ArchitekturCumulus

BIM: Eine Annäherung – Teil I

«BIM» – ein neuer Begriff macht sich breit in der Bauindustrie. Was Blockchain für die ganze Gesellschaft von morgen ist, soll BIM für die Bauindustrie sein? Ich möchte mich dem Thema BIM in drei Schritten zuwenden und so etwas Klarheit über die Planungsmethode der Zukunft gewinnen.

Mein erster Post versucht sich dem Begriff BIM anzunähern. Ich bin (noch) kein BIM-Anwender, habe jedoch über 20 Jahre Erfahrung mit ArchiCAD in der 2D-, wie auch in der 3D-Planung. In einem zweiten Teil werde ich meine Fragen zu BIM mit einem Anwender besprechen und seine Meinung bezüglich seinen Erfahrungen mit BIM abholen. Und im letzten Teil versuche ich die Möglichkeiten von BIM heute und in der näheren Zukunft einzuordnen.

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BIM – Building Information Modeling – soll in Form eines 3D-CAD Modells von der Planung über die Ausführung bis zum Betrieb eines Werkes alles koordinieren und kontrollieren.

Die Idee ist grundsätzlich zu begrüssen. Alle am Bau Beteiligten, vom Architekten, Bauingenieur, Haustechnik-Planer über Produkte-Hersteller bis zu den ausführende Unternehmer und dem Facility-Management, benützen das gleiche 3D-Modell für die Planug und auch den Unterhalt eines Werkes.

BIM setzt voraus, dass das ganze Gebäude in 3D gezeichnet und konstruiert wird, idealerweise als Ausführungsplanung. Die CAD-Software-Industrie ist sehr interessiert, dass möglichst viele Planer schnell mit der BIM-Methode zu planen beginnen, um Erfahrungen zu sammeln, was für die Weiterentwicklung der Programme von grosser Wichtigkeit ist. Für welche Art von Gebäuden lohnt es sich, heute schon mit BIM zu planen? Wer kann noch zuwarten? Was ist für die Zukunft zu erwarten?

BIM soll ab der Vorprojekt-Phase sowie auch bei Wettbewerben eingesetzt werden, alles in 3D-Planung. Eine BIM-Planung heisst: Eine Stütze muss als Stütze definiert sein, eine Wand als Wand, eine Türe als Türe, inklusive der detaillierten Materialisierung und Funktionalität. In welcher Tiefe wird in welcher Phase geplant? Eine Frage, die sich nicht so leicht beantworten lässt.

ArchiCAD ist schon seit Jahren ein grosser Verfechter der 3D-Planung, vom Vorprojekt bis zum Werkplan! Ich habe mich im Bereich der Ausführungsplanung bis heute gegen eine 3D-Planung gewehrt. Eine genaue und detaillierte Ausführungsplanung zu haben, ist für alle Beteiligten am Bau eine grosse Qualität, die oftmals einfacher in 2D zu bewerkstelligen ist. Dass gewisse gestalterische Formen, wie sie zum Beispiel Zaha Hadid in ihrem kreativen Repertoire hatte, in der Ausführungsplanung nur in 3D zu lösen sind, ist selbstverständlich.

Es bedingt einen grossen 3D-Planungsaufwand, um den benötigten Detaillierungsgrad zu erreichen und wirklich alle relevanten Details zu erfassen, die nötig sind, damit jederzeit an jedem Ort ein Schnitt aus dem Plan generiert werden kann, der dann nicht mehr im 2D ergänzt werden muss, was zu Doppelspurigkeiten führen würde und nicht die Idee von BIM sein kann. Neben der 3D-Planung müssen auch alle Oberflächen-Parameter für Wände, Boden, Decken und andere Bauteile detailliert erfasst werden, damit zum Beispiel das Baumanagement direkt Auszüge für die Ausschreibung machen kann. Das ist anspruchsvoll und nur mit sehr genau arbeitenden Personen möglich…

Eine weitere Frage ist, wie die 3D-Schnittstelle – IFC-Schnittstelle – zwischen den Planern funktioniert und wie die Daten zukünftig über die Zeitspanne eines ganzen Gebäudezyklus up to date gehalten werden.

Ein konfliktärer Punkt ist, mit der BIM-Methode direkt ab der Vorprojekt- und/oder Wettbewerbsphase zu planen, was gerade bei uns in der engen Schweiz bezüglich Einsprachen, neuen Gesetzen sowie den demokratischen Bewilligungs-Prozessen und anderen Überraschungen immer anspruchsvoller wird, was eine frühzeitige BIM-Planung sehr aufwändig und teuer machen kann. Um mit BIM wirtschaftlich zu planen, muss schon viel sehr früh bekannt sein, was leider nur selten der Realität entspricht. Es gibt immer weniger Leute, die sich für etwas entscheiden können, siehe auch Post vom 1. April 2015 «Die Schwierigkeit der Entscheidungsfindung im «unverbindlichenunendlichen» Zeitalter…»

Mir fällt auf, dass viele, die sich für BIM einsetzen, das ganze durch die technische Brille betrachten; Software-Firmen wie auch Architekten, die die Planung als eher technische Herausforderung sehen und weniger als architektonische und gesellschaftliche…

BIM ist bestechend, jedoch stecken wir bezüglich der Intelligenz von CAD-Programmen noch in den Kinderschuhen. Um mit BIM individuell, detailliert und schnell planen zu können, müssen die CAD-Programme zwingend intelligenter werden. Das ganze Gebäude in einem File, und immer lesbar wie ein JPEG-Foto! Open Source CAD-Software wie Free CAD werden da bestimmt an Bedeutung gewinnen und eventuell die ganze CAD-Software-Industrie auf den Kopf stellen.

Produktdesign-Wahnsinn versus neue intelligente Designmöglichkeiten

Heute ist das Eröffnungsspiel der Fussball – Europameisterschaften im Stade de France in Paris. Alle Teilnehmer werden für diese Meisterschaften mit neu gestalteten Trikots auflaufen. Es ist kein Geheimnis – mein Lieblings-Trikot ist dasjenige von Argentinien. Siehe auch Post vom 22. Juni 2010 – Göttliche Teilung…

0194blog 10.06.16Am Beispiel vom Argentina-Shirt möchte ich den aktuellen Produktdesign-Wahnsinn reflektieren, in einem Bereich, wo die «zwanghafte» Neugestaltung für den Verkauf eine wichtige Rolle spielt. Die europäischen Top-Club-Fussballmannschaften laufen jede Saison in neu gestalteten Trikots auf, meist in dreifacher Ausführung: Trikot Home, Trikot Away, Trikot Champions League. Neu ist jetzt auch, dass die Top-Fussball-Nationalmannschaften jedes Jahr in einem neuen Trikot zu den Spielen antreten. Vergleiche auf der rechten Seite das Argentina-Home-Shirt von oben nach unten: WM-Trikot 2014, Copa America-Trikot 2015, und das Copa America Jubiläumsturnier – Trikot 2016; das Turnier findet gerade in der USA statt.

Bei einem Trikot wie jenes der Albiceleste mit einem so klaren geometrischen Grundkonzept – drei hellblaue und zwei weisse vertikale Streifen – sind gestalterische Experimente im Jahrestakt wie das Ändern der Farbe, der drei Adidas-Streifen auf den Schultern, Schwarz (2014), Weiss (2015) oder aktuell ganz neu in Weiss unter den Armen (bis jetzt nur von den ärmellosen Volleyball-Shirts bekannt, wo es auch Sinn macht) unnötig. Ein weiteres unglückliches Beispiel sind die optischen Spielereien mit dem schönen Verbands-Emblem AFA.

Bis vor wenigen Jahren wurden neue Produkte nur dann lanciert, wenn eine klare Verbesserung zu diesem Schritt Anlass gab. Gutes Design und wirkliche Innovationen brauchen Zeit. Heute präsentieren Sportartikelfirmen wie Adidas, Nike, Puma und andere beinahe im Monats-Rhythmus «neue» Fussballschuhe…

Das gleiche gilt auch für andere Consumer-Produkte mit Must-have-Appeal wie Autos, Skis, Mobiles und vieles mehr. Der Produktionszyklus hat ein Tempo angenommen, das nicht mehr «gesund» ist. Für die Lancierung in diesem hohen Takt bedeutet das unnötiger Stress für alle Beteiligten: Marketing, Design, Produktion, Logistik und Händler. Alle stehen unter enormen Zeitdruck. Kaum ist etwas Neues im Laden, ist es schon wieder im Ausverkauf.

Wir stehen in vielen Produkte-Kategorien vor einer totalen Neuausrichtung des Designs, der Produktion und Verkaufsmethoden. In Zukunft werden die Konsumenten einen Grossteil der Gestaltung – inhaltlich und äusserlich – übernehmen. Dem personalisierten Produkt wird in vielen Produkte-Kategorien die Zukunft gehören. Mein Laufschuh von Adidas werde ich über das Internet bestellen, die 3D-Sohle wird genau auf mein Gewicht und meine Fussstellung abgestimmt und das Design des Schuhs kann ich selber aus Hunderten von Möglichkeiten bestimmen, was teilweise heute schon möglich ist. Sobald ich meine Bestellung bezahlt habe, kann ich dem 3D-Drucker bequem von meinem Computer aus – in Echtzeit – zuschauen, wie die Sohle meines neuen Laufschuhs produziert wird und der Roboter ohne menschliches Zutun meinen Schuh zusammenstellt. Die Schuhe bekomme ich tags darauf nach Hause geliefert, wie wir uns das schon von Zalando gewohnt sind.

Die ganze Kette von der Produktion über den Verkauf bis hin zur Logistik wird mit sehr wenig Manpower auskommen und dem Kunden ein hoch individuelles Produkt in einem Tempo zur Verfügung stellen, wie wir es noch nicht kennen. Die Herstellung von Gütern wird dort sein, wo die Kunden sind. Was für Laufschuhe möglich ist, wird auch für andere Produkt-Kategorien wie z.B. Haar-Shampoo möglich sein. Ich lasse von meinen Haaren eine Haaranalyse machen und bestelle bei meiner bevorzugten Schampoo-Marke mein individualisiertes Shampoo – alles auf Knopfdruck! Der Hype nach dem neusten Modell wird in vielen Bereichen verschwinden. Der Focus wird vermehrt auf Qualität ausgerichtet sein, der stark personalisiert sein wird, da unsere persönlichen Körperdaten immer einfacher und detaillierter erfasst werden können. Ein weiterer Pluspunkt in der personalisierten Produkt- Kategorie wird sein, dass nur noch hergestellt wird, was auch verkauft wird.

In Zukunft wird es hoffentlich nicht mehr nötig sein, das Trikot einer Fussball-Nationalmannschaft, das für Tradition und Identifikation steht und kein individualisiertes Produkt ist, im Jahrestakt zu erneuern. Die Firmen werden merken: Wenn sich das Karussell zu schnell dreht, wird es vielen Kunden übel, was schlecht für das Geschäft ist…

Tipp:
Adidas Speed-Factory – Zentralschweiz am Sonntag 26.06.16

Meine «digitalen» Architektur-Magazine

Seit 2007 lese ich regelmässig das Blog-Magazin von John Hill «A Daily Dose of Architecture» – (Almost) daily architectural musings and imagery from New York City. Das Blog von John Hill war meine erste architektonische Informationsquelle im Internet. Als Architekt und New York-Liebhaber ein Muss!

Heute brause ich einmal wöchentlich – meistens am Samstagmorgen zu einem feinen Espresso – durch folgende sieben digitalen Architektur-Magazine: «A Daily Dose of Architecture», «architekturmeldungen.de», «Internet für Architekten», «architekturvideo.de», «ArchDaily», «BLDGBLOG» und selbstverständlich als Luzerner durch den «Architektur-Blog» auf zentralplus. Gelegentlich schaue ich auch bei «Dezeen» rein, so wie auch bei «Selekkt» – Marktplatz für junges deutsches Produktedesign.

Ein Blog-Magazin sollte einen einprägsamen Namen haben...
Ein Blog-Magazin sollte einen einprägsamen Namen haben…

«A Daily Dose of Architecture» ist ein Architekturblog-Magazin der ersten Stunde. John Hill betreibt sein Blog seit 2004, am Anfang noch als Student. Das Blog hat eine grosse Leserschaft mit Schwerpunkt New York. Zusätzlich schaut Hill auch immer wieder über den Tellerand hinaus und berichtet über Projekte, die nicht am Nabel der Welt realisiert werden. Tipp: Vor einer Reise in den Big Apple die aktuellen Posts von Hill checken.

Die drei Architektur-Webseiten von Eric Sturm stehen für drei verschiedene Schwerpunkte:
«architekturvideo.de» deckt den Bereich Architektur & Film ab. Alles was auf dem Netz relevant zum Thema Architektur & Film ist, steht auf dieser Seite sauber sortiert zum Schauen bereit. «architekturmeldungen.de» bietete eine Übersicht von Architektur-Webseiten im deutschsprachigen Raum. «Internet für Architekten» ist ein Online-Magazin zum Thema Büro-Marketing im Netz. Sturm, wohnhaft in Berlin, ist ein Urgestein in der Architektur-Blogger Gemeinschaft. Er publiziert seit 2003 regelmässig auf seinen drei Web-Kanälen.

Die Webseite «ArchDaily» berichtet seit 2008 über alles, was architektonisch auf dieser Welt von Relevanz ist. Nach eigenen Angaben – the world’s most visited architecture website. Von Zahlen wie 500’000 Besucher und 160 Millionen Seitenklicks pro Monat können die analogen Magazine nur träumen… «ArchDaily» stellt anhand von Fotos, Texten, Plänen und auch Interviews Projekte vor, berichtet über Events und arbeitet zudem mit der Pritzker Architecture Prize- Organisation zusammen. Es ist auch möglich, im webeigenen Store T-Shirts zu kaufen. Aus einem Hobby der beiden Gründer David Assael and David Basulto aus Chile, würde in kurzer Zeit einer der wichtigsten Web-Seiten im Bereich Architektur. «ArchDaily» ist eine Marke in der Architekturszene.

«BLDGBLOG» steht für Building Blog. Der in Brooklyn wohnhafte Geoff Manaugh betreibt sein Text- und Bilder-Blog seit 2004. Manaugh beschäftigt sich als Futurist mit der Zukunft. Als ehemaliger Herausgeber von Dewll, Gizmodo und Mitwirkender bei Wird UK ist er eine ausgewiesene Persönlichkeit im Bereich Design & Technologie. «BLDGBLOG» steht für Themen wie: «Architectural Conjecture, Urban Speculation und Landscape Futures». Manaugh bespricht alle diese Bereiche aus einem nicht ganz alltäglichen Blickwinkel. Jeder Post ein Trip! Neben dem Bloggen schreibt der Futurist auch Bücher: Bekannt ist das Buch «The BLDGBLOG Book» aus dem Jahr 2009, welches aus Aufsätzen und Bildstrecken aus seinem hervorragend gemachten Blog besteht. «A Burglar’s Guide to the City» ist sein neustes Werk; es ist seit April 2016 erhältlich.

Auf «zentralplus», dem Online-News-Portal der Innerschweiz, gibt es den «Architektur-Blog». «Im Architektur-Blog werden aktuelle Projekte aus Luzern und Zug verhandelt. Es dient Laien und Fachleuten als Diskussionsplattform und macht das regionale Bewusstsein für Baukultur öffentlich.» Gerold Kunz, Vater des Blogs, und Tanja Rösner-Meisser, sind die beiden Schreiberlinge. Kunz ist selbständiger Architekt ETH aus Ebikon, Kantonaler Denkmalpfleger von Nidwalden und Herausgeber der Architektuzeitschrift «Karton» und als Architekt BSA in der Architekturszene bestens vernetzt. Rösner-Meisser ist Architektin FH und arbeitet bei Aardeplan Architekten in Baar. Sie ist im Vorstand des Zuger Heimatschutzes. Das Blog hat sich in den letzen Jahren positiv entwickelt, speziell was die Bildqualität der Projekte betrifft. Die beiden sind gute Beobachter. Es ist ein kleiner Luxus, ein Blog dieser Art in der Zentralschweiz zu haben! Was dem Blog noch fehlt ist ein passender Name.

Die Online-Magazine sind für mich wichtige Informations- und Inspirationsquellen, und das eigentlich wichtigste: (fast) immer erreichbar. Ich persönlich möchte auf diese Art von Information und Inspiration nicht mehr verzichten…

Tipp:
Meine «analogen» Architektur-Magazine – Post vom 25. April 2016
Architektur im Web – Post vom 22. März 2009

Meine «analogen» Architektur-Magazine

Meine «analoge» Architekturinformation und -inspiration kommt vorwiegend aus folgenden fünf Magazinen, die ich alle abonniert habe: «Archithese», «Detail», «Karton», «Tec21» und «Werk, Bauen + Wohnen».

Mein Informationsverhalten hat sich stark verändert, einerseits erfahrungsbedingt, andererseits durch die neuen digitalen Möglichkeiten. Als ich 1990 als Architekturstudent das «Werk, Bauen + Wohnen» und «Detail» abonniert habe, freute ich mich auf jede Ausgabe und studierte vieles sehr genau. Heute muss ich gestehen, dass ich diese fünf Architekturpublikationen oft nur noch sehr oberflächlich durchblättere. Vieles kenne ich schon aus den digitalen Architekturquellen oder aus anderen Print-Publikationen.

0192blog 25.04.16Wenn mich heute ein Thema interessiert, habe ich auf Knopfdruck oftmals mehr Informationen als mir lieb sind. Die Informationsflut hat zugenommen, die digitale wie die analoge. Neben meinen fünf abonnierten Architekturzeitschriften bekomme ich noch weitere Publikationen mehr oder weniger regelmässig frei Haus (Büro): «Architektur & Technik», «Modulør», «Hochparterre» und die «db», nur um die wichtigsten zu nennen.

Der Kaffeepausentisch im Büro ist oft kaum noch sichtbar, belegt mit Architekturzeitschriften und Firmenpublikationen. Durch die vielen Informations-Möglichkeiten geht der Reiz, sich zu informieren, bei mir etwas verloren.

Die fünf Magazine, die ich abonniert habe, sind mit viel Engagement und Können produziert. Ich frage mich jedoch, wie lange eine «nur» analoge Form eines Architekturmagazins künftig überleben kann.

«Archithese» ist das offizielle Organ des FSAI, der ca. 150 Mitglieder hat. Daraus ist zu schliessen, dass dieses Magazin bei einer Auflage von 8’500 Exemplaren viele Abonnenten haben muss. «Archithese» setzt seit dem Relaunch im Herbst 2015 auf analog & digital. Mit der neuen App ist es als Abonnent jederzeit möglich, auf alle «Archithese»-Ausgaben Zugriff zu haben.

«Detail» – eine deutsche Publikation mit einer Auflage von 26’000 Exemplaren, ist im ganzen deutschsprachigen Raum verbreitet und selbst in New York in einer englischen Version in Architektur- und Kunst-Buchhandlungen erhältlich. Ein «Must» für jedes Architekturbüro.

«Karton» ist ein Architekturmagazin, das sich mit der Architektur im Alltag der Zentralschweiz auseinandersetzt. Die Auflage von 4’500 Exemplaren ist erstaunlich hoch, da sich das mögliche Potential für Abonnenten in der kleinen Innerschweiz in Grenzen hält. Was für Tageszeitungen gilt, ist auch in der Architektur eine Tatsache. Das Regionale ist von Interesse, gerade wenn es so professionell und erfrischend gemacht ist, wie das die Leute von Karton machen!

«Tec21» ist das offizielle Publikationsorgan des SIA, der sich aus den Berufsgruppen Architekten, Ingenieurbau, Technik und Umwelt zusammensetzt. Jedes Mitglied bekommt «Tec21» einmal wöchentlich. Abgegolten wird es mit dem jährlichen Mitgliederbeitrag. Der SIA hat etwas mehr 12’000 Einzelmitglieder, davon sind ca. 7’500 Architekten.

«Werk, Bauen + Wohnen» ist offizielles Organ vom BSA, der ca. 1000 Mitglieder hat. Die Auflage für das Magazin ist mit 6’500 Exemplaren angegeben. Was ich bei diesem Magazin vermisse, ist eine digitale Ausgabe, gerade auf Architekturreisen wäre das ein Mehrwert!

Ich denke, es führt kein Weg an einem Angebot vorbei, das das Analoge und Digitale verbindet. Speziell eine gute «digitale Suchfunktion» ist heutzutage unentbehrlich bei der Suche nach einem Artikel, in einer digitalen oder analogen Ausgabe. Ebenso sind wir uns gewohnt – speziell die jungen Architekten – alle Informationen immer und überall zur Verfügung zu haben, gerade wenn sie mit einem Abonnement bezahlt sind.

Die Valser haben «ihre Therme» einem Grössenwahnsinnigen verschenkt…

Nun ist es vier Jahre her, seit die Stimmbürger der Gemeinde Vals über «ihre Therme» abgestimmt haben. Es wurde über eine Vorlage abgestimmt, ohne genau zu wissen, welchen Wert das ganze Geschäft hat. Zum Verkauf stand die weltberühmte Therme von Peter Zumthor, inklusive Hotel, Wasser und Grundstücke – die Hotel – und Thermalbad Vals AG. Leider wurde nie offiziell eine externe Geschäftsprüfung durchgeführt, um den möglichen Marktwert des Hotel Therme zu bestimmen. Auch wurde kein offenes und transparentes Bieterverfahren durchgeführt. Unter solchen Umständen ist die Rolle der Entscheidungsträger höchst fragwürdig, es hätte so nie eine Abstimmung geben dürfen.

Die Therme wurde 1996 eröffnet und entwickelte sich sofort zu einem Ort mit Weltruf. Ab 1999 wurde der Hotelbetrieb den Bedürfnissen von kulturinteressierten Gästen nach und nach angepasst. Das Unternehmen florierte, investierte laufend und zahlte Schulden zurück. Trotz dieser Erfolge versuchte die Gemeinde als Eigentümerin der Hotel Therme, ab 2006 einen Co-Investor zu finden; einerseits suchte man zusätzliches Kapital für einen Hotelneubau, andererseits sollte dieser über Know-how in der Betriebsführung verfügen. Die Gemeinde sollte als Hauptaktionär Miteigentümerin bleiben. Beauftragt mit dieser Suche war der damalige Verwaltungsratspräsident Pius Truffer. Seine Bemühungen blieben ohne Erfolg. Im Januar 2010 wurde Truffer von der Gemeindekommission, die für das gemeindeeigene Unternehmen zuständig war, nicht wiederbestätigt. Er verliess im Groll das Unternehmen. Dem Ganzen war auch ein Disput mit Zumthors vorausgegangen. Die Begründungen für die Absetzung waren indes sachlicher Natur: Ein jahrelanges, nicht den Reglementen entsprechendes Doppelmandat als Co-Direktor und Verwaltungsratspräsident, Kompetenzüberschreitungen und Missmanagement. Ein neuer Verwaltungsrat wurde eingesetzt und sollte die Geschicke des Unternehmens im Sinne der Gemeinde Vals führen.

Im Sommer 2010 kontaktierte das kantonale Amt für Wirtschaft die damalige Gemeindepräsidentin und teilte ihr mit, dass man einen Investor zur Hand hätte. Der Name sollte vorerst geheim gehalten werden. Auf Insistieren der Präsidentin – ohne Namensnennung sei keine Verhandlung denkbar – wurde der Name genannt: Remo Stoffel. Die Gemeindepräsidentin sagte dem Amtsleiter und dem bereits vorinformierten neuen Verwaltungsratspräsidenten Stephan Schmid ab. Die Begründung war, dass wenn der Name Remo Stoffel bekannt würde, die Gemeinde gespalten werden könnte. Dies, aufgrund des Rufes von Remo Stoffel in der Gemeinde und darüber hinaus.

Im Herbst 2011 wurde ein neuer Anlauf genommen. Die Regierung des Kantons Graubünden unter Martin Schmid, seine Amtstellenleiter und der Verwaltungsrat teilten dem überrumpelten Gemeinderat mit, man habe ein super Angebot für das Hotel Therme: 1 Million Franken in bar und die Zusage zu einem Hotelneubau für 50 Millionen. Der Investor: Remo Stoffel. Anlässlich einer Präsentation vom Verwaltungsrat im September 2011 wurde den Einwohnern dieses komplexe Geschäft als einmaliges und sehr gutes Angebot für Vals verkauft. Bereits Anfang Oktober sollte im Beisein von Regierungsrat Martin Schmid darüber abgestimmt werden. Das Angebot war nicht durchschaubar und es war schnell klar, dass es sich um ein «unfriendly take-over» handelte. Die unter Druck gesetzte Gemeindepräsidentin konnte den fahrenden Zug jedoch nicht stoppen. In Windeseile suchte sie weitere Mitbieter, in der Hoffnung, so Stoffel hindern zu können. Auch wurde schnell klar, dass der Verwaltungsrat und weitere Amtsträger die Seite gewechselt hatten.

Die Sieben auch die Glückszahl von Stoffel? Mit 7 Prozent Stimmenunterschied, hat er die Gemeindeabstimmung über den Verkauf der Hotel Therme für sich entschieden. Die drei Hauptprotoganisten haben alle 7 Buchstaben in ihrem Namen. Und der symbolische Verkaufspreis der Hotel Therme berträgt 7’777’777 Millionen Schweizer Franken…
Die Sieben auch die Glückszahl von Stoffel? Mit 7 Prozent Stimmenunterschied, hat er die Gemeindeabstimmung über den Verkauf der Hotel Therme für sich entschieden. Die drei Hauptprotagonisten haben alle 7 Buchstaben in ihrem Namen. Und der symbolische Verkaufspreis der Hotel Therme berträgt 7’777’777 Millionen Schweizer Franken…

Somit gab es in der Folge zwei, die sich um das Hotel Therme stritten: Die eine Offerte kam von der «Stoffelpart»-Gruppe, mit Remo Stoffel als Kopf und ab Januar 2012 mit dem plötzlich wieder auf der Bildfläche auftauchenden Pius Truffer als Wahlkampfhelfer. Stoffel ist ein im Immobilienbereich tätiger Unternehmer, Geldgeber und gebürtiger Valser. Truffer ist Mitbesitzer des Steinbruches und zweitgrösster Arbeitgeber in Vals und hat somit viel Einfluss auf das Dorf. Und er hatte jahrelang eine wichtige Rolle im Hotel Therme gespielt. Der zweite Bieter war eine Gruppe um Peter Zumthor mit dem Namen «IG Therme Vals». Alle vier Mitstreiter wie auch Zumthor sind keine Valser…

Die Valser entschieden sich am 9. März 2012 – nach einem intensiv, zum Teil diffamierenden Wahlkampf und vielen Versprechungen – mit 7 Prozent mehr Stimmen für die Offerte von Stoffel. «Stoffelpart» versprach den Valsern ein Mehrzweckzentrum im Boda. Speziell die jungen Valser fühlten sich so angesprochen. Wo es Gewinner gibt, gibt es auch immer Verlierer: Die 43 Prozent der Valser, die sich für die Offerte der «IG Therme Vals» entschieden haben. Sie müssen nun zuschauen, wie aus einem gut laufenden Betrieb ein lächerliches Marketing-Architektur-Projekt gemacht wird. Die zwei Verantwortlichen Stoffel und Truffer, die sich als Visionäre der alpinen Tourismus-Industrie geben, haben leider keine Ahnung – genau wie viele Valser übrigens auch – warum die Therme so erfolgreich war.

Die Architektur von Peter Zumthor ist nur der eine Teil, warum das Hotel und Bad zu einem Erfolg wurden. Der andere Teil ist der Inhalt – die Software – wie Peter Zumthor sein Konzept des Autorenhotels umschreibt. Was passiert in den Räumen, welcher Inhalt wird geboten. Und genau dieser Teil verstand seine Frau Annalisa Zumthor als Hoteldirektorin und Gastgeberin von 1999 bis 2009  vorbildlich zu kultivieren. Sie bespielte das Haus mit lebendiger Kultur wie Lesungen und Konzerten.

Peter Zumthor erhielt 1999 den Nobelpreis für Architektur – den Pritzker-Preis – von welchem das Hotel Therme profitierte und womit ein Hauch von Noblesse nach Vals kam. Es verkehrten Persönlichkeiten aus Kultur und Prominenz im Hotel Therme. Die Popularität von Peter Zumthor und die umsichtige Führung des Hotels durch Annalisa Zumthor war eine einmalige Mischung, die weder planbar noch einfach wiederholbar ist.

Die Idee von Peter Zumhor und seinen Mitstreitern der «IG Therme Vals» war es, den Betrieb mit einem Hotelneubau zu ergänzen und so behutsam in die Zukunft zu führen. Vals hatte sich bis dato einen Namen geschaffen, als kleine aber feine Kultur-Destination in den Schweizer Alpen.

Dieser Name scheint nun verspielt, die Kulturtouristen wendeten sich von Vals ab. Vals verzeichnete in den Erfolgsjahren 2001 bis 2010 einen Durchschnitt von 135’000 Logiernächten pro Jahr. Seit 2011 bis heute ging die durchschnittliche Besucherzahl um mehr als 30 Prozent zurück. Mit den beiden grössenwahnsinnigen Projekten, mit denen sich Stoffel und Truffer mit dem etwas fragwürdigen Namen «7132» (Postleitzahl von Vals) einen Namen schaffen wollen, kann sich der Gast, der sich von der Idee von Annalisa & Peter Zumthor abgeholt fühlte, nicht mehr identifizieren. Die beiden dümmlichen Projekte, ein 381 Meter hoher Wolkenkratzer vom amerikanischen Architekt Thom Mayne und der Park «im Boda» mit einer Grösse von 40’000 Quadratmeter vom japanischen Architekten Tadao Ando, sind eine falsch verstandene Art, einen Ort mit grossen Namen aus der Architekturszene zu entwickeln. Von einem Park wie auch einem Wolkenkratzer war vor der Abstimmung seitens Stoffel & Truffer noch keine Rede… Die Valser haben die Katze im Sack gekauft!

Ein «falscher» Volksentscheid kann aus einer kleinen Kultur-Perle ein durchschnittliches Bündner Bergdorf machen – mit all seinen wirtschaftlichen Folgen für alle Valser…

Tipp:
SRF Rundschau vom 9. März 2016: Eskalation um Valser Luxusresort | Theke: Remo Stoffel

Sockelleisten – Ein kleines, aber feines Detail

Sockelleisten bilden den Übergang vom Boden zur Wand – sind Schnittstelle zwischen Horizontalen und Vertikalen. Übergänge und Schnittstellen sind in der Architektur Themen, die viel über das architektonische Verständnis eines Architekten preisgeben.

Der Sockel dient einerseits als Schutzverkleidung in einem Bereich, wo die Mauer gegenüber mechanischer Abnützung und Verschmutzung exponiert ist. Neben dem funktionalen Aspekt sollte dem Sockel in gestalterischer Hinsicht in der Schnittstelle zwischen Horizontalen und Vertikalen genügend Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Für das Haus «Sunnerain» in Hertenstein bei Weggis haben wir eine Sockelleiste entworfen, die den funktionalen Aspekt abdeckt, gestalterisch überzeugt und preislich in einem vertretbaren Bereich liegt. Die Dreifaltigkeit in der Architektur: Funktion, Schönheit und Ökonomie.

Sockelleisten in MDF weiss gespritzt: Tiefen 35 mm und 55 mm, Höhe 30 mm mit ausgefräster Schattenfuge 10 x 10 mm.
MDF-Sockelleisten weiss gespritzt: Tiefen 35 mm und 55 mm, Höhe 30 mm mit ausgefräster Schattenfuge 10 x 10 mm.

Die MDF-Sockelleisten sind an die Weissputzwand geklebt. Durch die zwei verschiedenen Tiefen von 35 mm und 55 mm entstehen spannende, perspektivische Effekte. Die 1 cm hohe Schattenfuge ist anthrazit ausgespritzt und bekommt dadurch Tiefe, was dem Sockel zusätzliche Eleganz verleiht.

Mit den Sockelleisten ist es wie mit den Schuhen: Sie sagen viel über den Besitzer aus…

Architektur-Wettbewerbe: So stellt sich eine faire Fachjury zusammen

Seriöse Konkurrenzverfahren sind für Bauherrschaft und teilnehmende Architekten mit erheblichen Kosten verbunden. Daher finde ich es wichtig, dass eine Fachjury sorgfältig ausgewählt wird. Nachfolgend meine Überlegungen für eine faire Auswahl der Fachjury:

Eine Fachjury hat mindestens aus drei Personen zu bestehen, die innerhalb des Entscheidungsgremiums die Stimmenmehrheit haben. Die Fachjurymitglieder müssen aus unabhängigen, anerkannten Fachverbänden sein.

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BSA: Bund Schweizer Architekten | FSAI: Verband freierwerbender Schweizer Architekten | SIA: Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein

Beispiel für eine Fachjury, bestehend aus 3 Mitgliedern:
1 x SIA ArchitektIn
1 x FSAI ArchitektIn
1 x BSA ArchitektIn

Beispiel für eine Fachjury, bestehend aus 5 Mitgliedern:
2 x SIA ArchitektIn
2 x FSAI ArchitektIn
1 x BSA ArchitektIn

Wenn zwei oder mehr ArchitektInnen aus dem gleichen Fachverband in einer Jury vertreten sind, müssen sie zwingend aus verschiedenen Ortsgruppen sein, um eine unabhängige Jurierung zu gewährleisten. Es darf kein Fachverband eine Stimmenmehrheit haben.

Viele Architekturwettbewerbe werden zu Recht durch die öffentliche Hand initiiert, Projekte wie Schulhäuser, Altersheime, Verwaltungsgebäude und andere werden in der Regel durch Wettbewerbe vergeben. Es geht also meistens um grössere lukrative Projekte. Gerade deswegen muss sichergestellt werden, dass keine Bevorteilung durch eine Fachverbandangehörigkeit möglich ist, da es sich um Steuergelder handelt.

Was ist Kunst?

Was ist Kunst? Ich stelle mir diese Frage schon länger immer wieder, da die Aussage «Ich bin ein Künstler» vielen Zeitgenossen schnell über die Lippen kommt…

Ich bin mit Joseph Beuys einverstanden: «Jeder Mensch ist ein Künstler». Nur müsste sich auch jeder Mensch ausreichend mit sich selber auseinandersetzen, um zu merken, wo seine künstlerischen Möglichkeiten liegen.

Was Kunst ist, ist nicht messbar. Und trotzdem ist der Begriff Kunst bezogen auf unsere Zeitepoche verortbar. Meines Erachtens sollten folgende Prämissen vorhanden sein, um dem Begriff Kunst gerecht zu werden:

– Einmaligkeit
– Schlüssigkeit

Die Aufzählung ist nicht abschliessend, zeigt dennoch die Richtung, wie sich Kunst – auch die fünfte Dimension genannt – in unserer heutigen Zeit definieren lässt. Der Begriff Kunst ist auf alles menschliche Tun anwendbar, das komplexe Strukturen auf eine überzeugende Art «darzustellen» vermag. Um etwas überzeugend darzustellen, sind die Erkenntnis, das Können, die Beobachtung und das Unbewusste/Bewusste (auch Musse genannt) unverzichtbare Voraussetzungen im Prozess zur Kunst. Wer wird diesen Prämissen gerecht:

Steve Jobs
Thomas Bernhard
Andy Warhol
Pink Floyd
Peter Zumthor
Philippe Petit
Benoît B. Mandelbrot

Die Liste ist nicht vollständig und vor allem sehr persönlich geprägt. Zeigt jedoch den Massstab, um dem Begriff Kunst gerecht zu werden.

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Das Wort Kunstakademie finde ich unglücklich; ein irreführendes Wort, eine Worthülse, mit der manchem Studierenden eine Last auferlegt wird, an der er früher oder später oftmals zerbricht. Kunst lässt sich nicht an einer Schule lernen, die Essenz der Kunst liegt im Menschen, kann jedoch durch Impulse von aussen wie an einer Schule für Gestaltung, um bei der Bildenden Kunst zu bleiben, gefördert werden.

Auf dem Thron der Kunst hat es nur für wenige Platz. Überdurchschnittliches Können eines Meisters ist nicht zu verachten, muss jedoch nicht immer Kunst sein…

Tipps:
Was ist Kunst? | Herausgeber Fondation Beyeler | Hatje Cantz Verlag
Die Wirkung von schlechter «Architekturluft» auf unser Unterbewusstsein Post 08. 02.11
Ist doch Geschmacksache… Post 18. 05. 08

Das virtuelle «3D-Gemeindevolumenmodell» – Grundlage für künftige Planungen!

Die Zukunft ist jetzt! Google Maps & Smart Maps machen es vor, wie man sich heute im virtuellen Raum bewegen kann.

Das virtuelle 3D-Modell von Landschaften, Dörfern und Städten wird in Zukunft für die Darstellung von neuen Projekten im Kontext von bestehenden Landschaften und Bauten eine nicht mehr wegzudenkende Rolle einnehmen.

Für die Ortsplanungsrevision der Gemeine Wolhusen benützen wir* ein «3D-Gemeindevolumenmodell», das die Topografie und alle bestehenden und auch geplanten Gebäude abbildet.

Wolhusen: virtuelles 3D-Volumenmodell (Planteam S, Luzern)
Wolhusen: virtuelles 3D-Volumenmodell (Planteam S, Luzern)

Das 3D-Modell wurde vom Planteam S aus Luzern aus den Geodaten der Schweizerischen Landesvermessung aufbereitet.

Mit diesem virtuellen 3D-Modell (siehe Video 1.25 Min.) ist es möglich, neue Gebäude als Volumen darzustellen, zusätzliche Geschosse von Gebäuden ein- und auszublenden, in den Strassenraum zu stehen, den Strassenraum auf Augenhöhe zu betrachten, um so den bestehenden und den neu geplanten Strassenraum virtuell zu vergleichen, damit dann hoffentlich die «richtigen» Schlüsse für mögliche zukünftige baulichen Veränderungen gezogen werden.

In der Gemeinde Wolhusen müssen heute neue Projekte in einer ersten Phase – betrifft in einem ersten Schritt nur die Kernzone – als virtuelle 3D-Volumenmodelle mit der Fachkommission Architektur besprochen werden. Das hat den grossen Vorteil, das der planende Architekt sich städtebaulich ohne all zu grossen Aufwand schnell einen Überblick verschaffen kann, was machbar ist in einem bestimmten Gebiet.

Aus dem virtuellen 3D-Datenmodell kann heute zusätzlich relativ einfach mit einem 3D-Drucker ein physisches 3D-Modell generiert werden, was für eine vertiefte Diskussion für anspruchsvollere Gebiete unerlässlich ist.

Die Schweiz wird sich in den nächsten Monaten bezüglich «3D-Gemeindevolumenmodell» rasant entwickeln, und daraus werden ganz neue planerische Möglichkeiten entstehen, welche hoffentlich eine weniger paragraphenlastige Architektur ermöglicht.

Gute Architektur kann besser über ein Modell entwickelt werden, als durch unzählige Baugesetzartikel, die oftmals gute Lösungen verunmöglichen…

* Schnieper Architekten sind Mitglied der Fachkommission Architektur, in Wolhusen

Tipps:
Smart Maps: Intelligente 3D-Karten für die Stadtplanung der Zukunft (architekturvideo.de)
«The Stigler House» aus der Sicht eines Vogels Post vom 27. 08. 2013
Google Earth und die fünfte Fassade… Post vom 08. 01. 2009

Nach den Architektur- und Olympia-Spielen…

Olympic Realities, Birkhäuser Verlag
Olympic Realities, Birkhäuser Verlag

Architektur & Olympia – ein Gespann mit langer Geschichte. Ein Beispiel der Superlative in jüngerer Zeit waren natürlich die Sommer-Spiele in Beijing 2008.

China stellte sich über die Olympischen Sommerspiele mit grossartiger Architektur der Welt als moderne Gesellschaft vor. Doch was passierte nach knapp drei Wochen mit den vielen Sportstätten, welche mit grossem Aufwand realisiert wurden? Dieser Frage ging der Fotograf Bruno Helbling aus Zürich im neu erschienenen Buch «Olympic Realities» nach, in welchem er sechs ehemalige Olympia-Städte fotografisch dokumentiert: Athen (1896, 2004), Berlin (1936), Sarajevo (1998), Turin (2006), Peking (2008) und Sotschi (2014).

Ein Buch, das beim Durchblättern nachdenklich stimmt; ungenützte Sportstätten, die vor sich hin altern… Einige wenige werden genutzt, was jedoch eher die Ausnahme ist. Die Fotos von Bruno Helbling machen den Grössenwahn und die vielen Fehlplanungen auf ästhetische Art und Weise sichtbar.

Beijing Olympia Zirkus... Foto: © Bruno Helbling
Beijing Olympia Zirkus… Foto: © Bruno Helbling – Olympic Realities

Text-Essays von ausgewiesenen Kennern der jeweiligen Städte wie Werner van Gent, Peter Dittmann, Ahmed Buric, Francesco Pastorelli, Barbara Lüthi und Martin Müller ergänzen die Bilder.

Das Buch ist ein MUST für jeden Architekten. Die Diskussionen um zukünftige Olympische Spiele haben erst begonnen. Sportstätten zu bauen, welche nur drei Wochen genutzt werden, können und sollten wir uns nicht mehr leisten… Architekten, die sich zukünftig an solchen Projekten beteiligen, haben nicht viel begriffen – und nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung nicht wahr!

Tipps:
Ikonenarchitektur… Post vom 18. Mai 2010
Ein Nest ohne Vögel… Post vom 16. Mai 2009