ArchitekturCumulus

Berufsbildung Schweiz – Folio 1/19: «Das Wichtigste im Raum ist der Mensch»

Lucia Theiler machte Ende des letzten Jahres ein Interview mit mir für das Folio – Das Magazin des BCH FPS Berufsbildung Schweiz – zum Thema Inspiration, Schulhäuser, Schulräume und ihre Gestaltungs-Elemente. Da ich selber an der HFTG in Zug unterrichte und als Architekt zwei Schulhäuser saniert habe (Umbau und Erweiterung Schulhaus Bündtmättli 2 in Malters & Sanierung Schulhaus Krauer Kriens), wurde ich von Andreja Torriani, Mitglied und Kommunikations-Verantwortlicher des Zentralvorstand Berufsbildung Schweiz, für dieses Interview angefragt.

Gute Architektur kann eine Atmosphäre schaffen, die sich inspirativ auf die Menschen auswirkt. «Das Wichtigste im Raum ist der Mensch». In einem Schulraum ist es die Lehrperson, die durch ihre Art zu begeistern vermag.

Tipp:

Architekturstudium: 2. und 3. Semester

In den letzten beiden Semestern durften sich die berufsbegleitenden Architekturstudenten aus dem zweiten und dritten Semester der Hochschule Luzern für Architektur und Technik über ein Jahr ohne Entwurf und wöchentliche Abgaben erfreuen, denn die Schwerpunkte lagen bei der technischen Planung und Gestaltung.

Im künstlerischen Bereich sind wir beim Skizzieren eingestiegen. Das Auffassen von Räumen und das Wiedergeben in schnellen Zeichnungen sollte die Grundlage sein, unsere zukünftigen Ideen in wenigen Strichen aufs Papier zu bringen. Die Weiterentwicklung ins Malen, Stempeln und Sprayen erlaubte uns, das Kreative auszuleben. Darauf aufbauend kam die Fotografie und das Dokumentieren von Licht, Oberflächen und Kompositionen. Parallel mussten die Arbeiten in Form von Broschüren, Plakaten und Büchern präsentiert werden. Den grössten Profit, den ich nebst den Grundlagen der Text- und Bildgestaltung aus diesen Fächern gezogen habe, war das Beherrschen und Vertiefen der Programme wie Photoshop und InDesign.

Drei minimalistische Bilder der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Ferienhaus «Stüssihofstatt» in Uri. Eine Gruppearbeit im Fach «Visuelles Gestalten».

Im Bereich der Planung wurden uns Normen, verschiedene Baumaterialien und das Entwickeln von Details gezeigt. Für mich als Studentin ohne Hochbauzeichnerlehre ist dies eines der wichtigeren Fächer. Darauf basierend folgte eine Gruppenarbeit, bei der die Aufgabe darin bestand, eine Nutzungsstudie für das Gewerbegebäude von Carl Mossdorf an der Tribschenstrasse 51 in Luzern zu entwickeln. Der vom Abbruch bedrohte Bau ist sehr umstritten und für uns Luzerner ein aktuelles Thema, zu dem viele einen persönlichen Bezug haben. Mit Vorgaben zum Planungsperimeter, der Anzahl Geschosse und Funktionen mussten wir eine möglichst ökonomische Lösung präsentieren, wobei der Entwurf nicht an erster Stelle stand. Den Vorteil, den wir als Studenten geniessen ist, dass die Dozenten ein gut begründetes Missachten der Normen oder Bauvorschriften akzeptieren. Auf der Strichperspektive ist unser unkonventionelles Endresultat sichtbar; ein zweigeschossiger Riegel quer über dem Gewerbegebäude.

Mein persönlicher Höhepunkt war das externe Fachseminar nach Paris. Wir haben Architekturikonen wie die «Villa Savoye» und die «Villa La Roche» von Le Corbusier besucht und dokumentiert. Das «Musée national des Travaux publics» des Stahlbeton-Pioniers Auguste Perret hat mich besonderst beeindruckt. Die sich nach unten verjüngenden Betonsäulen aus den 1940er-Jahren sowie die organisch geformte Treppe, welche ab dem Podest zweiläufig wird, haben durch ihre Grösse und Einfachheit bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Nach diesem ruhigen Semester freuen wir uns wieder auf das Entwerfen. Ich muss gestehen, ich freue mich sogar auf die nächtlichen Bastelsessions.

Tipps:

Der Einfluss von Elektroautos auf das Bauen

Elektroautos werden schneller kommen, als die meisten glauben. In fünf Jahren werden die Batterien so gut sein, dass sich 80% der Autofahrer keine Gedanken mehr betreffend der Reichweite machen müssen. Was bedeutet das für das Bauen?

BMW i3s mit einer effektiven Reichweite von ca. 260 km.

Bezüglich Schall-Emissionen wird sich einiges ändern. Die Städte werden ruhiger werden. Ein Elektroauto ist bis 30 km/h kaum hörbar. Ab 30 bis 50 km/h nur leicht. Über 50 km/h werden die Pneus, je nach Belag und Auto cw-Wert, gut hörbar. Die offizielle Lärm-Messmethode für PW’s in der Schweiz (Bundesamt für Strassen) wird wie folgt berechnet: Messung erfolgt bei Vollgasbeschleunigung aus 50 km/h im 2. und 3. Gang. Der Grenzwert beträgt für alle neu zugelassenen Fahrzeuge 74 dB(A). Für Diesel- Direkteinspritzer sind 75 dB(A) zulässig. Der BMW i3 hat in diesem Test einen Lärmwert von 66 dB(A). Der Durchschnitt von konventionell angetriebenen PW’s liegt bei 70 db(A). Unter der Berücksichtigung, dass zehn Dezibel eine Verdoppelung der Lautstärke bedeutet, sind vier Dezibel doch eine beachtliche Reduktion der Lärmbelastung für die Umwelt.

Mit dieser Perspektive sollten wir uns über die teilweise sehr strengen Baunormen bezüglich Lärmschutz im innerstädtischen Bereich, wo nicht schneller als 50 km/h gefahren werden darf, Gedanken machen, ob die oft einschränkenden Massnahmen in jedem Fall noch angebracht sind.

Weiter sollte auf kantonaler Ebene für grössere Neubauten über eine Vorschrift nachgedacht werden, die nötige Elektro-Ladestationen- Infrastruktur bereitzustellen, sowohl in Einstellhallen wie auch auf Besucherparkplätzen.

Das Laden von Elektroautos wird immer einfacher und schneller. Heute wird an vielen Schnell-Ladestationen (CCS) mit 50 kWh geladen. Teilweise gibt es auch schon Ladestationen mit 150 kWh. Porsche und BMW haben soeben erfolgreich eine Ladestation mit 450 kWh getestet. Ein aktueller BMW i3 mit einer 40 kWh-Batterie hat heute für das Laden an einer 50 kWh-Ladestation ca. 40 Minuten. Bis in fünf Jahren wird das gleiche Auto eine 80 kWh-Batterie mit einer effektiven Reichweite von über 500 km haben und an einer 450 kWh-Ladestation noch ca. acht Minuten benötigen, um 80%* der maximalen Ladekapazität zu laden.

Es wird bezüglich Mobilität und «hoffentlich» auch bezüglich Bauvorschriften einiges in Bewegung kommen!

* Eine Elektroauto-Batterie wird an CCS-Ladestationen wegen Überhitzung nur bis ca. 80% der möglichen Ladung schnell geladen.

Tipps:

Zukunft Autoparkplätze – Teil II: Autonom fahrende Autos versus aktuelles Parkplatzangebot

Im ersten Teil «Zukunft Autoparkplätze», siehe Blogpost vom 26. Oktober 2018, habe ich mich mit den nicht mehr benötigten Parkplätzen beschäftigt, wenn autonom fahrende Autos ab dem Jahr 2030 Tatsache werden. In diesem Post möchte ich Ideen entwickeln, wie wir in Zukunft die leer stehenden Autoeinstellhallen umnützen, bei Neubauten auf Einstellhallen verzichten können und trotzdem genügend Parkplätze zur Verfügung haben.

In naher Zukunft werden immer mehr Auto-Einstellhallenplätze leer stehen. Wie können die frei werdenden Flächen umgenutzt werden? In der Stadt Luzern gibt es 18’600 private Parkplätze in Einstellhallen. Das entspricht einer Fläche von 558’000 Quadratmeter1. Wenn wir davon ausgehen, dass bis ins Jahr 2030 10% nicht mehr benötigt werden, sind das 55’800 Quadratmeter, welche wir zusätzlich, ohne einen Quadratmeter Land zu verbauen, für neue Nutzungen zur Verfügung haben.

Die Bruttofläche von 55’800 Quadratmeter entspricht ca. 2’800 Studentenzimmer, 560 2½-Zimmerwohnungen oder 110 KMU-Büros mit durchschnittlich 500 Quadratmeter Bürofläche. Alle möglichen Varianten könnten relativ einfach umgesetzt werden (siehe Skizzen unten). Die Studentenzimmer würde man um ein Atrium, ehemalige Fargasse, anordnen. Die Kleinwohnungen hätten gegen einen tiefergelegten Aussenraum ihre Orientierung. Die Büronutzung könnte mit runden Atrien belichtet und belüftet werden.

Bestehende Einstellhalle: Mögliche Umnutzungsvarianten sind Studentenzimmer, Kleinwohnungen oder eine Büronutzung.

Wie planen und bauen wir heute Autoparkplätze, mit dem Wissen, dass wir ab dem Jahr 2030 immer weniger benötigen? Eine Möglichkeit ist das Haus auf Stützen, wie es Le Corbusier schon 1947 mit der «Unité d’Habitation» in Marseille vorgemacht hat. Mit Mehrfamilienhäusern auf Stützen (siehe Skizze unten) haben wir die Möglichkeit, die heute benötigte Parkplatz-Infrastruktur direkt unter dem Wohnhaus, im Parterre, zur Verfügung zu haben. Später, wenn die Nachfrage nach Parkplätzen zurück geht, können die freiwerdenden Flächen etappenweise mit Wohnungen ergänzt werden.

Neubau: Das Haus auf Stützen lässt eine flexible Umnutzung von Parkplätzen zu Wohnungen über mehrere Etappen zu.

Ich bin überzeugt, es lohnt sich «schon» heute, sich Gedanken zu machen, wie die Welt in 10 oder 20 Jahren aussehen wird. Gerade bei so kapitalintensiven Vorhaben wie beim Bauen. Eventuell sind Wohnnutzungen in der Erde in ein paar Jahren gesucht, wenn die Sommer immer heisser werden…

1 Pro Parkplatz wird mit einer Fläche von 30 m2 gerechnet, inklusive Erschliessung.

Tipp:

Zukunft Autoparkplätze – Teil I: Autonom fahrende Autos versus aktuelles Parkplatzangebot

Heute braucht fast jedes Gebäude Autoabstellplätze – und in Zukunft? Eher nicht mehr, wenn man die technische Entwicklung der letzten Jahre beobachtet. Ich denke, in ungefähr zehn Jahren wird in den Städten für Besucher von auswärts vermehrt nur noch das selbstfahrende, gemietete Auto erlaubt sein. Das persönliche, selbstfahrende öffentliche Verkehrsmittel wird emissionslos, elektrisch angetrieben und daher fast lautlos durch die Städte brausen. Sich mit einem Auto bewegen wird eine Dienstleistung, die man sich bei Bedarf einkauft. Es wird mehr Verkehr geben – da man ca. ab dem 14. Lebensjahr bis zum Lebensende ein autonom fahrendes Vehikel buchen kann – jedoch weniger Parkplätze brauchen…

Es braucht voraussichtlich ab dem Jahr 2030 immer weniger Parkplätze für Autos…

Ich habe mir die Situation in der Stadt Luzern mit ihren 81’000 Einwohner, den ungefähr 37’000 Autos und ca. 66’000 Parkplätzen genauer angeschaut, um eine Vorstellung zu bekommen, was diese Parkplätze für die Stadt räumlich bedeuten.

Öffentliche Parkplätze1: ca. 15’000, davon sind 3’500 Parkuhren, 1’900 blaue Zone, 1’800 weisse Zone und 7’800 Parkierungsanlagen3.

Private Parkplätze2: ca. 51’000, davon sind 23’800 offene Parkplätze, 8’600 Garagen und 18’600 Parkierungsanlagen3.

Eines ist sicher, es wird in Zukunft massiv weniger Parkplätze brauchen. Wie viele es in absehbarer Zeit, ab dem Jahr 2030, weniger braucht, kann heute noch niemand genau sagen. Das Massachusetts Institute of Technology geht davon aus, das bald 16% – 48% der Parkplätze überflüssig werden. Ich habe im nachfolgenden Beispiel für die Stadt Luzern mit 10% weniger Parkplätzen gerechnet und die Folgen bezüglich freiwerdendem Raum und der wirtschaftlichen Auswirkung analysiert.

10% von den aktuell total 66’000 Parkplätzen benötigen eine Fläche von 198’000 Quadratmeter4, was 28 Fussballfeldern entspricht. 23% von den 198’000 Quadratmeter4 sind öffentliche Parkplätze1, was 6,5 Fussballfeldern gleichkommt, und 77% sind private Parkplätze, was 21,5 Fussbalfeldern entspricht.

7’200 Parkplätze der öffentlichen Parkplätze1 sind im Freien und setzen sich wie folgt zusammen: Parkuhren 3’500, blaue Zone 1’900 und weisse Zone 1’800. 10% der 7’200 Parkplätze entsprechen einer Fläche von 21’600 Quadratmeter4, welche im öffentlichen Raum frei würden. Diese Fläche entspricht 3 Fussballfeldern – Platz, der beispielsweise für Bussspuren, Velowege oder Veloparkplätze umgenutzt werden könnte. Auf der anderen Seite werden der Stadt Einnahmen wegfallen. Im Jahr 2017 nahm die Stadt Luzern mit Parkkarten und Parkuhren ca. Fr. 6’000’000 ein. Wenn 720 Parkplätze wegfallen, entspricht das Fr. 600’000 im Jahr, die der Stadt fehlen werden.

Von den 7’800 öffentlichen Parkierungsanlagen (Parkhäuser, Einstellhallen, Tiefgaragen) entsprechen 10% einem Volumen5 von 70’200 m3, was ca. 70 durchschnittlichen Einfamilienhäuser gleichkommt. Natürlich kann man aus einer Autoeinstellhalle im Boden kein Einfamilienhaus machen, jedoch aus oberirdischen Parkhäusern Läden, Büros oder Wohnungen.

Die gleichen Berechnungen wie mit den öffentlichen Parkplätzen1 kann mit den 51’000 Privat-Parkplätzen2 gemacht werden… Ein grosses Potenzial! Was machen wir mit dem freiwerdenden Platz, und wie verhalten wir uns aktuell als Behörden, Bauherren und Architekten, wenn wir heute teure Parkplätze planen müssen, die in absehbarer Zeit teilweise nicht mehr genutzt werden? Gedanken zu diesen Fragen im Teil 2: «Zukunft Autoparkplätze».

1 Parkplätze, die meist gegen Gebühr für alle ohne Einschränkung zugänglich sind.
2 Wohnungsparkplätze, Kunden- und Besucherparkplätze, Parkplätze für Mitarbeiter.
3 Parkierungsanlagen: Parkhäuser, Einstellhallen, Tiefgaragen.
4 Pro Parkplatz wird mit einer Fläche von 30 m2 gerechnet inklusive Erschliessung.
5 Volumen-Berechnung, Fläche x 3.00 Meter (Gebäudehöhe).

Tipps:

Rams-Filmpremiere im SVA Theatre in NYC

Wie es das Leben will, hatte ich das Glück, am Montagabend, 24. September 2018, an der Rams-Filmpremiere in NYC dabei zu sein – einem Film über einen der wichtigsten Industriedesigner der letzten 50 Jahre, der die beiden Firmen Braun und Vitsœ prägte.

Dieter Rams war und ist aber auch ein grosses Vorbild für die beiden Appel-Ikonen Steve Jobs und Jony Ive. Bei Appel ist der Rams-Gestaltungs-Spirit gut spürbar. Daher passt es gut, dass die Filmpremiere in den USA war. Natürlich ist der Hauptgrund für die Filmpremiere in NYC, dass der Filmemacher Gary Hustwit ein New Yorker ist. Gary Hustwit war dreieinhalb Jahre mit dem Industriedesigner unterwegs, um den Film «Rams» zu entwickeln und produzieren. Rams meinte zuerst, es gäbe ja schon genügend Bücher über ihn, warum ein Film? Hustwit konnte ihn dann überzeugen, dass er mit einem Film viel mehr Menschen erreiche. Nicht jeder kann es sich leisten, ein Buch für 100 Doller zu kaufen, meinte Hustwit an der Premiere im SVA Theatre.

«Rams» ist ein ruhiger Film; wie sich das gehört über einen erfolgreichen Menschen, der am Ende seines Lebens steht und einen guten Überblick hat, wie sich Gestaltung und Technologie in den letzten 50 Jahren entwickelten. Im Film kommt überzeugend zum Ausdruck, dass sich dem weisen Gestalter – mit klarem Blick für das Neue – doch viele Fragen stellen, wie sorglos wir Menschen mit den neuen Technologien teilweise umgehen. Es sind Menschen wie Rams, gute Beobachter, die schnell merken, wenn gesellschaftsrelevante Themen, wie gerade die Digitalisierung, aus dem Ruder laufen. Viele Menschen sind offensichtlich mit dem endlos langen Buffett von Instagram- und Facebook überfordert, sie streamen sich in die unmächtige Beliebigkeit. Es bleibt nichts mehr hängen, was irgendwann verhängnisvoll werden kann…

Dieter Rams-Standbild – SVA Theatre 24. September 2018

Was für die Technologie gilt, gilt auch für die Gestaltung. Es muss nicht immer etwas Neues oder mehr sein, ein gutes Produkt kann subtil weiter entwickelt werden. Ebenso kann ein wertiges Produkt immer wieder repariert werden. Das immer «neu und schneller» macht Dieter Rams keine Freude. Er kritisiert die Überflussgesellschaft in seiner vorausschauenden Rede 1976 in New York unter dem Titel «Design by Vitsœ»

Rams macht es immer noch grossen Spass, für die Firma Vitsœ zu arbeiten. Eine Firma, die der nachhaltigen Gestaltung verpflichtet ist. Rams bringen viele nur mit der Firma Braun in Verbindung, bei der er von 1961 bis 1995 für die Designabteilung verantwortlich war und deren Produkte er und sein Team – das Team ist im wichtig – bezüglich Funktion und Gestaltung revolutionierte.

Gutes Design muss nicht teuer sein, wenn die Funktion im Zentrum steht, meint Rams. Im Film steht Rams im Vitra Schaudepot in Weil am Rhein vor einer dreibeinigen Blechliege in Wurstform, für welche Rams nur Unverständnis übrig hat. Rams stört sich an Designern, die «teure» und unpraktische Gegenstände entwerfen und so die gute Gestaltung mit teuer in Verbindung bringen.

Das Lebenswerk und die Lebensphilosophie von Rams, der 1932 geboren wurde, kommt im Film von Gary Hustwit, mit Musik von Brian Eno unterlegt, stimmig zum Ausdruck.

Tipp:

Rotterdam: Architektur-Selfie 2.0 :-)

Das im letzten Jahr auf unserem Büroausflug nach Kopenhagen spontan etablierte Architektur-Selfie hat uns – Ursi Bünter, Stanislava Janjic sowie mich – natürlich auch auf unserem diesjährigen Büroausflug nach Rotterdam beschäftigt.

Was letztes Jahr spontan passierte – die Idee mit dem Architektur-Selfie – wurde in diesem Jahr schon mit mehr Bewusstsein weiter verfolgt. Zum Bespiel war die Frage ein Thema, wo wollen wir uns aufstellen, um die Idee der Architektur einzufangen, ohne die übliche Touristenperspektiven zu wählen.

«Rotterdam: Architektur-Selfie 2.0 🙂 » im Uhrzeigersinn: Centraal Station by CROSS Architecture, De Rotterdam by Rem Koolhaas OMA, Markthalle by Winy Maas MVRDV, Kunsthal by Rem Koolhaas OMA.

Spontan und lustig war es trotzem bei jeder Aufnahme immer wieder… Das Gebäude und die Köpfe unter einen Hut (Foto) zu bringen, war nicht immer ganz einfach! Es gab vor jedem Objekt viel zu lachen.

Natürlich haben wir uns beim Fotografieren nicht nur mit Architektur und Architektur-Selfies beschäftigt, wie das Foto mit der Katze «RIPNDIP» beweist. Es gab in Rotterdam und Den Haag neben gutem Kaffee und Essen auch noch viele andere interessante und lustige Dinge zu entdecken, wenn man nur die »Augen« genügend weit offen hat und die Architektur-Brille bei Seite lässt…

Ich freue mich jetzt schon auf den Büroausflug 2019!

Tipps

Rotterdam – die ruhige, moderne Hafenstadt

Bereits die Ankunft am Hauptbahnhof von Rotterdam war beeindruckend. Das Gebäude der «Centraal Station» besitzt eine Fensterfront, die dem Besucher bei seinem Empfang den ersten Blick auf die Stadt gewährt und gleichzeitig den Raum mit Licht durchflutet. Auch von aussen ist die «Centraal Station» ein Hingucker. Das auskragende Dach, das an ein weit aufgerissenes Haimaul erinnert, wies uns den Weg Richtung Stadtzentrum. Obwohl Rotterdam die zweitgrösste Stadt der Niederlande ist, gehört sie zu den weniger typischen Reisezielen. Das merkt man der Stadt ziemlich schnell an. Entspanntheit und Ruhe scheinen hier zum Alltag dazuzugehören.

Das markante Dach des Hauptbahnhofes «Centraal Station»

Die Hafenstadt, deren Stadtzentrum im zweiten Weltkrieg fast vollständig ausgelöscht wurde, schaffte sich in den letzten 70 Jahren ein neues Gesicht. Der Wiederaufbau bietete damals den idealen Nährboden für die moderne Baukunst. Aus diesem Grund machten wir uns auf die Spuren der progressiven Architektur. Der weltberühmte Architekt Rem Koolhaas spielte für uns auf dieser Reise natürlich eine wichtige Rolle. Der niederländische Architekt zeichnet sich selber nicht nur durch seine Bauwerke aus, sonder auch über seinen Bücher «S, M, L, XL» oder das «Delirious New York». Das erste Gebäude von Koolhaas, dass wir besichtigten, war das «Timmerhuis». Dieses wurde direkt an das L-förmige, massive Bestandsgebäude aus dem Jahr 1954 angebaut. In dieser erstaunlich ruhigen Stadt sind das nicht die einzigen Gebäude, die so kontrastreich nebeneinander stehen. So setzt sich das Aufeinanderprallen der verschiedenen Zeitepochen im Stadtzentrum fort. Die spätgotische Kirche steht neben der riesigen Markthalle, welche seit der Eröffnung 2014 zu einem der wichtigsten Wahrzeichen Rotterdams zählt. Mit vielen verschiedenen Gerüchen von den zahlreichen Food-Ständen in der Nase bewunderten wir in der hufeisenförmigen Halle das eindrückliche Gemälde an der Decke. In Sichtweite Richtung Osten davon entfernt befand sich das nächste Highlight – die Kubushäuser von Piet Blom. Mit den um 45 Grad geneigten Wänden und der schmalen Treppe, die durch das dreigeschossige Haus führt, hatten wir die Möglichkeit, ungewohnte Architektur zu erleben.

Als wir am Ufer der «Nieuwe Maas» standen, wo sich die Silhouetten der Wolkenkratzer am Horizont abzeichneten, waren wir von neuem beeindruckt. Eine architektonische Ikone neben der anderen streckte sich in den Himmel. Das Gebiet «Kop van Zuid», das als Insel von der «Nieuwe Maas» umschlossen wird, ist ein «must-see». Die Hochhäuser umrahmen die Insel und im Kern findet man ältere Gebäude, die mit Dacherweiterungen zu trendigen Hotels transformiert wurden. Wenn man die Insel durchquert hat und die Werke von Renzo Piano und Rem Koolhaas genießen konnte, steht man schon an der Spitze der Insel und blickt zurück. Das weltbekannte Hotel New York, welches 1917 das Hauptverwaltungsgebäude des grössten Kreuzfahrtunternehmens war, wird links und rechts durch zwei Hochhäuser flankiert. Wieder findet sich hier ein gelungener Gegensatz zwischen dem Neuen und Alten, Hohen und Niedrigen. Die Erasmusbrücke, benannt nach dem Theologen und Humanisten Erasmus von Rotterdam (1466 – 1536), welcher auch 15 Jahre in Basel wirkte, bildet die Verbindung zurück zum Festland. Auffallend elegant wirkt die Brücke mit dem weissen, angewinkelten Pylon und den gespannten Schrägseilen.

Im Museumspark trafen wir wieder auf den Stararchitekten Rem Koolhaas. Hier entwarf er die «Kunsthal», die mit einem ungewohnten Mix aus verschiedenen Materialen und der Erschliessung über Rampen einen spannenden Rundgang durchs Museum garantiert. Weitere Museen wie das «Het Nieuwe Instituut», wo zeitgenössische Kunst und Architektur ausgestellt wird, bieten viel mehr als nur eine gute Ausstellung. Die Gebäude für sich sind schon einen Besuch wert.

Frühstück im Dachgarten des «Op Het Dak»

Kulinarisch können wir Rotterdam nur loben. Ob im kleinen, aber extrem feinen «De Matroos en het Meisje» zum Nachtessen oder über den Dächern der Stadt im «Op Het Dak» zum Frühstück, jedes mal mussten wir fast traurig gehen, weil das Essen schon wieder vorüber war. Im gleichen Gebäude wie das «Op Het Dak» findet sich im Erdgeschoss der Architekturhub OMI, welcher mit seiner Bücherauswahl sehr empfehlenswert ist.

Am Tag unserer Abreise brachen wir nach einer Stärkung im witzigen Café «Man Met Bril» nach Den Haag auf. Den Haag, allen bekannt angesichts des internationalen Gerichtshofes, lag für uns auf dem Weg zum Flughafen in Amsterdam. Das Erste, was uns auffiel, war die Menge an Touristen, die sich hier aufhielten. Da die Gebäude im zweiten Weltkrieg in Den Haag weniger leiden mussten als in Rotterdam, ist hier die Geschichte viel präsenter. Zudem liegt die Stadt am Meer, was ebenfalls ein Touristenmagnet ist und an diesem warmen Julitag alle ans Wasser lockte, was für uns der Grund war, umgehend zurück in das liebliche Stadtzentrum zu flüchten. Auf der Suche nach gutem Kaffee entdeckten wir zufällig das kleine Café und Ladengeschäft «Esspresso Perfetto», was ein gelungener Abschluss unserer eindrücklichen Reise war.

Tipps

WM-Ball 2018: farblich top – grafisch ein Flop!

Ab heute steht der Ball «Telstar18» für einen Monat im Mittelpunkt. Adidas zeichnet seit der Fussballweltmeisterschaft 1970 für den WM-Ball verantwortlich. Design und Technik haben sich seitdem stetig weiter entwickelt, siehe auch Post vom 12. Juni 2014: FIFA WM-Ball: Design Evolution 1970- 2014.

FIFA WM-Bälle: 2018 «Telstar18», 1978 «Tango» und 1970 «Telstar»

Das Design des aktuellen Balls «Telstar18» soll von den russischen Städten inspiriert sein… Haben die Leute von Adidas da wohl an die trostlosen Plattenbauten der Vorstädte gedacht? Mich erinnert das Pixel-Design höchstens an den CNF-Chip, der im Ball steckt. Der aktuelle Fussball soll an den ersten «Telstar» von 1970 und sein grossartiges Design mit den schwarzen Pentagonen und weissen Hexagonen erinnern. Die Gestaltung dieses «Telstars» wurde bewusst stark abstrahiert, um eine möglichst gute Sichtbarkeit des Balls am Fernseher zu gewährleisten. Das aktuelle verpixelte Design bewirkt gerade das Gegenteil. Viele Torhüter haben sich anfänglich beklagt, das der «Telstar18» ein «Flatterball» sei, was natürlich nicht stimmt. Das Gefühl kommt vom ungleichmässigen Muster, das den Ball flatterig erscheinen lässt. Auf die perfekte Geometrie einer Kugel gehört ein gleichmässiges Design, wie das beim «Telstar» aus den Jahren 1970 und 1974 der Fall war, oder beim «Tango» ab 1978 bis 1998.

Was mir am neuen Ball gefällt ist das schwarzweisse Design und die goldigen Beschriftungen, welche dem «Telstar18» eine edle Note geben. Der farbige «Brazuca-Ball» der letzten WM fand ich wenig überzeugend. Ein Ball sollte eine farblose, gleichmässige Musterstruktur haben.

Weniger Farbe wäre auch bei den Fussballschuhen oft mehr. Die Farben der Nationalmannschafts-Tenues sollten optisch im Mittelpunkt stehen und nicht die papageiartigen Fussballschuhe der Spieler. Da erinnere ich mich gerne an die klassischen, schwarzweissen Fussballschuhe zurück.

Das Schwarzweiss des WM-Balls 2018 ist top, die unregelmässige Pixelgrafik jedoch ein Flop. Um an die «Telstar»-Legenden aus den 1970er-Jahre anzuknüpfen, braucht es gestalterisch etwas mehr. Der aktuelle WM-Ball hat aus meiner Sicht den Namen «Telstar» nicht verdient.

Tipps:

Smart Metropolitan Car – BMW i3

Ich werde mir einen BMW i3s kaufen, sobald die neue Batterie mit 45 kWh verfügbar ist und somit eine realistische Reichweite von 300 km möglich wird. Das Auto – die neue Batterie – wird diesen Herbst an der Mondial Paris Auto Show vorgestellt. Mit der neuen Batterie wird dieser kleine Flitzer eine richtig gute Alternative zu einem Verbrenner. Das heisst für mich als Luzerner, dass ich die beiden Metropol-Regionen Zürich und Basel mit einer Batterieladung problemlos erreichen kann und erst wieder Zuhause laden muss.

Das stufenlose Beschleunigen und das geräuschlose Dahingleiten machen das Fahren zu einem Erlebnis. Was mir speziell am BMW i3 gefällt, ist das smarte Gesamtkonzept. Das Auto wurde von Grund auf als Elektroauto entworfen. Das spürt man an seinem futuristischen Design: Grosse Räder, die den Rollwiderstand minimieren, oder die eigenständige Silhouette, welche sich speziell durch das abgesetzte Fenster in der Hintertür auszeichnet, mit der Idee, dass Kinder einen besseren Blick nach aussen haben.

Sehr vorteilhaft finde ich auch, dass das Auto nur 3.99 Meter lang ist, was das Parkieren in der Stadt zu einem Kinderspiel macht. Der Wenderadius beträgt lediglich 10 Meter! Auch ist die erhöhte Sitzposition sehr komfortabel bezüglich Übersicht, ähnlich einem SUV, was aus dem BMW i3 jedoch keinen Aerodynamik-Weltmeister macht. Die Carbon-Fahrgastzelle hat nicht nur Gewichtsvorteile, Carbon ist auch elastisch, so dass sich kleinere (Park-)Schäden selber wieder zurückbilden.

Ein entscheidender Punkt bei einem Elektroauto bezüglich Nachhaltigkeit ist, dass die Batterie nicht zu schwer ist. Die Batterie plus der Elektromotor sollten nicht schwerer sein als ein Verbrennermotor plus Getriebe, Abgasanlage und Tankfüllung. Die Batterie im aktuellen Modell wiegt ca. 260 kg und der Elektromotor 50 kg. Das ganze Auto ist durch die Carbon Hülle nur 1300 kg schwer. Im grosszügigen Innenraum werden Naturfasern verwendet und das Leder wird mit Olivenblättern umweltschonend gegerbt. Das Auto ist zu 95% recyclebar und wird aus 100% erneuerbarer Energie produziert.

Um die Idee des BMW i3 zu verstehen, sollte man das Auto hinsichtlich Design und Technik mit einem unvoreingenommenen Blick betrachten – oder testen. Das Fahren mit diesem Elektro-Flitzer macht richtig Spass!

Tipp