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Zu Gast bei “Ede”

11. Mai 2012 von Juliane Reuther  l  1 Kommentar

Vor einigen Wochen stürzte ich mich in die Planung für unseren diesjährigen Büroausflug. Die Wahl des Ausflugsziels kam nicht von ungefähr. Immerhin habe ich bereits einige Zeit in dieser Stadt verbracht und denke oft an ihre Vielfältigkeit, ihren Geruch und ihre versteckte Schönheit, an ihre kauzigen aber einzigartigen Bewohner, die durch ihre unverblümte Direktheit einen ganz speziellen Charme versprühen. Das Ziel war also unverkennbar Berlin. Bereits während der Recherche für das 3-Tagesprogramm eröffneten sich ungeahnte und vor allem unzählige Möglichkeiten. Das Programm in nur drei Tage Reisezeit zu pressen, war eine grosse Herausforderung. Immer wieder sind Programmpunkte dazu gekommen oder von der Liste verschwunden, haben sich wieder eingeschlichen, um dann doch wieder verworfen zu werden. Nachdem das Programm stand und wir vom Basler Flughafen Richtung Berlin steuerten, machte sich bei unserer kleinen Reisegruppe eine überraschende Vorfreude breit. Und als dann über die Lautsprecher im Flugzeug die Durchsage „Willkommen im sonnigen Berlin“ erklang, begann unser Architekturmarathon durch die Hauptstadt. Wir absolvierten täglich einen fast 20 km umfassenden Stadtspaziergang durch Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Friedrichshain, Mitte, Charlottenburg und Moabit, um nur die wichtigsten Gebiete zu nennen. Zu den Anlaufpunkten gehörten neben den Klassikern wie dem Neuen Museum, einigen besonders hervorstechende Botschaftsbauten, dem Bebelplatz, dem Jüdischen Museum und dem Fernsehturm auf dem Alexanderplatz auch einige verborgene Schätze, wie das Tacheles Areal, Clärchens Ballhaus und die Ruine des Franziskanerklosters. Wir durchstreiften einige der vielen Siedlungen der Moderne, von Architekten wie Mies van der Rohe, Bruno und Max Taut, sowie das Hansaviertel, als auch alte Markthallen voller Charme und natürlich aktuelle Neu- und Umbauten, welche die Vielseitigkeit der Berliner Architekturgeschichte fortschreiben.

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Siedlung Schillerpark - Erstes großstädtisches Wohnprojekt von Bruno Taut 1924-30

Unzählige Eindrücke machten sich breit, positive, humorvolle aber auch bedrückende, wie sie die Berliner Geschichte mit sich bringt. Der Umgang mit dieser bewegten Geschichte ist in Berlin besonders schwierig händelbar und doch auf eine feinfühlige und eindrucksvolle Weise umgesetzt worden. Wenn man sich auf diese Reise in die Geschichte einlassen möchte, kann man sie mit jeder Pore spüren und wird förmlich mitgerissen von den vielen Schicksalen, die sich diese bewegte Zeit teilen. Eine neutrale Zusammenfassung unserer Reise zu schreiben, ist für mich kein leichtes Unterfangen. Die 3,5 Millionen Stadt lässt sich nur schwer in we­nigen Worten beschreiben, da sie immer wieder neue Facetten zeigt, jeder Besuch ein wenig anders ist und jeder eine andere Beziehung zu ihr aufbaut. Unumstritten ist jedoch der Charme dieser Stadt zwischen Metropole und Kleinstadtidyll, zwischen urbanen Bebauungen und verträumten grünen Inseln, zwischen Berliner Charisma und internationalem Flair. Auch Kulinarisch lässt sich die Palette kaum auf wenige Farbtöne begrenzen und bietet von der einfachen Currywurst bis zum Champagner Diner alles was das Herz begehrt. Jeder einzelne Stadtteil zeigt sich von seiner sich eigenen Seite, so dass man, egal in welcher Stimmung, einen Wohlfühlort findet, an dem man die Seele baumeln lassen kann oder sich mitreissen lassen kann von seiner Umgebung. Ich hoffe, ich konnte unserer kleinen Reisegruppe einen Teil meiner Faszination für Berlin und seiner tausend Gesichter weitergeben und hoffe, es war für sie nicht der letzte Besuch gewesen.


Ai Weiwei — 4 Blogbeiträge zum Thema Architektur

11. April 2012 von Patrick J. Schnieper  l  1 Kommentar

Letztes Jahr im August besuchte ich im Fotomuseum Winterthur die Austellung «Interlacing» von Ai Weiwei. Ich war sofort fasziniert von der künstlerischen und politischen Kraft seiner Werke. Ein «Kunst-Politiker», der weit über den Tellerrand hinausschaut… Und mit den neuen Medien genauso virtuos umgehen kann wie mit der archaischen Architektur.

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Ai Weiwei in seinem Studio in Peking 2010.

Im Buch zur Austellung «Interlacing» sind Blogbeiträge von Ai Weiweis weltbekanntem Blog ins Deutsche übersetzt, zu Themen wie Politik, Kunst, Philosophie und Architektur. Nachfolgend vier Blogposts aus dem Buch zum Thema Architektur:  Architektur und Raum / Ideale Städte und Architekturen gibt es nicht / Gewöhnliche Architektur / Einige Gedanken über zukünftige Städte. Alle vier Blogbeiträge sind zwischen 2006 und 2009 entstanden. Im Fruhjahr 2009 wurde sein viel beachteter Blog von den chinesischen Behörden stillgelegt.

Nach der Beschäftigung mit seinen Schriften kommt man nicht nur als Architekt zu dem Schluss, dass lebenswerte Architektur eine wichtige Grundlage für eine gesunde Gesellschaft ist: Siehe auch mein Blobeitrag vom 8. Februar 2011 - Die Wirkung von schlechter «Architekturluft» auf unser Unterbewusstsein

Aktuell: Ai Weiwei bespitzelt sich jetzt selbst


Sanierung Schulhaus Krauer in Kriens

14. März 2012 von Patrick J. Schnieper  l  Kommentar hinzufügen

Die Sanierungsarbeiten am Schulhaus Krauer in Kriens wurden letzten Herbst abgeschlossen. Sie dauerten drei Jahre, da nur während der Sommerferien gearbeitet werden durfte. Siehe auch Blog-Beiträge vom 16. Febraur 2009 und 3. November 2009. Zusätzlich wurden die ganzen Sanierungsmassnahmen durch den unerwarteten Nutzerwechsel um ein Jahr verzögert. In der Startplanung ging man von einem Primarschulhaus aus, nach der ersten Sanierungsetappe 2009 kam der Wechsel zum Oberstufenschulhaus. Seit Herbst 2011 ist nun die «Sportschule Kriens» mit sechs Klassen im Schulhaus Krauer untergebracht.

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Nordwestfassade - Foto Marco Homberger, Luzern / Berlin

Durch die Bereitschaft der Gemeinde Kriens und der beteiligten Ämtern über den Tellerrand hinaus zu schauen, ist das Schulhaus Krauer ein gutes Beispiel, wie mit einer intakten Bausubstanz umgegangen werden kann, siehe Fotos Vor- und Nachher von Marco Homberger. Es braucht von Seiten der Behörden Personen, welche das nötige architektonische und kulturelle Verständnis mitbringen, um Aspekte wie Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft bzw. Sozialverträglichkeit in die Planung differenziert einzubeziehen.


The Fine Art of Crema Espresso…

20. Februar 2012 von Patrick J. Schnieper  l  1 Kommentar

Seit Anfang Dezember 2011 haben wir in unserem Büro eine Olympia Maximatic Kaffeemaschine, eine halbautomatische Zweikreis-Kolben-Maschine. Genügend Zeit also, um Erfahrungen zu sammeln:

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Vorab: Die Kaffeequalität ist phänomenal! Zeit, Erfahrung und Musse sind notwendig und Voraussetzungen für einen feinen Crema Espresso. Die gleichen Zutaten wie für gute Architektur. Das Zubereiten des Kaffees ist kein Nespresso-Quickie!

Das Kaffee machen und das Geniessen ist jedes Mal ein kleines Ritual. Kleinste Veränderungen im Mahlgrad, beim Andruck mit dem Tamper oder der Luftfeuchtigkeit haben Auswirkung auf die Crema Espresso Qualität. Diese kleinen Veränderungen zu beobachten und zu geniessen, machen das Kaffeetrinken zu einer Leidenschaft.

Wer gerne sehr guten Crema Espresso trinkt und Espresso-Kaffee nicht mit «Expresso Kaffee» verwechselt, wird mit einer Olympia Maximatic, in Glarus hergestellt, lebenslänglich glücklich und wird es fortan schwierig haben, in einem Restaurant einen Kaffee zu bestellen…

Kaffeetipp: Spielhofkaffee Glarus - Kaffeemischung San Andrea


Wann ist ein Haus ein Hochhaus?

22. Januar 2012 von Patrick J. Schnieper  l  1 Kommentar

Wann ein Gebäude als Hochhaus empfunden wird, ist immer eine Frage des Massstabes und des städtebaulichen Kontextes.

Die St. Patrick’s Cathedral in New York City wirkt von aussen klein, fast wie eine Kapelle, zwischen den Hochhäusern in Midtown Manhattan. Man hat nie das Gefühl, dass diese Kirche hoch ist zwischen den vielen Hochhäusern. Dieses Empfinden ändert sich schlagartig beim Betreten der Kirche. Die dreischiffige neugotische Kirche bietet Platz für 2′400 Menschen, ist 123 Meter lang und 53 Meter breit. Wie kann es sein, dass eine 101 Meter hohe Kirche als nicht gross empfunden wird von aussen? Das nahe gelegene Rockefeller Center ist mehr als doppelt so hoch, und es ist nicht das einzige Gebäude in der näheren Umgebung der Kirche, welches so hoch ist. Für die meisten Betrachter ein ungewohnter Anblick, dass die Kirche das kleinste Gebäude ist, was unser gewohntes Massstabsgefühl irritiert, und unsere Erfahrung sagt, das kann keine Kirche sein… Eventuell ist es eine Kapelle. Selbst eine über hundert Meter hohe Kirche wird nicht als grosses Gebäude wahrgenommen, wenn die umliegenden Häuser deutlich höher sind.

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An der Fifth Avenue in NYC: St. Patrick’s Cathedral und rechts das Luxus-Einkaufshaus Saks.

Umgekehrt wird der ca. 20 Meter hohe Renaissance-Portikus der Basilika Sant’Andrea in Mantua/Italien als überdurchschnittlich hoch wahrgenommen. Warum? Wer schon durch die schmalen Gassen in Mantua spaziert ist und plötzlich auf dem relativ kleinen Platz vor der Kirche steht, kennt das Gefühl; die Eingangsfassade wirkt in ihrer Höhe und Breite gewaltig. Die Fassade sprengt in ihrer Höhe den gewohnten Massstab um das Doppelte. Auch der Platz vor der Basilika, verglichen mit den schmalen Gassen, wirkt gross. Der Platz und die Höhe der Eingangsfassade sind grösser und höher als das durchschnittliche Gebäude in der Altstadt von Mantua, was die Kirche grösser erscheinen lässt, als sie tatsächlich ist.

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Die Basilika Sant’Andrea in Mantua von Leon Battista Alberti.

Ob ein Haus ein Hochhaus ist, lässt sich nicht über Stockwerke oder Meter definieren; es ist eine Frage der Massstäblichkeit eines Ortes, welcher über den grössten gemeinsamen Nenner definiert ist.


«Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder» – Die Veränderung der Landschaft

18. Dezember 2011 von Patrick J. Schnieper  l  1 Kommentar

Unter dem Titel «Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder» erschien im Jahr 1973 vom Schweizer Künstler Jörg Müller die Bildermappe für Kinder zur Veränderung der Landschaft.

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Die sieben Illustrationen zeigen eine fiktive Landschaft in verschiedenen Jahreszeiten, welche sich in nur 20 Jahren völlig verändert. Die Veränderungen scheinen in den ersten zwei, drei Bildern unbedeutend. Spätestens jedoch das vierte Bild, die Winterlandschaft, führt einem vor Augen, dass die vielen kleinen Veränderungen einen grossen Einfluss auf das Landschaftsbild haben können… Die liebevoll gestalteten Zeichungen, mit vielen kleinen Details ausgestattet, laden den Betrachter ein, genauer hinzuschauen.

Jörg Müller war einer der ersten, der die rasante Veränderung der Landschaft auf eindrückliche Art sichtbar machte, in einer Zeit, wo Kritik am Fortschrittsglauben am Anfang stand.

Im Jahr 1973 war ich 6 Jahre alt; ich kann mich noch sehr gut an diese Bilderserie erinnern. Ich bestaunte die Bilder immer wieder, und schaute mir die kleinen Veränderungen in der Landschaft an. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich das erste mal in meinem Leben bewusst beobachtet und verglichen… Das idyllische Haus erinnerte mich an die Villa Kunterbunt von Pippi Langstrumpf. Ich wuchs in einer Umgebung auf, wo immer gebaut wurde, und war daher fasziniert von der Bauerei. Trotzdem stimmte mich das Bild Nummer sechs traurig, als die Villa Kunterbunt abgerissen wurde…

Für mich sind diese sieben Illustrationen aktueller denn je  –  und sicher ein schönes Weihnachtsgeschenk für Kinder!

Verlag Sauerländer: «Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder»