ArchitekturCumulus

Webseite 2.1 – ein kleines grosses Update!

Seit dem letzten Webseiten-Update im Juni 2015 ist es nun auch schon fast zwei Jahre her. Dieses Jahr habe ich mich entschieden, das Adaptive Layout der Webseite mit einem zusätzlichen Breakpoint (Darstellungsgrösse) zu ergänzen. Bis heute hatte die Webseite drei Breakpoints:

Smartphone: 0 bis 767 Pixel seit 2015
Tablet: 768 – 990 Pixel seit 2015
Desktop 1: 991 – 1195 Pixel seit 2015
Desktop 2: 1196 – 1399 Pixel ab 2018
Desktop 3: 1400 Pixel ab 2017

Neu hat die Webseite einen vierten Breakpoint, welcher ab einer Browserfensterbreite von 1400 Pixel sichtbar wird. Die zusätzliche Desktop-Ansicht ist um 45 Prozent grösser, was speziell für die Darstellung von Plänen von Vorteil ist. Auch die Schrift ist um 45 Prozent grösser, was den grossen High Rise-Bildschirmen entgegenkommt. Die neue Desktopdarstellung wird ab einer Bildschirmgrösse von 13 Zoll unterstützt. Richtig gut zur Geltung kommt die neue grosse Darstellung auf einem 27 Zoll iMac.

Desktopansichten im Grössenvergleich: rechts die neue Version welche um 45 % grösser ist

In Zukunft möchte ich noch einen fünften Breakpoint hinzufügen. Die dritte Desktopbreite sollte dann die mittlere Darstellungsgrösse im Desktopbereich ab einer Breite von 1196 Pixel abdecken. Das ist jedoch, ohne grösseren Aufwand, erst möglich mit der neuen Version 4 von Bootstrap, welche aktuell erst als Alpha-Version zur Verfügung steht.

«Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.» Dieses Zitat von Heraklit brauchte ich für den Blogbeitrag: Webseite 2.0 vom 24. Juni 2015, aktueller den je!

Tipps:

BIM, aber sofort!

02065blog 21.04.17Durch die BIM-Marketingoffensive – mit einer Flut von Inseraten in Fachzeit-Schriften, Sonderbeilagen (Content-Marketing) in Zeitungen oder Magazinen, durch Smart Media aufbereitet und bezahlt von den CAD-Distributoren, Hochschulen und anderen – ist das Wort BIM nun jedem Architekten ein Begriff. Jedoch für die meisten immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Ich habe mich letztes Jahr relativ intensiv mit der BIM-Methode auseinandergesetzt und bin zum Schluss gekommen, dass BIM momentan für die meisten Architekten noch keinen Sinn macht. Siehe auch Post vom 22. Oktober 2016, BIM: Ein Fazit – Teil III.

Dass so viel Werbung für etwas gemacht werden muss, was angeblich so viele Vorteile für Bauherren, Planer, Unternehmer und auch das Facility Management hat, ist schon bemerkenswert… Das grosse Interesse bei den CAD-Distributoren ist darauf zurückzuführen, dass durch die BIM-Methode das Geschäftsfeld für CAD-Programme vergrössert werden kann. Neu brauchen auch das Facility Management oder andere am Bau beteiligten Unternehmer ein CAD-Programm, um die Möglichkeiten von BIM voll zu nutzen. Zudem sind die Schulungen, welche für BIM notwendig sind, kein unattraktives Geschäft.

Die Erwartungen, die durch die Anwendung der BIM-Methode geweckt werden, sind teilweise schon erstaunlich:

«Der Bauherr soll den zu Beginn versprochenen, architektonischen Ausdruck oder die Raumstimmung zu seinen Preisvorstellung erhalten – ohne Kompromisse.» 
Interview in Focus BIM mit Arc-Award BIM-Preisträger Philipp Wieting, Werknetz Architekten

Bei den Wörtern «Preisvorstellung» / «ohne Kompromisse» muss ich schon etwas schmunzeln. Der Preis wird nach wie vor am Markt gemacht, auch mit der BIM-Methode.

Der folgende Brief meines CAD-Distributoren (IDC Sarnen) wirkt dann doch etwas aufgeregt und überstürzt:

«ACHTUNG – DRINGENDE INFORMATION ZU BIM» Bei diesem Titel, alles gross geschrieben, bekommt man fast schon etwas Angst! Auch der Schluss des Informations-Briefes zur optimalen Vorbereitung auf BIM lässt aufhorchen: «Ein digitales Gebäudemodell ist heute bereits Realität und für jeden Bauspezialisten eine unumgängliche Pflicht!»

Dass die BIM-Metode für uns Architekten in Zukunft viele Vorteile hat, steht ausser Frage. Nur finde ich es etwas stossend, wenn nun alle BIM auf Befehl anwenden müssen, obwohl das Ganze noch in den Kinderschuhen steckt! Sachliche Information ist wichtig, auch Leuchturm-Projekete, welche heute in der Schweiz mit BIM geplant werden, sind für die Entwicklung der BIM Methode zusammen mit den Hochschulen von grosser Bedeutung. Der Einstieg und das Arbeiten mit BIM wird mit jedem CAD-Update einfacher, so wie das mit jeder Technologie ist. Mein Motto zum aktuellen BIM-Aktionismus: «Keep calm and carry on»

Tipp:

Die Königin der modernen Treppen!

Für mich die Treppe der modernen Treppen: Die Spiral-Treppen-Skulptur aus dem Jahr 1970 im Haus für das Aussenministerium «The Itamaraty Palace» in Brasília, die vom Architekten Oscar Niemeyer entworfen wurde – eine architektonische Offenbarung. Die halbgewendelte, freitragende Betonholm-Träger-Treppe mit ihren 2.70 Meter breiten Natursteinstufen, welche die 220 Quadratmeter grosse, stützenfreie Eingangshalle mit dem Obergeschoss verbindet, ist «State of the Art» bezüglich Form und Funktion in der zeitgenössischen Treppenbau-Architektur. Pure Eleganz, losgelöst von allen üblichen Konventionen!

Treppe im Itamaraty Palace in Brasília - Photo © Leonardo Finotti
Treppe im Itamaraty Palace in Brasília – Photo © Leonardo Finotti

Die Königin der modernen Treppen zelebriert die Gestaltung und Funktion bis an die Grenze des Möglichen, mit dem Verzicht auf ein Geländer. Über diese Treppe zu gehen muss ein eindrückliches, räumliches Erlebnis sein. Der blaue Teppich, der mittig über den Stufen liegt, erinnert an die Eleganz eines Schleier, was der Königin eine zusätzlichen Noblesse verleiht…

Tipp:

Wohnflächen-Berechnung in der Schweiz

Wie eine Wohnfläche berechnet wird, ist in der Schweiz nicht definiert. Wie gross eine Wohnung ist, lässt sich nur an der «effektiven» Quadratmeter-Zahl bestimmen. Nur – wie wird diese Zahl berechnet? Heute gibt es in der Schweiz keine Norm, wie sich diese Fläche zusammensetzt. Es gibt viele Nuancen, die je nach Perspektive zugunsten oder zulasten einer Partei berechnet werden können. Das «Make-up» der Wohnflächen-Berechnung…

Um eine Wohnungsgrösse präzise zu definieren, muss man – aus meiner Sicht – zwischen zwei Flächenarten unterscheiden: Netto-Hauptnutz-Fläche (NHF) und Netto-Nebennutz-Fläche (NNF).

Netto bedeutet immer ohne Aussen- und Innenwände. Flächen im Dachschrägen-Bereich werden bis zu einer Kniestockhöhe von 1.5 Meter voll zur Netto-Hauptnutz-Fläche (NHF) gerechnet. Alles unter 1.5 Meter Höhe zählt zur Netto-Nebennutz-Fläche (NNF).

Grundrise Wettbewerb Ersatzneubauten Graphis-Siedlung Aarau 2014
Grundrissbeispiel für die NHF & NNF Berechnung : Wettbewerb Ersatzneubauten Graphis-Siedlung Aarau 2014

Die Netto-Hauptnutz-Fläche (NHF) setzt sich folgendermassen zusammen: Entrée, Wohnräume, Esszimmer, Zimmer, WC, Bad, Küche, Einbauküchenmöbel, Vorratsräume, Einbauschränke, Korridore, interne Treppen, Büroräume, Wellnesszonen, beheizte Wintergärten, Öfen, Cheminées und andere.

Nicht zur Netto-Hauptnutz-Fläche (NHF) zählen: Balkone, Terrassen, externe Treppenhäuser, Installationsschächte, Haustechnikräume, Kellerräume, Estrichräume, Veloräume und Garagen.

Bei den Netto-Nebennutz-Flächen (NNF) handelt es sich um Flächen, die nicht unmittelbar mit der Netto-Hauptnutz-Fläche (NHF) in Verbindung gebracht werden, jedoch auch zu einer Wohnung gehören: Balkone, Terrassen, Estrichräume, Kellerräume, Veloräume und Garagen, die nur von einer Partei genutzt werden, und weitere andere. Einstellhallenplätze für Autos in Mehrfamilien-Häuser sollten separat ausgewiesen werden.

Es wäre gut, wenn es ein Gütesiegel bezüglich der Nettoflächen-Berechnung gäbe. Der SIA könnte die bestehende SIA Norm 416 (Berechnungsgrundlage für die Flächen von Gebäuden) mit den beiden Begriffen «NHF» und «NNF» ergänzen und so eine klar definierte Methode für die Berechnungen von Wohnflächen etablieren. Seriöse Immobilienfirmen und Verwaltungen würden ihre Wohnungen nach diesem SIA-Modell berechnen und prüfen lassen. Der Mieter oder Käufer hätte die Gewähr, dass seine Wohnfläche aus einem standartisierten Verfahren berechnet wurde, und nicht nach einem oftmals optimierten, individuellen Berechnungsmodell wie es heute alle anwenden.

Die Netto-Hauptnutz-Fläche (NHF) und Netto-Nebennutz-Fläche (NNF) genau zu kennen, ist gerade für Mieter sehr wichtig. Fast immer wird die »Nettofläche« für die Heizabrechnung herangezogen, was sich bei einer zu grosszügigen Berechnungsart negativ auf die Heizkosten auswirkt!

Im Moment gilt leider immer noch: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Denn zu viel «Make-up» führt oft zu unliebsamen Überraschungen…

Tipps:

«Architekturrappen»

In der Schweiz wurden zwischen 2006 und 2009 ungefähr 200 Millionen Franken in Form von Subventionen, die aus der Kasse der Stiftung «Klimarappen» kamen, in die Sanierung von Altbauten gesteckt. Es waren total 8’219 Projekte – öffentliche wie private – die nach einem genau definierten Kriterien-Katalog einen Zustupf bekamen und so animiert wurden, ihre Immobilien wärmetechnisch zu sanieren. Das Ziel dieser Subventionen war, das 2005 unterzeichnete Kyoto-Protokoll zu erfüllen. Eine löbliche Aktion: die angestrebte Reduktion von 2 Millionen CO2-Emissionen wurde laut Bericht erreicht.

0203blog 28.01.17Gleich dem Klimarappen müsste es für öffentliche Bauten auch einen «Architekturrappen» geben!

Dieser «Architekturrappen» könnte für Gebäude der öffentlichen Hand zum Einsatz kommen. Die Direkt-Zahlungen würden zum Beispiel für eine nachhaltige Fassaden-Konstruktion verwendet werden. Viele Gemeinden müssen heute ihre Neubauten oft unter grossem Kostendruck realisieren, was leider zu Lasten einer nachhaltigen Architektur geht. Gebäude der öffentlichen Hand sollten in jeder Gemeinde Ausdruck eines bewussten Umgangs mit Baukultur sein. Durch den «Architekturrappen» würde das wieder möglich. Ein qualitativ hochstehender Putz, ein Einstein-Mauerwerk oder eine Sichtbeton-Fassade, um nur drei Beispiele zu nennen, machen bezüglich Nachhaltigkeit viel mehr Sinn, als eine «billige» Aussen-Dämmung mit Kunststoffputz. Hochwertige Fassaden-Konstruktionen bekommen eine schöne Patina, was sich positiv auf die Langlebigkeit eines Gebäudes auswirkt, und so bezogen auf die Zeit «günstiger» sind, als «billige» Aussen-Dämmungs Fassaden.

Das ganze könnte über eine gesamtschweizerische Grundstück-Gewinnsteuer finanziert werden. Gute und nachhaltige Architektur – gehört doch zum Service Public!

Tipp:

Die neue Bahnhofshalle «Oculus» in Down Town Manhattan

«Oculus» steht in der Architektur für Ochsenauge. Und neu auch für die Bahnhofshalle «World Trade Center Transportation Hub», die von Santiago Calatrava geplant wurde.

Vordergrund: 9/11 Memorial «Footprint» Nord-Tower
Vordergrund: 9/11 Memorial Nord-Tower

Ich besuchte die neue Bahnhofshalle, welche die PAHT (Port Authority Trans-Hudson) mit der Subway verbindet, diesen Herbst ein paar Mal während meines dreiwöchigen New York-Aufenthalts.

Die weisse Halle – eine Stahl-Glas-Konstruktion – erinnert mich von innen wie auch von aussen an ein Dinosaurier-Vogel-Skelett; grossartig! Genau die richtige Antwort auf die langweilige High-Rise-Tower-Architektur der neuen World Trade Center 3, 4 und 7. Die unangepasste Architektursprache von Santiago Calatrava, einem spanisch-schweizerischen Architekten und Bauingenieur, passt bestens zu New York. Die weisse Glas-Stahl-Konstruktion, die durch seine exzentrische Formen-Sprache auffällt, gibt diesem Ort eine Identität. Die fussballplatzgrosse Halle mit einer Länge von 106 Metern und einer Höhe von 50 Metern liegt ca. 15 Meter unter Terrain und ist wahrlich ein räumliches Erlebnis!

Südseitig steht das Dinosaurier-Skelett relativ nahe zum World Trade Center 3, optisch kann die Bahnhofshalle neben diesem High-Riser mit 80 Geschossen nur durch seine expressive Form bestehen – erst recht, wenn nördlich das World Trade Center 2 mit ebenfalls ca. 80 Geschossen realisiert wird, das in etwa in gleichem Abstand zur Bahnhofshalle zu stehen kommen soll wie das World Trade Center 3.

Der «Oculus», wie ihn Calatrava nennt, gibt diesem Ort, die Umgeben ist von mittelmässiger Glasfassaden-Hochhaus-Architektur, eine erfrischende Leichtigkeit und bildet zusammen mit dem 9/11 Memorial-Park eine gelungene städtebauliche Intervention. Ich war gegenüber dem Projekt von Calatrava bezüglich seiner städtebaulicher Eingliederung (siehe auch Post vom 3. Oktober 2007: Vepasste Chance…) lange skeptisch – nun wurde ich eines besseren belehrt.

Bahnhofshalle von innen,welche ca. 15 Meter unter Terrain liegt, mit zweigeschossigem Shopping.
Ausschnitt der Bahnhofshalle, welche ca. 15 Meter unter Terrain liegt, umgeben von einer zweigeschossiger Shopping Mail mit ca. 50 Läden.

Die Bahnhofshalle hat von innen etwas Sakrales. Mit dem weissen Marmorboden und der weissen Metall-Glas-Konstruktion wirkt der Innenraum jedoch etwas unterkühlt. Die grosse Halle erinnert mich an die Grand Central Station in Midtown Manhattan, die ebenfalls etwas unter Terrain liegt und ebenso allseitig durch Tageslicht belichtet wird, wenn auch in einer ganz anderen Atmosphäre.

0201blog-24-12-16 0202blog-24-12-16Leider wirken die beiden ost- und westseitigen Eingänge im Parterre bezüglich ihrer Erscheinung kleinlich. Die sechs relativ schweren Flügel-Türen auf jeder Seite müssen von Hand geöffnet werden, was dem Gebäude sofort etwas von seiner leichten Erscheinung nimmt… Ebenso ist das Vordach vor den beiden Eingängen mit ca. 2 Meter Auskragung, verglichen mit den beiden grossen eleganten asymmetrischen Flügeln nord- und südseitig, viel zu knapp geraten. Auch die innere vertikale Erschliessung, östlich und westlich ab dem Erdgeschoss, in die tiefergelegte Bahnhofshalle passt architektonisch nicht zur leichten Stahlglas-Architektur von Calatrava. Die symmetrisch angelegten Erschliessungen in Form von Treppen und Lifte wirken schwer und architektonisch aufdringlich. Die elegante Bahnhofshalle verliert durch die überinszenierte «Raumschiff Enterprise»-Erschliessung deutlich an Eleganz.

Städtebaulich überzeugt der neue Downtown Manhattan-Bahnhof. Leider wurden die Erschliessungen an den beiden Schmalseiten der Halle nicht zu Ende gedacht. Schade für ein 4 Milliarden-Projekt!

Tipps:

Häuser Sonderausgabe 2016: Die 100 besten Architekten für Ihr neues Zuhause

0198blog-07-11-16«Architektur ist die Kunst des Ankommens»

Unter diesem Titel werden die beiden Häuser Meyer-Berni in Vals, Kanton Graubünden und das Haus Stigler in Rieden, Kanton St. Gallen, in der aktuellen Sonder-Ausgabe von Häuser mit der Überschrift «Die 100 besten Architekten für Ihr neues Zuhause» vorgestellt.

Es ehrt uns natürlich, in diesem Extra-Heft, das ab heute Montag erhältlich ist, gleich mit zwei Projekten vertreten zu sein. Den entsprechenden Beitrag können Sie hier als PDF herunterladen.

Die Idee der Titelseite, alle Porträts der Architekten und Architektinnen als Collage zusammenzufügen, finde ich sehr gelungen. Denn gute Architektur entsteht ja im Kopf.

BIM: Ein Fazit – Teil III

In den zwei vorangehenden Posts, BIM: Eine Annäherung – Teil I / BIM: Zwei Büros und ihre Erfahrungen – Teil II, habe ich versucht, Theorie und Praxis in der BIM-Debatte abzugleichen. Im dritten und letzten Teil möchte ich einen bestmöglichen Überblick über die aktuelle BIM-Situation gewinnen.

BIM wird in Zukunft ein treuer Begleiter jedes Architekten sein. Das bedeutet: BIM gehört die Zukunft, jedoch muss heute lange noch nicht jedes Projekt mit BIM realisiert werden. Denn die BIM-Methode steht erst ganz am Anfang, und aller Anfang ist schwer…

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Mit BIM zu arbeiten bedeutet, möglichst genau zu wissen, was mit BIM erreicht werden soll. «Little BIM» oder «Big BIM»? Wo fängt BIM an und wo endet es. In welcher Tiefe sollen die Daten erfasst werden. Sollen mit dem BIM-Modell auch Ausmasse für das Baumanagement generiert werden? Soll das BIM-Modell nach Fertigstellung der Baute weiter verwendet werden für das Facility-Management, und wenn ja, in welcher Tiefe? Oder wird mit dem BIM-Modell «nur» die Planung, also die Architekten-Pläne im Massstab 1:50 im 3D-Modell erfasst und alle Fachplaner verwenden dieses 3D-Modell für ihre Fachplanung und für die Fach-Koordination? Werden BIM-Daten für die Produktion in der Ausführung benötigt?

Welche Knacknüsse gibt es noch zu knacken damit BIM richtig Fahrt aufnimmt?

Wenn die Ausmasse für das Baumanagement über das BIM-Modell generiert werden, liegt die Verantwortung für die Ausmasse beim Zeichner oder Architekt, der die BIM-Pläne erstellt. Somit fällt die intensive Auseinandersetzung mit den Werkplänen seitens des Baumanagements weg. Bis heute musste das Baumanagement die Pläne für die Erfassung der Ausmasse relativ genau studieren. Somit gab es eine gewisse Kontrolle der Pläne in einem Stadium, wo Fehler behoben oder Optimierungen in den Plänen noch einfliessen konnten. Ich finde, das Ausmass sollte nach wie vor durch das Baumanagement erfolgen. Eventuell in Zukunft durch eine Virtual Reality-Brille, wo der Ausmass-Verantwortliche durch das 3D-Modell gehen und alle Oberflächen direkt im 3D-Modell erfassen kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der im Moment vielen BIM-Anwendern noch Sorge bereitet, sind die grossen Datenmengen, die ein 3D-Modell generiert. Das wird sich jedoch durch optimiertes Daten-Management, schnellere Rechner und bessere Datenleitungen lösen lassen.

Neben den grossen Dateien in einem BIM-Projekt ist die IFC-Schnittstelle immer wieder ein Thema. Open BIM funktioniert noch nicht ganz so tadellos, wie das oft in der Werbung versprochen wird. Da müssen die Hersteller schnell nachbessern.

Dass in Zukunft alle Pläne – auch die Detailpläne – im BIM-Modell erfasst werden, steht für mich ausser Frage. Dazu müssen jedoch elegante Datei-Formate für Drittanbieter entwickelt werden, bei denen es möglich ist, von der Wasserbatterie bis zum Sonnenschutz alles als 3D-Modell in das BIM-Modell zu implementieren, ohne dass die Datenmengen zu gross werden.

Wer keine Spitäler, Flugplätze, Hochhäuser oder andere sehr komplexe Gebäude plant, kann mit dem Einstieg in die BIM-Methode getrost noch zuwarten. Denn einige wichtige Punkte wie die Datengrössen von BIM-Modellen und die IFC-Schnittstelle stecken noch in den Kinderschuhen. Die Tatsache, dass einige Projekte mit der BIM-Methode begonnen wurden, jedoch während der Planungs-Phase auf die «klassische» Planungsmethode gewechselt wurde, zeigt deutlich, wie vielschichtig und komplex die Materie ist.

«Gott schuf die Zeit, aber von Eile (mit BIM) hat er nichts gesagt.»

Tipps:

  • Swiss BIM Library: Digitale Enzyklopädie (PDF) – Roundtable bei der Firma Buildup AG in Zürich
  • Albisrieden, 09.03.2017 – Text von Manuel Pestalozzi
  • Content-Marketing für BIM: Smart Leben – gesponsert von BIM Software Lieferanten, Hochschulen und anderen…
  • Digitalisierung in der DACH-Region: Forces of disruption (PDF) – Diskussionsrunde, Steigenberger Hotel
  • Bellerive au Lac, 13.10.2016 – Text von Manuel Pestalozzi

BIM: Zwei Büros und ihre Erfahrungen – Teil II

Ich hatte die Gelegenheit, mit den BIM-Verantwortlichen von Holzer Kobler Architekturen Zürich und Berlin, sowie Rüssli Architekten Luzern, zu sprechen, welche BIM bereits erfolgreich anwenden. Im folgenden Post möchte ich die gemachten Erfahrungen der beiden Büro beschreiben, um so ein etwas klareres Bild von BIM zu bekommen.

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Für Rüssli Architekten ist es das erste BIM-Projekt – ein mittelgrosses Bürogebäude und somit ein ideales Einstiegsobjekt, wie Gabriel Assin meint. Rüssli Architekten haben wegen BIM das CAD-Programm von Vectorworks auf ArchiCAD gewechselt, was für ein Architekturbüro kein einfaches Unterfangen ist. Das BIM-Modell wird für die Ausführungsplanung benutzt, das bedeutet, Architektur-Pläne im Massstab 1:50 wie Grundrisse, Schnitte und Fassaden werden aus dem BIM-Modell generiert. Weiter arbeiten alle Fachplaner bis auf den Bauingenieur ebenfalls mit dem BIM-Modell am Bürogebäude. Für gewisse Fachplaner ist es ebenso das erste BIM-Projekt. Ein im Moment noch nachteiliger Punkt gemäss Gabriel Assin ist, dass es nicht so einfach ist Fachplaner zu finden, welche mit der BIM-Methode vertraut sind. Das aktuelle Projekt ist noch nicht mit vielen Daten hinterlegt. Es werden daher auch keine Ausmasse aus dem aktuellen Modell für das Baumanagement bereitgestellt. Ebenso ist es bis heute nicht vorgesehen, das BIM-Modell für das Facility-Management zu nutzen. Die zwei grössten Vorteile der BIM-Planung seien, das im Bereich der Werkplanung im Massstab 1:50 alle Änderung nur einmal gemacht werden müssen, da alle Pläne aus dem gleichen 3D-Modell generiert werden. Weiter sei die Zusammenarbeit mit den Fachplanern einfacher. Am Anfang eines Projektes ist  für die Erarbeitung des 3D-Modells mit etwas mehr Zeitaufwand zu rechnen. Dieser Mehraufwand werde aber im Verlaufe der Werkplanung durch ein vereinfachtes Planänderungs-Management wett gemacht. Gabriel Assin von Rüssli Architekten sagt ganz klar, das sie zukünftig weitere Projekte mit der BIM-Methode planen wollen.

Holzer Kobler Architekturen bearbeiten schon das dritte Projekt mit BIM, aktuell ein Spitalneubau mit Vektorworks, wie mir der BIM-Verantwortliche Volker Mau sagte. Auch Holzer Kobler brauchen das BIM-Modell nicht für Massauszüge. Jedoch will der Spital-Bauherr das BIM-Modell für das Facility Management zukünftig nutzen. Im Moment sei die Spital-Bauherrschaft an der Evaluation des CAD-Programms. Was für Volker Mau im Moment in der BIM Planung noch nachteilig ist, sind die grossen Dateien sowie die Tatsache, das es nicht möglich ist, über die IFC-Schnittstelle Dateien auszutauschen, ohne dass Intelligenz verloren geht. Mit Open-BIM wird zwar Werbung gemacht, aber nach Aussage von Volker Mau funktioniert es noch nicht ganz befriedigend. Bezüglich Datenaustausch und File-Grössen seien die CAD-Programme noch in den Kinderschuhen. Die Vorteile von einer BIM- Planung liegen in der vereinfachten Fachplanung (Koordination) und darin, dass das ganze Gebäude im 3D zu haben ist, was viele auch architektonische Entscheidungen erleichtert. Zudem sei die Werkplanung im Massstab 1:50 einfacher.

Die beiden BIM-Büroverantwortlichen Gabriel Assin und Volker Mau würden es begrüssen, wenn alle Pläne aus dem BIM-Modell generiert werden könnten – gerade auch die Detailpläne, was jedoch im Moment noch an den Datengrössen scheitern dürfte. So ist neben dem BIM-Modell, das durch die fortschreitende Planung immer wieder angepasst werden muss, auch das Ergänzen und Anpassen von 2D-Detailplänen nötig, was zu Doppelspurigkeiten führt und noch nicht vollumfänglich der intelligenten digitalisierten Planung entspricht…

BIM: Eine Annäherung – Teil I

«BIM» – ein neuer Begriff macht sich breit in der Bauindustrie. Was Blockchain für die ganze Gesellschaft von morgen ist, soll BIM für die Bauindustrie sein? Ich möchte mich dem Thema BIM in drei Schritten zuwenden und so etwas Klarheit über die Planungsmethode der Zukunft gewinnen.

Mein erster Post versucht sich dem Begriff BIM anzunähern. Ich bin (noch) kein BIM-Anwender, habe jedoch über 20 Jahre Erfahrung mit ArchiCAD in der 2D-, wie auch in der 3D-Planung. In einem zweiten Teil werde ich meine Fragen zu BIM mit einem Anwender besprechen und seine Meinung bezüglich seinen Erfahrungen mit BIM abholen. Und im letzten Teil versuche ich die Möglichkeiten von BIM heute und in der näheren Zukunft einzuordnen.

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BIM – Building Information Modeling – soll in Form eines 3D-CAD Modells von der Planung über die Ausführung bis zum Betrieb eines Werkes alles koordinieren und kontrollieren.

Die Idee ist grundsätzlich zu begrüssen. Alle am Bau Beteiligten, vom Architekten, Bauingenieur, Haustechnik-Planer über Produkte-Hersteller bis zu den ausführende Unternehmer und dem Facility-Management, benützen das gleiche 3D-Modell für die Planug und auch den Unterhalt eines Werkes.

BIM setzt voraus, dass das ganze Gebäude in 3D gezeichnet und konstruiert wird, idealerweise als Ausführungsplanung. Die CAD-Software-Industrie ist sehr interessiert, dass möglichst viele Planer schnell mit der BIM-Methode zu planen beginnen, um Erfahrungen zu sammeln, was für die Weiterentwicklung der Programme von grosser Wichtigkeit ist. Für welche Art von Gebäuden lohnt es sich, heute schon mit BIM zu planen? Wer kann noch zuwarten? Was ist für die Zukunft zu erwarten?

BIM soll ab der Vorprojekt-Phase sowie auch bei Wettbewerben eingesetzt werden, alles in 3D-Planung. Eine BIM-Planung heisst: Eine Stütze muss als Stütze definiert sein, eine Wand als Wand, eine Türe als Türe, inklusive der detaillierten Materialisierung und Funktionalität. In welcher Tiefe wird in welcher Phase geplant? Eine Frage, die sich nicht so leicht beantworten lässt.

ArchiCAD ist schon seit Jahren ein grosser Verfechter der 3D-Planung, vom Vorprojekt bis zum Werkplan! Ich habe mich im Bereich der Ausführungsplanung bis heute gegen eine 3D-Planung gewehrt. Eine genaue und detaillierte Ausführungsplanung zu haben, ist für alle Beteiligten am Bau eine grosse Qualität, die oftmals einfacher in 2D zu bewerkstelligen ist. Dass gewisse gestalterische Formen, wie sie zum Beispiel Zaha Hadid in ihrem kreativen Repertoire hatte, in der Ausführungsplanung nur in 3D zu lösen sind, ist selbstverständlich.

Es bedingt einen grossen 3D-Planungsaufwand, um den benötigten Detaillierungsgrad zu erreichen und wirklich alle relevanten Details zu erfassen, die nötig sind, damit jederzeit an jedem Ort ein Schnitt aus dem Plan generiert werden kann, der dann nicht mehr im 2D ergänzt werden muss, was zu Doppelspurigkeiten führen würde und nicht die Idee von BIM sein kann. Neben der 3D-Planung müssen auch alle Oberflächen-Parameter für Wände, Boden, Decken und andere Bauteile detailliert erfasst werden, damit zum Beispiel das Baumanagement direkt Auszüge für die Ausschreibung machen kann. Das ist anspruchsvoll und nur mit sehr genau arbeitenden Personen möglich…

Eine weitere Frage ist, wie die 3D-Schnittstelle – IFC-Schnittstelle – zwischen den Planern funktioniert und wie die Daten zukünftig über die Zeitspanne eines ganzen Gebäudezyklus up to date gehalten werden.

Ein konfliktärer Punkt ist, mit der BIM-Methode direkt ab der Vorprojekt- und/oder Wettbewerbsphase zu planen, was gerade bei uns in der engen Schweiz bezüglich Einsprachen, neuen Gesetzen sowie den demokratischen Bewilligungs-Prozessen und anderen Überraschungen immer anspruchsvoller wird, was eine frühzeitige BIM-Planung sehr aufwändig und teuer machen kann. Um mit BIM wirtschaftlich zu planen, muss schon viel sehr früh bekannt sein, was leider nur selten der Realität entspricht. Es gibt immer weniger Leute, die sich für etwas entscheiden können, siehe auch Post vom 1. April 2015 «Die Schwierigkeit der Entscheidungsfindung im «unverbindlichenunendlichen» Zeitalter…»

Mir fällt auf, dass viele, die sich für BIM einsetzen, das ganze durch die technische Brille betrachten; Software-Firmen wie auch Architekten, die die Planung als eher technische Herausforderung sehen und weniger als architektonische und gesellschaftliche…

BIM ist bestechend, jedoch stecken wir bezüglich der Intelligenz von CAD-Programmen noch in den Kinderschuhen. Um mit BIM individuell, detailliert und schnell planen zu können, müssen die CAD-Programme zwingend intelligenter werden. Das ganze Gebäude in einem File, und immer lesbar wie ein JPEG-Foto! Open Source CAD-Software wie Free CAD werden da bestimmt an Bedeutung gewinnen und eventuell die ganze CAD-Software-Industrie auf den Kopf stellen.