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ArchitekturCumulus


Herzog & de Meuron: «Legohochhaus» in Tribeca New York

23. Oktober 2014 von Patrick J. Schnieper  l  Kommentar hinzufügen

blog 56 leonard01Die Basler Architekten bauen natürlich auch in Manhattan. Das erste Projekt war ein «kleineres» Apartment Gebäude an der 40 Bond Street. Aktuell wird eifrig an einem stattlichen Hochhaus mit 60 Stockwerken und 146 Luxus-Wohnungen mit dem Namen 56 Leonard Street im Süden von Manhattan gebaut. Der Start verlief harzig: Im Herbst 2008 wurde die Sales & Design Gallery an der 75 Leonard Street eröffnet, die ich mit dem Fotografen Alex Kayser am Abend des 28. Septembers 2008 zufällig besichtigen durfte… Ein Nachtwächter öffnete uns die Tür und zeigte uns voller Stolz den ganzen Showroom! Eine eindrückliche Verkaufs-Location.

Der Baustart war dann 2009. Die Arbeiten dauerten nicht lange; nach den Fundationsarbeiten wurde der Bau wegen der Rezession eingestellt. Diesen September, als ich für drei Wochen am 211 West Broadway und Franklin Street wohnte, eine Strasse nördlich von der Leonard Street, konnte ich jeden Tag zuschauen, wie am «Legohochhaus» die ersten Fenster und Glas-Balkonbrüstungen von Wohnungen über den Sockelnutzungen montiert wurden, jede Woche ein Geschoss.

Charakteristisch für den architektonischen Ausdruck sind die auskragenden Balkone und Erker, welche in unregelmässigen Lagen und Abständen angeordnet sind. Die Unregelmässigkeit der beiden auskragenden Gebäudeteile nimmt mit zunehmender Gebäudehöhe zu. Ein weiteres gestalterisches Element sind die Sichtbeton-Decken in unterschiedlichsten Stärken, die von innen nach aussen durchlaufend ausgeführt sind. Die konkave Formgebung der Beton-Deckenstirnen ist nur aus sehr kleiner Entfernung erkennbar. Neben Beton ist Glas das zweite markante Element, das gleichzeitig die Wohnungs- und Balkonbegrenzung bildet.

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Das Thema Balkon bekommt mit diesem Hochhhaus eine ganz neue Dimension. Normalerweise haben Häuser mit einer Gebäudehöhe von über 300 Metern Höhe keine Balkone. Dazu sind die Balkonbrüstungen dreiseitig aus Klarglas.

Die äussere Erscheinung des Hochhauses ist in meinen Augen nicht besonders gelungen. Die vielen unregelmässig nach aussen laufenden Betonplatten wirken unfertig und fragil. Eine klare Struktur, die dem Haus Ruhe und Kraft geben würde – zwei Elemente, die ein gutes Hochhaus ausmachen, fehlt. Die Fassadenreinigung mit den vielen zufällig vorspringenden Gebäudeteilen dürfte nicht ganz einfach werden. Auch die hochglanzpolierte, organisch geformte und in den Eingangsbereich gedrückte Chromstahl-Skulptur von Anish Kapoor, die in einem starken Kontrast zur geometrischen Architektur von Herzog & de Meuron steht, kann nicht wirklich überzeugen.

Die unregelmässige geometrische Struktur des Hochhauses erinnert an Legosteine, die von einem Kind zufällig und ohne Plan gestapelt wurden, bis der Turm schliesslich kippt. Die Wohnungen sind bis auf zwei alle verkauft, zu einem Quadratmeterpreis von 30’000 Franken. Der Markt hat bekanntlich ja immer recht… Was braut sich da am Börsenhimmel zusammen?


«Intelligentes Bauen» Werkschau – Schnieper Architekten

26. September 2014 von Patrick J. Schnieper  l  Kommentar hinzufügen

Die Fachzeitschrift «Intelligentes Bauen» publiziert in ihrer Rubrik Werkschau, im September 2014, einen Beitrag über unser Büro. Auf einer Doppelseite hatten wir die Möglichkeit uns, unsere Arbeitsweise und drei von uns realisierte Projekte vorzustellen.

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Die Fachzeitschrift ist auch online unter «Intelligentes Bauen» verfügbar.


Best Architects – Architekturschau in der Kornschütte Luzern

19. August 2014 von Juliane Reuther  l  Kommentar hinzufügen

In der Architektur geht es stets um ein bewusstes oder auch unbewusstes Bemessen von Fakten, Ideen und Prämissen, sowie um das sich anschliessende Ordnen, Filtern und Bewerten.

Ob es sich dabei um den Entwurfsprozess, das Erstellen eines Baugesuchs oder das Resümieren von zukünftigen und / oder bestehenden Bauwerken handelt, ist dabei nicht ausschlaggebend. Alles in der Architektur ist einer direkten oder indirekten Bewertung von Einzelnen oder Gruppen unterlegen.

Diese Bewertungen können unter anderem fachlich über die Konstruktion, die Materialisierung oder auch die Funktion erfolgen, als auch über rein ästhetische oder persönliche Vorlieben und Interessen. Bei Architekturwettbewerben sind die Bewertungskriterien meist gefasster als beim persönlichen Werten des Architekten, des Nutzers oder des Betrachters. Aber auch hier gibt es kleinere Varianzen in der subjektiven Wertung der Lösungsvorschläge zu den gestellten Wettbewerbsaufgaben. Im Grossen und Ganzen unterliegt die Prämierung aber dennoch fachlichen Kriterien, welche durch eine Sachverständigen-Jury vorgenommen wird.

Die momentan in der Kornschütte Luzern präsentierten Arbeiten der Wanderausstellung „Best Architects“ sind unter anderem aus Wettbewerben hervorgegangene Projekte des deutschsprachigen Raums und vermitteln so einen quasi Überblick über aktuelle Bauaufgaben und Entwurfslösungen. Zum nicht ganz fassbaren Thema „little daily wonders“ wurden 450 verschiedenste architektonische Projekte eingereicht, 115 davon, wurden mit dem Titel „Best Architects“ prämiert und gegen einen Obulus aufwendig dokumentiert und publiziert.best architects

Die Ausstellung repräsentiert einen vielfältigen aber keinesfalls alleinig hochstehenden Querschnitt durch das Architekturschaffen im deutschsprachigen Raum. So finden neben ausdrucksstarken Einfamilienhäusern, skulpturale Innenarchitekturen oder monumentale Brückenbauten ihren Platz in der Ausstellung. Auch wenn der Nutzen einer solchen Architekturauszeichnung immer wieder hinterfragt wird, ist die Ausstellung in der Kornschütte eine gelungene Architekturpräsentation über die Schweizer Grenzen hinaus in einem beeindruckenden baulichen Rahmen, die es zu entdecken lohnt.

Die Ausstellung kann noch bis 31.08.2014, Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr  und Samstag, Sonntag und Feiertags 10 bis 16 Uhr in der Kornschütte Luzern besucht werden.

Tipp:
NZZ Artikel vom 05. Juni 2014 «Der Best Architects Award 2014 - Vergoldete Bauten»


Olivetti Showroom in Venedig – Vorbild für die Apple Flagship Stores?

14. Juli 2014 von Patrick J. Schnieper  l  Kommentar hinzufügen

Ende Mai dieses Jahres führte unser Reunion-Ausflug nach Venedig, unter dem Motto: Auf den Spuren der Architektur-Seminarwoche von 1995.

Wir hatten die Gelegenheit, durch August Keller, Leiter Messebau, Pavillon und Museumsbau der Firma Nüssli, eine Woche vor Eröffnung der Architektur-Biennale Einblick in die letzten Vorbereitungen der verschiedenen Länder-Pavillons zu bekommen. Die Architektur-Biennale wird vom Holländer Rem Koolhaas kuratiert und steht unter dem Leitgedanken «Fundamentals». Mich konnte der Inhalt der einzelnen Länder-Pavillons nur wenig überzeugen, einzig der Hauptpavillon hatte ein gewisses Potenzial. Was mich hingegen total überzeugen konnte, war der aus dem Dornröschenschlaf erwachte und 2011 fertig renovierte Olivetti Showroom von Scarpa an der Piazza San Marco!

Die markante Steintreppe im kleinen ehemaligen Olivetti Showroom in Venedig erinnert mich neben vielen anderen Details sofort an den Apple Store im SoHo in New York, der im Sommer 2002 eröffnet wurde. Der italienische Architekt Carlo Scarpa gestaltete 1957/58 den wohl schönsten Olivetti Showroom, der durch seine moderne Eleganz – wie alle Olivetti Produkte aus jener Epoche – dem Zeitgeist voraus war und bis 1997 betrieben wurde.

blog_olivetti storeDie grossen Schaufenster, das einladende Entrée, die im Verhältnis zum Raum grosszügige und markante Treppe, welche ins Galeriegeschoss führt und das Eingangsgeschoss über das Atrium räumlich verbindet, sind architektonische Elemente, die Apple ebenfalls in vielen Flagship Stores anwendet.

Die Treppe – das zentrale architektonische Element sowohl im Apple Store an der Prince Street in NYC wie auch im Olivetti Showroom in den Prokuratien an der Piazza San Marco in Venedig – besticht durch grosse architektonische Qualitäten. Letztere eine Skulptur von Treppe aus weissem Marmor, welche trotz der Dicke der einzelnen Stufen zu schweben scheint. Unbewusst kann man diese Treppe nicht begehen: Der Weg ist das Ziel! Das Gleiche gilt für die freischwebenden Glastreppen in den Apple Stores. Steve Jobs lies die Glastreppen, die in Deutschland hergestellt werden, patentieren. Zwei verschiedene Materialien, das gleiche Ziel.

Auch bezüglich der Materialisierung sind die beiden Ladenkonzepte vergleichbar: Holz, Metall, Glas und Stein. Jedoch vermögen die Apple Stores bezüglich Sinnlichkeit nicht mit dem von Carlo Scarpa gestalteten Olivetti Store mitzuhalten. Details wie der Boden im Eingangsgeschoss, der aus vier verschiedenen Farben Muranoglas-Mosaik besteht und von Bildmotiven inspiriert sind, welche von Paul Klee sind, gibt es in den «cleanen Verkaufstempeln» von Apple nicht. Da ist noch Luft nach oben!

Dass sich Steve Jobs vom Olivetti Showroom-Konzept in Venedig inspirieren liess, ist nicht von der Hand zu weisen: Der Olivetti Showroom in Venedig war bis 1997 in Betrieb… 2002 eröffnete der Apple SoHo Store in Manhattan. Dass Apple es versteht, genau die richtigen Dinge zu kopieren und oft auch besser zu machen, ist auch nichts Neues… Nur dieses Mal ist das Original besser. Wenn auch nur noch ein Museum!

Tipps:
Fondo Ambiente Italiano: Negozio Olivetti
NZZ: Entstaubt – Carlo Scarpas Olivetti-Showroom in Venedig glänzt wieder
Cool Hunting: Carlo Scarpa’s architectural feat restored to glory as Venice’s newest museum


FIFA WM-Ball: Design Evolution 1970- 2014

12. Juni 2014 von Patrick J. Schnieper  l  Kommentar hinzufügen

Im heutigen Startspiel der Fussball-WM in Brasilien wird mit dem WM-Ball «Brazuca» in den Farben Blau, Grün, Orange und Rot gespielt. Bis und mit 1966 wurden an Fussball-Weltmeisterschaften nur braune oder rötliche Lederbälle verwendet. Erst an der WM 1970 in Mexico wurde der erste schwarz-weisse Fussball mit dem Namen «Telstar» von Adidas eingesetzt. Die letzten 44 Jahre WM-Ball Designentwicklung kann in drei Phasen aufgeteilt werden: 1970 bis 1974, 1978 bis 1998 und 2002 bis heute.

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FIFA WM-Bälle: 1970 «Telstar», 1978 «Tango» und 2014 «Brazuca»

Der «Telstar»-Ball, offizieller WM-Ball 1970 und 1974, mit dem markanten Schwarz-Weiss-Design, gehört zur ersten Generation von Fussbällen, bei denen der Gestaltungsleitsatz «form follows function» überzeugend umgesetzt wurde. Die monochrome Gestaltung des Balls wurde gewählt, damit der Ball gut am Fernsehen zu sehen war, da die meisten TV-Zuschauer nur Schwarz-Weiss-Geräte hatten. Der Ball bestand aus 20 weissen Sechs- und 12 schwarzen Fünfecken und wurde mit seinem Aussehen zum Inbegriff des Fussballs. Einzig die braune Beschriftung erinnerte noch an das Material Leder, woraus er immer noch bestand. Das Design der «Telstar»-Bälle und die dazupassenden schwarzen Leder-Fussballschuhe mit den drei weissen Streifen hat der Marke Adidas zum weltweiten Durchbruch verholfen, als innovativen Sportartikelhersteller wahrgenommen zu werden, der es verstand, Sportartikel als Lifestyle-Produkte in grossen Massen zu verkaufen.

Die zweite Phase der Adidas Fussball-WM-Ball-Entwicklung wurde mit dem «Tango» eingeläutet, der für die WM’78 in Argentinien entworfen wurde. Der «Tango» bestand ebenfalls wie auch der «Telstar» aus einer Wabenstruktur, die sich aus 12 Pentagons und 20 Hexagons aus Leder zusammensetzte. Neu waren die 20 aufgedruckten, gleichgrossen Kreise, die den Ball markant runder erscheinen liessen. Jedes der zwölf weissen Fünfecke ist umgeben von fünf sechseckigen Lederpolygonen, bedruckt mit drei schwarzen Kreisbogen in konvexer Form, welche den fünften Teil eines Kreises abbilden. Fussball-Kugel-Geometrie in Perfektion.

Die aktuelle Phase der Ball-Designentwicklung begann mit dem Ball «Fevernova» für die WM 2002 in Korea/Japan. Der Ball bestand immer noch aus 20 Sechs- und 12 Fünfecken, was dem traditionellen Aufbau eines Fußballs entsprach. Die 32 Polygone, alle in Weiss, wurden mit drei gleichen, halborganischen Grafiken in den Farben Rot, Grün und Gold bedruckt, welche mit der Struktur der Polygone nichts mehr gemeinsam hatte… Kein Meilenstein. Leider ging es bezüglich Design im gleichen Stil weiter, mit dem «Teamgeist» für die WM 2006 in Deutschland und dem «Jabulani» für die WM 2010 in Südafrika. Neu war bei den FIFA WM-Bällen ab 2006, dass sie nicht mehr aus der klassischen, 32-teiligen polygonalen Struktur bestanden, sondern aus organisch geformten, dreidimensionalen Panels. Der «Teamgeist» bestand aus 14 Panels, der «Jabulani» wurde aus acht Panels gefertigt. Die Form der Panels und das Design bilden eine Einheit, ohne jedoch gestalterisch die Klarheit eines «Telstar» oder «Tango»-Balls zu erreichen. Das gleiche gilt auch für den aktuellen WM-Ball «Brazuca», der aus sechs identischen Panels besteht.

Die neue Ballgeometrie in Form von Panels macht den Ball technologisch gesehen immer besser. Nur konnte das sichtbare Design mit der technischen Entwicklung bis heute nicht ganz mithalten. Ich freue mich auf den WM-Ball 2018, der hoffentlich an die glanzvollen Zeiten von «Telstar» und «Tango» anknüpfen kann, vieleicht heisst der Ball ja Matrjoschka

Tipp:
SRF – Brazuca» und seine Vorgänger: Die WM-Bälle seit 1930
ArchitekturCumulus – Göttlich Teilung… Post vom 22. Juni 2010


Was haben Architektur und Tattoos gemeinsam?

18. Mai 2014 von Patrick J. Schnieper  l  1 Kommentar

Bauen ist wie Tätowieren – einmal gemacht, bleibt es meist für lange sichtbar! Natürlich kann ein Tattoo wieder entfernt oder ein Haus zurückgebaut werden, aber beides ist relativ aufwändig und hinterlässt Spuren.tattoo_blog01

Gute Architektur braucht Erfahrung. Für viele, auch bekannte Architekten, sind die ersten gebauten Häuser oft Jugendsünden, die nicht gerne gezeigt werden… Oder eben Tattoos, die mit wenig Lebenserfahrung gemacht wurden. Ein Architekt hat das Privileg, die Umwelt zu gestalten, mit all seinen Konsequenzen. Wenn ein Haus nicht zu überzeugen vermag, müssen sich, bewusst oder unbewusst, viele Menschen damit auseinandersetzen. Banale Architektur ist genau so wenig Privatsache wie peinliche Tattoos!

Natürlich kann banale Architektur mit Bäumen und Büschen kaschiert und peinliche Tattoos unter der Kleidung versteckt werden, oder man gewöhnt sich einfach daran…

Fehler machen gehört zu jedem Menschenleben, aber bitte nicht zu oft und nicht zu dumm. Bei jedem Strich oder Nadelstich, zweimal überlegen was man macht. Ein schlechter Architekturentwurf, der ausgeführt wird, bleibt das ganze Leben an einem Architekten kleben, wie ein dummes Tattoo. Es gibt wenige Berufe, wo Unvermögen so hart bestraft wird.

Gut überlegte Architektur kann die Umwelt bereichern, genauso kann ein gut reflektiertes Tattoo einen Menschen positiv ergänzen.

Tipp: Musée du quai Branly Paris – Tattooists, Tattooed