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Berufsbegleitendes Architekturstudium Teil III

In meinem Post geht es um das aktuelle Angebot des berufsbegleitenden Architekturstudiums, welches ich als 23-jährige vor wenigen Wochen abgeschlossen habe. Vor vier Jahren begann ich das Bachelorstudium an der Hochschule Luzern (HSLU) für Technik und Architektur in Horw, wo auch mein Chef Patrick J. Schnieper von 1991 bis 1996 das Abendtechnikum besucht hat.

An der Diplomfeier am 17. Juli 2021 – ein unvergesslicher Moment!

Die Hochschule folgt dem Bologna-System, welches von allen Hochschulen und Universitäten schweizweit angewandt wird. Das bedeutet, dass die Studierenden für jedes abgeschlossene Fach «European Credit Transfer and Accumulation System-Punkte» (ECTS-Punkte) erhalten. Mindestens 180 ECTS-Punkte sind nötig für die Qualifikation des Bachelortitels.

Das Studium ist modular aufgebaut und ermöglicht das teilweise individuelle Zusammenstellen des Stundenplans. Als Orientierung wird von der Hochschule ein Modellstundenplan und Studienführer abgegeben. Es wird vorausgesetzt, dass die vorgegebenen Pflichtfächer besucht und bestanden werden. Ansonsten verliert die oder der Studierende die Zulassung für die Bachelordiplomarbeit. Alle weiteren Fächer sind freiwillig und müssen belegt werden, um genügend ECTS-Punkte zu sammeln.

Obwohl dieses Angebot aus einer Vielzahl von Fächern aussuchen zu können, verlockend klingt, war die Auswahl für mich als berufsbegleitende Studentin eingeschränkt. Ich habe 60% im Architekturbüro gearbeitet, wobei ein Mindestpensum von 40% von der Hochschule vorgeschrieben ist. Jeden Donnerstag und Freitag hatte ich von 8:30 bis 21:00 Uhr Schule sowie einen weiteren Abend pro Woche von 17.30 bis 21:00 Uhr. Dadurch, dass ich nur zwei ganze Tage in der Schule war, war es mir nur möglich die empfohlenen Fächer zu wählen. Ansonsten hätte ich das Studium nicht in vier Jahren abschliessen können, da ich die benötigte Anzahl ECTS-Punkte nicht erreicht hätte. Die teilweise freie Modulwahl für die Berufsbegleitenden ist ein Trugbild.

In den ersten zwei Jahren lag der Schwerpunkt bei den technischen Grundlagen: Tragwerkslehre, Konstruktionslehre und diverse Fächer, welche die Baunormen behandelten. Das Lernen war oft zäh, bis ich die Zusammenhänge vom gelernten Stoff zu begreifen begann. Erst in der zweiten Hälfte des Studiums verschob sich der Fokus auf die gestalterischen Fächer. Themen wie Licht, Farbe und Atmosphäre standen im Mittelpunkt und wir erhielten in den Fächern die Chance, uns durch Medien wie Video, Fotografie und Malen auszudrücken. Im Fach «Räumliche Visionen» durften wir in einer Gruppenarbeit die Skulptur des «Bruder Klaus», welche den Heiligen Niklaus im Wallfahrtsort Flüeli-Ranft im Kanton Obwalden zeigt, fotografisch dokumentieren. Der Heilige ist weit über die Landesgrenze hinaus bekannt und wird jährlich von Tausenden Touristen und Wallfahrern besucht. Unsere Gruppe machte es sich zur Aufgabe, die Momente festzuhalten, welche zeigen, was für Spuren die touristische Nutzung hinterlässt. Im Fokus stand der Raum um die Skulptur (siehe Arbeit). Diese Abweichungen vom Rationalen machten mir in diesen Fächern immer Spass.

Präsentation des zweiten Entwurfs an der HSLU im Frühlingssemester 2019.

In insgesamt acht Semestern sind vier von sechs Entwürfen Pflicht. Da mich der Entwurf stark interessiert, besuchte ich auch die Freiwilligen. Es war schön, wie ich von Semester zu Semester Fortschritte erkennen konnte und immer neue Aufgabenstellungen mich zwangen, anders zu denken. Durch die vielen Stunden, welche ich in den Entwurf investierte, wurde es zu einem sehr emotionalen Fach. Eine schlechte Kritik nahm ich mir immer sehr zu herzen, dafür war eine gute Kritik die beste Belohnung, die ich mir vorstellen konnte.

In 33 Fächern (siehe mein persönlicher Stundenplan) wurden 2’816 Lektionen zu je 45 Minuten unterrichtet, plus Wochenseminare (320 Lektionen), was Total mehr als 290 Tage verteilt über vier Jahre sind.

Die Wochenseminare habe ich zum Einem für Studienreisen ins Ausland genutzt. Ich war in Paris, Turin und Südindien. Zum anderen musste ich ausserfakultäre Fächer besuchen, damit ich die verlangten ECTS-Punkte zusammen bekam. So musste ich Fächer wie «Gewaltfreie Kommunikation» und «Recycling» belegen. Das waren mühsame Stunden, die zum Ziel haben, den Horizont ausserhalb der eigenen Disziplin zu erweitern … Ungefähr 200 Lektionen habe ich in solchen Fächern verbracht, anstelle das diese Unterrichtszeit ins Cinema 4D, ein Visualisierungsprogramm, investiert wurde.

Die Diplomarbeit findet am Schluss des achten Semesters statt und beansprucht die elf letzten Wochen des Studiums. In dieser Zeit habe ich Vollzeit an meinem Entwurf gearbeitet. Es war die intensivste und strengste Zeit im Studium. Zum ersten Mal im Studium ist der Austausch zwischen dem begleitenden Entwurfsdozenten und dem Studierenden weggefallen. Ich war ganz auf mich allein gestellt. Meine Diplomarbeit habe ich schliesslich mit der Note 5 bestanden, was mir die Bestätigung gab, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

In den vergangenen 17 Jahren war ich: 12 Jahre in der Schule, ein Jahr im Praktikum bei Schnieper Architekten, wo ich die letzten vier Jahre 60% arbeitete und 40% berufsbegleitend studierte. Mit dem Bachelor in Architektur starte ich jetzt in den Vollzeit-Berufsalltag. Ich bin ein wenig wehmütig, dass ich im September nicht mehr nach Horw an die Hochschule gehen werde, jedoch weiss ich, dass die Herausforderungen in der Arbeitswelt mir noch mehr Freude bereiten werden!

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