ArchitekturCumulus

Zukunft Autoparkplätze – Teil I: Autonom fahrende Autos versus aktuelles Parkplatzangebot

Heute braucht fast jedes Gebäude Autoabstellplätze – und in Zukunft? Eher nicht mehr, wenn man die technische Entwicklung der letzten Jahre beobachtet. Ich denke, in ungefähr zehn Jahren wird in den Städten für Besucher von auswärts vermehrt nur noch das selbstfahrende, gemietete Auto erlaubt sein. Das persönliche, selbstfahrende öffentliche Verkehrsmittel wird emissionslos, elektrisch angetrieben und daher fast lautlos durch die Städte brausen. Sich mit einem Auto bewegen wird eine Dienstleistung, die man sich bei Bedarf einkauft. Es wird mehr Verkehr geben – da man ca. ab dem 14. Lebensjahr bis zum Lebensende ein autonom fahrendes Vehikel buchen kann – jedoch weniger Parkplätze brauchen…

Es braucht voraussichtlich ab dem Jahr 2030 immer weniger Parkplätze für Autos…

Ich habe mir die Situation in der Stadt Luzern mit ihren 81’000 Einwohner, den ungefähr 37’000 Autos und ca. 66’000 Parkplätzen genauer angeschaut, um eine Vorstellung zu bekommen, was diese Parkplätze für die Stadt räumlich bedeuten.

Öffentliche Parkplätze1: ca. 15’000, davon sind 3’500 Parkuhren, 1’900 blaue Zone, 1’800 weisse Zone und 7’800 Parkierungsanlagen3.

Private Parkplätze2: ca. 51’000, davon sind 23’800 offene Parkplätze, 8’600 Garagen und 18’600 Parkierungsanlagen3.

Eines ist sicher, es wird in Zukunft massiv weniger Parkplätze brauchen. Wie viele es in absehbarer Zeit, ab dem Jahr 2030, weniger braucht, kann heute noch niemand genau sagen. Das Massachusetts Institute of Technology geht davon aus, das bald 16% – 48% der Parkplätze überflüssig werden. Ich habe im nachfolgenden Beispiel für die Stadt Luzern mit 10% weniger Parkplätzen gerechnet und die Folgen bezüglich freiwerdendem Raum und der wirtschaftlichen Auswirkung analysiert.

10% von den aktuell total 66’000 Parkplätzen benötigen eine Fläche von 198’000 Quadratmeter4, was 28 Fussballfeldern entspricht. 23% von den 198’000 Quadratmeter4 sind öffentliche Parkplätze1, was 6,5 Fussballfeldern gleichkommt, und 77% sind private Parkplätze, was 21,5 Fussbalfeldern entspricht.

7’200 Parkplätze der öffentlichen Parkplätze1 sind im Freien und setzen sich wie folgt zusammen: Parkuhren 3’500, blaue Zone 1’900 und weisse Zone 1’800. 10% der 7’200 Parkplätze entsprechen einer Fläche von 21’600 Quadratmeter4, welche im öffentlichen Raum frei würden. Diese Fläche entspricht 3 Fussballfeldern – Platz, der beispielsweise für Bussspuren, Velowege oder Veloparkplätze umgenutzt werden könnte. Auf der anderen Seite werden der Stadt Einnahmen wegfallen. Im Jahr 2017 nahm die Stadt Luzern mit Parkkarten und Parkuhren ca. Fr. 6’000’000 ein. Wenn 720 Parkplätze wegfallen, entspricht das Fr. 600’000 im Jahr, die der Stadt fehlen werden.

Von den 7’800 öffentlichen Parkierungsanlagen (Parkhäuser, Einstellhallen, Tiefgaragen) entsprechen 10% einem Volumen5 von 70’200 m3, was ca. 70 durchschnittlichen Einfamilienhäuser gleichkommt. Natürlich kann man aus einer Autoeinstellhalle im Boden kein Einfamilienhaus machen, jedoch aus oberirdischen Parkhäusern Läden, Büros oder Wohnungen.

Die gleichen Berechnungen wie mit den öffentlichen Parkplätzen1 kann mit den 51’000 Privat-Parkplätzen2 gemacht werden… Ein grosses Potenzial! Was machen wir mit dem freiwerdenden Platz, und wie verhalten wir uns aktuell als Behörden, Bauherren und Architekten, wenn wir heute teure Parkplätze planen müssen, die in absehbarer Zeit teilweise nicht mehr genutzt werden? Gedanken zu diesen Fragen im Teil 2: «Zukunft Autoparkplätze».

1 Parkplätze, die meist gegen Gebühr für alle ohne Einschränkung zugänglich sind.
2 Wohnungsparkplätze, Kunden- und Besucherparkplätze, Parkplätze für Mitarbeiter.
3 Parkierungsanlagen: Parkhäuser, Einstellhallen, Tiefgaragen.
4 Pro Parkplatz wird mit einer Fläche von 30 m2 gerechnet inklusive Erschliessung.
5 Volumen-Berechnung, Fläche x 3.00 Meter (Gebäudehöhe).

Tipps:

Rams-Filmpremiere im SVA Theatre in NYC

Wie es das Leben will, hatte ich das Glück, am Montagabend, 24. September 2018, an der Rams-Filmpremiere in NYC dabei zu sein – einem Film über einen der wichtigsten Industriedesigner der letzten 50 Jahre, der die beiden Firmen Braun und Vitsœ prägte.

Dieter Rams war und ist aber auch ein grosses Vorbild für die beiden Appel-Ikonen Steve Jobs und Jony Ive. Bei Appel ist der Rams-Gestaltungs-Spirit gut spürbar. Daher passt es gut, dass die Filmpremiere in den USA war. Natürlich ist der Hauptgrund für die Filmpremiere in NYC, dass der Filmemacher Gary Hustwit ein New Yorker ist. Gary Hustwit war dreieinhalb Jahre mit dem Industriedesigner unterwegs, um den Film «Rams» zu entwickeln und produzieren. Rams meinte zuerst, es gäbe ja schon genügend Bücher über ihn, warum ein Film? Hustwit konnte ihn dann überzeugen, dass er mit einem Film viel mehr Menschen erreiche. Nicht jeder kann es sich leisten, ein Buch für 100 Doller zu kaufen, meinte Hustwit an der Premiere im SVA Theatre.

«Rams» ist ein ruhiger Film; wie sich das gehört über einen erfolgreichen Menschen, der am Ende seines Lebens steht und einen guten Überblick hat, wie sich Gestaltung und Technologie in den letzten 50 Jahren entwickelten. Im Film kommt überzeugend zum Ausdruck, dass sich dem weisen Gestalter – mit klarem Blick für das Neue – doch viele Fragen stellen, wie sorglos wir Menschen mit den neuen Technologien teilweise umgehen. Es sind Menschen wie Rams, gute Beobachter, die schnell merken, wenn gesellschaftsrelevante Themen, wie gerade die Digitalisierung, aus dem Ruder laufen. Viele Menschen sind offensichtlich mit dem endlos langen Buffett von Instagram- und Facebook überfordert, sie streamen sich in die unmächtige Beliebigkeit. Es bleibt nichts mehr hängen, was irgendwann verhängnisvoll werden kann…

Dieter Rams-Standbild – SVA Theatre 24. September 2018

Was für die Technologie gilt, gilt auch für die Gestaltung. Es muss nicht immer etwas Neues oder mehr sein, ein gutes Produkt kann subtil weiter entwickelt werden. Ebenso kann ein wertiges Produkt immer wieder repariert werden. Das immer «neu und schneller» macht Dieter Rams keine Freude. Er kritisiert die Überflussgesellschaft in seiner vorausschauenden Rede 1976 in New York unter dem Titel «Design by Vitsœ»

Rams macht es immer noch grossen Spass, für die Firma Vitsœ zu arbeiten. Eine Firma, die der nachhaltigen Gestaltung verpflichtet ist. Rams bringen viele nur mit der Firma Braun in Verbindung, bei der er von 1961 bis 1995 für die Designabteilung verantwortlich war und deren Produkte er und sein Team – das Team ist im wichtig – bezüglich Funktion und Gestaltung revolutionierte.

Gutes Design muss nicht teuer sein, wenn die Funktion im Zentrum steht, meint Rams. Im Film steht Rams im Vitra Schaudepot in Weil am Rhein vor einer dreibeinigen Blechliege in Wurstform, für welche Rams nur Unverständnis übrig hat. Rams stört sich an Designern, die «teure» und unpraktische Gegenstände entwerfen und so die gute Gestaltung mit teuer in Verbindung bringen.

Das Lebenswerk und die Lebensphilosophie von Rams, der 1932 geboren wurde, kommt im Film von Gary Hustwit, mit Musik von Brian Eno unterlegt, stimmig zum Ausdruck.

Tipp:

Rotterdam: Architektur-Selfie 2.0 :-)

Das im letzten Jahr auf unserem Büroausflug nach Kopenhagen spontan etablierte Architektur-Selfie hat uns – Ursi Bünter, Stanislava Janjic sowie mich – natürlich auch auf unserem diesjährigen Büroausflug nach Rotterdam beschäftigt.

Was letztes Jahr spontan passierte – die Idee mit dem Architektur-Selfie – wurde in diesem Jahr schon mit mehr Bewusstsein weiter verfolgt. Zum Bespiel war die Frage ein Thema, wo wollen wir uns aufstellen, um die Idee der Architektur einzufangen, ohne die übliche Touristenperspektiven zu wählen.

«Rotterdam: Architektur-Selfie 2.0 🙂 » im Uhrzeigersinn: Centraal Station by CROSS Architecture, De Rotterdam by Rem Koolhaas OMA, Markthalle by Winy Maas MVRDV, Kunsthal by Rem Koolhaas OMA.

Spontan und lustig war es trotzem bei jeder Aufnahme immer wieder… Das Gebäude und die Köpfe unter einen Hut (Foto) zu bringen, war nicht immer ganz einfach! Es gab vor jedem Objekt viel zu lachen.

Natürlich haben wir uns beim Fotografieren nicht nur mit Architektur und Architektur-Selfies beschäftigt, wie das Foto mit der Katze «RIPNDIP» beweist. Es gab in Rotterdam und Den Haag neben gutem Kaffee und Essen auch noch viele andere interessante und lustige Dinge zu entdecken, wenn man nur die »Augen« genügend weit offen hat und die Architektur-Brille bei Seite lässt…

Ich freue mich jetzt schon auf den Büroausflug 2019!

Tipps

Rotterdam – die ruhige, moderne Hafenstadt

Bereits die Ankunft am Hauptbahnhof von Rotterdam war beeindruckend. Das Gebäude der «Centraal Station» besitzt eine Fensterfront, die dem Besucher bei seinem Empfang den ersten Blick auf die Stadt gewährt und gleichzeitig den Raum mit Licht durchflutet. Auch von aussen ist die «Centraal Station» ein Hingucker. Das auskragende Dach, das an ein weit aufgerissenes Haimaul erinnert, wies uns den Weg Richtung Stadtzentrum. Obwohl Rotterdam die zweitgrösste Stadt der Niederlande ist, gehört sie zu den weniger typischen Reisezielen. Das merkt man der Stadt ziemlich schnell an. Entspanntheit und Ruhe scheinen hier zum Alltag dazuzugehören.

Das markante Dach des Hauptbahnhofes «Centraal Station»

Die Hafenstadt, deren Stadtzentrum im zweiten Weltkrieg fast vollständig ausgelöscht wurde, schaffte sich in den letzten 70 Jahren ein neues Gesicht. Der Wiederaufbau bietete damals den idealen Nährboden für die moderne Baukunst. Aus diesem Grund machten wir uns auf die Spuren der progressiven Architektur. Der weltberühmte Architekt Rem Koolhaas spielte für uns auf dieser Reise natürlich eine wichtige Rolle. Der niederländische Architekt zeichnet sich selber nicht nur durch seine Bauwerke aus, sonder auch über seinen Bücher «S, M, L, XL» oder das «Delirious New York». Das erste Gebäude von Koolhaas, dass wir besichtigten, war das «Timmerhuis». Dieses wurde direkt an das L-förmige, massive Bestandsgebäude aus dem Jahr 1954 angebaut. In dieser erstaunlich ruhigen Stadt sind das nicht die einzigen Gebäude, die so kontrastreich nebeneinander stehen. So setzt sich das Aufeinanderprallen der verschiedenen Zeitepochen im Stadtzentrum fort. Die spätgotische Kirche steht neben der riesigen Markthalle, welche seit der Eröffnung 2014 zu einem der wichtigsten Wahrzeichen Rotterdams zählt. Mit vielen verschiedenen Gerüchen von den zahlreichen Food-Ständen in der Nase bewunderten wir in der hufeisenförmigen Halle das eindrückliche Gemälde an der Decke. In Sichtweite Richtung Osten davon entfernt befand sich das nächste Highlight – die Kubushäuser von Piet Blom. Mit den um 45 Grad geneigten Wänden und der schmalen Treppe, die durch das dreigeschossige Haus führt, hatten wir die Möglichkeit, ungewohnte Architektur zu erleben.

Als wir am Ufer der «Nieuwe Maas» standen, wo sich die Silhouetten der Wolkenkratzer am Horizont abzeichneten, waren wir von neuem beeindruckt. Eine architektonische Ikone neben der anderen streckte sich in den Himmel. Das Gebiet «Kop van Zuid», das als Insel von der «Nieuwe Maas» umschlossen wird, ist ein «must-see». Die Hochhäuser umrahmen die Insel und im Kern findet man ältere Gebäude, die mit Dacherweiterungen zu trendigen Hotels transformiert wurden. Wenn man die Insel durchquert hat und die Werke von Renzo Piano und Rem Koolhaas genießen konnte, steht man schon an der Spitze der Insel und blickt zurück. Das weltbekannte Hotel New York, welches 1917 das Hauptverwaltungsgebäude des grössten Kreuzfahrtunternehmens war, wird links und rechts durch zwei Hochhäuser flankiert. Wieder findet sich hier ein gelungener Gegensatz zwischen dem Neuen und Alten, Hohen und Niedrigen. Die Erasmusbrücke, benannt nach dem Theologen und Humanisten Erasmus von Rotterdam (1466 – 1536), welcher auch 15 Jahre in Basel wirkte, bildet die Verbindung zurück zum Festland. Auffallend elegant wirkt die Brücke mit dem weissen, angewinkelten Pylon und den gespannten Schrägseilen.

Im Museumspark trafen wir wieder auf den Stararchitekten Rem Koolhaas. Hier entwarf er die «Kunsthal», die mit einem ungewohnten Mix aus verschiedenen Materialen und der Erschliessung über Rampen einen spannenden Rundgang durchs Museum garantiert. Weitere Museen wie das «Het Nieuwe Instituut», wo zeitgenössische Kunst und Architektur ausgestellt wird, bieten viel mehr als nur eine gute Ausstellung. Die Gebäude für sich sind schon einen Besuch wert.

Frühstück im Dachgarten des «Op Het Dak»

Kulinarisch können wir Rotterdam nur loben. Ob im kleinen, aber extrem feinen «De Matroos en het Meisje» zum Nachtessen oder über den Dächern der Stadt im «Op Het Dak» zum Frühstück, jedes mal mussten wir fast traurig gehen, weil das Essen schon wieder vorüber war. Im gleichen Gebäude wie das «Op Het Dak» findet sich im Erdgeschoss der Architekturhub OMI, welcher mit seiner Bücherauswahl sehr empfehlenswert ist.

Am Tag unserer Abreise brachen wir nach einer Stärkung im witzigen Café «Man Met Bril» nach Den Haag auf. Den Haag, allen bekannt angesichts des internationalen Gerichtshofes, lag für uns auf dem Weg zum Flughafen in Amsterdam. Das Erste, was uns auffiel, war die Menge an Touristen, die sich hier aufhielten. Da die Gebäude im zweiten Weltkrieg in Den Haag weniger leiden mussten als in Rotterdam, ist hier die Geschichte viel präsenter. Zudem liegt die Stadt am Meer, was ebenfalls ein Touristenmagnet ist und an diesem warmen Julitag alle ans Wasser lockte, was für uns der Grund war, umgehend zurück in das liebliche Stadtzentrum zu flüchten. Auf der Suche nach gutem Kaffee entdeckten wir zufällig das kleine Café und Ladengeschäft «Esspresso Perfetto», was ein gelungener Abschluss unserer eindrücklichen Reise war.

Tipps

WM-Ball 2018: farblich top – grafisch ein Flop!

Ab heute steht der Ball «Telstar18» für einen Monat im Mittelpunkt. Adidas zeichnet seit der Fussballweltmeisterschaft 1970 für den WM-Ball verantwortlich. Design und Technik haben sich seitdem stetig weiter entwickelt, siehe auch Post vom 12. Juni 2014: FIFA WM-Ball: Design Evolution 1970- 2014.

FIFA WM-Bälle: 2018 «Telstar18», 1978 «Tango» und 1970 «Telstar»

Das Design des aktuellen Balls «Telstar18» soll von den russischen Städten inspiriert sein… Haben die Leute von Adidas da wohl an die trostlosen Plattenbauten der Vorstädte gedacht? Mich erinnert das Pixel-Design höchstens an den CNF-Chip, der im Ball steckt. Der aktuelle Fussball soll an den ersten «Telstar» von 1970 und sein grossartiges Design mit den schwarzen Pentagonen und weissen Hexagonen erinnern. Die Gestaltung dieses «Telstars» wurde bewusst stark abstrahiert, um eine möglichst gute Sichtbarkeit des Balls am Fernseher zu gewährleisten. Das aktuelle verpixelte Design bewirkt gerade das Gegenteil. Viele Torhüter haben sich anfänglich beklagt, das der «Telstar18» ein «Flatterball» sei, was natürlich nicht stimmt. Das Gefühl kommt vom ungleichmässigen Muster, das den Ball flatterig erscheinen lässt. Auf die perfekte Geometrie einer Kugel gehört ein gleichmässiges Design, wie das beim «Telstar» aus den Jahren 1970 und 1974 der Fall war, oder beim «Tango» ab 1978 bis 1998.

Was mir am neuen Ball gefällt ist das schwarzweisse Design und die goldigen Beschriftungen, welche dem «Telstar18» eine edle Note geben. Der farbige «Brazuca-Ball» der letzten WM fand ich wenig überzeugend. Ein Ball sollte eine farblose, gleichmässige Musterstruktur haben.

Weniger Farbe wäre auch bei den Fussballschuhen oft mehr. Die Farben der Nationalmannschafts-Tenues sollten optisch im Mittelpunkt stehen und nicht die papageiartigen Fussballschuhe der Spieler. Da erinnere ich mich gerne an die klassischen, schwarzweissen Fussballschuhe zurück.

Das Schwarzweiss des WM-Balls 2018 ist top, die unregelmässige Pixelgrafik jedoch ein Flop. Um an die «Telstar»-Legenden aus den 1970er-Jahre anzuknüpfen, braucht es gestalterisch etwas mehr. Der aktuelle WM-Ball hat aus meiner Sicht den Namen «Telstar» nicht verdient.

Tipps:

Smart Metropolitan Car – BMW i3

Ich werde mir einen BMW i3s kaufen, sobald die neue Batterie mit 45 kWh verfügbar ist und somit eine realistische Reichweite von 300 km möglich wird. Das Auto – die neue Batterie – wird diesen Herbst an der Mondial Paris Auto Show vorgestellt. Mit der neuen Batterie wird dieser kleine Flitzer eine richtig gute Alternative zu einem Verbrenner. Das heisst für mich als Luzerner, dass ich die beiden Metropol-Regionen Zürich und Basel mit einer Batterieladung problemlos erreichen kann und erst wieder Zuhause laden muss.

Das stufenlose Beschleunigen und das geräuschlose Dahingleiten machen das Fahren zu einem Erlebnis. Was mir speziell am BMW i3 gefällt, ist das smarte Gesamtkonzept. Das Auto wurde von Grund auf als Elektroauto entworfen. Das spürt man an seinem futuristischen Design: Grosse Räder, die den Rollwiderstand minimieren, oder die eigenständige Silhouette, welche sich speziell durch das abgesetzte Fenster in der Hintertür auszeichnet, mit der Idee, dass Kinder einen besseren Blick nach aussen haben.

Sehr vorteilhaft finde ich auch, dass das Auto nur 3.99 Meter lang ist, was das Parkieren in der Stadt zu einem Kinderspiel macht. Der Wenderadius beträgt lediglich 10 Meter! Auch ist die erhöhte Sitzposition sehr komfortabel bezüglich Übersicht, ähnlich einem SUV, was aus dem BMW i3 jedoch keinen Aerodynamik-Weltmeister macht. Die Carbon-Fahrgastzelle hat nicht nur Gewichtsvorteile, Carbon ist auch elastisch, so dass sich kleinere (Park-)Schäden selber wieder zurückbilden.

Ein entscheidender Punkt bei einem Elektroauto bezüglich Nachhaltigkeit ist, dass die Batterie nicht zu schwer ist. Die Batterie plus der Elektromotor sollten nicht schwerer sein als ein Verbrennermotor plus Getriebe, Abgasanlage und Tankfüllung. Die Batterie im aktuellen Modell wiegt ca. 260 kg und der Elektromotor 50 kg. Das ganze Auto ist durch die Carbon Hülle nur 1300 kg schwer. Im grosszügigen Innenraum werden Naturfasern verwendet und das Leder wird mit Olivenblättern umweltschonend gegerbt. Das Auto ist zu 95% recyclebar und wird aus 100% erneuerbarer Energie produziert.

Um die Idee des BMW i3 zu verstehen, sollte man das Auto hinsichtlich Design und Technik mit einem unvoreingenommenen Blick betrachten – oder testen. Das Fahren mit diesem Elektro-Flitzer macht richtig Spass!

Tipp

Mein erster Kurs als Dozent bei den Studierenden für Einrichtungsgestaltung an der HFTG in Zug

Als ich im letzten Sommer vom Schulleiter Andreja Torriani angefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, an der Höheren Fachschule für Technik und Gestaltung HFTG zu unterrichten, freute mich das sehr. Die HFTG bildet EinrichtungsgestalterInnen berufsbegleitend in zwei Modulen aus. Der Basislehrgang dauert 10 Monate und der Diplomlehrgang 15 Monate. Unterrichtet wird jeweils am Freitag den ganzen Tag sowie am Samstagmorgen. Mein Pensum im Basislehrgang für das Fach «Raumgestaltung und Funktion» beträgt 40 Lektionen plus die Vorlesung erarbeiten und die Arbeiten bewerten.

Schlussabgabe von Brigitta Marti, Iréne von Euw, Barbara Kuhnke – Klasse GE10

Nach einer Woche Bedenkzeit und Gesprächen mit Freunden habe ich entschieden, mich auf diese Herausforderung einzulassen…

Es war der richtige Entscheid. Die Schule gab mir eine Carte Blanche bezüglich Unterrichtsinhalt. Das Fach «Raumgestaltung und Funktion» lässt vieles zu! Ich wusste, dass die Personen, welche den Kurs besuchen werden, aus ganz unterschiedlichen Berufsrichtungen und Altersstufen stammen. Auf den ersten Blick schien dieser Aspekt herausfordernd: Von der Kindergärtnerin über die KV-Angestellte bis zur Architektin war alles dabei. Wie sich jedoch schnell herausstellte, spielen weder das Alter noch der Beruf wirklich eine Rolle, wie sich ein Student oder Studentin entwickelt. Viel wichtiger ist, dass man sich voll auf die Aufgaben einlassen kann und so eine Leidenschaft entwickelt für das was man macht.

Es war beeindruckend zu sehen, was die einzelnen Studierenden mit so unterschiedlichem Background in den nur drei Monaten, in denen ich sie unterrichtete, erreichten. Neben einem theoretischen Teil, wo die Grundlagen zum Thema Raum erarbeitet wurden, stand das Raummodell im Vordergrund, mit dem sich jede Studentin und jeder Student in drei Übungen zu verschiedenen Raumaspekten praktisch beschäftigte.

Es war für die Studierenden grösstenteils neu, sich so abstrakt mit dem Thema Raum zu befassen. Die drei Übungsabgaben wurden jeweils vor der ganzen Klasse präsentiert und besprochen. Für die Mehrzahl der Studierenden war das Modell bauen, das CAD sowie die grafische Gestaltung eines A3-Blattes Neuland. Die praktischen drei Übungen mussten die Studenten und Studentinnen am Abend und Wochenende zuhause bearbeiten, was neben einem 80% Arbeitspensum sehr anspruchsvoll ist. Ich habe grössten Respekt von den eindrücklichen Schlusspräsentationen, welche ich am letzten Schultag zu sehen bekommen habe!

Die Bewertungen der Arbeiten war anspruchsvoll. Eine gerechte Bewertung in diesem Fach braucht Zeit. Zeit die ich mir jedoch gerne genommen habe.

Ich freue mich nun auf meine zweite Klasse, welche ich im Oktober dieses Jahr das erste Mal unterrichten werde.

Tipp

  • Der Dokumentarfilm «Archiculture» begleitet fünf US-amerikanische Architekturstudenten des Pratt Institute bei Ihrer Thesis

Mein erstes Semester als Architekturstudentin

Das erste Semester des berufsbegleitenden Architekturstudiums liegt bereits hinter mir und ich befinde mich schon fast wieder in der Hälfte des zweiten Semesters. In diesem Blogbeitrag schildere ich einen Rückblick auf den Start meines Architekturstudiums an der Hochschule Luzern. Am Anfang ist die Mehrheit der Fächer so ausgelegt, dass in erster Linie interdisziplinär unterrichtet wird. Die fächerübergreifende Zusammenarbeit ist einer der Schwerpunkte der Hochschule Luzern für Architektur und Technik und wird schweizweit nur in Horw angeboten. Dabei arbeiten Architekten mit Innenarchitekten, Bauingenieuren und Gebäudetechniker zusammen. Diese Unterrichtstechnik soll die spätere Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen am Bau erleichtern. Den Studenten werden die gleichen Grundlagen beigebracht und jeder Studiengang wird dann fachspezifisch ergänzt.

Bei den Architekten ist dies das Entwurfsfach. Es nennt sich «Die Grundlagen der Architektur» und findet für alle Architekturstudenten im ersten Semester statt. Das Fach setzt sich aus verschiedenen Atelierthemen zusammen, die von den Studenten je nach Interesse gewählt werden konnten. Durch das Semester hindurch wurden die Studenten von den Dozenten, die die verschiedenen Ateliers führen, begleitet. Wöchentliche Tischkritiken und monatliche Zwischenkritiken halfen bei der Reflexion des eigenen Entwurfes und forderten jeden auf, seine Arbeit immer wieder von neuem zu überarbeiten.

Detailaufnahme aus dem Gipsmodell der Schlussabgabe.

Ich habe mich für das Atelier «Raum, Licht und Schatten» entschieden. Die Aufgabe für die Schlussabgabe war es, eine dreizellige Raumsequenz zu entwerfen. Die Räume sollten nutzungsneutral sein. Die gegebene Situation für unseren Entwurf war das Seeufer in Horw im Gebiet Winkel, welches nahe an der Hochschule Luzern liegt. Der erste Schritt war es, eine Beziehung zum Ort und zur Topographie herzustellen. Danach mussten wir uns mit den Räumen befassen, wie das Öffnungsverhalten sein sollte, damit eine spannende Lichtstimmung entstand. Das Ganze dokumentierten wir mit handgezeichneten Plänen und Gipsmodellen. Die Gipsmodelle waren einerseits sehr schön zum Anschauen, andererseits mussten wir uns beim Schalungsbau mit der Negativform des Raumes auseinandersetzen, was mir zu Beginn schwer gefallen ist. Jedoch war für mich der Schalungsbau am Schluss wie eine letzte Kontrolle, ob das Modell so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe.

Für mich war von Anfang an klar, dass ich im Architekturstudium meine Freizeit meistens in der Hochschule verbringen werde. Als berufsbegleitende Studentin ist es für mich ein Pendeln zwischen der Schule und dem Arbeitsplatz. Es bleibt wenig Freiraum für Privates. Jedoch kann ich rückblickend bestätigen, dass es sich gelohnt hat, diese vielen Stunden an der Schule zu verbringen. Ich habe sehr viel gelernt und freue mich bereits jetzt auf den nächsten Entwurf.

Tipps:

Meine Kolumne «Schlusspunkt» im RAUM UND WOHNEN

In der aktuellen Februar-Ausgabe Nr. 2/18 habe ich im Magazin RAUM UND WOHNEN meine erste eigene Kolumne mit dem markanten Namen «Schlusspunkt». RAUM UND WOHNEN, das führende Schweizer Magazin für Architektur, Wohnen und Design, hat eine Auflage von 27’000 Exemplaren und erreicht ca. 109’000 Leser pro Ausgabe.

Ausschnitt aus der aktuellen Kolumne «Schlusspunkt» im Raum und Wohnen 2/18

Auf der vielbeachteten letzten Seite habe ich die Gelegenheit, meine Beobachtungen und Gedanken zu bedeutenden Bauten in der Schweiz wie auch im Ausland – welche ich selber besucht habe – zu beschreiben und mit einem Foto zu bebildern.

In meinem ersten «Schlusspunkt» steht das Hotel Therme in Vals von Peter Zumthor mit dem Titel «Update» im Focus. Fast ein Heimspiel für mich, da ich oft in Vals bin. Denn mein bester Jugenfreund hat eine Valserin geheiratet, so habe ich die ganze Geschichte rund um die Therme Vals «hautnah» miterlebt…

Ich freue mich auf die nächsten Ausgaben von RAUM UND WOHNEN – und meinen «Schlusspunkt», wo ich weitere architektonische Perlen beschreiben und kommentieren darf.

Tipps:

Ein Eidgenössisches Planungs- und Baugesetzt muss her!

Die Schweizer Baugesetzgebung gleicht einem «Dschungel», in diesem gedeihen und wuchern verschlungen Gesetze und Verordnungen. Sie sorgen für unnötigen Aufwand und schaffen teure Ineffizienz. Konkret bedeutet dies, dass jeder Kanton über eigene Planungs- und Baugesetze verfügt, jeweils mit entsprechenden Verordnungen, Reglementen und Weisungen. Dem unterstellt sind die Bau- und Zonenordnungen der Gemeinden. Total gibt es in der Schweiz über 140’000 Gesetzes- und Verordnungsartikel im Planungs- und Bauwesen.

Eine massive Vereinfachung wäre ein Eidgenössisches Planungs- und Baugesetz. Dieses übergeordnete Gesetz würde für die ganze Schweiz die wichtigsten Parameter wie Fassadenhöhe, Geschossigkeit, Gebäudelänge, Nutzungsziffern, Grenzabstände, Strassenabstand und mehr einheitlich regeln. Bestrebungen in diese Richtung laufen bereits unter dem Begriff «Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der Baubegriffe» (IVHB).

Die beiden Skizzen zu Gebäudelänge – sie werden schon von einigen Kantonen angewendet – sind das Resultat der Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der Baubegriffe IVHB

Auf kantonaler Ebene würden nur noch übergeordnete Planungsaufgaben geregelt wie Richtpläne und Nutzungspläne.

Auf Ebene der Gemeinde gebe es weiterhin die Bau- und Zonenordnungen, welche Bauzonen definiert und ortsspezifische Besonderheiten regelt wie Firstrichtungen, Dacheindeckungen (Material), maximale Gebäudelängen und weitere lokale Regeln, die sinnvollerweise vor Ort gelöst werden müssen.

Das würde eine massive Vereinfachung für Bauherren, Planer aber auch Kantone und Gemeinden bedeuten. Heute «bastelt» jeder Kanton sein eigenes Planungs- und Baugesetz. Das Resultat ist oft nicht nur wenig erhellend sondern auch sehr aufwändig. Ein aktuelles Beispiel ist der Kanton Luzern, der die Ausnutzungsziffer (AZ) durch die Überbauungsziffer (ÜZ) ersetzen möchte, was grundsätzlich zu begrüssen ist und eine Vereinfachung darstellen sollte. Jedoch ist der Kanton nicht in der Lage, das Gesetz so auszuarbeiten, dass es nicht mit Dutzenden von Ergänzungen und Ausnahmen ergänzt werden müsste! Siehe auch den Beitrag vom vom 29. Juli 2015: Die neue Überbauungsziffer und ihre Schwachpunkte…

Ziel muss es sein, dass ein Eidgenössisches Planungs- und Baugesetz übergeordnetes Recht schafft, wie die Brandschutzvorschriften, welche seit 2015 gesamtschweizerisch geregelt sind. Dadurch wird eine weitere Kultivierung der Schweizer Architekturentwicklung erreicht. Und, Bauherren, Planer, Architekten, Beamte und Politiker laufen so weniger Gefahr, sich im «Dschungel» zu verirren.

Tipp: