ArchitekturCumulus

Architekturstudium: 5. Semester

Im letzten Studienhalbjahr widmeten wir uns dem Thema Wohnungsbau. Neben dem Entwurfsfach wurde uns in einer Vorlesungsreihe die Geschichte des Wohnens seit der Industrialisierung vermittelt. Die Theorie gab uns die Grundlage und Unterstützung im eigenen Entwurfsprozess. Das Motto für alle Studierenden im Entwurf war «Gretas Home» in Fribourg. Das Experimentieren mit nachhaltigen Bauarten sowie zukunftsorientierten Wohnformen sollte uns für diesen Bereich sensibilisieren und uns Möglichkeiten aufzeigen, wie wir als ArchitektInnen einen Beitrag zum Umweltschutz leisten können.

Der Planungsperimeter wurde uns vorgegeben und befand sich am östlichen Rand der Fribourger Altstadt. Der Bereich wird durch den Fluss Saane vom übrigen historischen Stadtteil abgetrennt. Wir hatten die Freiheit unser Grundstück selber auszusuchen. Die Wohnungsgrösse sowie die Zielgruppe waren den StudentInnen freigestellt.

Das Wohngebäude folgt der «Le Gottéron» und gibt dem Bestand ein Gegenüber.

Der von mir gewählte Bauplatz liegt an der Mündung des Flusses «Le Gottéron» in die Saane. Die unbebaute Fläche in mitten des Quartiers drängte sich mir förmlich auf. Durch die Gegebenheiten des gefassten Flusses und der ansteigenden Strasse ist die Gebäudeform nahezu vorgegeben, was zugleich die Qualität dieser Parzelle ist (siehe Projektpläne). Das lange und schmale Grundstück wird dreistöckig bebaut. Die Dachform ist gekennzeichnet durch drei Firste, welche in der kleingegliederten Umgebung ihren Ursprung finden.

Das öffentliche Tiefparterre wird vom «Place de la Palme» mit dem «Brunnen der Treue» aus erschlossen und beherbergt eine Werkstatt. Diese bietet den Bewohnern und der Nachbarschaft die Möglichkeit Gegenstände, welche sie benötigen, selber zu bauen oder zu reparieren. Dieses Angebot soll identitiätsstiftend für das Quartier sein und die soziale Verknüpfung fördern. Weiterhin soll dies der nötige Impuls sein, dem verschlafenen Gebiet wieder Leben einzuhauchen.

Dem Wohngebäude stehen keine Parkplätze zur Verfügung. Es ist autofrei und mit dem Velo sowie zu Fuss erreichbar. Die beiden Wohngeschosse über dem Sockel bieten Platz für sechs Wohnungen. Diese bestehen aus privaten Schlafzimmern und einer Küche, bewusst ist auf das Wohnzimmer verzichtet. Den Bewohnern der Familien- und Gemeinschaftswohnungen steht ein zentraler Wohnraum im Dachgeschoss zur Verfügung, welcher den Kontakt innerhalb des Gebäudes fördern und die Gemeinschaft stärken soll. Zudem sind in diesem halböffentlichen Bereich Gästezimmer für Besucher vorgesehen.

Ein Fassendausschnitt als Modell um die Tiefenwirkung der verschiedenen Schichten sichtbar zu machen

Um «Gretas Home» nicht nur in der Wohnform, sondern auch in der Bauart zu denken, ist das Gebäude als Holzbau geplant. Aussen wird das Erscheinungsbild durch eine weitgefächerte 5 cm breite vertikale Holzlattung geprägt. Die vertikalen Latten haben einen Abstand von 10 cm zueinander und machen so die horizontale Unterkonstruktion sichtbar. Im Inneren werden rohe Materialien wie Grobspanplatten, Sperrholz und Anhydrit eingesetzt. Aus ökologischen Gründen wird mit Schafwolle gedämmt.

Ich hatte anfänglich Mühe mit der offenen Aufgabestellung zurechtzukommen. Obwohl die Setzung des Gebäudes von Beginn an gut funktionierte, tat ich mich schwer mit dem polygonalen Grundriss. Meinen Anspruch an die Idee der Wohnform mit überzeugender Grundrissstruktur habe ich abschliessend noch nicht erfüllen können. Die Zimmer, die Küche sowie die Erschliessungsflächen in den Wohnungen sind zu gross im Verhältnis zum gemeinsam genutzten Wohnzimmer. Ich sehe den Stand dieses Projektes nicht als fertig sondern als Zwischenstand, den ich gerne noch weiterbearbeitet hätte. Ich schaue auf ein lehrreiches Semester zurück, bei dem ich aus meinen Entscheidungen viele Erkenntnisse mitnehmen kann und freue mich die neuen Entwurfsaufgaben anzugehen.

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