ArchitekturCumulus

Smart Metropolitan Car – BMW i3

Ich werde mir einen BMW i3s kaufen, sobald die neue Batterie mit 45 kWh verfügbar ist und somit eine realistische Reichweite von 300 km möglich wird. Das Auto sollte diesen Sommer vorgestellt werden. Mit der neuen Batterie wird dieser kleine Flitzer eine richtig gute Alternative zu einem Verbrenner. Das heisst für mich als Luzerner, dass ich die beiden Metropol-Regionen Zürich und Basel mit einer Batterieladung problemlos erreichen kann und erst wieder Zuhause laden muss.

Das stufenlose Beschleunigen und das geräuschlose Dahingleiten machen das Fahren zu einem Erlebnis. Was mir speziell am BMW i3 gefällt, ist das smarte Gesamtkonzept. Das Auto wurde von Grund auf als Elektroauto entworfen. Das spürt man an seinem futuristischen Design: Grosse Räder, die den Rollwiderstand minimieren, oder die eigenständige Silhouette, welche sich speziell durch das abgesetzte Fenster in der Hintertür auszeichnet, mit der Idee, dass Kinder einen besseren Blick nach aussen haben.

Sehr vorteilhaft finde ich auch, dass das Auto nur 3.99 Meter lang ist, was das Parkieren in der Stadt zu einem Kinderspiel macht. Der Wenderadius beträgt lediglich 10 Meter! Auch ist die erhöhte Sitzposition sehr komfortabel bezüglich Übersicht, ähnlich einem SUV, was aus dem BMW i3 jedoch keinen Aerodynamik-Weltmeister macht. Die Carbon-Fahrgastzelle hat nicht nur Gewichtsvorteile, Carbon ist auch elastisch, so dass sich kleinere (Park-)Schäden selber wieder zurückbilden.

Ein entscheidender Punkt bei einem Elektroauto bezüglich Nachhaltigkeit ist, dass die Batterie nicht zu schwer ist. Die Batterie plus der Elektromotor sollten nicht schwerer sein als ein Verbrennermotor plus Getriebe, Abgasanlage und Tankfüllung. Die Batterie im aktuellen Modell wiegt ca. 260 kg und der Elektromotor 50 kg. Das ganze Auto ist durch die Carbon Hülle nur 1300 kg schwer. Im grosszügigen Innenraum werden Naturfasern verwendet und das Leder wird mit Olivenblättern umweltschonend gegerbt. Das Auto ist zu 95% recyclebar und wird aus 100% erneuerbarer Energie produziert.

Um die Idee des BMW i3 zu verstehen, sollte man das Auto hinsichtlich Design und Technik mit einem unvoreingenommenen Blick betrachten – oder testen. Das Fahren mit diesem Elektro-Flitzer macht richtig Spass!

Tipp

Mein erster Kurs als Dozent bei den Studierenden für Einrichtungsgestaltung an der HFTG in Zug

Als ich im letzten Sommer vom Schulleiter Andreja Torriani angefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, an der Höheren Fachschule für Technik und Gestaltung HFTG zu unterrichten, freute mich das sehr. Die HFTG bildet EinrichtungsgestalterInnen berufsbegleitend in zwei Modulen aus. Der Basislehrgang dauert 10 Monate und der Diplomlehrgang 15 Monate. Unterrichtet wird jeweils am Freitag den ganzen Tag sowie am Samstagmorgen. Mein Pensum im Basislehrgang für das Fach «Raumgestaltung und Funktion» beträgt 40 Lektionen plus die Vorlesung erarbeiten und die Arbeiten bewerten.

Schlussabgabe von Brigitta Marti, Iréne von Euw, Barbara Kuhnke – Klasse GE10

Nach einer Woche Bedenkzeit und Gesprächen mit Freunden habe ich entschieden, mich auf diese Herausforderung einzulassen…

Es war der richtige Entscheid. Die Schule gab mir eine Carte Blanche bezüglich Unterrichtsinhalt. Das Fach «Raumgestaltung und Funktion» lässt vieles zu! Ich wusste, dass die Personen, welche den Kurs besuchen werden, aus ganz unterschiedlichen Berufsrichtungen und Altersstufen stammen. Auf den ersten Blick schien dieser Aspekt herausfordernd: Von der Kindergärtnerin über die KV-Angestellte bis zur Architektin war alles dabei. Wie sich jedoch schnell herausstellte, spielen weder das Alter noch der Beruf wirklich eine Rolle, wie sich ein Student oder Studentin entwickelt. Viel wichtiger ist, dass man sich voll auf die Aufgaben einlassen kann und so eine Leidenschaft entwickelt für das was man macht.

Es war beeindruckend zu sehen, was die einzelnen Studierenden mit so unterschiedlichem Background in den nur drei Monaten, in denen ich sie unterrichtete, erreichten. Neben einem theoretischen Teil, wo die Grundlagen zum Thema Raum erarbeitet wurden, stand das Raummodell im Vordergrund, mit dem sich jede Studentin und jeder Student in drei Übungen zu verschiedenen Raumaspekten praktisch beschäftigte.

Es war für die Studierenden grösstenteils neu, sich so abstrakt mit dem Thema Raum zu befassen. Die drei Übungsabgaben wurden jeweils vor der ganzen Klasse präsentiert und besprochen. Für die Mehrzahl der Studierenden war das Modell bauen, das CAD sowie die grafische Gestaltung eines A3-Blattes Neuland. Die praktischen drei Übungen mussten die Studenten und Studentinnen am Abend und Wochenende zuhause bearbeiten, was neben einem 80% Arbeitspensum sehr anspruchsvoll ist. Ich habe grössten Respekt von den eindrücklichen Schlusspräsentationen, welche ich am letzten Schultag zu sehen bekommen habe!

Die Bewertungen der Arbeiten war anspruchsvoll. Eine gerechte Bewertung in diesem Fach braucht Zeit. Zeit die ich mir jedoch gerne genommen habe.

Ich freue mich nun auf meine zweite Klasse, welche ich im Oktober dieses Jahr das erste Mal unterrichten werde.

Tipp

  • Der Dokumentarfilm «Archiculture» begleitet fünf US-amerikanische Architekturstudenten des Pratt Institute bei Ihrer Thesis

Mein erstes Semester als Architekturstudentin

Das erste Semester des berufsbegleitenden Architekturstudiums liegt bereits hinter mir und ich befinde mich schon fast wieder in der Hälfte des zweiten Semesters. In diesem Blogbeitrag schildere ich einen Rückblick auf den Start meines Architekturstudiums an der Hochschule Luzern. Am Anfang ist die Mehrheit der Fächer so ausgelegt, dass in erster Linie interdisziplinär unterrichtet wird. Die fächerübergreifende Zusammenarbeit ist einer der Schwerpunkte der Hochschule Luzern für Architektur und Technik und wird schweizweit nur in Horw angeboten. Dabei arbeiten Architekten mit Innenarchitekten, Bauingenieuren und Gebäudetechniker zusammen. Diese Unterrichtstechnik soll die spätere Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen am Bau erleichtern. Den Studenten werden die gleichen Grundlagen beigebracht und jeder Studiengang wird dann fachspezifisch ergänzt.

Bei den Architekten ist dies das Entwurfsfach. Es nennt sich «Die Grundlagen der Architektur» und findet für alle Architekturstudenten im ersten Semester statt. Das Fach setzt sich aus verschiedenen Atelierthemen zusammen, die von den Studenten je nach Interesse gewählt werden konnten. Durch das Semester hindurch wurden die Studenten von den Dozenten, die die verschiedenen Ateliers führen, begleitet. Wöchentliche Tischkritiken und monatliche Zwischenkritiken halfen bei der Reflexion des eigenen Entwurfes und forderten jeden auf, seine Arbeit immer wieder von neuem zu überarbeiten.

Detailaufnahme aus dem Gipsmodell der Schlussabgabe.

Ich habe mich für das Atelier «Raum, Licht und Schatten» entschieden. Die Aufgabe für die Schlussabgabe war es, eine dreizellige Raumsequenz zu entwerfen. Die Räume sollten nutzungsneutral sein. Die gegebene Situation für unseren Entwurf war das Seeufer in Horw im Gebiet Winkel, welches nahe an der Hochschule Luzern liegt. Der erste Schritt war es, eine Beziehung zum Ort und zur Topographie herzustellen. Danach mussten wir uns mit den Räumen befassen, wie das Öffnungsverhalten sein sollte, damit eine spannende Lichtstimmung entstand. Das Ganze dokumentierten wir mit handgezeichneten Plänen und Gipsmodellen. Die Gipsmodelle waren einerseits sehr schön zum Anschauen, andererseits mussten wir uns beim Schalungsbau mit der Negativform des Raumes auseinandersetzen, was mir zu Beginn schwer gefallen ist. Jedoch war für mich der Schalungsbau am Schluss wie eine letzte Kontrolle, ob das Modell so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe.

Für mich war von Anfang an klar, dass ich im Architekturstudium meine Freizeit meistens in der Hochschule verbringen werde. Als berufsbegleitende Studentin ist es für mich ein Pendeln zwischen der Schule und dem Arbeitsplatz. Es bleibt wenig Freiraum für Privates. Jedoch kann ich rückblickend bestätigen, dass es sich gelohnt hat, diese vielen Stunden an der Schule zu verbringen. Ich habe sehr viel gelernt und freue mich bereits jetzt auf den nächsten Entwurf.

Tipps:

Meine Kolumne «Schlusspunkt» im RAUM UND WOHNEN

In der aktuellen Februar-Ausgabe Nr. 2/18 habe ich im Magazin RAUM UND WOHNEN meine erste eigene Kolumne mit dem markanten Namen «Schlusspunkt». RAUM UND WOHNEN, das führende Schweizer Magazin für Architektur, Wohnen und Design, hat eine Auflage von 27’000 Exemplaren und erreicht ca. 109’000 Leser pro Ausgabe.

Ausschnitt aus der aktuellen Kolumne «Schlusspunkt» im Raum und Wohnen 2/18

Auf der vielbeachteten letzten Seite habe ich die Gelegenheit, meine Beobachtungen und Gedanken zu bedeutenden Bauten in der Schweiz wie auch im Ausland – welche ich selber besucht habe – zu beschreiben und mit einem Foto zu bebildern.

In meinem ersten «Schlusspunkt» steht das Hotel Therme in Vals von Peter Zumthor mit dem Titel «Update» im Focus. Fast ein Heimspiel für mich, da ich oft in Vals bin. Denn mein bester Jugenfreund hat eine Valserin geheiratet, so habe ich die ganze Geschichte rund um die Therme Vals «hautnah» miterlebt…

Ich freue mich auf die nächsten Ausgaben von RAUM UND WOHNEN – und meinen «Schlusspunkt», wo ich weitere architektonische Perlen beschreiben und kommentieren darf.

Tipps:

Ein Eidgenössisches Planungs- und Baugesetzt muss her!

Die Schweizer Baugesetzgebung gleicht einem «Dschungel», in diesem gedeihen und wuchern verschlungen Gesetze und Verordnungen. Sie sorgen für unnötigen Aufwand und schaffen teure Ineffizienz. Konkret bedeutet dies, dass jeder Kanton über eigene Planungs- und Baugesetze verfügt, jeweils mit entsprechenden Verordnungen, Reglementen und Weisungen. Dem unterstellt sind die Bau- und Zonenordnungen der Gemeinden. Total gibt es in der Schweiz über 140’000 Gesetzes- und Verordnungsartikel im Planungs- und Bauwesen.

Eine massive Vereinfachung wäre ein Eidgenössisches Planungs- und Baugesetz. Dieses übergeordnete Gesetz würde für die ganze Schweiz die wichtigsten Parameter wie Fassadenhöhe, Geschossigkeit, Gebäudelänge, Nutzungsziffern, Grenzabstände, Strassenabstand und mehr einheitlich regeln. Bestrebungen in diese Richtung laufen bereits unter dem Begriff «Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der Baubegriffe» (IVHB).

Die beiden Skizzen zu Gebäudelänge – sie werden schon von einigen Kantonen angewendet – sind das Resultat der Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der Baubegriffe IVHB

Auf kantonaler Ebene würden nur noch übergeordnete Planungsaufgaben geregelt wie Richtpläne und Nutzungspläne.

Auf Ebene der Gemeinde gebe es weiterhin die Bau- und Zonenordnungen, welche Bauzonen definiert und ortsspezifische Besonderheiten regelt wie Firstrichtungen, Dacheindeckungen (Material), maximale Gebäudelängen und weitere lokale Regeln, die sinnvollerweise vor Ort gelöst werden müssen.

Das würde eine massive Vereinfachung für Bauherren, Planer aber auch Kantone und Gemeinden bedeuten. Heute «bastelt» jeder Kanton sein eigenes Planungs- und Baugesetz. Das Resultat ist oft nicht nur wenig erhellend sondern auch sehr aufwändig. Ein aktuelles Beispiel ist der Kanton Luzern, der die Ausnutzungsziffer (AZ) durch die Überbauungsziffer (ÜZ) ersetzen möchte, was grundsätzlich zu begrüssen ist und eine Vereinfachung darstellen sollte. Jedoch ist der Kanton nicht in der Lage, das Gesetz so auszuarbeiten, dass es nicht mit Dutzenden von Ergänzungen und Ausnahmen ergänzt werden müsste! Siehe auch den Beitrag vom vom 29. Juli 2015: Die neue Überbauungsziffer und ihre Schwachpunkte…

Ziel muss es sein, dass ein Eidgenössisches Planungs- und Baugesetz übergeordnetes Recht schafft, wie die Brandschutzvorschriften, welche seit 2015 gesamtschweizerisch geregelt sind. Dadurch wird eine weitere Kultivierung der Schweizer Architekturentwicklung erreicht. Und, Bauherren, Planer, Architekten, Beamte und Politiker laufen so weniger Gefahr, sich im «Dschungel» zu verirren.

Tipp:

Hudson Yards: «Vessel» – der Weg ist das Ziel!

«Vessel» soll die Besucher direkt vom «High Line Park» in die «Hudson Yards» locken. «Hudson Yards» ist momentan das Mega-Vorhaben in New York City. Am Ende des High Line Parks zwischen der 30. und 34. Strasse, entsteht über den Abstellgleisen der Penn Stadion, dem verkehrsreichsten Eisenbahnknotenpunkt in Nordamerika mit über 500’000 Besucher täglich, das Hudson Yards-Projekt. Eine Ansammlung von Hochhäusern mit Büros und Wohnungen, einer Shopping-Mall mit 100 Luxusshops und diversen Restaurants. Doch die zwei eigentlichen Hauptattraktionen werden «The Shed» und «Vessel» sein. «The Shed» ist eine multifunktionale Kunsthalle auf Schienen, welche einen Platz von 17’000 Quadratmeter überdecken kann. «Vessel» steht in direkter Nachbarschaft zu «The Shed» und ist eine »sinnfreie« Treppenanlage über den Gleisen der Penn Station.

«Vessel» zwischen den Hochhäusern von «Hudson Yards» über den noch sichtbaren Abstellgleisen der Penn Station (Fotos 05.10.2017 / pat)
Im Hintergrund ist «Vessel» zu sehen – vorne ein Teil der fahrbaren Dachkonstruktion von «The Shed»

«Vessel» hat 2’500 Stufen, ist 600 Tonnen schwer und 45 Meter hoch. Der britische Designer Thomas Heatherwick liess sich von den indischen Stufenbrunnen inspirieren. Die Analogie mit den indischen Stufenbrunnen ist stimmig – mit einem kleinen Hacken für uns Besucher: Das Wasser folgt immer dem Weg des geringsten Widerstandes – nach unten – und wir sollen uns »sinnfrei« von unten nach oben schlängeln, über acht kranzartige Balkone. Bis heute war das freiwillige Treppensteigen immer mit der Belohnung verbunden auf dem höchsten Punkt einer Gegend zu stehen. «Vessel» macht da zwischen den «Hudson Yards»-Hochhäusern eine Ausnahme. Bis ins Jahr 2025 sollen in direkter Nachbarschaft zu «Vessel» total 15 High-Riser gebaut werden, und  «The Hudson Spire» soll mit 549 Metern das höchste Hochhaus in Manhattan werden und so das One World Trade Center um 8 Meter überragen, «Vessel» sogar um 504 Meter! Die «sinnfreie» Treppenanlage ist gerahmt von einer beeindruckenden Kulisse von Hochhäusern, mit Sicht auf die Urban Plaza, welche über den Gleisen der Penn Station zu stehen kommen soll und so ein angemessenes Ende für den sehr beliebten High Line Park bildet. Siehe auch Post vom 18. Oktober 2011: The High Line Park – again and again…

«Vessel» – ein meditatives Treppensteigen frei von Zielen: Der Weg ist das Ziel – ich freue mich auf den Herbst!

Tipps:

Swiss Engineering publiziert in der aktuellen Ausgabe meine drei «BIM»-Posts!

In der November Ausgabe der Zeitschrift «Swiss Engineering» werden unter dem Titel «Die Methode steht erst ganz am Anfang» meine drei «BIM»-Blogbeiträge, die ich letztes Jahr auf ArchitekturCumulus geschrieben habe, publiziert. Der Grund, warum Thomas Meier, Chefredaktor der Zeitschrift Swiss Engineering, die Blog-Serie publiziert: «Da ist jemand, der sich positiv kritisch mit dem Thema BIM beschäftigt hat.»

Der Begriff «BIM» bekommt eine immer stärkere Kontur

Diese Aussage freut mich natürlich. Ich begrüsse es sehr, wenn sich möglichst viele in der Baubranche mit dem Thema vertraut machen, um sich so auf Augenhöhe mit CAD-Distributoren und anderen austauschen zu können. Ich habe einige Rückmeldungen auf meine letztjährigen drei BIM-Posts gehabt: Es haben sich Architekten, CAD-Distributoren und Studenten bei mir gemeldet.

Dass sich jetzt die führende Fachzeitschrift «Swiss Engineering» – mit über 10’000 abonnierten Exemplaren das auflagenstärkste polytechnische Fachmagazin in der Deutschschweiz – dem Thema BIM annimmt, tut der Debatte nur gut.

Tipps:

Callwey Verlag & DAM: «Häuser des Jahres 2017»

Am 28. September erschien das neue Jahrbuch «Häuser des Jahres» im Callwey Verlag. Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) lobte 2017 zusammen mit dem Callwey Verlag zum siebten Mal den Wettbewerb «Häuser des Jahres» aus.

Haus Stigler in Rieden SG: Doppelseite aus dem Buch «Häuser des Jahres 2017»

Letztes Jahr wurden wir angefragt, ob wir uns am Wettbewerb – die 50 besten von Architekten geplanten Einfamilienhäuser im deutschsprachigen Raum – mit einem aktuellen Projekt beteiligen möchten. Wir entschieden uns, das Haus Stigler in Rieden ins Rennen zu schicken. Unsere Eingabe hat es zusammen mit 49 anderen Projekten aus 150 Einreichungen geschafft, im Jahrbuch «Häuser des Jahres» publiziert zu werden.

Für einen Preis hat es letzten Freitag an der Preisvergabe in Frankfurt leider nicht gereicht. Stolz sind wir trotzdem, im Buch vertreten zu sein.

Tipp:

Mein Studiengang Architektur

Für mich war schon während des Gymnasiums klar, dass meine berufliche Orientierung im Bereich der Gestaltung liegen würde. Mir war bewusst, dass künstlerische und gestalterische Berufe in unterschiedlichen Berufsfelder vorzufinden sind. Beim Grafiker oder Fotografen fehlt mir in der Arbeit die dritte Dimension – ich habe nichts Greifbares, sondern oft nur eine Datei in der «Hand»!

Hinzu kommt, dass man hinter solchen Arbeiten den Prozess nicht erkennt und das Ganze von vielen unterschätzt wird. Man sieht das fertige Produkt und es scheint selbstverständlich, dass es so sein muss. Hingegen kann man in der Architektur etwas entwerfen und bauen, etwas das nicht nur mit Ästhetik, sondern auch mit Masse und Grösse beeindrucken kann, denn das ist etwas, was mich jedes Mal von neuem fesselt.

Mein Blick auf das Innere vom Louvre, während meiner Interrailreise im August.

Ein Beispiel dazu war für mich letzten Sommer, als ich im Louvre stand, angelehnt an eine Säule; den Blick in den Innenraum mit den unzählig vielen Leuten und der riesigen Wendeltreppe gerichtet. Man beobachtet, wie alle Leute daran vorbei ziehen, und es wird einem bewusst, wie unwichtig klein der Mensch neben solch einem monumentalen Gebäude ist. In solchen Momenten fasziniert mich die Architektur am meisten, weil sie mir dann überlegen ist.

Letztes Jahr, als ich mein Praktikum angefangen hatte, war meine Sichtweise in die Architektur unschuldig. Ich hatte einen jungfräulichen Blick auf vieles. Ich unterschied mehrheitlich zwischen schön und weniger schön, auch fehlte mir die Achtsamkeit für die Details. Aber bereits jetzt kann ich  erkennen, wie sich die Sicht auf Vieles in diesem Fachbereich ändert.

Die Erwartungen an mein Praktikumsjahr waren, dass ich den Einblick in das Berufsleben eines Architekten bekomme. Ich wollte nicht nur sehen, was das Studium mit sich bringt, sondern was mich danach erwartet.
Nach kurzer Zeit wurde mir schon klar, dass die Wahl, Architektin zu werden, für mich einen lebenslänglichen Lernprozess mit sich bringen würde. Man wird täglich mit Herausforderungen konfrontiert. Die Mehrheit dieser Hindernisse sind oft unvergleichbar mit den Vorherigen und so muss man sich immer wieder von vorne mit verschiedenen Problemstellungen auseinandersetzen. Es scheint mir, es ist nicht nur eine der schwierigsten Aufgaben dieser Tätigkeit, es ist auch gleichzeitig eine der spannendsten. Das Wichtigste ist, dass diese Hürden einen immer wieder von neuem belehren, denn Architektur ist ein Beruf, in dem man mit dem Alter und den Erfahrungen aufblüht.
Stetiges Interesse und Achtsamkeit scheinen der Schlüssel zum Erfolg zu sein.

Auf mich kommen nun vier Jahre berufsbegleitendes Studium zu. Ich werde drei Tage in der Woche arbeiten und nebenbei zweieinhalb Tage die Hochschule für Architektur & Technik in Horw/Luzern besuchen. Mir ist klar, dass es nicht der einfachste Weg zu meinem Ziel ist, jedoch erhoffe ich mir davon, dass ich Gelerntes aus dem Studium während der Arbeit in die Praxis umsetzen kann. Ich stelle mir diese Form des Studiums so vor, dass die Arbeit und das Studium sich gegenseitig ergänzen.
Im Studium werde ich anhand von Projekten und in Zusammenarbeit mit den Mitstudenten lernen, wie ich Dinge entwickeln und hypothetisch erschaffen kann. Bei der Arbeit habe ich den Gegenpol. Dort kann ich lernen, was wirklich möglich ist.

Ich denke, das letzte Jahr war das nötige Fundament, um jetzt im Studium weiter darauf aufzubauen.
Ich bin sehr gespannt, ob meine Erwartungen im kommenden Jahr so bestätigt werden, wie ich sie mir vorstelle. Vielleicht gibt es ja in einem Jahr dann einen zweiten Blogbeitrag, wo ich rückblickend mein erstes Studienjahr beurteile.

Tipp:

Landschaft | Treppe | Dach…

Eine Architekturikone, die mit unseren Sehgewohnheiten spielt, ist die Villa Malaparte aus dem Jahre 1942 südlich von Neapel auf Capri. Das Haus hat sich in meinem Kopf als Bild fest eingebrannt.

Ich besuchte 1993-1994 als Gast neben meinem eigentlichen Architekturstudium in Horw die legendären Vorlesungen von René Furer im Fach Architekturtheorie an der ETH Zürich auf dem Hönggerberg. Die «Furer-Show» mit den zwei grossen Dia-Projektoren und seinen witzigen & bissigen Kommentaren zu den gezeigten Fotos – die unzähligen gezeigten Fotos hat er alle selber gemacht – war für mich als junger Architekturstudent eindrücklich.

Casa Malaparte: Filmscene aus «Le Mépris» von Jean-Luc Godard 1962

Irgendwann tauchte auch die Casa Malaparte in der Diashow-Vorlesung auf. Ich kannte die Villa bis zu diesem Zeitpunkt nicht, und Furer dozierte in seiner ruhigen und trockenen Art über diese Architekturikone. Ich wurde wie vom Biltz getroffen, Landschaft und Architektur in einer so spannungsvollen Weise zu sehen. Das blaue Meer, die grauen Felsen, die grünen Sträucher und die rote Villa.

Die Villa zeichnet sich architektonisch durch ihre fünfte Fassade aus, die durch zwei Elemente geprägt ist: eine trapezförmige Treppe, die aussieht wie eine Felsrippe, sowie eine rechteckige Dachterrasse, welche sich geradezu als UFO-Landeplatz anbietet. Die Dachterrasse wie auch die Treppe sind ohne Brüstung oder Geländer ausgeführt: Einzig ein backsteinbreites Sockelrelief, das den Übergang zwischen Horizontale und Vertikale subtil definiert, macht auf den drohenden Abgrund aufmerksam. Fehltritte können lebensgefährlich sein, Spannung pur! Die Horizontale der Terrasse wird nur durch eine organisch geformte, weisse Mauer, welche sich Richtung Meer öffnet, räumlich gegliedert.

Bei der Casa Malaparte wurde mir innerhalb eines Bruchteil einer Sekunde klar, was die fünfte Fassade für eine Bedeutung haben kann… landschaftlich wie auch architektonisch!

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