künstlerisch und auch menschlich eine führende Rolle auf dieser Welt einzunehmen.

Mit der Weltausstellung in Shanghai haben die Chinesen bewiesen, dass sie sich «wieder» für die Welt und ihre verschiedenen Kulturen interessieren. Nun gilt es, das Gesehene in das Bewusstsein zu übernehmen. Dann ist der Weg nicht mehr weit, wo die Chinesen in die USA reisen, um in Manhatten die alten Hochhäuser und Museen zu besichtigen. The Tide is Turning…

Tipp:

Ikonenarchitektur …

Am letzten Montag besuchte ich den Olympiapark in Beijing, wo ich das Vogelnest genauer studierte konnte… Die Idee der Nestform ist grossartig für ein Stadium, doch die architektonische konzeptionelle Umsetzung ist nicht wirklich gelungen.

Stahlträgerstruktur mit Tribünen und Dach

Die äussere Stahlträgerstruktur aus silberfarbenen Vierkant-Hohlkörpern, die Tribünenschalen rot aus Beton, und das Dach aus weissen Kunststoff-Membranen sind die drei raumbildenden Hauptelemente, welche architektonisch nicht überzeugend zusammenfinden (Übergang Tribüne zu Dach und Dach zu Stahlstruktur), was die sehr aufwändige Stahlträgerstruktur ganz schnell in Frage stellt. Dass die Umsetzung der Details, und auch die Materialqualität ungenügend ist, spielt eigentlich gar keine Rolle mehr.

Übergang Tribüne zu Dach

Was ich aber wirklich schlimm finde, ist der grosse Aufwand, welcher betrieben wurde, um diese unfertige architektonische Idee zu realisieren. Immerhin hat dieses Stadion sehr viel gekostet … nicht nur Geld, es gab auch 14 Tote während der Bauzeit. Eine weitere angemessene Nutzung für das Olympiastadion ist bis heute nicht gefunden (siehe Post vom 16. Mai 2009: «Ein Nest ohne Vögel …»).

Stahlverbindungen der äusseren Tragstruktur…

Die Umgebung, der grosse neue Park mit See, ist eine stimmige Anlage. Der Park wird im Sommer, wie auch im Winter (im Winter sogar zum Skifahren) gut besucht. Nicht nur von chinesischen Touristen, sondern auch von vielen Einheimischen.

Was mit dem Olympiastadium passiern wird, da bin ich gespannt. Vielleicht wird es ja in Zukunft wirklich nur noch von Vögeln benützt, um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Nistplätze hätte es genügend, um so die grösste Vogel-Volière der Welt zu werden. Die neue Nutzung würde dem Namen Vogelnest zu 100% entsprechen!

Beijing: Architektur-Hotspots I Shanghai: Weltausstellung Expo 2010

Am kommenden Samstag reise ich für zwei Wochen nach China. Mein erster Halt wird Beijing sein, wo ich bereits vor drei Jahren mal für zwei Wochen war und all die Grossbaustellen besichtigt habe. Bin neugierig, wie sich das Stadtbild verändert hat mit den nun fertig gestellten Architektur-Hotspots, wie zum Beispiel der neue Flugplatz, der CCTV-Tower, das neue Staatstheater (Oper) und das Vogelnest. Speziell auf das Vogelnest (Olympiastadion 2008) und in welchem Zustand sich das Stadion und seine Umgebung mit Park präsentieren bin ich gespannt (siehe auch Post vom 16. Mai 2009: «Ein Nest ohne Vögel…» ).

Mein zweiter Stop ist Shanghai, wo ich vor sieben Jahren das erste Mal war. Eine faszinierende Stadt! Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Shanghai New York als Welthauptstadt gegen Ende dieses Jahrhunderts ablösen wird – vorausgesetzt, China entwickelt sich in eine demokratische Richtung. Ein Top-Highlight für die nächsten sechs Monate in Shanghai ist natürlich die am 30. April 2010 eröffnete Weltausstellung mit dem Schwerpunkt: «Eine bessere Stadt, ein besseres Leben», siehe auch Blogbeitrag vom 10. Januar 2010: «Expo 2010: Eindrücke aus Shanghai – von August Keller».

Mit August Keller habe ich einen kompetenten Freund vor Ort. Er ist als Projektleiter für die Firma Nüssli für den Aufbau des Schweizer Länderpavillons verantwortlich.

Schweizer Fernsehen: August und die Wanderarbeiter. Eine chinesische Skizze Reporter vom 21.04.2010 (Foto: Schweizer Fernsehen)

Ich erwarte die Expo 2010 aus architektonischer Sicht betrachtet – es ist mein erster Weltausstellungbesuch – als eine Art „Architektur-Chilbi-Park“. Jedes Land versucht sich möglichst modern, originell und aufgeschlossen darzustellen; dazu eignet sich die Architektur natürlich bestens, was sich architektonisch in übertriebener Formenvielfalt niederschlägt. Es ist ja unvermeidlich für eine Austellung dieser Art, die Menschen wollen unterhalten werden … Trotzdem freue ich mich sehr, diesen Weltausstellungs-Architektur-Themenpark zu besuchen; es gibt ja an jeder «Chilbi» die eine oder andere Schönheit zu entdecken …

Tipp:

Haus Optiker: Reportage in Raum und Wohnen Nr. 4/10

Titelseite Raum und Wohnen 4/10: Blick in die Küche vom Haus Optiker

Welchen Stellenwert ein Haus im Gesamtwerk eines Architekten hat, kann natürlich erst später genauer gesagt werden. Mir ist bewusst, dass das Haus Optiker in Bürglen bei Lungern einen Meilenstein in meinem Architektur-Œuvre darstellt. Es ist immer wieder ein Erlebnis, das Haus zu durchschreiten und die Räume in ihrer perspektivischen Wirkung zu beobachten. Sehr interessant sind für mich auch die Architektureportagen über eigene Entwürfe, ein professionelles Feedback auf meine Arbeit als Architekt!

Die Reportage mit dem Titel «Freie Geometrie» (PDF-File) in der aktuellen Ausgabe von Raum und Wohnen stellt für mich eine kleine Krönung dar. Die ruhigen Fotos von Francesca Giovanelli sowie der stimmige und präzise Text von Ursula Bünter zeigen und beschreiben meine architektonischen Ideen überzeugend.

Public Relations-Architekturmagazine und deren Qualitäten …

Jede bessere Firma hat ihr eigenes PR-Magazin … das ist auch in der Baubranche so. Bei den meisten PR-«Heftli» ist der Inhalt das Papier nichts wert! Es gibt für mich drei Kategorien von PR-Magazinen:

  • Schlechter Inhalt – schlechte Grafik
  • Schlechter Inhalt – gute Grafik
  • Guter Inhalt – gute Grafik

Was ist guter Inhalt? Beiträge, die fundiertes und nachhaltiges Wissen vermitteln, das heisst: Keine kurzgefassten Texte, welche bereits Bekanntes in schlechtem «Wallpaper»-Stil neu zu verkaufen versuchen. Viele Firmen-Magazine haben ja teuer bezahlte Mitarbeiter, welche von der Presse in den PR-Bereich gewechselt haben, wegen den besseren Salären… Von diesen Firmen sollte ein interessantes PR-Magazin erwartet werden können.

«Daylight & Architecture» Flows Issue #12

Velux macht es seit 3 Jahren mit «Daylight & Architecture» vor; jedes Heft ein Genuss, hochwertiger Inhalt, grafisch sehr gut aufbereitet, auf schönem Papier gedruckt (kein Hochglanzpapier). Beim Lesen vergisst man, dass es ein Firmenmagazin von Velux ist, die Themen haben meistens nur indirekt etwas mit Dachfenstern zu tun. Die aktuelle Ausgabe «Alles im Fluss» von „Daylight & Architecture“ befasst sich mit den Strömen innerhalb unserer Städte. Elf Experten dokumentieren je einen urbanen «Strom»; wie Menschen, Geld, Mikroklima, Informationen, Land und andere. Diese Art von Public Relations ist auf längerfristige Sicht angelegt und gibt der Firma ein positives Image, welches weit über das eines simplen Dachfensterfabrikanten hinausgeht.

Wie sagt die Firma Velux so schön: «Velux sucht den intensiven Dialog mit Architekten und Planern zum Thema Tageslicht». Das ist der Firma mit dem eingeschlagen Weg in Form von «Daylight & Architecture» eindrücklich gelungen.

Traumberuf Architekt …

Die meisten Menschen haben eine sehr romantische Vorstellung vom «Traumberuf Architekt». Vielen gefällt das Kreative am Beruf, doch Kreativität braucht Ideen, und gute Ideen entwickeln ist knallharte Knochenarbeit! Ein Prozess, der sehr viel Geduld erfordert und nur manchmal mit einer guten Idee belohnt wird. Ein wichtiger Punkt für den kreativen Prozess ist das selbstständige Denken, welches weit über das in der Schule Gelernte oder Angelesene hinaus geht. Gerade der letzte Punkt bereitet vielen Architekturstudenten und -studentinnen Mühe; es gibt keine Rezepte für gute Entwürfe, denn die Ausgangslage einer Bauaufgabe ist immer wieder neu. Auch ist gute Architektur nicht messbar im üblichen Sinn. Gute Architektur zu verstehen braucht Erfahrung. Noch ein weit grösserer Schritt ist es, selber einen guten Entwurf zu machen. Fähigkeiten wie das Beobachten, genaue Hinschauen (Sehen), Ausprobieren, Hinterfragen, Verwerfen, neu Anfangen sind gefragt, um erfolgreich zu bestehen im «Traumberuf Architekt». Mit etwas Glück wird man für all die Anstrengungen zur Belohnung von der Musse geküsst!

Learning Center der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) in Lausanne von Sanaa Architekten Tokio. Bis man solche Entwürfe realisieren kann, braucht es viel Geduld und Talent! Foto: Hisao Suzuki

Schon das Architekturstudium ist sehr zeitaufwendig (siehe «NZZ Campus» vom 1.5.2009 – Zuerst die Kartonmodelle, dann die Luftschlösser). Im gleichen Still geht es nach dem Studium im Berufsalltag weiter (siehe «Der Tagesspiegel» vom 14.2.2010 – Traumberuf Architekt?). Man muss den Beruf Architekt leben, sonst kann das Ganze schnell zum Alptraum werden … Doch wer gerne über den Tellerrand hinaus schaut, Geduld hat und talentiert ist, für den kann der «Traumberuf Architekt» zur Berufung werden. Doch nur wenigen ist es vorbehalten, dieses Ziel wirklich zu erreichen.

Tipps:

Free your Mind

Im September letzten Jahres habe ich das Masterstudium Architektur an der HTA Luzern begonnen. Das Studium umfasst drei Schwerpunktthemen – Energie, Material und Struktur – auf die das jeweilige Semester abgestimmt ist.

links: Modell zum Fügungsprinzip der Ingwerwurzel; Material Gipsbinden; rechts: Modell zur Raumfindung; Gipsguss – gefüllte Wasserballons in Gips

Im ersten Semester war es das Thema «Struktur», welches über Vorlesungen, Vorträge und Vorstellungen theoretisch und über ein semesterumfassendes Projekt praktisch vermittelt wurde. Nach dem Erhalt des ersten Aufgabenblattes stellten sich bereits die ersten Fragen ein. Inhalt der Aufgabe war es, einen mehrgliedrigen Gegenstand zu wählen. Meine ersten Gedanken waren: «Was hat das mit Architektur zu tun?» und «Wo soll es hinführen?»
Nach langem Überlegen entschied ich mich für eine Ingwerwurzel.

Jeder Student stellte nun also sein Objekt vor, wobei sich die unterschiedlichsten Gegenstände versammelten, wie zum Beispiel ein Strohhut, eine Orgelpfeife, ein Fächer, eine Hummerschere, ein Röntgenbild und vieles mehr.

Jetzt begann der schwierigste Teil der Aufgabe.
Über unzählige Experimente mit verschiedensten Materialien versuchten wir eine Fügungslogik, ein Prinzip unseres Objektes zu generieren und in Architektursprache zu übersetzen. So entstanden im Semesterverlauf verschiedenste architektonische Projekte.
Später sollte aus den entstandenen Räumen eine Funktion bzw. Nutzung abgeleitet und auf den Entwurf angewendet werden.

Entwerfen rückwärts – ohne Richtlinien, ohne Zwänge durch Funktion und Nutzung, also ohne jegliche Vorgabe bildete den grössten Kontrast zu meiner regulären Arbeitsweise und bereitete mir dadurch Probleme beim freien Denken.

Schon während des Experimentierens mit Raum und Fügungsprinzipien stiess ich oft an meine Grenzen. Grenzen, die durch Rationalität, Pragmatismus und Erfahrungen aus der Praxis hervorgingen. Ich bemühte mich diese auszublenden, mich von Ihnen zu lösen, um mich so auf dieses Experiment einlassen zu könnnen, leider mit mässigem Erfolg.

Auch wenn ich dieses Semester gescheitert bin, habe ich doch sehr viel gewonnen.
Nämlich die Einsicht, mir selbst Grenzen auferlegt zu haben, die durch Erfahrungen ganz natürlich sind, aber die es nun heisst einzureissen.

Vom Goldenen Schnitt zur Grauen Energie – Coviss 1/10

In der aktuellen Ausgabe von Coviss ist zum Thema «Spannungsfeld Architektur» ein Text von mir erschienen. Architektur ist heute schon lange nicht mehr nur eine Frage von guten Proportionen. Im Bewusstsein dieser Tatsache habe ich meine Gedanken und Ideen beschrieben. Der Beitrag «Vom Goldenen Schnitt zur Grauen Energie» (PDF-File) soll uns klar machen, dass Bauen keine reine Privatsache mehr ist!

Zwei weitere interessante Beiträge zum gleichen Themenbereich sind von den beiden Kantonalen Denkmalpflegern von Luzern und Obwalden in der gleichen Coviss-Ausgabe nachzulesen. Der Luzerner Denkmalpfleger Claus Niederberger schreibt über «Umnutzung und Gesamtrestaurierung – Baukultur als Aufgabe», und Peter Omachen  macht sich Gedanken zum Thema «Qualitätsvolle Neubauten als Chance – Baukultur statt Identitätsverlust».

Architizer – Facebook für Architekten!

Architizer ist ein neues Architekturforum im Web, das seit November 2009 als Beta-Version online ist. Architekten können kostenlos eigene Projekte und Portfolios hoch laden; zudem gibt es eine Job Börse und vieles mehr. Ich habe seit Dezember 2009 ein persönliches Profil, Büroprofil und ein Projekt auf Architizer. Das Interface ist für eine Beta-Version sehr gut gemacht. Es macht Spass, andere Büroprofile zu besuchen und die Projekte zu begutachten, welche die Büros bearbeiten…

Einen Punkt, den ich noch nicht so gut finde ist, dass es keine Büro- und Projektselektion gibt, wie das zum Beispiel bei «swiss architects» der Fall ist. Damit eine gewisse architektonische Qualität gewährleistet werden kann, müssen die Leute von Architizer aus Manhattan unbedingt eine Selektion vornehmen! Die Architektur-Plattform Architizer sollte ja auch für mögliche Bauherren und Sponsoren interessant sein, und da ist eine minimale Qualitätssicherung unerlässlich.

Wenn es mit der Qualitätssicherung noch klappt, kann Architizer eine ernsthafte Konkurrenz werden für die kostenpflichtigen Plattformen von «world architects».

Expo 2010: Eindrücke aus Shanghai – von August Keller

August Keller, ehemaliger Geschäftspartner und Studienkollege, arbeitet ein Jahr lang für die Firma Nüssli aus Hüttwilen / TG als Projektleiter für den Schweizer Länderpavillon. Er beschreibt im folgenden Blogbeitrag seine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen mit dem Grossprojekt Weltausstellung Expo 2010 in Shanghai.

Die Weltausstellung Expo 2010 in Shanghai öffnet am 1. Mai 2010 ihre Tore und dauert bis Ende Oktober 2010. Es werden in 6 Monaten ca. 70 Mio. Besucher erwartet, und somit wird dies die grösste Expo aller Zeiten werden (Fläche ca. 5.2 km2). Die Verantwortlichen sind sich dessen bewusst und scheuen keine Mühen und Kosten. In den letzten beiden Jahren wurden fast sämtliche Strassen in Shanghai erneuert, das Netz der Untergrundbahn um ca. 130 km verlängert und die meisten Häuserfassaden frisch gestrichen. Leider wurden dabei Chancen verpasst. Zum Motto «Better City, Better Life» wären Fassadensanierungen nach Minenergie-Standart passend gewesen! Die Expo hat sich in den letzten 150 Jahren stark verändert. Entstanden als eine Industriemesse, findet heute der Besucher vor allem Animationen, Heiratsmöglichkeiten, Wettbewerbe und viele Informationen über Nachhaltigkeit, Öffentlichen Verkehr, Wassermanagement und vieles mehr. Jedes Land, jede Organisation, die etwas auf sich hält, ist mit einem möglichst grossen Pavillon oder Ausstellung an dieser Expo dabei. China ist das Land der Zukunft! Es stellt sich die Frage, ob in der Zeit des Internets ein solcher physischer Aufwand noch angebracht ist oder ob virtuelle Möglichkeiten mehr gewesen wären? In Shanghai kommt diese Idee das erste Mal ansatzweise zum Einsatz.

Die Weltausstellung in Shanghai wird dieses Mal ihren absoluten Höhepunkt erreichen, noch nie so gross, noch nie so viele Beteiligte, noch nie soviele Besucher. Aus diesem Grund haben alle Teilnehmer dieser internationalen Leistungsshow wie zum Beispiel Deutschland, Dänemark, Holland, Spanien, Luxemburg und Mexiko etwas tiefer in die Taschen gegriffen und ihre grossen Pavillons gebaut. Das Areal der Expo ist in Kontinente eingeteilt, so liegt das Schweizer Länderpavillon in der Zone C04 auf der Pudongseite, umgeben von den Nachbarn Frankreich, Deutschland, Spanien und Polen. Die Schweiz ist mit einem Länder- und einem Städtepavillon gut an der Expo in Shanghai vertreten.

Baustelle Schweizer Länderpavillon Ende 2009 (Foto: August Keller)

Für den Länderpavillon hat man ein Konzept gewählt, das die Qualitäten der Schweiz repräsentiert; die enge Verzahnung von Stadt und Land, den bewussten Umgang mit Ressourcen, die Sorge zur Natur, den Einsatz von modernster Technologie zur Lösung von Verkehrsproblemen, Luftverschmutzung und Zersiedlung. Ich bin überzeugt, dass durch weniger Ausstellung, dafür mit einer Seilbahn – eine Erfindung der Schweiz –schlussendlich mehr über die Schweiz zu erleben ist, als mit einer grossen komplexen Wissensausstellung. Der Fun-Faktor spielt an solchen Ausstellungen eine wichtige Rolle. Für die Architektur des Schweizer Länderpavillons ist das junge Schweizer Büro Buchner Bründler aus Basel verantwortlich.

Wie ich die Chinesen einschätze, wird es wichtig sein, dass man ein gutes Restaurant hat, einen Shop mit interessanten Produkten und eben den Fun-Faktor, der den Tag auflockert. Somit wage ich zu behaupten, dass die Schweiz eines der erfolgreichsten Pavillons in Shanghai haben wird. Mit einer Kapazität von ca. 20’000 Besuchern pro Tag haben wir einen kleinen Pavillon, vor allem verglichen mit dem Chinesischen Pavillon, der einen Besucherstrom von fast 70 Mio. Chinesen bewältigen muss.

Zum Schluss: Als Projektleiter des Schweizer Pavillons an der Expo in Shanghai beteiligt zu sein, ist ein spezielles Gefühl und wird sich als wichtiger Meilenstein in meinen Erinnerungen eingraben.