ArchitekturCumulus

Webseite 2.0

«Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.» Das gilt speziell für die noch junge Welt von Webseiten – 2’500 Jahre nach dem viel zitierten Zitat von Heraklit.

Im Jahr 2005, als wir noch unter dem Namen Schnieper Keller Architekten die Homepage aufschalteten, gab es in der Schweiz 700’000 Webseiten. Heute – 10 Jahre später – sind es ca. 2 Millionen. Die Anzahl ist das eine, die inhaltliche Entwicklung das andere. Was vor ein paar Jahren «state of the art» war, ist heute längst Schnee von gestern.

Die digitale Welt bewegt sich in einem rasanten Tempo. Für die Überarbeitung meines Internetauftrittes heisst das, die Zukunft möglichst gut zu antizipieren, ein Gespür zu entwickeln für die nähere Zukunft. Das setzt voraus, die Besucherbedürfnisse möglichst gut zu kennen, um die richtigen Inhalte im richtigen Format anzubieten und ausserdem, eine Software einzusetzen – WordPress als CMS und Bootstrap als Framework – die auch in der näheren Zukunft eine Rolle spielen wird. Zusätzlich muss eine Onlineauftritt heutzutage responsiv sein, was bedeutet, dass der ganze Inhalt auf allen Gerätetypen – vom Desktop über das Tablet bis hin zum Mobile – einwandfrei dargestellt und bedient werden können muss, ohne Kompromisse.

Grössenvergleich: links Webseite 1.0 von 2005 bis 2015 - rechts Webseite 2.0 Desktopversion ab Mitte 2015
Vergleich: links Webseite 1.0 von 2005 bis mitte 2015 – rechts Webseite 2.0 Desktopversion

Mit diesen Voraussetzungen bin ich an die Überarbeitung der Webseite gegangen. Es sollte eine Internetseite werden, die sowohl auf der Desktop- wie auch auf der Mobile-Ansicht einheitlich aussieht; der Besucher sollte graphisch und inhaltlich das identische Erlebnis haben. Die Idee ist das eine, die technische Umsetzung das andere. Für die technische und funktionale Umsetzung hatte ich mit Aldo Bombelli von Skouhus & Bombelli Luzern einen sehr kompetenten Partner, welcher mich entscheidend bei der Entwicklung der neuen Seite unterstützt hat.

Der technische Fortschritt bezüglich Bildgrössen, Pixeldichte und Internetgeschwindigkeit verlangte meinerseits eine totale Überarbeitung aller Pläne und Fotos, was über 800 grafischen Dokumenten entspricht. Ich musste also die graphischen Inhalte neu in einer Bildbreite von 4000 Pixeln aufbereiten, was eine zukünftige noch höhere Pixeldichte bereits berücksichtigt.

Vor 10 Jahren hatte ich viele Ideen, jedoch war technisch nicht alles machbar. Heute ist das Gegenteil der Fall: Alles ist möglich, die Schwierigkeit besteht nur noch darin, die richtigen Entscheidungen zu treffen: Wie in so vielem in unserem heutigen Leben…

Raum und Wohnen Nr. 5/15: «Die perfekte Kurve»

Raum und Wohnen, das Schweizer Magazin für Architektur, Wohnen und Design, widmet sich in der Mai-Ausgabe 2015 auf zwölf Seiten dem Haus «Sunnerain» in Hertenstein bei Weggis.

Raum und Wohnen Nr. 5/15 – Seite 44

Bis zur perfekten Kurve waren einige Hürden zu überwinden… Ich war nicht der erste Architekt, der sich auf diesem schönen Grundstück mit den stark einschränkenden Servitutsauflagen* gemessen hat: Eine Durchfahrt (Durchfahrtsrecht) auf der Nordostseite musste gewährleistet sein. Das Haus durfte nur zweigeschossig in Erscheinung treten (Höhenbegrenzung), nach Baugesetz wären zwei Geschosse plus Dachgeschoss möglich gewesen. Auch die Gebäudetiefe in südwestlicher Richtung war durch eine zweite Höhenbegrenzung begrenzt. Des weiteren war eine Grenzabstandserweiterung gegen Nordwesten einzuhalten.

Die Idee, die Kurve der Sunnerainstrasse in die Gebäudeform aufzunehmen – form follows function – und ein Atrium hinter der konkaven Fassade anzufügen, ermöglichte die natürliche Belichtung des Elternschlafzimmers und des dazugehörigen Bads, ohne die nötige Privatsphäre preiszugeben. Die Schlafräume mussten im Untergeschoss untergebracht werden, da aus dem oben beschriebenen Grund auf ein Dachgeschoss verzichtet werden musste.

In der Reportage «Die perfekte Kurve» von Katrin Montiegel werden viele weitere Details beschrieben, die dieses Haus so einzigartig machen, trotz oder vielleicht gerade wegen den relativ einschränkenden Servitutsauflagen.

*Die Servitutsauflagen beziehen sich auf das Nachbarshaus in nordwestlicher Richtung.

Die Schwierigkeit der Entscheidungsfindung im «unverbindlichenunendlichen» Zeitalter…

Bauen bedeutet, sich für etwas zu entscheiden, eine Wahl zu treffen aus einer endlichen Auswahl. Entscheidungen beim Bauen können nicht so einfach rückgängig gemacht werden, was dem digitalen «Unverbindlichenunendlichen» wiederspricht.

Wir sind uns heute gewohnt, in vielen Situationen relativ unverbindlich durchs Leben zu gehen, dank der Online-Kommunikationsmöglichkeiten, die das Nicht-Entscheiden-Müssen fördern, was vielen entgegenkommt – nicht nur der «Generation Maybe». Die Angst zu entscheiden wird einem durch das digitale «Unverbindlicheunendliche» abgenommen. Was beutetet das für unsere Lebensweise: Vieles ist oft im Fluss, eine «definitive» Entscheidung wird für viele immer schwieriger, eventuell kommt noch etwas besseres… Eine unendliche Informationsflut in einem noch nie dagewesenen Tempo. Eine gute Entscheidung zu treffen bedeutet, das richtige Gefühl für etwas zu entwickeln. Das richtige Gefühl entwickeln kann nur, wer ein gesundes Fundament an Wissen und Reflexionfähigkeit hat. Zwei Grundlagen, welche viele Menschen durch den oberflächlichen Gebrauch der digitalen Möglichkeiten und der daraus resultierenden Lebensweise kaum noch erlangen. Das Wissen und die Reflexion bleibt oft knapp, was für wichtige Entscheidungen nachteilig sein kann…

«Architektur-Margerite» Soll ich bauen - soll ich nicht bauen - soll ich...
«Architektur-Margerite» Soll ich bauen – soll ich nicht bauen – soll ich…

Was für das Leben gilt, gilt auch für die Architektur. Nur wenige nehmen sich die Zeit, sich mit etwas genauer auseinanderzusetzen. Für gute Architektur reicht es nicht, wenn sich der Architekt im Idealfall vertieft mit einer Fragestellung auseinander setzt. Auch der Bauherr sollte sich genügend Zeit nehmen, um nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Ein Haus ist keine App, welches mit einem einfachen Update neu gestaltet werden kann. Das Spannungsfeld zwischen den «unverbindlichenunendlichen» digitalen Möglichkeiten, wo das ständige Anpassen immer möglich ist, versus der verbindlichen und endlichen archaischen Architektur, wo das Ändern nachträglich nur schwer möglich ist, wird für viele immer grösser.

Niemand will oder kann entscheiden, man ist sich schon gewohnt, vieles immer wieder anzupassen, oft unreflektiert aufgrund von neuen Informationen… diese Art zu Leben und Arbeiten führt zu Konflikten – nicht nur in der Architektur, wo Entscheidungen von einer gewissen Tragweite gefällt werden müssen. Wenn wir nicht mehr lernen, reflektierte Entscheidungen zu treffen, und auch die Verantwortung dafür zu übernehmen und auszuhalten, führt das früher oder später zu unangenehmen Situationen. Das Wechselspiel in der Entscheidungsfindung zwischen Input- und Reflexionsphase sollte gelernt sein, gerade bei den «unverbindlichenunendlichen» Informationsmöglichkeiten von heute, um Entscheidungen mit Tiefgang zu treffen.

Grundlage guter Entscheidungen ist das Beobachten, die Achtsamkeit… Achtsamkeit braucht jedoch Ruhe und Zeit, da gibt es keine Abkürzungen, auch nicht in Form der «unverbindlichenunendlichen» digitalen Hilfsmittel.

Wer nicht selber mit einer gewissen Weitsicht entscheiden kann, für den wird irgendwann entschieden…

db Nr. 3/15: Schwerpunkt Putz – Schulhaus Krauer in Kriens

Das Schwerpunktthema der März-Ausgabe 2015 der Deutschen Bauzeitung «db» ist dem Putz gewidmet.

DB--_003_2015_0001_P40614Ich wurde anfangs Jahr von «db»-Redakteur Martin Höchst bezüglich einer Publikation zur Fassadensanierung des Schulhaus Krauer in Kriens angefragt. Es ist schön und ein gutes Zeichen, wenn für einen Bau, der 2009 fertig gestellt wurde, immer noch ein Interesse für eine Publikation besteht.

Die fünf verschiedenen Putzstrukturen beim Schulhaus Krauer stehen in ihrem Ausdruck und in ihrer Materialqualität für einen Trend, der sich in den letzten Jahren noch verstärkt hat: Weg vom glatten, schnell und kostengünstig aufgetragenen Kunststoffputz, hin zur expressiveren, grobkörnigeren verputzten Hausfassade in mineralischen Qualität, die das sinnliche und naturnahe Wohnen verbindet.

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Der Beitrag «Stilgerechte Kruste» von Manuel Pestalozzi, beschreibt auf fünf Seiten die architektonische Idee der fünf verschiedenen Putzstrukturen, welche die Sichtbetonfassaden aus dem Jahr 1972 optisch durch eine ausdrucksstark verputzte Aussendämmung ersetzten.

Tipp:
2012 – Coviss Nr. 6 «Strukturgebende Putzsubstanz ersetzt Sichtbeton»

Architekturgeschichte: Vorlesungen von Dr. André Meyer

Ich hatte leider nur zwei Semster Architekturgeschichte am Abendtechnikum der Innerschweiz (Atis) in Horw. Jedoch standen die Vorlesungsabende in den Jahren 1995 bis 1996 immer für den Wochenhöhepunkt an unserer Schule! Unser Dozent Dr. André Meyer war in dieser Zeit in verschiedenen Funktionen für das Bundesamt für Kultur am Europarat in Strassburg tätig. Als ehemaliger Kantonaler Denkmalpfleger des Kanton Luzern und mit einer Ausbildung in Architektur- und Kunstgeschichte an der Universität Zürich, eine bestens geeignete Persönlichkeit aus Luzern.

P 0000 jul architekturgeschichtEs gab in den Vorlesungen keine Unterlagen, wir mussten uns selber eine Zusammenfassung mit den dazugehörigen Plänen und Bildern schreiben, und das alles vor der bequemen digitalen Suche… Am Ende aller Vorlesungen hatten wir eine mündliche Diplomprüfung zu bestehen.

Ich nahm mir vor, jede Vorlesung auf einem A4-Blatt zusammenzufassen, nur das Wichtigste – was natürlich sehr subjektiv ist – um so eine Grundlage zu haben für die Vorbereitung auf die Diplomprüfung. Den Text schrieb und gestaltete ich auf Adobe PageMaker, das Vorgängerprogramm von Adobe InDesign. Bilder und Pläne kopierte ich aus Büchern und klebte sie zwischen den Text und kopierte dann das ganze noch einmal… Übergang von der analogen in die digitale Zeit!

Architekturgeschichte ist Grundlage, um sich bewusst mit Architektur auseinanderzusetzen. Architektur steht immer im Spannungsfeld von Gesellschaft, Technologie, Politik, Religion und Kunst. Dr. André Meyer hatte die Gabe, in packender Art und mit guten Vergleichen, wichtige politische und religiöse Ereignisse, technische Entwicklungen und Einflüsse der Kunst auf die Architektur uns in nur 31 Vorlesungsabende näher zu bringen und die Neugierde in uns zu wecken für eine selbständig vertiefte Betrachtung.

Die Vorlesungen in Architekturgeschichte von Dr. André Meyer, zusammengefasst von mir, ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit, unter dem selbstgewählten Titel «Von der Minoischen Kultur bis zum Englischen Garten», finde ich einen guter Einstig in die Geschichte der Architektur, auch für nicht ArchitektInnen.

Architekturgeschichte öffnet einem die Augen für vieles – man kann nur sehen, was man weiss – und Wissen kommt von Bildung.

Tipp:
Architekturgeschichte: Von der Minoischen Kultur bis zum Englischen Garten (Atis Horw: A46 / Dozent: Dr. André Meyer / Zusammenfassung: Patrick J. Schnieper)

Edition Hochparterre – Grundrissfibel Alterszentren

Inhaltsseiten für Wettbewerbsbericht

Im November 2014 erschien die Publikation Grundrissfibel Alterszentren, ein Büchlein, das 44 Architekturwettbewerbe in der Schweiz zwischen 2002 und 2014 beleuchtet. Jedes der 240 Projekte wird auf einer Doppelseite in Form von Plänen, mit Figurgrund, Erdgeschoss, Regelgeschoss und Schnitt vorgestellt.

Darin ist auch ein Beitrag von unserem Büro vertreten: Projektwettbewerb Alters und Pflegeheim «Da Casa Val Lumnezia» in Vella, in welchem wir 2009 den 4. Rang ereichten. Schon 2009 wurde im “hochparterre.wettbewerbe” Nr. 3 unser Wettbewerbsbeitrag vorgestellt.

Ein gelungenes Nachschlagewerk, welches in jedes Architekturbüro gehört, das sich mit Alterszentren beschäftigt!

Raum und Wohnen Nr. 12/14 ⋅ 1/15

blog_17.12.14Unter dem Titel: «Die Leichtigkeit des Steins» erscheint heute, 17. Dezember 2014, in der Zeitschrift Raum und Wohnen eine 13-seitige Reportage über das Haus Meyer-Berni in Vals.

Die Idee, eine Winterreportage zu machen, wurde zur Geduldsprobe für die Fotografin Francesca Giovanelli aus Birr. Eine Winterreportage braucht Schnee – am besten 50 cm Neuschnee – und blauen Himmel… Und genau das sollte nicht sein im Winter 2012/13. Dieses Jahr am 7. und 8. Februar 2014 hat es dann geklappt. So kann es dann schon drei Jahre dauern von der Idee bis zur Publikation einer Reportage.

Eine gute Idee braucht oft etwas länger Zeit… auch beim Bauen!

Villa Arpel – Symbol für spiessige Modernität?

Wer Jacques Tatis Oscar-gekrönte Filmkomödie «Mon Oncle» einmal gesehen hat, wird sie nie mehr vergessen. Die Villa Arpel steht im Zentrum dieses zeitkritischen Films aus dem Jahre 1958, welcher den ungebrochenen französischen Fortschrittsglauben auf amüsante Art auf die Schippe nimmt. Die Villa – ein supermodernes Haus in gestalterischer wie technischer Hinsicht – lässt die Bewohner sonderbar angestrengt aussehen; die Antithese zur Villa Kunterbunt von Pippi Langstrumpf…

blog_14.11.14
Villa Arpel mit den charakteristischen Bullaugenfenster und Fischspringbrunnen im Garten

Das Haus steht für das moderne Nachkriegsleben der französischen Elite: Was technisch machbar war, wurde im Haus integriert, die Technik hat den Menschen zu dienen. Auch der architektonische Ausdruck des Hauses verkörpert diese Modernität: Ein Manifest geometrischer Grundformen, welche für Fortschritt stehen. Alles scheint kontrollierbar… Nur das Leben der Bewohner nicht, durch die vielen gestalterischen und technischen Tücken, die so ein modernes Haus bietet. Der Fischspringbrunnen und seine Bewohner bilden einen schönen Kontrapunkt zum Formalismus von Haus und Garten.

Wo sind die Grenzen der Gestaltung in der Architektur? All dies wird in diesem Film auf unterhaltsame Weise aufgezeigt. Alles ist arrangiert und klinisch sauber. Die Architektur als Kunstwerk – «Bitte nicht berühren». Eigentlich stören nur die Arpels mit ihrem Sohn Gérard und ihren Gästen die durchdachte Ästhetik.

Irgend jemand hat mal gesagt: «Was ein Klo hat, kann keine Kunst sein».

Aufgelockert wird das Ganze durch den arbeitslosen Onkel, Monsieur Hulot, welcher der beste Freund des 9jährigen Sohns Gérard ist, ihn regelmässig von der Schule abholt und natürlich mit der Technik auf Kriegsfuss steht!

Tipps:
Jacques Tati Mon Oncle – Trailer / DVD
The Magnificent Tati – Film
Mon Oncel – Poster

Herzog & de Meuron: «Legohochhaus» in Tribeca New York

0171blog23.10.14Die Basler Architekten bauen natürlich auch in Manhattan. Das erste Projekt war ein «kleineres» Apartment Gebäude an der 40 Bond Street. Aktuell wird eifrig an einem stattlichen Hochhaus mit 60 Stockwerken und 146 Luxus-Wohnungen mit dem Namen 56 Leonard Street im Süden von Manhattan gebaut. Der Start verlief harzig: Im Herbst 2008 wurde die Sales & Design Gallery an der 75 Leonard Street eröffnet, die ich mit dem Fotografen Alex Kayser am Abend des 28. Septembers 2008 zufällig besichtigen durfte… Ein Nachtwächter öffnete uns die Tür und zeigte uns voller Stolz den ganzen Showroom! Eine eindrückliche Verkaufs-Location. Der Baustart war dann 2009. Die Arbeiten dauerten nicht lange; nach den Fundationsarbeiten wurde der Bau wegen der Rezession eingestellt. Diesen September, als ich für drei Wochen am 211 West Broadway und Franklin Street wohnte, eine Strasse nördlich von der Leonard Street, konnte ich jeden Tag zuschauen, wie am «Legohochhaus» die ersten Fenster und Glas-Balkonbrüstungen von Wohnungen über den Sockelnutzungen montiert wurden, jede Woche ein Geschoss.

Charakteristisch für den architektonischen Ausdruck sind die auskragenden Balkone und Erker, welche in unregelmässigen Lagen und Abständen angeordnet sind. Die Unregelmässigkeit der beiden auskragenden Gebäudeteile nimmt mit zunehmender Gebäudehöhe zu. Ein weiteres gestalterisches Element sind die Sichtbeton-Decken in unterschiedlichsten Stärken, die von innen nach aussen durchlaufend ausgeführt sind. Die konkave Formgebung der Beton-Deckenstirnen ist nur aus sehr kleiner Entfernung erkennbar. Neben Beton ist Glas das zweite markante Element, das gleichzeitig die Wohnungs- und Balkonbegrenzung bildet.

0170blog23.10.14Das Thema Balkon bekommt mit diesem Hochhhaus eine ganz neue Dimension. Normalerweise haben Häuser mit einer Gebäudehöhe von über 300 Metern Höhe keine Balkone. Dazu sind die Balkonbrüstungen dreiseitig aus Klarglas.

Die äussere Erscheinung des Hochhauses ist in meinen Augen nicht besonders gelungen. Die vielen unregelmässig nach aussen laufenden Betonplatten wirken unfertig und fragil. Eine klare Struktur, die dem Haus Ruhe und Kraft geben würde – zwei Elemente, die ein gutes Hochhaus ausmachen, fehlt. Die Fassadenreinigung mit den vielen zufällig vorspringenden Gebäudeteilen dürfte nicht ganz einfach werden. Auch die hochglanzpolierte, organisch geformte und in den Eingangsbereich gedrückte Chromstahl-Skulptur von Anish Kapoor, die in einem starken Kontrast zur geometrischen Architektur von Herzog & de Meuron steht, kann nicht wirklich überzeugen.

Die unregelmässige geometrische Struktur des Hochhauses erinnert an Legosteine, die von einem Kind zufällig und ohne Plan gestapelt wurden, bis der Turm schliesslich kippt. Die Wohnungen sind bis auf zwei alle verkauft, zu einem Quadratmeterpreis von 30’000 Franken. Der Markt hat bekanntlich ja immer recht… Was braut sich da am Börsenhimmel zusammen?